Archiv der Kategorie: Konzertbesuche-Rezensionen

Lutz in Lipz-Die Schweizer J.S.Bach-Stiftung mit Rudolf Lutz bei Bachfest


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So, da sind wir wieder auf Gralsgebiet. Diesmal konnte ich sogar meinen Mann dafür gewinnen, Leipzig incl. dem Meister einen Besuch abzustatten. Nachdem wir zuerst ein bisschen durch Gohlis geradelt sind mit einem Besuch des Schillerhauses, haben wir uns dann in einer Pinte mit Karl-Heinz und Iris getroffen. Die beiden waren ja nun schon eine Woche da und hatten musikalisch und privat einiges zu erzählen. Nach meinen letztjährigen Bachfest-Exzessen habe ich mich Konzert-technisch etwas zurückgehalten und habe für uns lediglich ein Konzert auf Volkers wärmste Empfehlung gebucht: J.S .Bach-Stiftung mit Rudolph Lutz / Musik von Thomaskantoren.

Ev.reform. Kirche Leipzig Konzert J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Ev.reform. Kirche Leipzig Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Dieses Jahr feiert der Thomanerchor nun sein 800 jähriges Bestehen, so ist es auch als Besonderheit anzusehen, dass sämtliche Thomaskantoren auch als Komponisten teils in überragender Qualität hervortraten, sie haben so ein Kompendium an geistlicher Musik geschaffen, dass in ihrer Geschlossenheit als ein Höhepunkt abendländischer Musik angesehen werden darf. Zudem haben sich viele um die Wiederbelebung, wenn nicht sogar Popularisierung des Bach´schen Erbes verdient gemacht. Heute werden folgende Werke von 3 Thomaskantoren aufgeführt

Johann Sebastian Bach: Christ unser Herr zum Jordan kam BWV 7

Moritz Hauptmann: Mein Seel ist stille zu Gott op 53 No. 1 / Nimm von uns, Herr Gott op. 34 / Kyrie aus Messe f-moll op. 18 / Herr, höre mein Gebet op. 40 Nr. 1

Johann Schelle: Christus der ist mein Leben

Solisten: Alex Potter, Altus / Julius Pfeifer, Tenor / Dominik Wörner, Bass

von links im Bild: Anselm Hartinger und Dirigent Rudolf Lutz

von links im Bild: Anselm Hartinger und Dirigent Rudolf Lutz

Um 19.00 Uhr gibt es dann eine Konzerteinführung von Rudolf Lutz, unterstützt von Anselm Hartinger, persönlich, in der kuscheligen, reformierten Kirche ist Lutz live und in Farbe und vor allem „nah dran“  zu erleben. Das ist schon echt stark, die Begeisterung für die Musik ist in jeder Bewegung zu spüren. Wir erfahren wie Schelle den Engelschor anstimmt, seine ersten Violinen als Fanfaren der Verkündigung einsetzt, wie die Musik den Atem anhält im Moment des Sterbens, angeblich wären die Leute, extra wegen der „zuckersüßen“ Musik in die Kirche geströmt! Wir hören wie Hauptmann seine ineinander verschmelzenden Chorsätze aufgebaut hat und dass er ursprünglich nicht die erste Wahl für das Thomaskantorat war, da er als Bratschist keinerlei Chorerfahrung hatte und auch Bach gesündigt hat, na wer hätt´s gedacht!

Die Kantate berichtet uns mit ihrem archaischem Charakter mit Untermalung der dahinrauschenden Wellen des Jordans und dem drastischen, missionarischen Text („ersäufen auch den bitteren Tod“) von der Taufe des Johannes. Sie kommt mit dem erhobenen Zeigefinger daher, was der Altus Alex Potter ausdrucksstark rüberbringt. Auch der Bass Dominik Wörner hat mir sehr gut gefallen, bei manchen koloraturreichen Arien werde ich jedoch das Gefühl nicht los, dass selbst waschechte Profis Bach´s Schwierigkeitsgrad nur mit Abstrichen bestehen.

