Das Cellokonzert Nr. 1 Es-Dur op. 107 ist das erste Cellokonzert von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch aus dem Jahr 1959. Er widmete es dem Cellisten Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch, der sein Schüler und ein guter Freund war.
Das Konzert entstand in einer Zeit, in der das Erbe von Josef Stalins Kulturbürokratie während der Tauwetter-Periode langsam überwunden wurde. Unter Stalin hatten bedeutende Teile von Schostakowitschs Kompositionen als „volksfremd und formalistisch“ gegolten. Das Konzert gilt als Teil der musikalischen Abrechnung Schostakowitschs mit Stalin. Am 4. Oktober 1959 wurde das Cellokonzert im Großen Saal der Leningrader Philharmonie durch Mstislaw Rostropowitsch mit den Leningrader Philharmonikern unter der Leitung von Jewgeni Mrawinski uraufgeführt.
Die treibenden Bewegungen und der tänzerische Übermut des ersten und dritten Satzes stehen der Melancholie des zweiten Satzes gegenüber. Er entfaltet zwei kantable Themen, auf die der dritte Satz noch einmal Bezug nimmt. Ein Sarabandenrhythmus und schlichte folkloristische Melodiebildungen mit vereinzelten Leierkastenklängen und flüchtigem Flageolett des Cellos geben diesem Satz jene berührende Eindringlichkeit, wie sie auch für andere Werke Schostakowitschs typisch ist. Ihr Effekt beruht unter anderem darauf, dass das Soloinstrument durch Flageolett die höheren Töne gegenüber den Diskantstreichern spielt. Der dritte Satz ist eine Kadenz oder ein „Monolog“ für das Solocello.
Der atemlose Schlusssatz ist von sprühender Virtuosität geprägt. Er greift auf das Hauptmotiv des ersten Satzes zurück. Zudem zitiert er das Lieblingslied Josef Stalins, „Suliko“.
Ähnlich seinem 1. Klavierkonzert ist der Solostimme ein weiteres Instrument, in diesem Fall ein Horn, mit verschiedenen Solopartien zur Seite gestellt. Eine besondere Stellung im Konzert nimmt zudem die Pauke ein, die als Widerpart der Cellostimme fungiert, immer wieder Brüche im melodischen und rhythmischen Ablauf erzeugt und in Kombination mit der Chromatik im vierten Satz einen bedrohlich Charakter bekommt.
The Cello Concerto No. 1 in E-flat major op. 107 is the first cello concerto by Dmitry Dmitrievich Shostakovich from 1959. He dedicated it to the cellist Mstislav Leopoldovich Rostropovich, who was his pupil and a good friend.
The concert was written in a time when the legacy of Josef Stalin’s cultural bureaucracy was slowly overcome during the thawing period. Under Stalin, significant parts of Shostakovich’s compositions had been considered „alien and formalistic“. The concert is considered part of the musical settlement of Shostakovich with Stalin. On October 4, 1959, the Cello Concerto in the Great Hall of the Leningrad Philharmonic was premiered by Mstislav Rostropovich with the Leningrad Philharmonic under the direction of Yevgeny Mrawinski.
The driving movements and the dance-like exuberance of the first and third movement are juxtaposed with the melancholy of the second movement. He unfolds two cantabile themes, to which the third movement refers again. A sarabande rhythm and simple folkloristic melodic formations with isolated lyre box sounds and fleeting harmonics of the cello give this movement the touching intensity that is typical of other works by Shostakovich. Their effect is based, among other things, on the fact that the solo instrument plays the higher notes over the treble strings through flageolet. The third movement is a cadence or a „monologue“ for the solo cello.
The breathless final movement is characterized by sparkling virtuosity. He refers back to the main motive of the first movement. He also quotes Josef Stalin’s favorite song, „Suliko“.
Similar to his first piano concerto, the solo part is another instrument, in this case a horn, with different solo parts set aside. A special position in the concert also takes the timpani, which acts as an antagonist of the cello, repeatedly breaks in the melodic and rhythmic process generated and gets in combination with the chromaticism in the fourth movement a threatening character.
Die Sonate Nr. 9 a-Moll KV 310 (300d) (von der Zählweise des Köchelverzeichnisses her Nr. 8) von Wolfgang Amadeus Mozart ist eine Klaviersonate in drei Sätzen. Sie gehört zu einem Zyklus von drei Sonaten, die zwischen 1777 und 1778 im Verlauf einer längeren, von Mannheim nach Paris führenden Gastspielreise entstanden sind und die einen ruhigeren Charakter gegenüber den ersten sechs Sonaten haben.
Die a-Moll-Sonate ist die erste von nur zwei Klaviersonaten, die Mozart in Moll schrieb. Sie ist die dunkelste seiner Klaviersonaten und wurde 1778 in Paris komponiert, nachdem seine Mutter Anna Maria Mozart, die ihn auf der Reise begleitet hatte, dort verstorben ist.
Die Klaviersonate Nr. 10 in C-Dur KV 330 (300h) von Wolfgang Amadeus Mozarts ist eine von drei Arbeiten im Zyklus der Klaviersonaten KV 330–332. Die Sonate wurde 1783 komponiert, als Mozart 27 Jahre alt war. Mit den anderen beiden Sonaten wurde sie im Jahr 1784 im Verlag Artaria veröffentlicht. Mozarts Autograph der Sonate befindet sich in der JagiellonischenBibliothek, Kraków.
Daniel Barenboim(piano) plays piano sonatas by W.A. Mozart – Sonata in A minor KV 310 and Sonata in C major KV 330!
The Sonata No. 9 in A minor KV 310 (300d) (by the method of counting the saxophone No. 8) by Wolfgang Amadeus Mozart is a piano sonata in three movements. It belongs to a cycle of three sonatas, which were written between 1777 and 1778 during a longer tour of Mannheim, leading to Paris, and which have a calmer character than the first six sonatas.
The A minor Sonata is the first of only two piano sonatas Mozart wrote in minor. It is the darkest of his piano sonatas and was composed in Paris in 1778 after his mother Anna Maria Mozart, who accompanied him on the journey, died there.
The Piano Sonata No. 10 in C major KV 330 (300h) by Wolfgang Amadeus Mozart is one of three works in the cycle of Piano Sonatas K. 330-332. The sonata was composed in 1783 when Mozart was 27 years old. With the other two sonatas she was published in 1784 by the publisher Artaria. Mozart’s Sonata autograph is in the Jagiellonian Library, Kraków.
Die „h-Moll-Messe“ BWV 232 von Johann Sebastian Bach, ist eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen. Es handelt sich um Bachs letztes großes Vokalwerk und seine einzige Komposition, der das vollständige Ordinarium des lateinischen Messetextes zugrunde liegt. Gelegentlich wird sie infolge einer Zuschreibung der Romantik auch Hohe Messe in h-Moll genannt.
Dem Typus nach handelt es sich um eine Missa solemnis, die aus 18 Chorsätzen und 9 Arien besteht. Bach komponierte 1733 zunächst eine Missa aus Kyrie und Gloria. Gegen Ende seines Lebens stellte er die übrigen Sätze aus Bearbeitungen früher komponierter Sätze, überwiegend aus seinen Kantaten, und neuen Kompositionen zusammen. Das Manuskript von 1748/1749 gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Nach und nach etablierte sich die Messe im Konzertprogramm der großen Oratorienchöre. Bis zum Zweiten Weltkrieg erklang sie zehnmal auf dem deutschen Bach-Fest der Neuen Bachgesellschaft und wurde 47 mal von der Berliner Sing-Akademie aufgeführt.[52] Auf dem ältesten Bachfest in Bethlehem (Pennsylvania) erklingt das Werk seit 1911 in ungebrochener Tradition Jahr für Jahr. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte die Messe unter Bachs Großwerken den ersten Platz in der Häufigkeit der Aufführungen, noch weit vor der Matthäus-Passion.
