ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 714 – Orgel-Choral: „Ach, Gott und Herr“
Mystisch italienisch
St-Bavokerk, Haarlem – Müller-Orgel
Von wem konnte Bach das kopiert haben?
Bach hat regelmäßig Stile und Formen aus der italienischen Musik in seinem Oeuvre verwendet. Doch der erste Satz von BWV 714 ist etwas Besonderes, wie praktisch nirgendwo sonst Bach diese rein italienische Orgelmusik schreibt. Als Organist Bart Jacobs bemerkt: Das ist definitiv der italienische Stil der Durezze e Legature, was buchstäblich „Härte und Suspensionen“ bedeutet. Hier schreibt Bach lange, anhaltende Notizen, löst Dissonanten auf und macht Platz für neue Dissonanten in einer Kette, die erst am Ende wirklich gelöst ist. In Italien begleitete diese Art von mystischer Musik oft die Erhebung: die Anzeige des Gastgebers während der Messe.
Es ist eher ähnlich wie GirolamoFrescobaldi, aber trägt eine noch stärkere Ähnlichkeit mit den Improvisationen der italienischen Kirchenorganisten. Man hört noch Organisten, die in diesem Stil heute in Italien improvisieren. Also, wem konnte Bach das abholen? Vielleicht indirekt vom italienischen Organisten und KomponistenVincenzo Albrici. Albrici arbeitete in Dresden und sogar an der St. Thomas-Kirche in Leipzig für ein Jahr im Jahre 1681, danach ging er nach Prag. Albricis Schüler Johann Kuhnau könnte auch in diesem italienischen Stil improvisiert haben. Ein italienischer Organist, den Bach vielleicht gehört hat, war Giovanni Alberto Ristori, der 1715 in Dresden ankam. Neben Zelenka und Heinichen war er für die Kirchenmusik am sächsischen Hof verantwortlich. Er war sicher ein ausgezeichneter Organist, als er 1733 einen vorübergehenden Termin als Kammerorganist erhielt.
Für den zweiten Satz dieser Chorale-Arrangement wählt Bach einen strengen Kanon. Es ist, als ob er sich durch seinen Ausflug in die italienische Mystik beunruhigte und ihn mit einer streng protestantischen Variation kontrastieren wollte.
BWV
714
Titel
Ach, Gott und Herr / Ach, Gott und Herr je Kanonismus
Paukenschlag mit höchster Alarmstufe! Intendanz-Geschäftsführer Steinhilber verlässt das Leipziger Bach-Archiv!
Beitrag von MDR-Kultur!
Ohne Alexander Steinhilber wird das Bachfest 2018 unter neuer Intendanz stattfinden.
Dr. Alexander Steinhilber verlässt nach nur rund eineinhalb Jahren seinen Posten als Geschäftsführer des Bach-Archivs. Steinhilber habe aus persönlichen Gründen um Vertragsauflösung zum 1. September gebeten, teilte das Bach-Archiv am Dienstag mit. Er verlasse Leipzig, um sich „zukünftig anderen beruflichen Herausforderungen zuzuwenden“, hieß es.
Das Bachfest im Juni 2018 wird damit unter neuer geschäftsführender Intendanz stattfinden. Die Stiftung bemühe sich um eine schnellstmögliche Neubesetzung der Position.
Der Stiftungsrat habe die Bitte um Vertragsauflösung „mit Respekt und Bedauern zur Kenntnis genommen und dieser entsprochen“. Steinhilber habe sich mit „großem persönlichen Engagement für die Belange und Ziele der Stiftung eingesetzt“, erklärte Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig. Es sei ihm „in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit gelungen, wesentliche Impulse zu geben und zukunftsweisende Maßnahmen umzusetzen“. Das letzte Bachfest unter seiner Intendanz habe einen Rekordumsatz erzielt.
Das diesjährige Bachfest in Leipzig, das er künstlerisch und organisatorisch verantwortet hat, war qualitativ hervorragend, sowohl in Sachen Dramaturgie, als auch, was den Zuspruch des Publikums betraf. Und auch für das kommende Jahr, in dem die weltweit erste zyklische Leipziger Aufführung der wichtigsten Bachkantaten stattfinden wird, der sogenannte Leipziger „Kantatenring“ zeichnet sich bereits eine große Nachfrage ab.
Dr. Alexander Steinhilber Bildrechte: Bacharchiv Leipzig/Gert Mothes
Der promovierte Musikwissenschaftler Steinhilber war im Februar 2016 Geschäftsführer des Bach-Archivs geworden. Zuvor hatte er das Musikreferat der Hamburger Kulturbehörde geleitet. Das Bach-Archiv mit dem Bach-Museum ist dem Wirken Johann Sebastian Bachs gewidmet. Es hat seinen Sitz im Bosehaus neben der Leipziger Thomaskirche, in der Bach als Kantor wirkte.
Aus den Leipziger Zeitungen – Stellungnahmen:
Auch wenn die Beteiligten jetzt keine Gründe für das Ende der Amtszeit von Dr. Steinhilber nennen: Alle, denen das Bachfest Leipzig am Herzen liegt, sollten mehr als alarmiert sein. Offensichtlich soll das Bachfest vom Thomaskirchhof auf den Augustusplatz verlagert werden. Das allerdings wäre eine höchst gefährliche Transaktion. Der Oberbürgermeister ist gut beraten, wenn er den Erfolg, den das Bachfest nicht nur in diesem Jahr hatte, und seine Bedingungen noch einmal reflektiert.
Jedenfalls werden er und die Kulturdezernentin sich warm anziehen müssen, wenn sich tatsächlich herausstellen sollte, dass sie im Verein mit dem Präsidenten des Bach-Archivs Leipzigs, Sir John Eliot Gardiner, hinter der Aktion stehen, mit dem Weggang von Dr. Steinhilber das Bachfest zum Schaden der Bachstadt Leipzig in seinem Profil und seiner inhaltlichen Ausrichtung in die Unkenntlichkeit eines allgemeinen Musikfestivals zu führen, sozusagen „Classic closed“.
Weitere Informationen zu diesem Bach-Beben in Leipzig!
Beide Seiten haben vereinbart, nichts über die Gründe zu verlautbaren. Doch wer 1 und 1 zusammenzählen kann, muss nicht lange herumrätseln: Offensichtlich hat Dr. Steinhilber von sich aus die Konsequenzen aus den nicht nachlassenden Versuchen der Stadt Leipzig gezogen, das Profil des Bachfestes zu verwässern …….
Guten Nachwuchs für Leipzigs weltberühmten Thomanerchor zu finden, wird offenbar schwieriger. Thomaskantor Gotthold Schwarz bedauert, dass in vielen Familien kaum noch gesungen werde……
Die dritte „französische“ Suite wechselt verführerische Melodien mit brillanter Virtuosität.
In der Barockmusik hatte der Schlüssel von b-Moll eine melancholische Qualität. Bach reservierte ihn für einige seiner beeindruckendsten Werke, wie die Kyrie in der Messe in h-Moll.
Diese dritte französische Suite öffnet sich mit einer zarten Allemande; Vielleicht die heikelste Allemande aller sechs Suiten. Es ist ein Duett, das fast als Solo mit Begleitung gespielt werden könnte – zum Beispiel auf der Flöte. Das Eröffnungsmotiv erscheint auch im ganzen Stück in der Inversion und in der Nachahmung. Die Courante basiert auch auf einem Motiv aus der ersten Bar, im Bass, der bald die Bewegung dieses schnellen Tanzes komplett übernimmt.
In der Tradition folgt eine stattliche Sarabande, zu der Bach eine kantigere Luft verleiht als die französischen Modelle von Couperin, mit denen Bach aus seiner Jugend bekannt war. Dann hören wir zwei schnelle Abschnitte; In einigen Quellen zuerst das sehr rhythmische Menuet mit seinem kontrastierenden Trio, gefolgt von den Anglaise und anderswo in umgekehrter Reihenfolge. Pierre Hantaï wählte für die letzteren. Die Anglaise war übrigens nicht aus England gekommen, sondern aus dem Hof Ludwigs XIV. Und erinnert an eine Gavotte. Und schließlich geht es bei der Gigue um Nachahmung, wobei die beiden Teile sich immer wieder verjagen.
Die sechs Werke, die wir heute als „französische“ Suiten (dieser eher willkürliche Titel aus Bachs Tod) kennen, haben eine ereignisreiche Geschichte. Sie könnten auch Suiten für Anna Magdalena Bach genannt werden, da fünf der sechs Stücke im Klavierbüchlein (1722) sind, den Bach seiner zweiten Frau zur Zeit ihrer Heirat gewidmet hat. Eine bemerkenswerte Anzahl von Versionen dieser sechs Suiten hat überlebt, manchmal in einer anderen Reihenfolge oder mit einer abweichenden Anzahl von Abschnitten. Darüber hinaus werden die notierten Ornamente im Laufe der Jahre zunehmend detailliert, was uns einen Einblick in die Art und Weise gibt, in der Bach in seinen Schülern einen guten Geschmack brachte.