Das ist bei den „Hauptmännern“ anders. Mit tollem Chorklang, präzisen Absprachen (kann mich nicht erinnern wann ich bei ´nem A-cappela Chor derartig gute End-Konsonant-Absprachen gehört habe) und schmelzigem Sound präsentieren sich die Schweizer. Auch die Abschnitte, die solistisch besetzt sind, bestechen durch glockenreinen, gut in den Gesamtklang eingepassten Passagen. Wunderschön auch die dynamischen Passagen.

Werkeinführung "Thomaskantoren" durch Rudolf Lutz - J.S. Bach-Stiftung

Werkeinführung „Thomaskantoren“ durch Rudolf Lutz – J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Dann Schelle: Das ist der melodiöse Höhepunkt des Abends. Von dem Enthusiasmus durch R. Lutz angesteckt, hören wir jetzt „Schelle – transparent“ und lassen uns von der phantastischen Musik mitnehmen. Mit Ausnahme von Bach waren dies keine Werke, die pompös daherkommen, sondern dies ist Musik von bodenständigen, bescheidenen Komponisten, die ihr Bestes für SOLI DEO GLORIA gegeben haben. Lutz verfügt über ein tolles Ensemble, viel Musikverständnis sowie auch musikdidaktische Fähigkeiten; es war kein spektakuläres Konzert (vielleicht habe ich auch jetzt zuviel Wagner gehört) -ohne dem ganzen einen negativen Anstrich zugeben-, eher mit der Aussage, hört zu, es gibt neben Johann Sebastian Bach auch noch andere Thomaskantoren, die tolle, hörenswerte Musik gemacht haben, die es nicht verdient haben ungehört zu bleiben, auch wenn sie  Bachs Genius nicht überstrahlen können. Wir dürfen also gespannt sein, was demnächst für ein frischer Wind aus der Schweiz weht.

Vokal- und Instrumental-Gruppe der J.S. Bach-Stiftung

Vokal- und Instrumental-Gruppe der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Was aber wirklich negativ war, dass Lutz trotz Standing Ovations keine Zugabe gegeben hat. Tipp von mir für dieses Programm: „Hauptmann-Die Nacht ist kommen“

Claudia

Reisebericht vom Bachfest Leipzig vom 07.06. -14.06.2012 Teil I und Teil II


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Bachfest 2012 Leipzig

Bachfest 2012 Leipzig

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Kaum in unserer Ferienwohnung in Leipzig angekommen, mussten wir schon wieder los. Koffer blieben unausgepackt; wir durften ja die Übertragung des Eröffnungskonzertes aus der Thomaskirche auf einer Riesen-Leinwand am Marktplatz nicht verpassen und am Abend waren noch die Wandelkonzerte dran.

Wandelkonzerte am Eröffnungsabend des Bachfestes 07.06.2012

Im Specks Hof – Hansahaus sang das Vokalensemble Six Ajoutés.

Vokalensemble Six Ajoutés, Foto: Dirk Knofe

Vokalensemble Six Ajoutés, Foto: Dirk Knofe

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In der Mädler-Passage spielte das Zelenka Trio eine Sonata 5 in F-Dur.

In der Mädler Passage spielte das Zelenka Trio, Foto: Dirk Knofe

In der Mädler Passage spielte das Zelenka Trio, Foto: Dirk Knofe

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Es waren vier Wandelkonzerte, von jeweils ca. ½ Stunde Dauer. Das begeisterte Publikum wanderte (wandelte) dann zum Nächsten. Herrliche Musik, ganz junge Künstler/innen; alle Stipendiaten von der Yeduhi-Menuhin-Stiftung. Wir brauchen uns um Nachwuchs wirklich keine Sorgen zu machen. In Leipzig war er von morgens bis abends in Hülle und Fülle präsent.