Die h-Moll-Messe erfordert in ihrer letzten Fassung fünf Vokalsolisten (Sopran I/II, Alt, Tenor, Bass), vier-, fünf-, sechs- und achtstimmigen Chor sowie ein reich besetztes Orchester aus Blechbläsern (drei Trompeten, Pauken, ein Corno da caccia), Holzbläsern (zwei Traversflöten, zwei Oboen, zwei Oboi d’amore, zwei Fagotten) und Streichern (Violine I/II, Viola) mit Basso continuo.
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe, Radio-Programme mit Bach-Kantaten und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 12.11.2017 begehen wir den „Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr!„
Der Drittletzte Sonntag im Kirchenjahr hat das Kommen des Herrn zum Thema. Während das Evangelium selbst nur davor warnt, dieses Kommen vorhersagen zu wollen, betont die Epistel die Herrschaft Christi über Lebende und Tote. Die alttestamentliche Perikope weicht etwas ab: Hiob bittet Gott, dem Menschen doch seine Ruhe zu lassen und ihn nicht vors Gericht zu zerren zu seinen Lebzeiten, wie es ihm geschehen ist. Hier hat der Glaube an ein ewiges Leben noch nicht viel verloren. Die 5. und 6. Perikope jedoch gehen sehr klar auf das Kommen des Herrn ein. Durch alle Perikopen scheint sich auch die Frage hindurchzuziehen, wie wir dem Herrn begegnen, wenn er kommt, und wie wir uns auf ihn vorbereiten.
Am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres denken wir an den Jüngsten Tag, an dem unser Herr kommen und sich der Welt offenbaren wird. Der Glaube macht uns stark, an diesem Tag des Heils dem Herrn entgegenzugehen.
Wochenspruch:
Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2. Kor. 6 2b)
Wochenlied: „Wir warten dein, o Gottes Sohn“ (EG 152)
Sendung: „Cantica“ am Sonntag 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr
Wiederholung: um 23:00 – 23:30 Uhr
Johann Sebastian Bach
J. S. Bachs – Frühwerk – BWV 106 „Actus tragicus“
„Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“
in der Vorstellung! „Du hast mich erlöset“
Gerade mal 22 Jahre war er alt, als J. S. Bach dieses Meisterwerk der Vokalmusik komponierte. Textausdeutung und Musiksprache der Kantate zeigen schon zu diesem frühen Zeitpunkt Bachs ganze Meisterschaft.
Der Anlass für die Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste“ BWV 106 war wohl eine Beerdigung – daher auch der Beiname „Actus tragicus“ – eventuell für seinen Onkel oder den verstorbenen Bürgermeister von Mühlhausen. Dort war Bach 1707/08 für kurze Zeit als Organist angestellt. Dem Anlass entsprechend ist die Musik sehr zurückhaltend geschrieben. Die instrumentale Besetzung ist ungewöhnlich: nur zwei Blockflöten, zwei Gamben und Generalbass.
Das Grundthema der Kantate ist der Tod, der auf alle Menschen wartet. Aber es gibt die feste Hoffnung auf das Ewige Leben. So weist die Kantate eine klare Zweiteilung auf. Im ersten Teil dominiert der Gedanke, dass der Mensch nach dem alten Gesetz, dem alten Bund sterben muss: „Es ist der alte Bund, Mensch, du mußt sterben!“ So zitiert Bach aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach.
Alter und Neuer Bund als Sinnbilder für Tod und Leben
Diese Aussage vertont Bach durch eine tief angelegte Fuge, die das Grab, den alten Bund versinnbildlicht. Dagegen setzt der spätere Thomaskantor die hochgesetzte Stimme der gläubigen Seele, die „Ja komm Herr Jesu“ in permanenter Wiederholung ausruft. Jesus schließt den neuen Bund und rettet in dieser Vorstellung den Menschen, der durch seine Sündhaftigkeit dem Tod geweiht ist.
Anders als bei den späteren Kantaten für die Thomaskirche in Leipzig gehen die einzelnen Abschnitte dieser frühen Kantate von Bach fast immer ineinander über. Der zweite Teil wird von der festen Überzeugung dominiert, dass Gott treu ist und den gläubigen Menschen erlöst hat….
Rudolf Lutz– Dirigent und Musikdirektor der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen
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J.S. Bach – Kantate BWV 38 „Aus tiefer Not schrei ich zu dir„ Kantate für den 21. Sonntag nach Trinitatis!
„Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, BWV 38, ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Choralkantate 1724 in Leipzig für den 21. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 29. Oktober 1724 erstmals auf. Die Kantate basiert in Text und Melodie auf dem Kirchenlied Aus tiefer Not schrei ich zu dir, in dem Martin Luther den Psalm 130 nachdichtete.
ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 854 „Präludium und Fuge E-Dur!“
„Eine lebhafte Sekunde“
Präludium und Fuge E-Dur, BWV 854, bilden ein Werkpaar im 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach.
Bach fügte dem süßen Vorspiel eine kurze und einfache Fuge hinzu.
Das Präludium in E-Dur ist süß und pastoral – vor allem wegen der langgezogenen, melodischen Melodie, mit der sich die rechte Hand öffnet. Darunter bewegt sich die linke Hand leise vorwärts, bietet harmonische Unterstützung und hier und da einige thematische Kommentare. Am Ende des Vorspiels sucht Bach kurz die Grenzen der Tonart mit ein paar chromatischen Akzenten heraus, aber das stört den süßen Charakter des Stückes nicht. Das Vorspiel endet mit einer fast wörtlichen Wiederholung der Exposition, wird dann aber um eine vierte transponiert.
Eine erste Version dieses Vorspiels erschien bereits in dem von Bach für seinen zehnjährigen Sohn Wilhelm Friedemann zusammengestellten Notenheft. Bach fügte später wahrscheinlich die Fuge hinzu und nahm die Stücke in das Wohltemperirte-Clavier auf.
Das Thema der dreiteiligen Fuge ist eines der kürzesten und einfachsten der gesamten Sammlung. Es öffnet sich sehr lebendig mit zwei Tönen, oder einem „zweiten“, das durch den folgenden Rest betont wird. Mit diesem kleinen Motiv tritt Bach einen Schritt vom Grundton von E zurück und kehrt nach der angespannten Ruhe mit einer Reihe von Sechzehnteln wieder zur Basis zurück. Dieser Lauf weiß jedoch nicht, wann er aufhören soll und bildet das Grundmaterial für die Fortsetzung der Fuge.
Der Windsbacher Knabenchor ist ein in Windsbach in Mittelfranken ansässiger deutscher Knabenchor. Er steht in der Tradition der großen deutschen Knabenchöre, deren Aufgaben nicht allein in ihrer Konzerttätigkeit liegen, sondern gleichermaßen in der Erfüllung liturgischer Aufgaben. Dazu zählen bei den Windsbachern die Gottesdienste in Windsbach und die Motetten in der Sankt-Lorenz-Kirche in Nürnberg. Der Chor ist eine Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Hans Thamm, ehemaliger Sänger des Dresdner Kreuzchors, wurde 1946 als Chorpräfekt in das Evangelische Pfarrwaisenhaus Windsbach berufen. Neben dieser Tätigkeit unterrichtete Hans Thamm auch das Fach Musik am Humanistischen Gymnasium in Windsbach. Binnen kurzer Zeit formte er unter schwierigen materiellen Umständen aus einem Schul- und Internatschor einen hervorragenden Knabenchor. Noten, Stimmen und Partituren mussten damals mit der Hand geschrieben und von Hand kopiert werden. Lebensmittel für das Internat ersangen die Jungen in den umliegenden Dörfern.
Die meisten Sänger sind im evangelisch-lutherischen Studienheim untergebracht und werden in speziellen Chorklassen des externen Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums unterrichtet. Dadurch kann auf die besonderen Bedürfnisse der Sänger eingegangen werden. Zur Gesangsausbildung im Internat gehören unter anderem Stimmbildung, Musiktheorie und die täglichen Chorproben.