Es gibt einen Drang, sie mit den etwas älteren „englischen“ Suiten zu vergleichen, die noch mehr Ähnlichkeit mit dem französischen Stil haben als BWV 812-817 (und beide Sätze sind eigentlich deutsche Interpretationen italienischer Modelle). Diese kompakteren Suiten verhängen sich ohne Vorspiel, während neben den regulären Tänzen Allemande, Courante, Sarabande und Gigue eine immer vielfältigere Sammlung von „Galanterien“, darunter Gavottes und Menuets, sowie ein Loure, eine Polonaise und sogar eine Luft erscheinen. Es ist durchaus möglich, dass wir hier Bach sehen, der sich mit der Zeit bewegt, indem er Elemente aus dem blühenden Galantyp integriert. Alles, was er in intimen Kreisen gemacht hat, als – wie die „englischen“ Suiten und die Partitas – Bach nie die „French“ Suiten veröffentlicht. Das war Musik für sein Zuhause.
Wir haben diese Aufzeichnung im Bartolotti Haus, bei Herengracht 170 und 172 gemacht. Das Haus an der Rückseite von Nr. 170 wurde von Cembalist, Organist und Dirigent Gustav Leonhardt von 1974 bis zu seinem Tod im Jahr 2012 besetzt.
Leonhardt war einer der Pioniere der frühen Musik in den Niederlanden. Als Lehrer und Performer war er eine Quelle der Inspiration für viele Cembalo-Spieler auf der ganzen Welt.
Es ist eines der beeindruckendsten Gebäude im alten Zentrum von Amsterdam. Es wurde um 1620 als Wohnsitz gebaut, auf Auftrag des wohlhabenden Geschäftsmannes Willem van den Heuvel, der von einem kinderlosen Onkel eine Menge Geld geerbt hatte, genannt Giovanni Battista Bartolotti, der aus Bologna kam. Das niederländische Renaissance-Design wurde vermutlich vom Amsterdamer Stadtarchitekten Hendrick de Keyser gemacht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Haus aufgeteilt und hat mehrere Modernisierungen durchgemacht. Sie können noch viele wunderbare historische dekorative Züge aus den verschiedenen Renovierungen sehen. Die beiden Teile des Bartolotti-Hauses kamen in den Besitz von Vereniging Hendrick de Keyser, der jetzt dort seinen Sitz hat.
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BWV
814
Titel
Suite in h-Moll
Beiname
„Französische“ Suite Nr. 3
Genre
Tastatur Arbeit
Serie
„Französische“ Suiten / Clavier-Büchlein Anna Magdalena Bach
Jahr
1722/23
Stadt
Köthen / Leipzig
Die neue, futuristisch anmutende Rieger-Orgel in der Kasseler St. Martinskirchelädt zum Experimentieren und Staunen ein!
Eine neue Ära im Orgelbau hat begonnen.
Mit der Orgel verhalte es sich wie im wirklichen Leben: „Die größten Pfeifen stehen immer vorne“, scherzt Wendelin Eberle, seit 2003 Geschäftsführer der österreichischen Firma Rieger-Orgelbau. Besagte Pfeifen erstrecken sich über die ganze Westwand der Kirche. Zwar findet man derart in die Breite gestreckte Prospekte auch andernorts, etwa in der 2015 eröffneten Pariser Philharmonie, deren Orgel ebenfalls aus dem Hause Rieger stammt. In einem überschaubar großen Raum wie dem der Kirche St. Martin ist ein solch mächtiges Instrument mit über 5.700 Pfeifen jedoch eine absolute Ausnahmeerscheinung. Zum Vergleich: Die Konzertorgel der im Januar eröffneten Elbphilharmonie bringt es gerade mal auf 4.765 Pfeifen.
Dass diese große Anzahl an Klangkörpern nicht vorrangig der Lautstärke dient, sondern vor allem eine immense Klangfarbenvielfalt hervorbringt, demonstriert Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum am Spieltisch auf der Empore in der fast bis zum letzten Platz gefüllten Kirche. Neben dem immensen Arsenal an Streicher- und Bläserstimmen bietet das Instrument auch drei Harmonikastimmen, ein Glockenspiel, perkussive Effekte und eine weltenrückt singende „Voix celeste“. Besonders wichtig für die flexible Gestaltung des Orgelklangs sind die Obertöne, die durch sogenannte Aliquotregister hinzugeschaltet werden können, von denen die Martinsorgel besonders viele besitzt. Die kleinste der Pfeifen könnte man locker in einem Fingerhut verstauen: Sie misst gerade einmal acht Millimeter, die größte bringt es auf über neun Meter und versetzt mit ihrer tiefen 34-Hertz-Stimmung die Luft in mehr fühl- als hörbare Schwingungen.
„Wer meint, man könne diese Orgel jemals ganz begreifen – keine Chance. Hier hat man als Organist viele Jahre Entdeckerfreude“, schwärmt Maibaum und spielt damit auf die schier unerschöpflichen Möglichkeiten des Instruments an.
Ein Novum im Orgelbau sind nicht nur die in jeder Position elektronisch speicherbaren Registerzüge und die veränderbare Windstärke der einzelnen Systeme, sondern auch die vier in Vierteltönen spielbaren Register, die über das oberste der vier Manuale angesteuert werden können.
Hier hat der Organist – eine echte spieltechnische Herausforderung – 122 statt der üblichen 61 Tasten zur Verfügung. Vierteltöne werden in der zeitgenössischen Musik häufig verwendet – allerdings kaum in Orgelkompositionen – das könnte sich mit dem neuen musikalischen Flaggschiff in St. Martin nun ändern.
Schon lange ist St. Martin ein Podium für Neue Musik
Schon lange ist das Gotteshaus am Martinsplatz ein überregional bedeutsames Zentrum für „Neue Musik in der Kirche“, der hier seit über 40 Jahren ein gleichnamiges Festival gewidmet ist. Daher gab es schon vor 25 Jahren Überlegungen, die 1964 erbaute alte Orgel gegen ein neues Instrument auszutauschen, das neben der Pflege der musikalischen Tradition insbesondere den Ansprüchen zeitgenössischer Partituren entgegenkäme. 2012 war es endlich soweit: Die Firma Rieger-Orgelbau erhielt den Zuschlag. Nach einer fünfjährigen Planungsphase wurden die Einzelteile des Instruments von rund 40 Mitarbeitern in neun Monaten hergestellt. Weitere drei Monate benötigte das zehnköpfige Team für den technischen Aufbau in der Kirche, während die Intonation der Pfeifen fast ein halbes Jahr in Anspruch nahm.
Die neue Rieger-Orgel in der St. Martins-Kirche Kassel
Der große Zeit- und Arbeitsaufwand spiegelt sich im Preis wider: Stolze 2,5 Millionen Euro hat das Projekt verschlungen, erfahren die Besucher des „Orgelforums“ am Nachmittag, an dem Pfarrer Willi Temme, Kirchenmusikdirektor Eckhard Manz, Rieger-Orgelbau-Chef Wendelin Eberle und Kuratorin Susanne Pfeffer den „Weg zur neuen Orgel“ mit Fakten, Hintergrundinformationen und Kommentaren untermauern. Zur Hälfte wurden die Kosten des Instruments von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck beglichen, 800.000 Euro stammen aus privaten Spenden, den Rest trägt die Kasseler Kirchengemeinde. Abgeschlossen ist das Großprojekt mithin noch nicht, denn die Hauptorgel mit ihren 86 Registern, vier schwellbaren Werken und zehn unabhängig voneinander steuerbaren Windsystemen soll im nächsten Jahr noch durch ein fahrbares Modul auf dem Boden des Kirchenschiffs ergänzt werden. Hierzu hofft man auf weitere 120.000 Euro, die über Pfeifenpatenschaften eingesammelt werden sollen.
Wehende Haare machen den „Atem” der Orgel sichtbar
Außerdem gibt es Überlegungen, die Südwand der Kirche zu durchbrechen und im Außenbereich eine Freiluftorgel nach dem Vorbild der berühmten „Heldenorgel“ der Festung Kufstein zu errichten, verrät Eberle nach dem Podiumsgespräch bei Kaffee und Kuchen auf dem sonnigen Kirchplatz.