Irgendwann konnten wir nicht mehr; ab in die Ferienwohnung. Kofferauspacken war nicht drin – zu müde.

Am 08.06.2012

ging`s gleich morgens um 9.30 h mit der ersten Mette in der Thomaskirche los. Wieder kein Kofferauspacken; nach „Schnuppern“ im Bachmuseum, Thomaskaffee, Bacharchiv und Innenstadt kam um 18.00 h die Motette in der Thomaskirche. Leitung hatte Ludwig Böhme (er singt im Calmus-Ensemble Bass-Bariton) und hat das mit seinem noch relativ jungen Chor ausgezeichnet gemacht.

Abends kam dann der 1. dicke Hammer:

Matthäus-Passion mit Masaaki Suzuki; der nachmittags im Rathaus die Bachmedaille verliehen bekommen hatte.

Die beiden Chöre waren sehr durchsichtig; wurden im Eingangschor von Solisten des Tölzer Knabenchores unterstützt. Suzuki hat diesen Teil spitzenmäßig dirigiert. Einiges war für uns im Laufe des Konzertes sehr gewöhnungsbedürftig – teilweise schleppende Tempi dann wiederum bei Chorälen ein absolut wildes Tempo. Für kühle Nordeuropäer etwas schwierig. Nach drei Stunden MP waren wir fertig wie die Matschbrötchen und sind nur noch nach Hause geschlichen.

Kofferauspacken wieder nix.

Am 09.06.2012

morgens wieder die obligatorische Mette – die musikalische Ausgestaltung war immer beachtlich – die relativ kurzen Ansprachen der Ortspfarrer/in ebenfalls.

Dann natürlich wieder die Motette und abends ging`s in Konzert:

Ton Koopmann mit dem Amsterdamer Barockorchester und Dorothee Mields, die drei Solokantaten gesungen hat, waren für uns der absolute Höhepunkt des Bachfestes.

„Jauchzet Gott in allen Landen“ (BWV 51), „Mein Herze schwimmt im Blute“ (BWV 199), und „Weichet nur, betrübte Schatten“ (BWV 202). Ein ausgelassener Koopmann, eine sprühende, funkelnde Sopranistin (vor allem bei BWV 51 und BWV 202), ein einfühlsames Barockorchester haben uns in eine andere Welt entführt.

Am Schluss gab es 20 Min. stehende Ovationen – wir waren außer Rand und Band, keiner wollte gehen. Auch nach den Zugaben sind wir sitzen geblieben und wären sicherlich auch die ganze Nacht geblieben. Aber irgendwann mussten wir dann doch die Nikolaikirche verlassen und im Fussballgetümmel untertauchen.

An diesem Abend war an Kofferauspacken nicht zu denken.

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YouTube BWV 202 „Weichet nur, betrübte Schatten“ von Concerto Amsterdam

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Teil II

Am 10.06.2012

Sonntagmorgen der obligatorische Gottesdienstbesuch in der Thomaskirche. Wieder wunderschöne Musik, dargeboten von ganz jungen Musikern/Innen. Unsere Allerwertesten  wiesen schon Schwielen auf – soviel Kirchenbänke „drücken“ ist doch ungewohnt.

Über Mittag ging`s dann in die Leipziger Altstadt und um 18.00 h ins Gewandhaus.

„Kunst der Fuge“ mit der Sinfonietta Leipzig unter Stefan Asbury. Die einfachen Fugen, die Umkehrfugen, die mehrthemigen Fugen, die Spiegelfugen und Canons wurden so vielschichtig, einfühlsam aber auch packend dargestellt, dass uns der Atem stockte. Obwohl wir „Die Kunst der Fuge“ alle kennen, ist der abrupte Abbruch in der Schlussfuge, das „Aus“ jedes Mal so endgültig, dass es mich mit Angst und Schrecken erfüllt.

Nach diesem Konzert haben wir erst einmal eine Pause eingelegt.