Programm:
„Ein feste Burg ist unser Gott“ (Text und Melodie: Martin Luther)
Satz: Hans Leo Haßler (1564-1612)
Satz: Caspar Othmayer (1515-1553)
Satz: Melchior Frank (1580-1639)
Johann Staden (1581-1634) „Symphonia XXI Für drei Instrumente
„Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (Text: Martin Luther)
Satz: Hans Leo Haßler (1564-1612)
Satz: Melchior Franck (1580-1639)
Satz: Leonhard Lechner (1553-1606)
Johann Staden (1581-1634) „Ballett für drei Instrumente“
Johann Erasmus Kindermann (1616-1655) „Musica Catechetica“
Motette „Du sollst lieben Gott, deinen Herren“
Motette „Vom Sakrament der Taufe“
Kleines Geistliches Konzert: „Vom Sakrament des Altars“
Motette: „O Sultaris Hostia“
Johann Staden (1581-1634) „Deutsches Magnifica
Caspar Othmayr (1515-1553) „Symbolium D. Martini Lutheri“ Teil 1
Caspar Othmayr (1515-1553) „Symbolium D. Martini Lutheri“ Teil 2
Johann Staden (1581-1634) „Symphonia XXXVIII für vier Instrumente“
Johann Staden (1581-1634) „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“
Caspar Othmayr (1515-1553) „Verba Lutheri Ultima – Luthers letzte Worte“
„Verleih uns Frieden gnädiglich“ Text: Martin Luther
Satz: Johann Erasmus Kindermann (1616-1655)
Satz: Johann Eccard (1553-1611)
Sonata für drei Instrumente
Johann Pachelbel (1653-1706) „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke“
J. S. Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Videos, Rundfunk-Sendungen und Kantaten-Beschreibung zum Reformationstag!
Denkmal: Martin Luther vor der Frauenkirche Dresden
Vorbemerkung zum Reformationstag!
ARD – Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum Übertragung aus der Schlosskirche in Wittenberg am Dienstag, 31.10.2017 um 15:00 Uhr
Die Predigt hält der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Der Leipziger Thomanerchor wird bei der musikalischen Gestaltung mitwirken.
In diesem Jahr ist der Reformationstagbundesweit ein arbeitsfreier Feiertag. Mit Blick auf die welthistorische Bedeutung der Reformation, die sich weit über religiöse Fragen erstreckt, haben die Bundesländer dies so beschlossen. Normalerweise ist der Reformationstag nur in den östlichen Bundesländern arbeitsfrei.
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Liebe Bach-Freunde/innen !
Eine Übersicht der Bach-Kantaten zum aktuellen Sonntag im Kirchenjahr steht zum Download bereit:
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
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Am 31.10.2017 begehen wir einmalig für alle in Deutschlanddas Reformationsfest!
Am Reformationstag müssen wir uns auch daran erinnern lassen, dass Martin Luther nie eine Kirchenspaltung im Sinn gehabt hat. Die Veröffentlichung der Thesen (in lateinischer Sprache, also nur für Gelehrte lesbar) diente dazu, eine Disputation (= Lehrgespräch) einzuleiten. Dabei ging es ihm zunächst nur um den Ablasshandel. Luther wollte die Wahrheit des Evangeliums an das Licht bringen. Das soll auch unser Anliegen sein.
Am Reformationstag hören wir die Seligpreisungen und werden daran erinnert, dass allein der Gaube an Jesus Christus uns vor Gott gerecht machen kann. Dies zu bekennen, sind wir bereit, auch wenn wir dadurch in Gefahr geraten. Aber wir wissen, dass wir das Wort Gottes nicht zu unserem Werkzeug machen können. Gottes Wort wirkt vielmehr in und durch uns.
Wochenspruch:
Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor 3, 11)
Das Lied “Nun freut euch lieben Christen g’mein” (EG 341) schildert Luthers Weg zu seiner Rechtfertigungslehre. Es ist eins der vier Lutherlieder, die im ersten lutherischen Liederbuch, dem Achtliederbuch abgedruckt wurden.
Sendung: „Cantica“ am Sonntag 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr
Wiederholung: um 23:00 – 23:30 Uhr
Reformationstag Feiertag – 31. Oktober
Der Reformationstag wird von evangelischen Christen in Deutschland und Österreich am 31. Oktober im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther gefeiert. Anlässlich des 500. Jahrestages des Thesenanschlages ist der 31. Oktober 2017 ein deutschlandweiter Feiertag.
Sendezeit von Dom Radio Köln Dienstag, 31.10.2017 von 7 – 14 Uhr
„Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ (BWV 126) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Choralkantate in Leipzig für den Sonntag Sexagesimae und führte sie erstmals am 4. Februar 1725 auf. Grundlage für den Kantatentext ist Martin LuthersChoral „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ in einer Zusammenstellung mit anderen Versen, wie sie zu Bachs Zeit in Gesangbüchern als Einheit erschienen.
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Doch genau so verlässlich sollen auch brüderlichen Kontakte sein. So stand ER rechtzeitig vor der Kirchentür der Georgenkirche: mein Bruder Jörg, der ab jetzt mein Reisekumpan ist.
Mein Bruder Jörg rechts im Foto
‚Autoreisen‘ ist natürlich viel bequemer, aber mit dem DB Regio, den Bahnhof-Kontakten und alles zu Fuß hatte ich ‚Land und ‚Leute auf Reisen‘ kennengelernt.
Jetzt ging unsere Reise nach Wittenberg mit einem BMW X3, also zu zweit weiter. Ein ausgedienter Bahnhof in der Nähe, der zur Herberge umgebaut wurde, sollte uns nach dem Abend-Bier Unterkunft bieten. Ganz romantisch.
Unsere Unterkunft am 4. Reisetag
Es war schon früh stockdunkel und wir waren froh, unsere Bleibe gefunden zu haben.
Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg (26.10. – 3.11.17) mein 3. Tag
Mein Abend Tagebuch zum 3.Tag
Flaschenöffner mit Bachnoten!
Flaschenöffner mit Bach-Noten und auf der Rückseite die geeignete Apparatur!
I. Witzig:
Im Bach-Museum Eisenachgab es einen Flaschenöffner mit Bach-Noten vorne und auf der Rückseite die geeignete Apperatur für € 4,50 zu kaufen. (Bild1+2). Könnte man doch mit diesem Gerät meine etwas schweren Gedanken von gestern-, ist das Bach-Skelett echt oder nicht echt, knacken?
Heute morgen gab’s in dieser romanischen Kirche die Kreuzstab-Kantate – BWV 56. Ich denke immer noch an die Wellenbewegungen von Cello und Kontrabass. ‚Mein Wandel auf der Welt, ist einer Schifffahrt gleich …‘ singt der Solo-Bass. Sturm und Flaute muss man ertragen können. Und dann erst der Schluss-Choral: ‚Komm, o Tod, des Schlafes Bruder…‘.
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III. Ausflug:
Genug der Musik. Ich muss mal raus. Zurück nach Gotha (Thüringen) in kurzer DB-Regio-Fahrt. Im Schloss und Museum findet vom Abend an eine Museums-Nacht statt. Da eben huscht mir schon die Herzogin Luise über den Weg. Sie pflegte die Musen auf Schloss Friedenstein. Verrät das Buch in ihrer nach hinten gehenden linken Hand diese ihre Vorliebe?
Herzogin Luise von Schloss Friedenstein
Dann zum Höhepunkt: Der Gothaer Tafelaltar zeigt sehr viele ‚Schriftblasen‘: ein monumentales Bilderbuch der Reformation, seine Gelehrsamkeit diente zur Prinzenerziehung, weniger zur Andacht.
Ausschnitt vom Tafelaltar im Schloß Friedenstein in Gotha
IV.Lichterspiel: Schloß Friedenstein in Gotha gilt als größte Renaissance-Vierflügel-Anlage in Deutschland. Heute Nacht zeigte es sich in märchenhaften Farben.
Schloß Friedenstein in Gotha (Thüringen)
Schloß Friedenstein in Gotha (Thüringen)
22.42 Uhr geht meine Regionalbahn zurück nach Eisenach. Oh-, ein Bett wartet auf mich. Morgen aber auch die Bach-Kantate BWV 126„Erhält uns, Herr, bei deinem Wort“ im Festgottesdienst.
Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg (26.10. -3.11.17) mein 2. Tag!