Gar kein sonniges Gesicht macht Yngve Holen, der 1982 in Braunschweig geborene norwegisch-deutsche Künstler, der gemeinsam mit dem Architekten Ivar Heggheim für die Gestaltung des Instruments verantwortlich zeichnet. Seine Idee war es, vor den Pfeifenlabien über die gesamte Orgelbreite einen Vorhang aus langem Kunsthaar anzubringen. 71 programmgesteuerte Ventilatoren sollen daür sorgen, dass die dunkle ähne sich bewegt, um – abgestimmt auf das Spiel des Organisten – die Luftstöme, den Atem des Instruments sichtbar zu machen. Nur leider vergaß man bei der ersten Vorührung am fühen Nachmittag, die Ventilatoren einzuschalten.
Für das abendliche Eröffnungskonzert des achtwöchigen Orgelfestivals hat KMD Eckhard Manz ein klug austariertes Programm zusammengestellt. Es reicht von Bach, Liszt und Franck über Ligetis „Volumina” und Messiaens „Apparition de l’église éternelle” bis hin zu Uraufführungen von Christian Wolff und Sergeji Newski. Der Klangeindruck ist überwältigend. Neben der beeindruckenden Bandbreite an Registern, dem Spiel mit Obertönen, die zuweilen wie Schwärme silberner Glöckchen durch den Raum schwirren und den Vierteltonläufen, die den Eindruck eines nahtlosen Glissandos erwecken, überzeugt das Instrument vor allem durch sein ausgewogenes, unaufdringliches und sehr transparentes Klangbild. Besonders in J.S. Bachs „Passacaglia“staunt man über die transparente Auffächerung der einzelnen Stimmen, die in dem auf Wandbreite gestreckten Prospekt quasi wie in einem Orchester räumlich angeordnet sind
„Die Orgel hat viel Poesie und unendlich viele Farben. Wir wollen mit ihr nicht auftrumpfen, sondern verzaubern“, sagt Manz. Das gelingt schon an diesem ersten Abend. Und auch die Haare spielten diesmal mit.
Einen inhaltsreichen Artikel habe ich über die St. Martinskirche in Kassel verfasst.
Ein Textauszug:
Am 21. September 1732 reiste J.S. Bach mit Anna Magdalena nach Kassel. Nach der Orgelprüfung erfolgte am 28. September 1732 durch J.S. Bach das Einweihungskonzert in der St. Martins-Kirche.
Es erklang höchst-wahrscheinlich J.S. Bachs „Dorische Toccata und Fuge in d-moll“, BWV 538, ein ungemein virtuoses Stück aus seiner Weimarer Zeit.
Foto: Bach-Inschrift an der St. Martinskirche Kassel
Der zwölfjährige Erbprinz Friedrich von Hessen-Cassel schenkte Bach aus Begeisterung einen edelsteingeschmückten Ring, da er die Kunst der Füße Bachs bewunderte, die so beflügelt über die Pedale eilten, dass die wuchtigsten Klänge wie Blitz und Donner in den Ohren der Hörer widerhallten…….
Unterwegs in Thüringen – „Unterwegs auf der J.S. Bach Rad Erlebnisroute“- “Bach by Bike” – Filmbericht vom 5.8.2017
Film: Unterwegs auf dem Bach-Erlebnis-Radwanderweg in Thüringen! “Bach by Bike”
Hier wird J.S. Bach fast wieder lebendig. Radfahrer auf dem Bach-Erlebnis-Radwanderweg besuchen etwa seine Traukirche, treffen den jungen J.S. Bach und hören bei einer geführten Tour natürlich auch seine Musik.
Bach by Bike: Bildrechte: MDR – Steffi Peltzer – Büssow
Begleitet wird Steffi Peltzer-Büssow von zwei jungen Musikerinnen, die ihre beiden Leidenschaften – Bach und Radfahren – miteinander verbinden wollten. Sie fanden im „Bachland“ Mitteldeutschland jede Menge Radwege – aber keinen, auf dem man Bach mit dem Rad entdecken konnte. Also suchten sie sich Wege und dachten, dass vielleicht auch andere „Bach by bike“ entdecken wollen. Seitdem führen sie Radel- und Musikbegeisterte zu Bach.
Was haben Wasserbüffel und Wildpferde mit Johann Sebastian Bach zu tun? Was ist eine Zister? Und was hat Vogelgezwitscher in einer Orgel zu suchen? Das sind nur einige Fragen, auf die Moderatorin Steffi Peltzer-Büssow Antworten findet.
Von Arnstadt über Wechmar, Luisenthal, Crawinkel und Ohrdruf bis nach Dornheim ist Steffi Peltzer-Büssow im Land der „Bache“ unterwegs, wie die Bachs auch genannt werden. Ein Rundweg, der für manche „Radlerwaden“ ganz schön anstrengend sein kann, für Geist und Seele aber entspannend und oft auch anregend.
Eine Homage an die Instrumentenbauer aus Crawinkel und an Bach. Mareike Neumann und Anna-Luise Oppelt musizieren vor ungewöhnlichem Publikum in der „Thüringeti“.
Die etwa 60 Kilometer Radweg bieten abwechslungsreiche Landschaften, sagenumwobene Burgen und einen Truppenübungsplatz als Exil für seltene Pflanzen und Tiere. Wer der Route folgt, kann die dramatische Geschichte von Schloss Ehrenstein in Ohrdruf entdecken, ein Bierdiplom in Luisenthal machen, tierische Landschaftspfleger in Crawinkel sehen und natürlich jede Menge Spuren von Bach finden. So darf Johann Sebastian Bachs Traukirche in Dornheim nicht auf der Entdeckungsreise fehlen. Wir besuchen außerdem die Orgel in der Arnstädter Bachkirche, an der seine Musikerkarriere begann, sowie das Haus seiner Vorfahren in Wechmar.
Nachstehend ist das Video (Filmbericht) vom 5.8.2017 zu sehen!
„Unterwegs auf dem Bach-Erlebnis-Radwanderweg in Thüringen!“ – “Bach by Bike”
ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 957 „Orgelfuge Fuge in G-Dur“ – „Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt“
Ein Geheimnis wird gelöst!
Nach 250 Jahren zeigt eine kurze Fuge für Cembalo ihre wahren Farben.
Orgel-Partitur: BWV 957 Fuge in G-Dur / „Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt“
Das ist nicht die einzige Arbeit von Bach ohne einen klaren Kontext. Es gibt Dutzende von ihnen, sicherlich im Orgelrepertoire. Jedoch, wenige Stücke unterzog sich einer so dramatischen Torsion wie diese. Ohne handschriftliche Quelle von Bach, „Machs mit mir Gott, nach deiner Güte“ wurde für viele Jahre als Fuge betrachtet. Es war sogar unentschieden, ob es eine Fuge für Cembalo oder Orgel war. Das ist bis zur Entdeckung in New York, 1985, der Neumeister-Sammlung, die eine extra lange Version von BWV 957 unter allen möglichen anderen bisher unbekannten Werken von Bach (und anderen Komponisten) enthielt.
Noch spannender ist, dass in dieser Quelle die Fuge nahtlos durch eine Einstellung des Chorals „Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt“ verfolgt wird. Die Experten versprachen es bald, sie zu verwirren und was wissen Sie – die Choralmelodie ist während der ganzen Arbeit präsent, obwohl sie im dekorativen Fugenthema gut verborgen ist. Obwohl die Augen in diesem Fall nützlicher sind als die Ohren, hören Sie genau auf jeden „schweren“ Beat der Bar. Das ist wirklich ein Choral. Es ist ein einzigartiges Stück – oder hat Bach mit dieser Technik mehr Fugen geschrieben?
In den Worten der von Bach arrangierten Hymne dachte Johann Schein (einer von Bachs Vorgängern in Leipzig) an das Ende des Lebens. Für uns scheint dies ein melancholisches Thema zu sein, aber für die barocken Gemeinden war der Tod eine Tür zum Himmel, die Sie mit Gott an Ihrer Seite zuversichtlich öffnen konnten. Fröhliche Musik war also sehr geeignet, sicherlich für eine Schlußlinie wie ‚Herr, in deine Händ‘, ist alles gut, wenn gut das Ende ‚.
ALL OF BACH veröffentlicht das Orgelwerk BWV 598 „Pedal-Exercitium“ (Fragment)
„Geflügelte Füße dringen in die Ohren der Zuhörer wie ein Blitz.“
Das „Wunder von Leipzig“ (Lipsiae miraculum), wurde von Constantin Bellermann auf den Organisten Johann Sebastian Bach verliehen. Bellermann war der Direktor einer Provinzschule und hatte Bach in einer Kronlektion in Kassel(St. Martins-Kirche) – vermutlich 1732 gehört. Er war eindeutig sehr beeindruckt und sagte: „Wenn dieser Mann so wählt, kann er nur seine Füße (Solo Pedum Ministerio) benutzen, während Seine Finger tun nichts oder tun etwas anderes, um wundersame, schnelle und aufregende Harmonien auf dem kirchlichen Orgel zu produzieren.