Am 11. 06.2012

sind wir zu Freunden nach Zwickau gefahren. Andächtig haben wir vorm Schumann-Haus und Schumann-Denkmal gestanden und uns gewundert, dass die Zwickauer ebenfalls vom 07.-17.06.2012 (genau in der Zeit des Bachfestes in Leipzig) ihr Schumannfest organisiert haben. Aber so etwas müssen wir nicht verstehen.

Am 12.06.2012

haben wir uns wieder ins Leipziger Getümmel begeben und gleich zweimal die harten Stühle in der Peterskirche ausprobiert: morgens zur Mette und abends zu den Leipziger Universitätsmusiken. Diese Kaffeehauskonzerte erfreuten sich schon zu Bachs Zeiten größter Beliebtheit. Diese Dramma per Musica wurden zu bestimmten Anlässen komponiert. Ehrentage bekannter Persönlichkeiten, Huldigungsmusiken für Könige usw. Bei der Kantate „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“ war`s vom Text her fasst um unsere Fassung geschehen. Ich zitiere:

„Ja, ja, Gott ist uns noch mit seiner Hülfe nah

Und schützt Augustens Thron.

Er macht, dass der gesamte Norden

Durch seine Königswahl befriedigt worden.

…. Das macht, ihm ist es eine Lust,

der Untertanen Brust

durch Liebe mehr denn Zwang zu binden“.

 

Karl-Heinz`jeder 2. Satz ist bis heute: „Preise Dein Glücke gesegnetes Sachsen“ und meine stereotype Antwort: „bin ich froh, dass ich im real existierenden Kapitalismus groß geworden bin und solche Schmarren nicht mitmachen musste“. Dafür habe ich in der Schule noch zu DDR-Zeiten gelernt: „Händchen falten, Köpfchen senken, eine Minute an Väterchen Stalin denken“. Fehlte dann die passende Musik dazu.

Am 13.06.2012

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Evangelisch reformierte Kirche Leipzig

Evangelisch reformierte Kirche in Leipzig, Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen mit dem Programm: „Thomas-Kantoren“

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für uns der letzte Leipzigtag, war noch mal ein richtiger Höhepunkt.

Am frühen Abend das Treffen mit Claudia, Rüdiger, Alex, Volker und Rita und dann das sagenhafte „Abschluss-Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen.“ Nach einer rasanten Einführung in die Zeit der Thomaskantoren Bach, Moritz Hauptmann (1792-1868) und Johann Schelle (1648 – 1701; Vor-vorgänger J. S. Bachs) lieferten die Schweizer, sprich Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung unter Leitung von Rudolf Lutz ein beeindruckendes Konzert.

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Vokal-Ensemble & Orchester der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen; Leitung: Rudolf Lutz

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Wir waren ganz benommen und haben an dem Abend zusammen noch lange erzählt und geschwärmt.

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YouTube BWV 7 „Christ unser Herr zum Jordan kam“  (Interpret: Sir Gardiner)

(Diese Kantate wurde von der J.S. Bach-Stiftung am 13.6.2012 mit aufgeführt!)

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Jetzt hör` ich auf – Volker, Claudia und Co. wollen bestimmt auch noch ihren Kommentar abgeben.

Am 14. 06. ging`s morgens Richtung Löhne. Kofferpacken brauchten wir nicht – wir hatten ja nicht ausgepackt.

Lieben Gruss

Iris und Karl-Heinz

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Im nächsten Jahr findet das Bachfest vom 14.6. – 23.06.2013 statt:

 Thomanerchor Leipzig, G. Ch. Biller

The English Baroque SoloistsSir J. E. Gardiner

The Monteverdi ChoirGewandhausorchester

Helsinki Baroque Orechstra – Reinhard Goebel

Kammerchor Stuttgart – Frieder Bernius

Rheinische Kantorei – Hermann Max

Freiburger Barockorchester – Ensemble in residence

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Unsere Ferienwohnung hab` ich schon reserviert, der Kartenvorverkauf  beginnt im Oktober 2012.