Mein ABENDTAGEBUCH vom 2.Tag: Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg
Emblem Luther 500 Jahre an der Georgenkirche in Eisenach
I.
Nachmittags im Bach-Museum von Eisenach. Viel gibt‘s zu hören und zu sehen. Mich interessiert die desolate Auffindungsgeschichte von Bachs Gebeinen.
Ergebnis: ich war danach ziemlich niedergeschlagen.
Denn: von Bach’s Begräbnisort ist nichts zuverlässig überliefert. Auffindung und Transport der Gebeine vom Johannis-Friedhof in Leipzig zur Thomaskirche sind mehr als fraglich. Auch: die Rekonstruktion von Schädel und Aussehen Bach’s hält heutigen Möglichketen (z.B. DNA-Vergleich) nicht stand.
Rezept-Buch von der Behandlung von J.S. Bach
Zu meiner Enttäuschung, daß wir von Bach wohl die falschen Skelettfunde in Leipzig verehren, kommt noch dazu, daß mit dem todkranken Kantor in Leipzig so schäbig umgegangen wurde. Man sehe sich nur die Rezepturen an, die dem Sterbenden verabreicht wurden. Nach einem zeitgenössischen Rezeptbuch von K.F Paulini wurden etwa mit Urin, Taubenblut und anderem Dreck die Operations-Wunden abgebunden. Auch abgeschrieben und als musikalisch überholt galt der alte Kantor (sein Nachfolger wurde schon gesucht), so daß aus Geldmangel die Familie nur auf die allgemein volkstümlich übliche Medizin zurückgreifen konnte. Schlimm !!!
Taufbecken von J.S. Bach in der Georgenkirche Eisenach
II.
Meine Gedanken dazu: Bach‘s Überreste, sein Grab und Gedenkstein müssen daher wohl ‚in einem anderen Reich’ gesucht werden. Etwa in seinen Melodien, seinen lebenslang entworfenen Kantaten und Passionen, Orgelwerken und Konzerten. Da baut sich ein ‚Schloß im Himmel’ auf ( so Sir J.E. Gardiner)
Konzert in der Georgenkirche zum Bachfest in Eisenach
Martin Luther und Johann Sebastian Bach haben als zwei Genies Grenzen überschritten. Grenzüberschreitend müssen demnach ihre Gaben an die Welt gesucht werden. Beide sind verbunden. Sie sangen und lernten als Jungen im Abstand von 200 Jahren in der Kurrende und Schule dieser Georgenkirche. Hier wuchsen sie einige Jahre auf, dann wirkten sie in Mitteldeutschland und gingen für uns heutige ein in eine ewige Zeit und eine Welt ohne Grenzen.
III.
Am Abend: Da waren sie endlich-, Bach’s Melodien. Der Leipziger Universitätschor unter UMD David Timm war zu Gast. Die Leipziger brachten zwei Kantaten zur Aufführung. Sie gehen auf Luther-Lieder zurück: BWV 7 ,Christ unser Herr zum Jordan kam‘, ein Tauflied. Und BWV 69a‚Lobe den Herren, meine Seele‘. Dichterisch angereichert von J.O. Knauer.
IV.
Da von Bach kein Grab zu finden ist (vgl. I+II) versuchte ich, mir mehr ‚einen gedanklichen Grabstein‘ aufzubauen. Bausteine dazu waren die musikalischen Motiven, Akkorde, Tonsprünge. Irgendwie hörte ich immer Luther-Lieder und seine Wort-Zeilen dazwischen. Ein ‚cantus firmus’ als Grundierung oder ein Choral als Zusammenfassung.
Daß man mit Bach einen ,Gedenkstein’ aufbauen kann, hat vorgemacht: Francesco Tristano mit den Goldberg-Variationen beim Bach-Fest in Köthen 2016. (vgl. meinen Bericht dazu in Volkers Klassikseiten: F. Tristano baut mit bachschen Klängen eine Stadt).
V.
Weiter hörte ich Bachs bekanntes Orgelwerk, die „Toccata und Fuge d-Moll“ – BWV 565. Aber kein Hinweis im Programm, das dieses Werk mit Wahrscheinlichkeit gar nicht von Bach stammt.
Nach den beiden Kantaten und dem Orgelwerk gab es noch eine Jazz-Messe, mit dem Studierenden-Chor, Schlagzeug, Percussion und was dazu gehört. Modernes, studentenhaftes und Bach vertragen sich.
Augustinerkloster Gotha. Blick aus meinem Zimmer
Gedankenverloren ging ich dann zurück in meine Pension ‚Katharienenschule‘. Ein imposantes ausgedientes Schulgebäude wird als wohlfeile Unterkunft weiter gebraucht. Gute Idee.
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Am 29.10.2017 begehen wir den 20. Sonntag nach „Trinitatis“
Der 20. Sonntag nach Trinitatis widmet sich der Frage nach dem Sinn von Ordnungen. Dabei werden auch die unumstößlichen Zusagen Gottes berücksichtigt, die uns den Rahmen geben, in dem wir uns bewegen können. Vom Evangelium her klingt deutlich die Prämisse durch: Der Mensch ist nicht um des Gesetzes willen, sondern das Gesetz um des Menschen willen gemacht.
Am 20. Sonntag nach Trinitatis hören wir das Evangelium von der Rede Jesu über die Ehe und Ehescheidung und erfahren, dass Gottes Ordnungen auch unseren persönlichen Lebensbereich durchdringen und zum Schutz allen Lebens eingesetzt sind. Diese Ordnungen werden von Jesus Christus bestätigt und erneut eingesetzt, und es ist gut, dass uns Gott auf diese Weise hilft, die Verantwortung anderen Menschen und der Kreatur gegenüber wahrzunehmen. – oder:
An diesem Sonntag geht es um die Ordnungen Gottes und die Frage, wie wir uns zu solchen Ordnungen stellen gerade angesichts der Freiheit, in die wir durch durch Christus gestellt sind. Haben die Ordnungen, so wie sie in der Bibel dargelegt sind, überhaupt noch eine Bedeutung? Oder sollten wir sie als gute Christen gerade besonders ernst nehmen? Gibt es für uns etwa eine neue Ordnung? Diesen Fragen wollen wir heute in Lied, Wort und Gebet nachgehen. – oder:
Um die Ordnungen Gottes geht es heute, um den Lebensrahmen, um das, was wir tun und lassen sollen. Schon immer haben diese Ordnungen in Spannung gestanden zu dem Drang des Menschen, frei zu sein und seinen Lebensrahmen selbst zu bestimmen. Wie lässt sich das Leben so gestalten, dass Freiheit und Ordnung einander ergänzen und nicht einander ausschließen? Das wollen wir heute im Hören auf Gottes Wort, im gemeinsamen Gesang und Gebet bedenken.
Wochenspruch:
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6, 8)
Musikalische Exequien in der VorstellungSelig sind die Toten
Von der Kunst des Sterbens zeugen die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz im 17. Jahrhundert. Den Text für die Beerdigungsmusik stellte Heinrich Posthumus Reuss persönlich zusammen, zugleich ließ er die Zitate auf seinen Sarkophag schreiben.
Außerdem legte der Graf auch den Ablauf seiner eigenen Beerdigung fest – ein nahezu einmaliges Beispiel für die Sterbekultur im Barock-Zeitalter. Heinrich Schütz leitete über Jahrzehnte die Dresdner Hofkapelle und revolutionierte im 17. Jahrhundert die deutsche Musik. Passend zum Trauermonat November geht es in Cantica um die Musikalischen Exequien, die er als Beerdigungsmusik für den Grafen Heinrich von Reuss 1635 komponierte….
J.S. Bach Kantate BWV 125 „Mit Fried und Freud fahr ich dahin“ (Thomanerchor)
„Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ (BWV 125) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Choralkantate in Leipzig für das Fest Mariä Reinigung auf das Kirchenlied Mit Fried und Freud ich fahr dahin von Martin Luther und führte sie am 2. Februar 1725 erstmals auf.