Dieses Pedalfragment, das von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel notiert wurde, über dem einer von Johann Sebastians Schülern Pedal Exercitium und „Bach“ in den 1730er Jahren schrieb, passt Bellermanns Beschreibung der Bach-Pedaltechnik perfekt an. Es ist ein Schauplatz von schnellen gebrochenen Akkorden, großen Sprüngen und unerwarteten chromatischen Noten. Eyewitness-Konten wie Bellermann’s auch deutlich machen, dass Vater Bach wirklich diese Art von Passage so schnell wie Blitz spielen könnte.
Zum Beispiel schreibt Bellermann über Bachs Besuch in Kassel, daß er so schnell über die Pedale rannte, daß seine Füße mit einer donnernden Klangfülle geflügelten und die Ohren der Zuhörer wie ein Blitzlicht durchdrangen, und daß er “ Wurde von Prince Frederick van Hessen bewundert. Der Fürst entfernte einen Juwelenring von seiner Hand auf der Stelle und gab ihn Bach. Wenn er das gerade mit der Geschwindigkeit seiner Füße verdient hätte, fragte sich Bellermann, was hätte der Fürst ihm gegeben, wenn auch Bach seine Hände benutzt hätte?
Wir wissen nicht genau, warum Bach dieses Fragment von 33 Takten geschrieben hat. Wie es in der Hand seines Sohnes Carl Philipp Emanuel überlebt hat, könnte es gut sein, dass es eine Übung war, die von Vater Bach für seinen Sohn entworfen wurde.
Konzert in der Kirche Bergkirchen-Bad Salzuflen am Sonntag 23. Juli 2017
Lippischer Orgelsommer in Bergkirchen
Am Sonntag, 23. Juli, ist um 16.30 Uhr der Lippische Orgelsommer in der Kirche zu Bergkirchen zu Gast.
An der Oestreich-Schuke-Orgel spielt die lettische Organistin Līga Auguste. Sie hat in Riga und Herford Orgel, Musiktheorie und Kirchenmusik studiert. Im Moment studiert sie an der Kirchenmusikhochschule Herford das Fach künstlerisches Orgelspiel auf Konzertexamen. Sie ist Kantorin des Kirchenkreises Vlotho und der St. Stephans-Kirchengemeinde in Vlotho.
Auf dem Programm stehen von Johann Sebastian Bach die Sinfonia aus der Kantate
„Wir danken dir”BWV 29 und die Triosonate G-Dur BWV 530.
Vom norddeutschen barocken Komponisten Matthias Weckmann ist die Choralfantasie über Luthers Lied „Nun freut euch, lieben Christen gmein” zu hören und von den beiden französischen Romantikern Louis Vierne und Gabriel Fauré „Clair de lune“ aus „Piéces de Fantasie” und die Pavane op. 50 von Fauré.
Werke aus dem Bereich der deutschen Romantik kommen von Josef Rheinberger mit 2. Sätzen aus der 20. Orgelsonate F-Dur op. 196 und
mit der Fuge über BACH op. 60, Nr. 2 von Robert Schumannzur Aufführung!
Anstelle von Eintrittskarten wird eine Kollekte gesammelt. Bei diesem Konzert und den nachfolgenden Mondscheinkonzerten bieten wir keine Reservierungen an.
Ab 15 Uhr finden Führungen zur Kirche statt. Ebenfalls ab 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen
Die Organistin und Kirchenmusikerin Līga Auguste kam über die Musiktheorie und die Orgel zur Kirchenmusik. Sie studierte zunächst an der Akademie der evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands und an der Nationalen Musikakademie Jāzeps Vītols in Rīga.
Derzeit bildet sie sich an der Hochschule für Kirchenmusik Herford fort (Studiengang Künstlerisches Orgelspiel bei KMD Wolfgang Lüschen), wo sie bereits einen Masterabschluss erworben hat. Sie ist hauptamtliche Kirchenmusikerin der ev.-luth. St. Stephans-Kirchengemeinde in Vlotho.
Dieses Stück erinnert an Bachs Matthäus- und Johannes Passion. In einem wunderbaren Dialog sagt Jesus, dass er nach Jerusalem geht. Die Seele (ein Alt) versucht ihn zu warnen: Sei vorsichtig, dein Kreuz wartet dort auf dich! Die Hauptthemen der Unterwerfung und des Leidens sind emotionale. Alto Alex Potter meint, dass ein solches Duett in Leipzig als ein Schock der Gemeinde ankommen muss. Die Idee von Bach als frommer Vater der Kirchenmusik entstand im neunzehnten Jahrhundert. Aber in Bachs Tagen waren gesungene Dialoge hauptsächlich mit der Oper verbunden, und sie hätten den frommen Verehrern unangenehm erschienen.
Die Kantate wurde für den letzten Sonntag vor der Fastenzeit geschrieben. In der letzten Arie singt der Bass „Es ist vollbracht“. Alex Potter: „Natürlich ist das kein tragisches Ende, da die Kreuzigung die Vollendung des Planes Gottes markiert. Hören Sie auf die Saiten, die eine Art Hallo-Effekt bilden wie der, den Christus in der Matthäus-Passion hatte, aber verloren, als er am Kreuz war. Jetzt ist der Heiligenschein zurückgekehrt, da Jesus über den Tod triumphiert und die Rettung gebracht hat.
Vier Solisten
Wir führen diese Kantate mit nur vier Sängern. Sie alle haben Solos, und das Stück schließt mit einem endgültigen Choral gesungen. In einigen Aufführungen kommen zusätzliche Sänger mit einem vierteiligen Finale zusammen und schaffen einen kleinen Chor. Wir wissen nicht, was Bach selbst tat, da es keinen Hinweis darauf gibt, wie viele Sänger er benutzen wollte.
In dieser Aufführung haben wir uns für vier Solisten entschieden. Das macht die Linien ausdrucksvoller und man hört mehr Details. Für einen zwei- oder dreiteiligen Teil in Bachs Musik würde niemand daran denken, mehr Stimmen für jeden Teil zu verwenden. Aber wenn es vier Teile gibt, dann muss es plötzlich ein Chor werden. Ich denke, dass die Entscheidung, nur vier Sänger zu benutzen, für eine Kantate so gut gerechtfertigt ist, die nicht viele Instrumente beinhaltet „, sagt der künstlerischerische Leiter und Dirigent Jos van Veldhoven.
Lage und Orgel
Diese Aufnahme wurde in der Wallonischen Kirche im Herzen von Amsterdam gemacht. Nicht nur die Kirche hat eine gute Akustik, es ist auch ein Wallfahrtsort für Organisten wegen ihrer Müller-Orgel von 1739.
Organist Leo van Doeselaar: „Dies ist eines der schönsten kleinen Barock-Orgeln in den Niederlanden. Gustav Leonhardt war der Organist an der Wallonischen Kirche von 1959 bis 1982. Er hatte die Orgel in den ursprünglichen Zustand schon in den 60er Jahren wiederhergestellt. Es ist eine echte Pionier-Orgel „. Für diese Aufführung verwenden wir diese „große“ Orgel. Eine Kastenorgel ist ein Anachronismus, der in Bachs Tag nie benutzt wurde.
„In Bachs Kirchenmusik spielte die große Kirchenorgel immer die Continuo-Parts. Grundsätzlich hatte es die gleiche weiche Anmeldung wie eine Kastenorgel, aber die viel breiteren skalierten Pfeifen der Kirchenorgel bilden einen bedeutungsvolleren Bestandteil des Timbre eines barocken Ensembles. Für Choräle und Chöre der Barockzeit wurden stärkere Register benutzt und die Bassline auf dem Pedal gespielt, mit einem 16-Fuß-Kontrabassregister. Die Tatsache, dass es noch nie so getan wurde, ist eigentlich eine der unbeabsichtigten Verfälschungen des historischen Klangansatzes „, sagt Organist Leo van Doeselaar.
BWV
159
Titel
„Sehet, wir gehn hinauf gen Jerusalem“
Genre
Kantate
Jahr
1729
Stadt
Leipzig
Texter
Christian Friedrich Henrici (alias Picander)
Gelegenheit
Sonntag Quinquagesima (der letzte Sonntag vor der Fastenzeit)
Uraufführung
27. Februar 1729
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Veröffentlichungs-Datum der Aufnahme: 14. Juli 2017
ALL OF BACH veröffentlicht den Orgel-Choral – BWV 739 „Wie schön leuchtet der Morgenstern“
„Gefüllt mit Optimismus, lässt Bach die Orgel in den höheren Regionen erfreuen.“
‚Schön‘, ’süsse‘, ‚lieblich‘, ‚freundlich‘, ‚herrlich‘, ‚grob‘, ‚ehrlich‘, ‚reich‘, ‚hoch‘ und ‚prächtig‘. Das sind die Worte, die über den Morgenstern im Titel dieser Choräle arrangiert wurden. Dieser Morgenstern bezieht sich gewöhnlich auf die Venus, den Planeten, der kurz vor der Morgendämmerung hell in den Himmel leuchtet. Hier ist natürlich der Morgenstern Jesus Christus.