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Himmelfahrtskantaten in London, St. Giles, am Donnerstag, 10.05.2012 mit dem Monteverdi Choir, den English Baroque Solists Leitung: Sir J. E. Gardiner


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Aufführungsstätte: St. Giles Cripplegate, London

Aufführungsstätte: St. Giles Cripplegate, London

Eine Himmelfahrt mit Wiederkehr !

Himmelfahrtskantaten in London, St. Giles, am Donnerstag, 10.05.2012

mit dem

Monteverdi Choir,

den English Baroque Solists

Leitung: Sir J. E. Gardiner

St. Giles Cripplegate, London

Solisten:
Lenneke Ruiten Sopran
Meg Bragle Mezzosopran
Andrew Tortise Tenor
Dietrich Henschel Baß

Im ersten Konzert um 18.30 h kamen zur Aufführung:

Auf Christi Himmelfahrt allein BWV 128 uraufgeführt: 10. Mai 1725
Wer da gläubet und getauft wird BWV 37 18. Mai 1724
Lobet Gott in seinen Reichen BWV 11 19. Mai 1735

Innerhalb von 11 Jahren, von Mai 1724 bis Mai 1735,  hat J. S. Bach die Himmelfahrtskantaten und das Himmelfahrtoratorium geschrieben und aufgeführt. Es sind großartige Werke, die einen alles Irdische vergessen lassen und mitnehmen in schwindelerregende Höhen.

Dazu diese erstklassige Besetzung: Die English Baroque Soloists sind einfach nicht zu toppen. Es war ein einziges Swingen und Jazzen, teilweise auch Rocken. Allen voran Prof. Niesemann an seiner Oboe. Zauberei, Magie! Für mich war er das absolute Highlight. Ich habe mich nach den beiden Konzerten bei ihm bedankt. Er schien ganz überrascht, hatte wohl selbst gar nicht gemerkt, wie großartig er gespielt hat.

Der Chor war in ausgezeichneter Form, die Solisten brillant und der Sir einfach genial. Er hat uns alle mitgerissen. In einer kleinen, launigen Rede während einer kurzen Umbauphase hat er sich in beiden Konzerten bei allen für die geleistete Unterstützung bedankt. Selbst aus Afrika, China oder Australien waren Spenden gekommen, um die Lücke in der Reihe der CDs der BachCantataPilgrimage zu schließen. Die Finanzierung für diese Aufnahme wurde erst durch eine gewaltige Spendenaktion möglich. Während der Pilgrimage im Jahr 2000 konnten nur die Himmelfahrtskantaten wegen eines technischen Defektes nicht live aufgenommen werden. Das wurde jetzt in London nachgeholt.

Sir Gardiner - First Tutti for our Ascension Cantata concerts

Sir Gardiner – First Tutti for our Ascension Cantata concerts… (Fotorechte: Soli Deo Gloria, England)

Im zweiten Konzert um 20.30 h waren die Musiker/innen, Sänger/innen und Solisten außer Rand und Band, schmetterten, posaunten und jubelten.

Auf Christi Himmelfahrt allein BWV 128 (Wiederholung) s. o.
Gott fähret auf mit Jauchzen BWV 43 30. Mai 1726
Lobet Gott in seinen Reichen BWV 11 (Whlg. und Krönung) s. o.

Die absolute Krönung für mich war das BWV 11 Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“.

Alle Erdenschwere schien aufgehoben. Das Frohlocken der Instrumente und der Jubel des Chores haben mir ganz persönlich ein Stückchen Himmel auf Erden gezeigt.

Der Applaus am Ende dieses Konzertes wollte kein Ende nehmen. Auch nach der obligatorischen Zugabe konnte ich mich nur schwer vom Ort des Geschehens lösen.