Die Kantate ist besetzt mit drei Vokalsolisten (Alt, Tenor und Bass), vierstimmigem Chor, Horn, Flauto traverso, Oboe, Oboe d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.
1. Coro: Mit Fried und Freud ich fahr dahin
2. Aria (Alt): Ich will auch mit gebrochnen Augen
3. Recitativo e chorale (Bass): O Wunder, daß ein Herz – Das macht Christus, wahr‘ Gottes Sohn
4. Aria (Tenor, Bass): Ein unbegreiflich Licht
5. Recitativo (Alt): O unerschöpfter Schatz der Güte
6. Choral: Er ist das Heil und selig Licht
Rudolf Lutz– Dirigent und Musikdirektor der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen
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Johann Sebastian Bach
Kantate: J.S. Bach Kantate – BWV 48 „Ich elender Mensch wer wird mich erlösen“
für den 19. Sonntag nach Trinitatis!
„Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen“ (BWV 48) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1723 in Leipzig für den 19. Sonntag nach Trinitatis.
Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig 1723 für den 19. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 3. Oktober erstmals auf. Die Kantate ist gesetzt für Alt und Tenor, vierstimmigen Chor, Trompete, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.
1. Coro: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen
2. Recitativo (Alt, Streicher): O Schmerz, o Elend, so mich trifft
3. Choral: Solls ja so sein
4. Aria (Alt): Ach, lege das Sodom der sündlichen Glieder
5. Recitativo (Tenor): Hier aber tut des Heilands Hand
6. Aria (Tenor, Streicher, Oboe): Vergibt mir Jesus meine Sünden
7. Choral: Herr Jesu Christ, einiger Trost
Bei seiner Ernennung zum Kantor an der Thomasschule im Jahr 1723 wurde J.S. Bach gesagt, dass seine Kirchenmusik nicht zu opernhafftig oder opernhaft sein darf. Könnten die Herren des Leipziger Stadtrates am vorletzten Tag im Januar 1724 wieder auf diesen Zustand zurückkommen? Die Kantate an diesem vierten Sonntag nach Epiphanie war: „Jesus schläft, soll ich hoffen“. Die Worte aus Matthäus 8: 23-27 als ihr Thema und erzählen von den Jüngern auf dem See, die Angst vor dem Sturm haben, während Jesus friedlich schläft. Sie wecken ihn und er beruhigt die Wellen. Bach und sein Lyriker haben eine expressive Szene mit opernhafter Qualität geschaffen. „Bach ist hier extrem theatralisch“, sagt der Bass Stephan MacLeod.
Es gibt keinen Eröffnungschor, also kommt der Alt auf die Frage: „Jesus schläft, worauf kann ich hoffen?“ In dieser ersten Arie ergänzt Bach das Streichensemble um zwei Altblockflöten, die kaum eine eigenständige Rolle spielen. Ihre Hauptfunktion besteht darin, die Violinteile um eine Oktave höher zu verdoppeln. Es ist eindeutig eine Frage der Klangfarbe hier. Im Barock wird die Blockfläte oft benutzt, um Schlaf oder Tod zu suggerieren, und beides ist in diesem Fall der Fall! Dies ist nicht nur ein Wiegenlied, sondern auch ein Klagelied für den angeblichen Mangel an Hilfe angesichts des Todes.
Der Sturm bricht in der zweiten Arie aus, wo der Tenor von einem Strudel schneller Noten aus den Saiten begleitet wird. Inmitten der Gewalt gibt es drei kurze Ruhezeiten (Adagio): eine vorbildliche Darstellung der Christen mit dem Glauben an Gott. Aber die Stürme des Lebens erheben ebenso oft ihren Kopf, um diesen Glauben zu untergraben.
Die Worte des erwachten Jesus werden dem Bass gegeben, der mit der entscheidenden Frage ein kurzes Arioso singt: „Du hast wenig Vertrauen, wieso hast du solche Angst?“ Dieses Arioso ist der vierte Satz von sieben Sätzen in der Kantate und bildet damit sein buchstäbliches Herz. In der folgenden Arie beruhigt Jesus den Sturm und den See mit dem Befehl, sich zu beruhigen. Stephan MacLeod hört dieses Kommando hauptsächlich in den Teilen der beiden Oboen d’amore. Die Lektion folgt im anschließenden Rezitativ und im Schlusschorale: „Glaube an Jesus zu allen Zeiten.“ Der Schlusschoral ist die zweite Strophe des Chorals „Jesu, meine Freude“, den wir auch in Motettenform von Bach kennen.
All of Bach – Instrumentalgruppe in der Wallonischen Kirche Amsterdam
Johann Michael Bach war ein Sohn von Heinrich Bach (1615-1692) und Großonkel von Johann Sebastian Bach und wirkte zunächst als Kantor in Arnstadt, ab 1673 dann als Organist und Stadtschreiber in Gehren. Seine dort 1684 geborene Tochter Maria Barbara Bach (1684-1720) war die erste Frau von Johann Sebastian Bach.
Er war der Bruder von Johann Christoph Bach (1642-1703) und Schwiegervater von Johann Sebastian Bach (er war der Vater von J. S. Bachs erster Ehefrau Maria Barbara Bach (1684-1720) . Er wird auch als „Gehrener Bach“ bezeichnet, um ihn vom „Wuppertaler Bach“, Johann Michael Bach (1745-1820) abgrenzen zu können.
Sein meistaufgeführtes Werk ist ein kleines Choralvorspiel für Orgel, „In Dulci Jubilo“, der seit vielen Jahren J. S. Bach zugeschrieben wurde.
Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Kantaten:
„Ach, Bleib bei uns, Herr Jesu Christ“ (für Chor, Streicher und Continuo),
„Liebster Jesu, Hör mein Flehen“ (für Sopran, Alt, zwei Tenöre , Bass, Streicher und Continuo)
„Ach, wie sehnlich wart ‚ich der Zeit“ (für Sopran, Streicher und Continuo).
Weitere Vokalwerke von Johann Michael Bach (1648-1694)
„Das Blut Christi“
„Ach wie sehnlich“
„Auf, lasst uns den Herren loben“
„Halt war du hast“
„Fürchtet euch nicht“
„Sei lieber Tag willkommen“
„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt“
„Herr, ich warte auf dein Heil“
„Herr, wenn ich dich nur habe“
„Unser Leben währet siebenzig Jahre“
Johann Christian Bach (* 5. September 1735 in Leipzig; † 1. Januar 1782 in London), der Mailänder oder Londoner Bach, war ein Komponist der Vorklassik aus der Familie Bach. Er hatte großen Einfluss auf den Stil des jungen Mozart.
Johann Christian Bach war der jüngste Sohn Johann Sebastian Bachs und das elfte von dreizehn Kindern aus dessen zweiter Ehe mit Anna Magdalena, geb. Wilcke. Seine ersten musikalischen Unterweisungen geschahen wohl durch seinen Vater, obwohl vermutlich auch Johann Elias Bach daran beteiligt gewesen sein könnte, der von 1738 bis 1743 im Bachschen Haushalt lebte und als Sekretär tätig war. Johann Christian war offensichtlich ein Lieblingssohn seines Vaters und erbte nach dessen Tod Ende Juli 1750 am 11. November 1750 drei Pedalklaviere im geschätzten Wert von je 50 Talern, Wäsche und 38 Taler Bargeld.
1750 ging er nach Berlin zu seinem Halbbruder Carl Philipp Emanuel Bach, der dort als Kammercembalist König Friedrichs II. tätig war. Carl Philipp Emanuel bildete seinen Bruder zu einem vorzüglichen Pianisten aus, der mehrfach mit Beifall in Berlin konzertierte. Starke musikalische Eindrücke empfing Johann Christian auch von den Aufführungen der Berliner Königlichen Oper, die damals unter dem Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun ihre Glanzzeit erlebte.
1760 wurde Bach zweiter Organist am Mailänder Dom, nachdem er zuvor zum Katholizismus konvertiert war. (Als Protestant hätte er dieses Amt nicht antreten können.) Carl Philipp Emanuel nahm seinem Bruder diesen Bruch mit der Familientradition sehr übel und soll sich danach nur noch abfällig über ihn geäußert haben. Neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker knüpfte Bach auch Kontakte zur Opernszene.