Die wunderschönen, optimistischen Worte sind hervorragend von der Musik abgestimmt, in der sich die Orgel von Anfang bis Ende in den höheren Regionen freut. Es ist so weit, daß es schwer ist, die ursprüngliche Melodie zu erkennen, die zuerst in langen Tönen im oberen Teil und dann im Pedal erscheint. Nach etwa fünf Minuten ist diese Anordnung auf der langen Seite für ein chorales Präludium, das zu viel Spekulationen geführt hat, worum es bestimmt war. Angesichts der verschiedenen variantenartigen und eigenständigen Dekorationen, die einander folgen, könnte man das eine „freie“ Choralphantasie im Stil von Buxtehude und seinen Zeitgenossen nennen.
Die Papieranalyse hat gezeigt, dass das Stück zwischen 1703 und 1709 notiert worden sein muss. Die Partitur ist das älteste überlebende Manuskript von Bach. Es ist leicht, den geistigen Sprung von diesem Manuskript zu Bachs berühmter Reise nach Norddeutschland im Jahre 1705 zu machen, um den berühmten Organisten Dietrich Buxtehude zu hören. Vielleicht wollte er dieses Stück dem großen Meister zeigen, oder vielleicht ist es eine Komposition, die die Inspiration des jungen Bachs in Lübeck ausdrückt. Es ist klar, dass er auch hier alle seine Beispiele übertroffen hat. „Der jugendliche Überschwang“, schreibt Bach-Biograph Christoph Wolff, „grenzt an Übertreibung hier und da“. Die üppige „Coda“ in den letzten Takten wäre vor allem mit vielen Hörern nicht gut gegangen. Auf jeden Fall war Bach stolz auf diese Choralphantasie, von der er immer eine ordentliche Kopie hielt.
Besondere Hinweise Das Arrangement ist eine der Gruppen von ein paar Dutzend verstreuten Orgelchoranden von Bach, die nicht auf ein Erstellungsdatum oder eine Gelegenheit zurückverfolgt werden können.
In seinem sehr lesbaren Buch Johann Sebastian Bach – Die Motetten, sagt Klaus Hofmann, dass Sänger aus Leipzig jene Jahrhunderte als „Der saure Weg“ nach der schwierigsten Phrase des Stückes wussten. Der Weg zur Quelle ist ein geraderer, denn obwohl wir noch nicht genau wissen, für wen Bach dieses Stück geschrieben hat, ist es doch klar, dass er es selbst komponiert hat. Darüber hinaus können wir annehmen, dass es sich um eine Beerdigungs- oder Gedenkmühle handelt, die in Leipzig entstanden ist. Ein wichtiger Hinweis dafür ist der Text, der von Paul Thymich im Jahre 1684 für die Beerdigung des damaligen Schulleiters der Thomasschule geschrieben wurde. Bach nahm die erste und letzte Strophe aus dem 1697 Wagnerschen Liederbuch. Jeder Vers endet mit einem Hinweis auf Jesus als den „geraden Weg“, wie im Buch des Johannes. Die „eigene Melodie“, auf die sich das Buch bezieht, hat nicht überlebt.
Ohne Chorale als Basis, war Bach frei, zu einem klassischen Motettenmodell zurückzukehren, indem er jedem Element der Bedeutung seinen eigenen kleinen Teil gab. Die erste Strophe ist also in sechs kontrastierende Abschnitte unterteilt. „Der saure Weg“ mit seinen schwierigen Schritten und Sprüngen ist einer von ihnen, und die treffend ausgedrückte „Kraft“, die „verschwindt“ ist ein anderer. Sie spüren den hoffnungsvollen Todeswunsch schon in den Eröffnungsbars und in ‚Ich sehne mich‘. Der fröhliche Übergang von der Erde zum Himmel kommt in der zweiten „Komm, komm“ des Textes (‚ich will mich dir ergeben‘) zum Leben. „Du bist der rechte Weg“ schließt den ersten Vers mit einem schaukelnden Jubel-Lied für die beiden Chöre.
Für den zweiten Vers beschränkte Bach sich auf eine geniale Arie, in der sich beide Chöre vereinen. Aber die trügerisch einfache Fassade eines vierteiligen Chorals verbirgt eine raffinierte Tapisserie von Klängen. Große Sprünge, schwierige Läufe und spannende Harmonien heben dieses Stück über eine einfache Kongregationshymne hinaus, und die sanfte Melodie strahlt zu viel „Bach“ aus, um ein existierender Chor zu sein. Schließlich gibt es eine weitere bewegliche Ausarbeitung auf dem „geraden Weg“ Paraphrase, in einem Ausdruck von tiefem Vertrauen in den Tod und einen Platz im Himmel.
Motetten, BWV 225-231, 118 und Anhang 159
Kantaten waren Bachs tägliches Brot und ein regelmäßiger Teil seiner wöchentlichen Aufgaben als Cantor von St. Thomas. Seine Motetten waren ganz anders. Abgesehen von der Kantate wurde in Leipzig kaum eine neue Musik gespielt (stattdessen wurde die Musik aus der Motettsammlung Florilegium Portense ausgewählt). Dies gab Bach Umfang für schriftliche Auftragsarbeiten für private Anlässe, oft Beerdigungen. Leider sind wahrscheinlich Dutzende dieser Werke verloren gegangen. Die Stücke, die überlebt haben, sind seit ihrer Komposition im Repertoire geblieben, im Gegensatz zu Bachs anderen Vokalwerken.
Die überlebenden authentischen Motetten – neun Werke, obwohl die Forschung weiter – bauen auf einem Genre mit einem beeindruckenden Stammbaum. Vor dem Hintergrund der strengen Renaissance-Polyphonie entlehnte die Generation von Schütz (1585-1672) Elemente aus den opulenten, polychoralen Werken von Giovanni Gabrieli und gab ihnen eine mitteldeutsche, lutherische Torsion. Auch in Bachs Fall konzentrierte sich der Inhalt auf Choräle und biblische Passagen, wobei der weltliche Madrigalismus (oder einfach nur die Darstellung der Worte) nur den Ausdruck des religiösen Genres verstärkte.
BWV 229
Titel
Komm, Jesu, komm, mein Leib ist müde
Genre
Motette
Jahr
1723-1732
Stadt
Leipzig
Texter
Erste und letzte Strophe eines Liedes von Paul Thymich
Orlanda Velez Isidro, Klaartje van Veldhoven, Griet de Geyter, Aleksandra Lewandowska, Marjon Strijk, Hilde van Ruymbeke, Stephanie Pfeffer, Marta Paklar
Alt:
Barabás Hegyi, Gemma Jansen, Elena Pozhidaeva, Bernadett Nagy, Marine Freiburg, Victoria Cassano McDonald
Tenor:
Adriaan de Koster, Wolfgang Frisch, Guy Cutting, Diederik Rooker, Immo Schröder, Ronald Threels
Bass:
Matthew Baker, Sebastian Myrus, Pierre-Guy Le Gall Weiß, Martijn de Graaf Bierbrauwer, Michiel Meijer, Jelle Draijer
Sommerliche Kirchenmusik in 2017 in St. Michaelis Hildesheim
St. Michaelis Hildesheim
Liebe Freunde der Musik an St. Michaelis Hildesheim,
in diesem Jahr feiert die Sommerliche Kirchenmusik in St. Michaelis Hildesheim ihr 50jähriges Bestehen. Ein halbes Jahrhundert lang haben regelmäßig Donnerstags in den Monaten Juni bis August Konzerte stattgefunden, bei denen Gäste und MusikerkollegInnen aus dem In- und Ausland in St. Michael unsere ZuhörerInnengemeinde mit ihrer Musik zu erfreut und begeistert haben.
Die 50. Sommerliche Kirchenmusik im 500. Jahr der Reformation geht natürlich inhaltlich auch auf dieses Thema des Jahres 2017 ein.
So werden zum Beispiel am Freitag, dem 30. Juni um 20 Uhr der jüngst gekürte ThomaskantorGotthold Schwarz mit dem Bach Consort Leipzig und dem Sächsischen Barockorchester Telemann-Kantaten zu Luther-Liedern aufführen.
Zwischen den Kantaten wird Dr. Friedrich Schorlemmer eigene Texte rezitieren. Weitere Highlights und das komplette Programm entnehmen Sie bitte der angehängten Übersicht.