Ich möchte die einzelnen Kantaten und das Oratorium nicht kommentieren. Das können andere besser. Ich möchte Euch einfach nur an meiner Freude teilhaben lassen; Freude darüber, dass ich diese beiden außerordentlichen Konzerte live erleben konnte, dass meine Gesundheit mitgespielt hat und ich um mich herum immer nette Menschen hatte, die mir meine Fragen beantwortet und weitergeholfen haben.

Einen Wehrmutstropfen habe ich allerdings zu verzeichnen: Meine Kamera hat in London kurzerhand ihren Geist aufgegeben, so dass ich trotz aller Bemühungen vom Konzert und den Örtlichkeiten kein einziges Bild machen konnte. Für mich habe ich mit den Augen fotografiert, seht`s mir nach.

Herzlichen Gruss

Iris

Eine Juwel einer Bach-Kantate erklang am Sonntag „Cantate“ in der Nicolaikirche


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Liebe Bachfreunde !

Selten wird in einem Forum über einen Gottesdienst etwas ausgesagt. Am Sonntag „Cantate“ besuchten wir den Kantaten-Gottesdienst in der Bielefelder Altstädter Nicolaikirche und wurden dort mit einem wunderbaren musikalischen Gottesdienst mehr als reich beschenkt.

Die Bedeutung des Sonntags „Cantate“ in der Evangelischen Kirche:

Zentraler Inhalt des Gottesdienstes an Sonntag Cantate ist der Gesang zum Gotteslob und die Wertschätzung des Gesangs und der Kirchenmusik. Vielerorts wird der Sonntag Cantate als musikalisch besonders gestalteter Gottesdienst begangen.

Zur Einleitung erklang von J.S. Bach das Orgel-Werk BWV 552 Praeludium Es-Dur. Zu unserer Überraschung spielte der uns allen bekannte Pianist vom OWL-Blogtreffen 2011 „Dmitri Grigoriev“ dieses wunderschöne Orgelwerk an der großen Beckerath-Orgel und gestaltete den weiteren liturgischen Gottesdienst.

In seiner Predigt outete sich Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher als ein profunder Bach-Kenner und Liebhaber seiner Musik und sprach über das BWV 172 „Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“, welches einleitend mit einem 1. Teil der Kantate vor der Predigt erklungen war. Vortrefflicher kann über eine Bach-Kantate nicht referiert werden und wir erlebten eine Lehrstunde über diese großartige Pfingst-Kantate mit ihren berührenden Rezitativen, Arien und Chorälen.

Leitung: Carsten Briest

Leitung: Carsten Briest

Der nachfolgende zweite Teil der Kantate „Erschallet, ihr Lieder“ ging einem dann doch unter die Haut. Vorab gab es die profunde wörtliche Einleitung zum BWV 172 und nun wurde das praktisch musikalisch zum Klingen gebracht. Das war nur schwer zu verdauen und wir kämpften mit unserer Verfassung. Ein glänzend besetztes Orchester mit hervorragenden Gesangs-Solisten und seinem umsichtigen Leiter: Carsten Briest konnten das so überzeugend umsetzen und vermitteln. Der Altstädter Kammerchor war in den Frauenstimmen eine innere Genugtuung, leider waren die Männerstimmen unterbesetzt und machten trotz dieses Mankos die Kantaten-Wiedergabe zu einem berührenden Ereignis.

Den Schlussteil des Gottesdienstes gestaltete Dmitri Grigoriev mit dem 2. Teil des Orgelwerkes BWV 552 von J.S. Bach. Hier entwickelt sich ein wahrer Jung-Organist von außergewöhnlicher Qualität, dem ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen kann. Schöner und inniger kann ein Bach-Werk an der wunderbaren Beckerath-Orgel nicht erklingen.

Das Fazit zum Bach-Gottesdienst am Sonntag Cantate:

Bach mit seiner grandiosen Musik und das sonntägliche Wort haben uns alle erreicht und sehr bewegt. Es war ein musikalischer Cantate-Sonntag, der seine Wirkung bei uns bis ins tiefste Seelen-Leben sehr getroffen hat.