Der Erfolg dieser Werke machte Bach auch im Ausland bekannt. In London wurde die britische Königin Sophie Charlotte (geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz) auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als ihren persönlichen Musiklehrer. Im Mai 1762 ließ sich Bach vom Mailänder Domkapitel für ein Jahr beurlauben, und obwohl die Stelle für ihn offengehalten wurde, kehrte er nie zurück. Er traf im Sommer 1762 in London ein und begann 1763 mit den sechs Klavierkonzerten op. 1 die Reihe seiner im Druck erschienenen Werke. Der Finalsatz des letzten Konzertes besteht aus Variationen über God save the King, eine Hommage an die Königsfamilie.
Große Erfolge konnte Bach jedoch als Konzertunternehmer verbuchen. Gemeinsam mit dem Komponisten und Gambenvirtuosen Carl Friedrich Abel, mit dem er zeitweilig eine Wohnung teilte, begründete er die „Bach-Abel Concerts“, die ersten Londoner Abonnementskonzerte, die 17 Jahre lang zu den beliebtesten Veranstaltungen im Gesellschaftsleben Londons zählten.
Von besonderer musikhistorischer Bedeutung ist die Begegnung mit Leopold Mozart und Wolfgang Amadeus Mozart, die 1764 und 1765 in London weilten. Im April 1764 musizierten Bach und der 8-jährige Mozart erstmals gemeinsam. Leopold Mozart empfahl seinem Sohn die gefälligen Kompositionen Bachs ausdrücklich zur Nachahmung. Stilistische Einflüsse des Londoner Bachs lassen sich bereits in Mozarts ersten Londoner Sinfonien nachweisen und noch bis in seine reifsten Werke weiterverfolgen. Den Tod Bachs beschrieb Mozart in einem Brief an seinen Vater als „Verlust für die musikalische Welt“.
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Heute sind es zwei Videos mit Orgel & Orchester von
Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) ist der älteste Sohn von Heinrich Bach (1615-1692)
Johann Christoph Bach (getauft 8. Dezember-jul./ 18. Dezember 1642-greg. in Arnstadt; † 31. März 1703 in Eisenach), der älteste Sohn von Heinrich Bach (1615-1692), war ein deutscher Komponist. Er gilt als bedeutendster Komponist seiner Generation innerhalb der Familie Bach.
Johann Christoph Bach war seit 1663 Organist der Schlosskapelle Arnstadt und seit 1665 an der Georgenkirche in Eisenach, wo er daneben als Cembalist der Hofkapelle wirkte. 1694 wurde er als „nothdürfftige Person“ zum Almosenvorsteheramt in Eisenach auserkoren, im gleichen Jahr bezog er eine Dienstwohnung in der sogenannten Münze.
Johann Christoph Bach (1642–1703), der älteste Sohn von Heinrich Bach, galt bereits in der Familientradition als das große Genie vor Johann Sebastian; in der Familienchronik wird er als der „große und ausdrückende Componist“ bezeichnet. J.C. Bach wurde vermutlich von dem Arnstädter Kantor Jonas de Fletin unterwiesen, der als Schüler von Heinrich Schütz das Ideal eines italienische und deutsche Traditionen verschmelzenden Kompositionsstils vertrat.
Johann Christoph Bach hat mehr als zwei Jahrzehnte währendes gemeinsames Wirken mit seinem Vetter Johann Ambrosius Bach (1645-1695) in Eisenach gestaltete sich als besonders fruchtbare Zusammenarbeit. Wenn die Eisenacher Stadtchronik von JohannAmbrosius Bach (1645-1695) berichtet, er habe 1672 „auf Ostern mit Orgel, Geigen, Singen und Trompeten und mit Heerpaucken dreingeschlagen“, wie es noch kein Kantor je vermochte, so mag dieser Eindruck auch den anspruchsvollen und äußerst tiefsinnigen Kompositionen Johann Christoph Bachs zu verdanken sein.
Sein Schaffen umfasst neben verschiedenen Cembalo- und Orgelwerken vor allem Motetten, Chorarien und Kantaten, die sich durch ein hohes Maß an satztechnischer Kunstfertigkeit und eine harmonisch außerordentlich reiche und differenzierte Tonsprache auszeichnen
Von Johann Christoph Bach sind nur wenige Werke überliefert, die meisten im
Zu Johann Sebastian Bachs unmittelbarem Nachlass gehörten auch die handschriftlich überlieferten Noten von rund 20 Kompositionen seiner Vorfahren, vor allem von den Brüdern Joh. Christoph (1642–1703) und Joh. Michael Bach (1648–1694), Söhne von Heinrich Bach (1615–1692) und Vettern von Sebastians Vater Joh. Ambrosius (1645–1695).
Diese seit dem späten 18. Jahrhundert Altbachisches Archiv genannte Sammlung wurde in den 1820er Jahren erstmalig im Druck veröffentlicht und im Bach-Jahr 1935 erneut aufgelegt. Nach dem 2. Weltkrieg galt das Konvolut als verschollen. Erst 1999 tauchte es in Kiew wieder auf…….
Von Johann Christoph Bach sind nur wenige Werke überliefert!
Zwölf Motetten
Sieben oder acht Geistliche Konzerte, darunter das groß besetzte Werk: „Es erhub sich ein Streit im Himmel“ (zum Michaelisfest)
Zwei Arien
Etwa fünfzig Orgelchoräle
Präludium und Fuge Es-Dur für Klavier manualiter
Drei Variationenwerke für Klavier manualiter
Die Michaeliskantate „Es erhub sich ein Streit“ erfreute sich im 18. Jahrhundert einer ungewöhnlichen Beliebtheit. Sie berichtet vom Kampf des Erzengels Michael und seinen getreuen Anhängern mit dem Drachen, der aus dem Himmel vertrieben wird. Die Textgrundlage war für Kantatendichtungen eine wahre Fundgrube, da der Komponist so manche Anregung für die Vertonung bekam, u.a. den fast zwingenden Einsatz von Trompeten und Pauken.
Im Eingangssatz „ Es erhub sich ein Streit“ gelang es Johann Christoph Bacheine seiner kunstvollsten Fugen zu schreiben. Ganz auffällig die Hypotyposis – Figuren in Verbindung mit der musikalischen Ausdeutung des Wortes „Streit“.
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J. S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe, Radio-Programme mit Bach-Kantaten und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 15.10.2017 begehen wir den 18. Sonntag nach „Trinitatis“
Der 18. Sonntag nach Trinitatis ist bestimmt vom Evangelium über das „höchste Gebot“, das sowohl von der Gottesliebe als auch der Nächstenliebe redet. Dies gibt uns erneut Gelegenheit, über das Verhältnis der Christen zum jüdischen Volk nachzudenken, denn dieses höchste Gebot stammt in seiner zweifachen Ausrichtung vollständig aus der jüdischen Tradition. Allerdings haben die anderen Texte nicht immer das „höchste Gebot“ im Sinn, sondern reden auch von der Nachfolge im Allgemeinen. Der alttestamentliche Text ist die Perikope mit den „10 Geboten“.
Am 18. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Antwort Jesu auf die Frage, was das höchste Gebot sei, als das Gebot, nach dem wir unser Leben ausrichten sollen. Es ist nicht leicht, diesem Gebot in jeder Situation zu folgen, und wir erfahren oft, dass wir an Gott und unserem Nächsten schuldig werden. Um so wichtiger ist für uns, dass einer dieses Gebot vollständig erfüllt hat: Jesus Christus.
Wochenspruch:
Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Joh 4, 21)
„Marienvesper“ in der Vorstellung – Neue Klangwelten
Am Übergang von Renaissance zu Barock schuf der italienische Komponist Claudio Monteverdi mit der Marienvesper ein Werk, das auf geniale Weise die damals ganz neue Art des Komponierens mit der traditionellen Musik des 16. Jahrhunderts verband.