Zum Eröffnungskonzert am 1. Juni (Kantorei und Bläserkreis St. Michael openair) wird auch der Gründer der Reihe, mein geschätzter Vorgänger im Amt KMD i.R. Johannes Baumann anwesend sein.
Die diesjährige Reihe verspricht also in vielerlei Hinsicht eine besondere zu werden.
Ich würde mich freuen, Ihr Interesse geweckt zu haben und hoffe auf Ihren Besuch!
TELEMANN UND LUTHER Kantaten zu Luther-Liedern von Georg Philipp Telemann
Wie Bach eine bekannte Hymne zu einem irdischen Fest macht.
Zu singen oder nicht zu singen? Das ist eine der Schlüsselfragen der Orgelversion der Hymne „Allein Gott in der Höh sei Ehr.“ Dieser Choral war eine wichtige Hymne, die von der ganzen Gemeinde im lutherischen Gottesdienst gesungen wurde. Wie bei allen Chorälen ist die Melodie leicht zu singen und sich zu erinnern. Eine so genannte Kirchenhymne konnte von dem Organisten begleitet werden, der die Melodie harmonisierte und oft eine kurze Instrumentalbrücke zwischen den aufeinanderfolgenden Linien des Chorals spielte – genau wie in BWV 715.
In der Regel, Chorale Arrangements, wo die Gemeinde singt zusammen mit der Melodie nutzen Akkorde, die für den Schlüssel dieser Melodie offensichtlich sind. Doch Bach wäre nicht Bach, wenn er die Musik mit harmonischem Gewürz hier und da nicht bestreut hätte, auch in solchen Fällen. Der Musiktheoretiker Athanasius Kircher traf die Marke, als er schrieb, dass diese Variante leckere Musik sorgt: Schließlich wollen wir nicht immer das gleiche Essen essen.
Aber BWV 715 scheint das musikalische Äquivalent eines irdischen Festes zu sein! Die Melodie ist immer noch die von „Allein Gott in der Höh sei Ehr,“ aber unter fast jeder Note gibt es einen unerwarteten, komplexen Akkord. War es noch die Idee, dazu zu singen? Einige Experten haben ihre Zweifel. Aber wenn du irgendwann allein in der Höh sei Ehr singe (und vermutlich kein musikalischer Experte überhaupt), dann kannst du einfach nur laut und klar über alles singen. Wenn du allein zu Hause bist, drehe die Lautstärke auf und versuche es.
Von Anfang an ist klar, dass dies ein früher Bach ist. Diese Art der schnellen Melodie, die plötzlich auf eine unerwartete Note endet, ist eine typisch wunderliche musikalische Geste, die wir in Bachs anderen frühen Werken sehen. Und was folgt, bestätigt nur diesen ersten Eindruck. Wenn Toccata in d-Moll, BWV 913, ist noch frisch in deinen Ohren, zum Beispiel, dann hörst du sofort alle möglichen Ähnlichkeiten.
Es wurde vorgeschlagen, dass dieses Stück die einzige überlebende Arbeit aus einer Reihe von kurzen Präludien und Fugen für Unterrichtszwecke verwendet werden kann. Auf jeden Fall ist es so, wie es in der frühesten Quelle verwendet wird, die ein Manuskript einer ganzen Reihe von Präludien, Intonationen und Fugen in verschiedenen Schlüsseln ist – alles mehr oder weniger die gleiche Länge. Die anderen Werke sind Komponisten wie Pachelbel, Wecker, Zachow, Krieger und Werckmeister. Das Manuskript wurde am 3. April 1709 vonJohann Christoph Bach (1673-1727) begonnen, ein entfernter Verwandter (also nicht Johann Sebastians Onkel oder Bruder des gleichen Namens), der Kantor und Organist in der kleinen Stadt Gehren im Thüringer Wald war . Dieser Johann Christoph verwendete wahrscheinlich das Stück in seinem eigenen Unterricht.
Obwohl dieses Präludium und die Fuge in a-Moll einen relativ bescheidenen Platz in Bachs Oeuvre einnimmt, steht es in einem solchen Sammlungsmanuskript, auch ohne Bachs Namen, auf. Es ist nur so etwas abenteuerlicher, phantasievoll und geschmackvoller als der Rest. Wie viele Schüler müssen Johann Christoph Bach gesagt haben „Ich möchte mehr Stücke von dem Komponisten dieser Fuge“?
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BWV 895 Titel Prelude und Fuge in a-Moll Genre Tastatur Arbeit Jahr Frühe Arbeit, jedenfalls vor 1725 Stadt unbekannt Uraufführung unbekannt
Erschreckende Horror-Preise und neue Entwicklungen für das kommende Bachfest 2018 in Leipzig!
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Am Samstag, 10. juni 2017 kündigte das Bach-Archiv schließlich einen Knüller an. Zum Auftakt der nächsten Auflage 2018 werden an drei Tagen die 30 besten Bach-Kantaten zyklisch zu hören sein. Für den Leipziger Kantaten-Ring verpflichteten die Organisatoren einige der profiliertesten Bach-Ensembles unserer Zeit.
Die Karten kosten im Abonnement zwischen 100 und 500 Euro.Ohnehin wird sich das bislang kirchenlastige Bachfest im kommenden Jahr noch stärker in Richtung eines Musikfestivals entwickeln.
Davon zeugen die Aufführungen beider großer Bach-Passionen ebenso wie eine stärkere Einbindung des Gewandhauses als Spielstätte. Passionen, Klavierübung und Wohltemperiertes Klavier werden als Aufführungszyklen angeboten.
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Mitteilung vom Bach-Archiv Leipzig vom 10. Juni 2017
Vorschau auf das Bachfest 2 0 1 8
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Auch wenn das Bachfest Leipzig gerade erst begonnen hat, die Pläne für nächstes Jahr 2018 stehen schon fest.
An zwei Tagen werden in zehn Konzerten 30 Bachkantaten als „Kantatenring“ aufgeführt.
Bachfest Leipzig 2017: Sir John Eliot Gardiner, Praesident des Bach-Archivs Leipzig, spricht zur Eroeffnung in der Leipziger Thomaskirche. (Foto: Jens Schlueter/Bachfest Leipzig 2017)
Damit knüpfen die Veranstalter an den großen Erfolg des Kantatentages im vergangenen Jahr und in diesem Jahr an. „Wir werden als Zyklus ein komplettes Kirchenjahr simulieren vom 1. Advent, bis zum 27. Sonntag nach Trinitatis.“ Ein Kantatenmarathon der Durchhaltevermögen erfordert. Doch besonders Besucher aus dem Ausland interessierten sich für diese kompakten Angebote, sagt Alexander Steinhilber. „Die Menschen kommen nach Leipzig, um Bach an den Original Spielstätten zu erleben und da darf es dann auch gerne mal ein bisschen mehr sein.“
Eroeffnung Bachfest Leipzig 2017: Der Thomanerchor Leipzig, der ThomasSchulChor und das Haendelfestspielorchester Halle musizieren unter der Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz. Foto: Jens Schlueter/Bachfest Leipzig 2017
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Veröffentlicht am 08.06.2017
Leipzig Ring of Cantatas at Bachfest Leipzig 2018
/ Leipziger Kantatenring im Bachfest Leipzig 2018 8-10 June 2018
The 30 best Bach Cantatas in one Weekend 10 Concerts in Bach’s Leipzig Churches The Best Artists:
Nach seiner Ansprache beim Eröffnungskonzert des Bachfestes Leipzig am 9. Juni 2017 in der Thomaskirche habe ich mich in einem
„Offenen Brief“ an den Präsidenten des Bach-Archivs Leipzig, Sir John Eliot Gardiner, gewandt.
Sie sind ein in aller Welt hoch geschätzter und gern gehörter Interpret insbesondere des umfangreichen geistlichen Werkes von Johann Sebastian Bach. Viele Menschen freuen sich, Ihre Konzerte beim Leipziger Bachfest miterleben zu können. Ihre internationale Reputation hat dazu geführt, dass Ihnen die Stadt Leipzig angetragen hat, Präsident des Bach-Archivs zu werden. In dieser Eigenschaft tragen Sie ein hohes Maß an Verantwortung für die Pflege des Bach‘schen Werkes in der Stadt, in der der große Thomaskantor im 18. Jahrhundert über 27 Jahre gewirkt hat.