Doch bis heute ist nicht klar, warum die Komposition überhaupt geschrieben wurde.1610 erschien sie als „Vespro della Beata Vergine“ im Druck – doch weder gibt es eine gesicherte Uraufführung, noch ist sicher, wofür Monteverdi das Werk schrieb. Liturgisch passt die Komposition kaum in das Kirchenjahr – wahrscheinlich ist eher, dass die Sammlung, zu der die Marienvesper gehört, eine Art Bewerbungsmappe des Komponisten war.
Der Name „Marienvesper“ hat sich als deutsche Bezeichnung für diese Komposition eingebürgert. Teilweise wurde bestritten, dass das Werk für sich überhaupt einen Gesamtzusammenhang hat und nicht vielmehr eine Art lose Sammlung von Konzerten und Psalmen darstellt. Denn Monteverdi „springt“ sozusagen in den musikalischen Stilen hin- und her, mal gibt es expressive und virtuose Solo-Concerti, dann wieder entstehen wahre Klangkathedralen durch den Einsatz eines Doppelchores, die an frühere Zeiten erinnern….
J. S. Bach Kantate – BWV 74„Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ (Thomanerchor)
„Wer mich liebet“ ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, er komponierte sie in Leipzig zu Pfingsten und führte die Kantate am 20. Mai 1725 auf.
1. Chorus: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten
2. Aria (soprano): Komm, komm, mein Herze steht dir offen
3. Recitative (alto): Die Wohnung ist bereit
4. Aria (bass): Ich gehe hin und komme wieder zu euch
5. Aria (tenor): Kommt, eilet, stimmet Sait und Lieder
6. Recitative (bass): Es ist nichts Verdammliches an denen
Rudolf Lutz– Dirigent und Musikdirektor der JS Bach-Stiftung St. Gallen
J.S. Bach BWV 1042 Violin-Konzert E-Dur
J.S. Bach-Stiftung Konzert am 6.5.2017 auf der Wartburg-Eisenach!
Unter Johann Sebastian Bachs Namen sind zwei Konzerte für Violine, Streicher und Continuo überliefert sowie ein Doppelkonzert für zwei Violinen (ebenfalls mit Streichern und Continuo). Sie tragen die Nummern BWV 1041 bis 1043. Möglicherweise schrieb Bach die Konzerte für Johann Georg Pisendel oder Jean-Baptiste Volumier in Dresden – vielleicht auch für sich selbst, denn sein Sohn Carl Philipp Emanuel bescheinigt ihm im Nekrolog, bis ins hohe Alter die Violine „rein und durchdringend“ gespielt zu haben.
Heinrich Bach(* 16. Septemberjul./ 26. September 1615 in Wechmar; † 10. Juli 1692greg. in Arnstadt)war ein deutscher Organist aus der Familie Bach.
Heinrich Bach ist der Stammvater der so genannten Arnstädter Linie der Musikerfamilie Bach. Nach dem Tod seines Vaters Johannes Bach (1550 oder 1580 bis 1626) übernahm sein ältester Bruder Johann Bach (1604-1673) die weitere Erziehung und unterwies Heinrich Bach im Orgelspiel. Sie sind zeitweilig nach Suhl und Schweinfurt gezogen.
1635 trat Heinrich Bach in die von Johann Bach (1604-1673) geleitete Erfurter Ratsmusikanten-Compagnie ein und war von 1635 bis 1641 Ratsmusikant in Erfurt. Im Jahre 1641 erhielt er das Organistenamt an der Arnstädter Liebfrauen- und Oberkirche, das er bis zu seinem Tode versah. 1642 heiratete er Eva, die jüngere Tochter des Suhler Stadtpfeifers Hoffmann, deren ältere Schwester Barbara die erste Frau Johann Bachs war. Aus der Ehe gingen sechs Kinder, darunter drei musikalisch hoch begabte Söhne, hervor.
Unter Johann Sebastian Bachs Namen sind zwei Konzerte für Violine, Streicher und Continuo überliefert sowie ein Doppelkonzert für zwei Violinen (ebenfalls mit Streichern und Continuo). Sie tragen die Nummern BWV 1041 bis 1043. Möglicherweise schrieb Bach die Konzerte für Johann Georg Pisendel oder Jean-Baptiste Volumier in Dresden – vielleicht auch für sich selbst, denn sein Sohn Carl Philipp Emanuel Bach bescheinigt ihm im Nekrolog, bis ins hohe Alter die Violine „rein und durchdringend“ gespielt zu haben.
Bis heute zählen Bachs Violinkonzerte zum beliebten Programmbestandteil vieler Violinisten, an die in den Stücken große spieltechnische Ansprüche gestellt werden. Dennoch halten viele Musikwissenschaftler die Cembaloversionen für die von Bach gewollten Endfassungen, da Bach bei der Umarbeitung viele Details verbesserte und nebenbei mit der Abschaffung des Basso continuo einen musikgeschichtlich wichtigen Schritt machte.
Die beiden Solostimmen dieses Konzertes haben in Bachs eigener Handschrift überlebt. Dieses Autogramm stammt aus der Zeit um 1730, wenige Jahre nachdem der Komponist von Köthen nach Leipzig gezogen war. Bach komponierte die meisten seiner Instrumentalkonzerte in den Jahren 1717-1723, während er am Hof Leopold von Anhalt-Köthen arbeitete, aber diese Arbeit scheint eine Ausnahme zu sein. Es kann jedoch nicht so einfach sein.
Auf den ersten Blick ist dies ein Konzert in drei Sätzen im Vivaldi-Stil und ähnelt anderen Konzerten von Bach. Ein sorgfältigeres Lesen und Hören zeigt jedoch Besonderheiten auf, beispielsweise in Bezug auf die traditionellen Kontrastwirkungen zwischen Refrains (Ritornellos) und dazwischen liegenden Solo-Episoden. Diese Bausteine sind hier weniger abgegrenzt als üblich. Tatsächlich sind alle drei Sätze tatsächlich in drei Teile gegliedert. Der erste Satz ist zum Beispiel einer Fuge nachempfunden, aber die Viola zieht sich aus dem Fugaldiskurs zurück. Dieses Konzert könnte auch als Triosonate für zwei Violinen und Basso continuo aufgeführt werden, und es entstand wahrscheinlich als solches. Bringt das uns zurück nach Köthen?
Nach dem fugalen Eröffnungssatz entfaltet sich ein verträumter Siciliano, in dem sich die beiden Violinstimmen in liebevoller Weise über eine einfache Akkordbegleitung verflechten. „Die besten acht Minuten Musik aller Zeiten“, sagt die Geigerin Emily Deans.
Im letzten Satz sind die beiden Soloviolinen einander heiß auf den Fersen. Noch mehr als der erste Satz ruft dieses Allegro den Verdacht auf, dass die Teile für das begleitende Ensemble später hinzugefügt werden. Die Tatsache, daß Bach die Soloviolinen spielbegleitende Figuren (wiederholte Achteln in Doppelstopps) für sieben Takte zweimal während der Auseinandersetzung spielt, steht im Widerspruch zu der Hypothese einer Triosonate. Der Komponist spielt hier in der Ecke Puss, da in diesen Passagen die eigentlichen Solostimmen einfach auf das begleitende Ensemble übertragen wurden. Die Solisten Shunske Sato und Emily Deans genießen diesen „Kopfschlag, Rock’n’Roll-Moment“ – wie auch immer die Ursprünge sein mögen.
Besondere Hinweise:
Bach arrangierte später dieses Doppelkonzert für zwei Cembali, Streicher und Continuo (BWV 1062), transponiert auf die Tonart c-Moll.
Nicolaus (auch: Nikolaus) Bruhns (manchmal Bruhn oder Bruns; * Dezember 1665 in Schwabstedt; † 29. März-jul./ 8. April 1697-greg. in Husum) war ein Komponist der norddeutschen Orgelschule und ein Orgel- und Geigenvirtuose. Sein überliefertes Werk umfasst vier vollständige Orgelwerke sowie zwölf geistliche Kantaten und enthält einige außergewöhnlich originelle Stücke.
Bruhns entstammte einer schleswig-holsteinischen Musikerfamilie. Sein Großvater Paul war Lautenist und Musikmeister in der Kapelle des Gottorper Herzogs. Nicolaus’ Onkel Friedrich Nicolaus Bruhns war Direktor der Hamburger Ratsmusik. Nicolaus’ Vater Paul – möglicherweise ein Schüler von Franz Tunder (1614-1667) – war Organist in Schwabstedt, wo er die Tochter des Vorgängers heiratete.
Der Werdegang von Nicolaus Bruhns ist nur bruchstückhaft überliefert.
Nicolaus erhielt ersten Unterricht vermutlich von seinem Vater. Wie Ernst Ludwig Gerber später in seinem Lexikon der Tonkünstler schrieb, beherrschte er bereits in frühem Alter das Orgelspiel und fertigte „gute“ Kompositionen für Klavier und Stimme an. Wahrscheinlich wirkten auch musikalische Eindrücke aus dem benachbarten Husum, der wohl reichsten Stadt der nordfriesischen Küste, auf ihn ein. Nicolaus bewies genügend Talent, um auf Anraten seines Vaters mit 16 Jahren bei seinem Onkel Peter, Ratsmusiker in Lübeck, Geige und Gambe zu erlernen. Auf diesen Instrumenten erwarb er „eine solche Fähigkeit, dass ihn jeder, wer ihn nur hörte und kennen lernte, bewundern und schätzen musste“ (Gerber). Von allen Lübecker Violinisten – deren Kunstfertigkeit im In- und Ausland bestaunt wurde – war Bruhns der jüngste Vertreter. Außerdem war er der Lieblingsschüler Dietrich Buxtehudes, bei dem er Komposition studierte und sein Orgelspiel vervollkommnete. Laut Matthesons Musiklexikon war Buxtehude Bruhns’ größtes Vorbild.
Bis zu seinem frühen Tod im Alter von 31 Jahren blieb Bruhns weiterhin in Husum. Am 2. April 1697 wurde er zu Grabe getragen, „von jedermann bedauert, dass ein solcher trefflicher Meister in seiner Profession, auch vertragsamer Mann nicht länger hat leben sollen“. Laut dem Kirchenarchiv der Stadt starb Bruhns an der „Schwindsucht“.
Bruhns vereinte Stilelemente zweier entgegengesetzter Musikgattungen, nämlich des von Schütz geprägten geistlichen Konzerts und des bis dahin weitgehend der weltlichen Musik vorbehaltenen Madrigals. Ebenso wie die Kompositionen für Orgel zeugen die Vokalwerke von einem großen Gespür für die Affektwirkung.
Weitere ausführliche Informationen zu Nicolaus Bruhns auf Wikipedia
Ein geistliches Werk von Nicolaus Bruns
Kantate: „Hemmt eure Tränenflut“
Vierstimmiger Chor (Sopran, Alt, Tenor, Bass), vier Einzelstimmen, Streicher und Generalbass.
Textquelle unbekannt
Dieses möglicherweise letzte Werk des Meisters zelebriert das Osterfest. Instrumentale Ritornellos und im Sologesang vorgetragene Strophen wechseln ab. Am Schluss steht ein Amen, das auf dem Choral Christ lag in Todes Banden basiert.
Katharina Gutschi, Birgit Kuchlmaier, Mayumi Shibata, sopran
Marcus Blöchl, Waltraud Grabherr-Hartinger, alt
Ernst Lachinger, Taro Takagi, tenor
Albert Hartinger, Christoph Schöffmann, bass
La Divina Armonia:
Stefano Barneschi, Mayumi Hirasaki, viool
Chiara Zanisi, altviool
Noelia Reverte, viola da gamba
Marco Tesori, cello
Vanni Moretto, violone
Benoît Laurent, hobo
Lorenzo Ghielmi, orgel
Nicolaus Bruhns galt weit über die Stadtgrenzen Husums hinaus als Orgel- und Violinvirtuose. Wie Mattheson berichtet, habe er dann und wann gleichzeitig Geige und an der Orgel mit dem Pedal den Bass gespielt.
Die Orgelwerke weisen typische Merkmale des norddeutschen Orgelstils auf: Kontrast von homophonen und fugierten Abschnitten, Arpeggiound virtuose Pedalpassagen mit Trillern. Auffallend sind die kühne Harmonik und verschachtelte Rhythmik. Bruhns schöpfte alle Freiheiten des Stylus Phantasticus aus, um affektreiche, zuweilen herb und fast „modern“ anmutende Kompositionen zu schaffen. Da die schnellen Läufe der Praeludien klare und präzise Rhythmik – teilweise unter Einsatz des Doppelpedals – erfordern, stellen sie hohe Anforderungen an den Interpreten.
Friedhelm Flamme (* 1963 in Volkmarsen) ist ein deutscher Organist, Chorleiter, Musikwissenschaftler, Musikpädagogeund Hochschullehrer.
Seit seiner Jugend der Kirchenmusik verbunden, war Friedhelm Flamme schon als Jugendlicher als Organist tätig. Er studierte an der Hochschule für Musik Detmold und an der Universität/Gesamthochschule Paderborn Schulmusik, Kirchenmusik, Orgel (Konzertexamen mit Auszeichnung bei Gerhard Weinberger), Dirigieren, Tonsatz, Erziehungswissenschaft und Theologie. Weitere Studien führten ihn zu Guy Bovet, Ewald Kooiman, Jon Laukvik, Thierry Mechler, Josef Mertin, Harald Vogel, Herbert Wulf und Wolfgang Zehrer.
Seit 1991 arbeitet er als Kirchen- und Schulmusiker im Sprengel Göttingenund an der Paul-Gerhardt-Schule Dassel in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. 1991–2004 war er Kantor an der Laurentiuskirche Dassel, von 1991 bis 2007 hatte er die kirchenmusikalische Fachaufsicht im Sprengel Göttingen Nord inne.
1993 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt. Seit 2002 ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Detmold. Er leitete eine Vielzahl von Vokalkonzerten, vor allem zyklische Aufführungen der Bachschen Oratorien mit dem Vokalensemble Südniedersachsen.
Ich wünsche viel Freude mit dieser neuen Veröffentlichung!
„Eine Weihnachtshymne in Moll verleiht dem Werk einen vorsichtigen Klang.“
„Vom Himmel kam der Engel Schar“ ist ein von Martin Luther im Jahr 1543 veröffentlichtes Weihnachtslied.
Die musikalische Symbolik hier ist unverwechselbar; Schwärme von Engeln fliessen durch die Alt- und Tenorstimmen, während die himmlische Annoucement in der Sopranistin darüber steigt. In einer inspirierten Komposition verfolgt die Bassstimme die Engel in der Augmentation in (Viertelnoten gegen die Engelsexzehnte). Die Stimme hier beinhaltet Streicher und Chor in die Sopranistin, Orgelflöte stoppt in den inneren Stimmen und Orgelpedal mit akustischem Bass, der im Bass spielt.
Bei der Erstellung seines Orgelbüchleins folgte Bach dem Kirchenkalender. Obwohl für den Organisten nützlich, behaftet sie das Risiko der Monotonie – immer fröhlich zu Weihnachten und immer traurig in der Passionswoche zu sein. So hat Bach gelegentlich einen anderen Klang in den „Weihnachtscluster“ komponiert. Diese Anordnung von „Vom Himmel kam der Engel Schaar“ ist wegen seines freudigen Themas nur gering, um den Ernst des Geheimnisses des Glaubens zu betonen.
Die Worte der von Luther geschriebenen Hymne erzählen von den Verkündigungen an die Hirten Jesu in der Krippe. Die Hymne versichert uns, dass jeder, der an den wahren Gott glaubt, vor Sünde und Tod sicher ist. Bach drückt die Engel aus dem Himmel mit schnellen Läufen in den Alt- und Tenor-Parts und langsam im Bass-Part. Übrigens zeigt Bachs Manuskript eine weitere Überraschung: Die ständig wachsenden Koloraturen, die das Werk charakterisieren, scheinen eine spätere Ergänzung zu sein wie man an den Notizen feststellen kann!