Sir John Eliot Gardiner beim Bachfest 2017 im Gewandhaus
Am vergangenen Freitag haben Sie als Präsident des Bach-Archives beim Eröffnungskonzert des Bachfest in der Thomaskirche gesprochen. Im Programm war dazu ausgewiesen „Einführung“. Mit Spannung haben viele Menschen erwartet, was Sie auf dem Hintergrund ihres profunden Wissens und ihres reichen musikalischen Erfahrungsschatzes zum diesjährigen Bachfestmotto „Ein schön new Lied – Musik und Reformation“ und zu den beiden Hauptwerken des Eröffnungskonzertes sagen werden. Doch dazu war leider nichts zu vernehmen. Stattdessen haben Sie – aus welchen Gründen auch immer – auf Ihre Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus verwiesen und Ihr eigenes Konzertprogramm im Detail dargestellt. Nach der englischen Übersetzung Ihrer Ansprache haben Sie dann die Thomaskirche mit der Bemerkung verlassen, dass Sie die Werke, die jetzt zu hören sein werden, schon kennen und schließlich selbst im Gewandhaus aufführen werden – nach dem Motto: Ich besuche nur die Konzerte, die ich selbst dirigiere. Kein Wort war aus Ihrem Mund zu hören zur reformatorischen Musiktradition und zur Bachkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80) und zu Mendelssohns „Lobgesang“; kein Wort der Wertschätzung zum Thomanerchor oder zu Thomaskantor Gotthold Schwarz. Nun liegt es mir fern, Ihnen zu unterstellen, dass dies ein unbeabsichtigter Fauxpas war. Dafür sind Sie viel zu versiert.
Also muss jeder davon ausgehen, dass dieser Auftritt so von Ihnen geplant und gewollt war. Das aber macht die Sache zu einem Affront und Politikum. Sie haben damit der Würde des Anlasses wie dem ganzen Bachfest einen Bärendienst erwiesen. Mehr noch: Sie haben die aktiven Musiker/innen schnöde missachtet und sich eitel selbst in den Mittelpunkt gestellt. Man fragt sich: Haben Sie das nötig? Doch frage ich mich auch: Wieso diese Lobhudelei für das Gewandhaus(orchester), die dieses gar nicht nötig haben? Wollten Sie damit dem Ansinnen Tür und Tor öffnen, das Bachfest in Zukunft im Gewandhaus zu eröffnen, möglichst mit einem Ensemble Ihrer Wahl und natürlich unter Ihrer musikalischen Leitung? Wollten Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie sich mit einem „Provinzorchester“ aus Halle und einem „Kinderchor“ (Thomaner) nicht abgeben?
Offensichtlich haben Sie immer noch nicht verstanden, dass viele Menschen, vor allem aus dem Ausland, das Leipziger Bachfest deswegen besuchen, weil sie hier die Musik Johann Sebastian Bachs an den Originalspielstätten im Originalformat erleben können, nämlich in der Nikolai- und Thomaskirche in den Gottesdiensten, Metten und Motetten und natürlich auch in den Konzerten. Natürlich: Das allein reicht nicht für ein umfassendes Bachfest. Darum werden auch Sie mit Ihren Ensembles oder Ton Koopman oder Masaaki Suzuki zum Bachfest eingeladen – und viele Menschen freuen sich darauf. Darum auch die umfassende musikalische Darstellung der Traditionen, auf die Bach aufbaute, und der Wirkungen, die seine Musik hatte und hat.
Aber ohne die intensive Pflege der Leipziger Musiktradition geht es nicht. Diese zeichnet sich vor allem durch eine glückliche Verbindung von Professionalität und Demut vor dem Werk und seinem Inhalt aus. Davon aber war bei Ihrem Auf- und Abtritt am Freitagabend in der Thomaskirche nichts zu spüren. Gott sei Dank war dann die Darbietung des Thomanerchores, des ThomasSchulChores, des Händelfestspielorchesters Halle und der Solisten unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz so stark, dass zum einen die Peinlichkeit Ihrer Ansprache noch deutlicher zu Tage trat, sie aber nichts an der Großartigkeit des Musikerlebnisses schmälern konnte.
Dieses Ihnen in aller Offenheit zu schreiben, ist mir ein großes Anliegen. Denn mir ist sehr wohl bewusst, dass diejenigen, die in Ihrer Nähe sind, Ihnen die Unmöglichkeit des Auftritts kaum vermitteln werden, und viele Menschen, die Ihre Ansprache miterlebt haben, wünschen, dass Sie dies erfahren.
ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 232 – Messe h-moll
J.S. Bachs Testament
J.S. Bachs „Messe in h-moll“ BWV 232 – könnte als ein großes Konzert Grosso angesehen werden.
Grote Kerk in Naarden (Holland) bei aufgehender Sonne!
Erhabene, extreme und allumfassende … nur Superlative werden tun, um Bachs Messe in h-Moll zu beschreiben. Zwischen einem beeindruckenden Kyrie und dem jubelnden Finale Dona nobis pacem gibt es neun völlig einzigartige Arien und Duette, vierzehn beeindruckende Ensemble-Sektionen für vier, fünf, sechs und sogar acht Stimmen, ein breites Spektrum an Instrumentalsolos und eine unglaubliche Vielfalt Von Stilen Unsere Bewunderung ist gerechtfertigt: Es war mit gutem Grund, dass im Jahre 1748-49 Bach einige der Highlights seiner langen Karriere zusammenbrachte. Die Messe enthält sogar Bachs sehr letzte Seiten der Vokalmusik, die „Et incarnatus est“, direkt neben dem „Crucifixus“, eine schlaues Arrangement aus einer seiner frühesten Kantaten, die 1714 komponiert wurde.
Ein magnum opus
Es gab viel Spekulation über die Frage, warum Bach eine Messe am Ende seines Lebens zusammengestellt hat. Heutzutage wird die Messe in h-Moll allgemein als das Magnum-Opus seiner Vokalwerke angesehen; Gleichbedeutend mit anderen großen Projekten von Bach wie Die Kunst der Fuge und der Clavier-Übungen Serie. Bach hat sich für ein Odem der Messe entschieden, weil es ihm viel Freiheit gab. Es gibt viel Text und es ist nicht diktiert, welche Bewegungen vom Chor gesungen werden sollen und welche Arien es sein sollten. Weder gibt es Regeln über die Anzahl der Bewegungen. Darüber hinaus sind die Worte der Messe – anders als die der Kantaten – eher universell als ein Produkt ihrer Zeit.
Die Messe von 1733
Die Länge der Messe in h-Moll schließt es aus, dass es in einer Gesamtheit in einem Gottesdienst gesungen wird. Doch das bedeutet nicht, dass Bach seine Schöpfung nie wieder aufgenommen haben könnte. Es kann sein, dass es in Teilen über die Jahre aufgeführt wurde. Die meisten Forscher glauben jetzt, dass Bach seine Messe weitgehend aus der vorhandenen Musik zusammensetzte, die überwiegend aus den Kantaten stammte. Die Initiative für die komplette Messe stammt aus dem Jahre 1733, als Bach die Teile für eine Messe in h-Moll dem König August III in Dresden vorstellte. Es war der Beginn einer Reihe von fünf „lutherischen“ Messen, die nur die Kyrie und die Gloria enthielten, die alle in den 1730er Jahren entstanden sind. Während Bachs Text sich von der römisch-katholischen Liturgie etwas unterscheidet, war eine so beschränkte Einstellung der Messe am katholischen Hof von Dresden sehr verbreitet. Darüber hinaus eignet sich die Form sehr gut für den Brauch in Dresden (anstatt in Leipzig); Nämlich eine Messe wie im neapolitanischen Stil von Zelenka. Für die Aufführung konnte Bach das weltberühmte Hoforchester ordern, zu dem auch Stars wie der Violinist Pisendel, die Flötisten Buffardin und Quantz gehörten, und der Oboist Richter, der jeweils ein schönes Solo erhielt (bzw. Laudamus te, Domine Deus und Qui Sedes). Der Effekt muss großartig gewesen sein. Die Vielfalt der Stile ist auch bemerkenswert. Zum Beispiel folgt ein echtes barockes Opernduett, Christe eleison, dem zweiten Kyrie im starken Kontrapunkt.
Perfekte Proportionen
Bach kompilierte nur die letzten fünf Abschnitte der Messe, als er die ganze Arbeit in einer Partitur in 1748-49 notierte. Die Architektur des Credo ist auffallend. Im letzten Augenblick hat Bach sein ursprüngliches Format bewusst verändert, indem er den Et incarnatus est vom Duett Et in unum Dominum trennte und so neun Abschnitte produzierte. Im neuen Format werden die Kernelemente des Glaubens, d.h. die Geburt Jesu als Mensch, sein Tod und sein günstiger Aufstieg, jeden eigenen Mittelpunkt im Credo. Übrigens setzt Bach das Erwartungsfragment des Textes zweimal auf die Musik: zuerst dunkel und gepeinigt am Ende des Confiteors, als ob die Leiche in seinem Sarg für das, was kommen wird, und dann jubelnd, wenn die Auferstehung eine Tatsache ist. Bach entlehnte sich auch für die drei Sanctus-Abschnitte. Er verwendete einen Sanctus von 1724 (in extra festlichen lutherischen Diensten, dieser Text wurde gesondert gesungen, ohne Osanna und Benedictus), die Eröffnung der Kantate Preise dein Glücke von 1730 für das Osanna und ein unbekanntes Original für die Arie Benedictus in einem sehr modischen „Empfindsamen“ Stil des Tages, als wollte Bach sagen, dass er immer noch sehr aktuell war.
Über die Leistung
Jos van Veldhovens Idee für diese Aufführung war es, zwischen den Sängern und den Instrumentalisten so wenig wie möglich zu unterscheiden. Immerhin hat Bach oft Instrumentalmusik in seinen Vokalwerken wiederverwendet. Er versuchte auch, den „klassischen“ Chor-Satz zu vergessen und sich in die beeindruckende und reiche Tradition zu setzen, von der Bach teil war. Das Ergebnis ist eine „neue“ Messe in h-Moll: eine Messe wie ein großes Konzert grosso mit vielen verschiedenen Komponenten. Darüber hinaus wurde Jos van Veldhoven von der Textur der Partitur geleitet, auch im Hinblick auf das Orchester.
BWV 232 Titel Messe in h-Moll Genre Lateinische Kirchenmusik (Messe) Jahr 1733 / 1748-49 Stadt Leipzig Texter Ordinary der lateinischen Messe Gelegenheit unbekannt Uraufführung Nicht in ihrer Gesamtheit durchgeführt
Wartburgsaal – Konzert der J.S. Bachstiftung! Uraufführung Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“
384. Wartburgkonzert
Festkonzert anlässlich der
Eröffnung der nationalen Sonderausstellung auf der Wartburg ›Luther und die Deutschen‹
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Dichtung und Wahrheit rund um die Luther-Kantate!
Hätte Bach eine Kantate auf ein rundes Reformations- jubiläum komponiert, und könnte das Endprodukt Ähnlichkeiten mit unserer ›Luther-Kantate‹ gehabt haben?
Nun, der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten: Selbstverständlich hätte er! Denn Bach erlebte als Hoforganist des ausgesprochen frommen Lutheraners Herzog Wilhelm Ernst am 31. Oktober 1717 in Weimar die prächtig zelebrierte Zweihundertjahrfeier von Luthers Thesenanschlag. Und gewiss hätte er zur Komponierfeder gegriffen, als es damals galt, die vom örtlichen Hofpoeten Salomo Franck gelieferten Texte der drei Festkantaten – für den Geburtstag des Herzogs am 30 Oktober, für die Zentenarfeier des Thesenanschlags am 31. Oktober und die Nach- feier am 1. November – in Musik zu setzen. Bach war schließlich seit 1714 verpflichtet gewesen, »monatlich neue Stücke«, also Kantaten, für die Hofkapelle zu komponieren; und die beiden Kapell- meister Vater und Sohn Drese konnten beim Wegkomponieren der ansehnlichen Textmenge, die Franck geliefert hatte, jede Hilfe gebrauchen.
Der eifrig gebrauchte Konjunktiv kommt jedoch nicht von ungefähr. Zwar sind die drei damals gedruckten Kantatenlibretti erhaltenen. Jedoch tauchen sie weder in Bachs Œuvre auf, noch lassen sich Parodiebeziehungen zu dessen erhaltenen Werken herstellen. Und dies ist womöglich kein überlieferungsbedingter Umstand, sondern war selbstverschuldet. Warum? Bald nachdem Bach im September 1717 in Dresden beim legendären Tastenduell mit dem Pariser Hoforganisten Louis Marchand den Sieg davon getragen hatte und nahezu zeitgleich vom Köthener Fürsten Leopold als neuer Hofkapellmeister engagiert worden war, scheint er mit stolz geschwellter Brust beim Weimarer Herzog um seine Entlassung gebeten zu haben. Hatte er sich dabei im Ton vergriffen? Oder war er sich seiner Sache zu sicher gewesen. Wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass der Herzog not amused war und Bach am 6. November – wie es in den Akten heißt – »wegen seiner halsstarrigen Bezeügung und zu erzwingender dimission« für ganze vier Wochen in der Landrichterstube unter Arrest setzen ließ (Nr. 4 der Luther-Kantate spielt darauf an).
Am 2. Dezember wurde er dann »mit angezeigter Ungnade« aus Weimarer Diensten ent- lassen und musste in Windeseile aus der Stadt ver- schwinden. Es ist gut möglich, daß die Formulie- rung »halsstarrig Bezeügung« auf eine Art Arbeits- verweigerung anspielt, die Bach an den Tag legte, nachdem der Herzog ihm deutlich gemacht hatte, wer die Spielregeln an seinem Hof bestimmt. Sollte Bachs Frust so stark gewesen sein, dass er deshalb Ende Oktober sogar die Mitarbeit an der musika- lischen Vorbereitung der Reformationsfeier »hals- starrig« verweigert hatte, und wanderte er deshalb in den Bau?
Die Wartburg bei Eisenach
Kantaten auf den Jahrestag des Thesenanschlags hat Bach dennoch komponiert – allerdings erst als Leipziger Thomaskantor und gewissermaßen mit leicht angezogener Handbremse. Die Erklärung für Letzteres liefern die Zeitumstände: Seit der sächsische Kurfürst August der Starke 1697 konvertiert war – die Bedingung, um die Krone in Polen zu erlangen – wurde das Stammland der Reformation von einem Katholiken regiert. Die Sachsen arrangierten sich mit diesem paradoxen Zustand. Es galt ein Nicht- angriffspakt zwischen katholischem Regenten und protestantischem Volk. Die landesherrlichen Behörden ermahnten die Geistlichen regelmäßig (und mit mäßigem Erfolg), in ihren Predigten jeg- lichen »Schimpf und Spott wider die Katholischen« zu vermeiden. Im Gegenzug wurde am Luthertum als inoffizielle Staatsreligion nicht gerührt und durfte das jährliche Reformationsfest weiterhin gefeiert werden – allerdings mit gebotener Zurückhaltung, das hieß musikalisch: ohne Pauken und Trompeten!
Wie die Weimarer Festmusik auf die 200-Jahr-Feier der Reformation ausgesehen hätte, wäre Bach doch als Komponist von Salomo Francks Versen aktiv geworden, ist schwer zu sagen. Dessen Kantaten- text besteht aus freigedichteten Chören in Da-capo- Form, einem Diktum aus Johannes 27, Vers 17 (»Heiliger Vater! Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit.«) und drei Arien; er enthält, typisch für Franck, keine Rezitative. Merkwürdigerweise nimmt der Text nur indirekt auf Luther Bezug: Vor dem Schlusschor erklingt die zweite Strophe von Luthers Choral ›Komm, heiliger Geist, Herre Gott‹.
Insofern hätte Bach – wie Rudolf Lutz – gute Gründe gehabt, zumindest instrumental den einen oder anderen Luther-Choral in die Arien hineinzuweben; vielleicht sogar ebenfalls das berühmte »Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort«.
Luther jedenfalls wäre sowohl von einer Bachschen Reformationskantate als auch von unserer heutigen Luther-Kantate aus musikalischer Exegese von Bibelworten und Choralzitaten begeistert gewesen. Schon 1524 hatte er in der Vorrede von Johann Walters ›Geistlichem Gesangbüchlein‹ angeregt, er wolle »alle Künste, sonderlich die Musica, gern sehen im Dienst dessen, der sie geben und geschaffen hat. « Ja, »Gottes Wort«, so der Reformator, »will gepredigt und gesungen sein« (Fastenpostille 1525). Denn: »Wer singt, betet doppelt!«
Text: Michael Maul, Bach-Archiv Leipzig
Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“ (Uraufführung, Auftragswerk von Deutschlandfunk Kultur) Libretto: Carl Graf und Rudolf Lutz
Sätze:
1. Sinfonia 2. Rezitativ (Bass): Im Jahr siebzehnsiebzehn 3. Arie (Tenor): Plant ein Fest 4. Rezitativ (Bass): Der Vorschlag kam 5. Choral: Ach Gott vom Himmel 6. Rezitativ (Sopran, Alt, Tenor, Bass):Die Noth war gross 7. Ouvertüre, Chaconne, Choral: Vater unser im Himmelreich
8. Choral (alle!):Geheiligt werd’ der Name dein 9. Rezitativ (Alt) : Mit Buße 10. Arioso (Sopran):Sie allein lehrt rechten Glauben 11. Rezitativ (Tenor): Zum arg missbrauchten Ablasswesen
12. Choralmotette: Bei dir gilt nichts 13. Arioso (Bass): Wohlan, mein Gott 14. Rezitativ (Sopran): Nun will ich einem solchen Vater 15. Chorfuga: Ein Christenmensch ist ein freier Herr 16. Choral und Tropierungen: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort 17. Beschluss: Mit unsrer Macht ist nichts getan