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Diese fantastische Pfingst-Kantate BWV 172 ist auf YouTube zu finden und ich möchte sie zur Abrundung dem Leser zur Verfügung stellen.

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P.S. Eine Aktualisierung am Dienstag, 8. Mai 2012 für die Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld.

Am Sonntag „Cantate“ fand an gleicher Stätte abends ein Vokal-Konzert der „Westfälischen Kantorei Herford“ statt, welches wohl von Bog-Lesern besucht wurde. Eine ausgezeichnete Rezension gibt es dazu in der heutigen NW vom 8. Mai 2012 die wie folgt lautet:

Professionelles Niveau

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Westfälische Kantorei Herford in der Nicolaikirche

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Bielefeld (beu). Chor-Besuch aus den Nachbarstädten Gütersloh, Halle oder Detmold ist stets willkommen; besonders wenn er die gewiss reiche Bielefelder Chormusikszene um Gesang in Profi-Qualität bereichert. Auch beim Auftritt der Westfälischen Kantorei Herford war an diesem Sonntag Cantate in der Altstädter Nicolaikirche A-cappella-Chormusik auf Spitzenniveau zu erleben.

Der Schwerpunkt der von Hildebrand Haake ebenso fachmännisch geleiteten wie erläuterten Programmfolge lag auf geistlichen Gesängen der deutschen Romantik. Gleich mit vier von Max Regers asketisch entschlackten Spätwerk-Gesängen op. 138 machte der Chor auf bewundernswerte Weise alles klar: Sein Singen ist von durchweg lupenreiner Tonperfektion und mustergültiger Artikulation, dabei so dynamisch beweglich wie hellhörig ausgefeilt und kontrolliert im Ausdruck.

Was Hugo Wolfs geistliche Lieder auf Eichendorff-Gedichte nicht zuletzt ausweislich seiner eigenen Liedtitel (Aufblick, Einkehr, Resignation, Erhebung) an seelischen Befindlichkeiten spiegeln, erfuhr subtile Auslotung in reicher, geschmeidig-dichter Klangschattierung. Und in Mendelssohns „Deutscher Liturgie“ tat sich nach deklamatorischer Gloria-Eleganz (hier mit Soli) in der in Terzschritten raumgreifenden Achtstimmigkeit des „Heilig, Heilig“ wahrlich das Klangbild herabsteigender Engelschöre auf.

In der denkbar konträren kunstvollen Doppelchörigkeit von J.S Bachs Pfingst-Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ BWV 226 glänzte Hildebrand Haakes Kantorei nicht minder: Was die knapp drei Dutzend Stimmen darin an ausgewogener Satzbalance und Feinzeichnung, an schier immaterieller Leichtigkeit und Transparenz im ersten Teil und polyphoner Klarheit im fließenden Melos einer Doppelfuge demonstrierten, war faszinierend hochkarätig.

Zum vielgestaltigen Ausklang der Konzertstunde boten die Herforder Gäste noch eine Folge von Spirituals und Madrigalen, der sie stilistisch zwischen frühbarockem Lamento (Monteverdis Klage der Ariadne), der launigen Moderne eines Matyas Seiber und Verliebtem der englischen Spätrenaissance – nebst einer beständig zwischen Balletto-Fröhlichkeit und Wehklage wechselnden Zugabe von Thomas Weelkes – nichts schuldig blieben.

© 2012 Neue Westfälische
01 – Bielefeld West, Dienstag 08. Mai 2012

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Bundesweite Konzertreihe „366+1 – Kirche klingt – machte Station in der Pauluskirche in Bünde


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Das Kalenderjahr 2012 ist das Jahr der Kirchenmusik. 

Pauluskirche Bünde

Pauluskirche Bünde

Das vom Kulturbüro der EKD und den Musikern der Landeskirchen organisierte Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und findet im Rahmen der Lutherdekade statt, die das 500. Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

Die bundesweite Konzertreihe „366+1Kirche klingt“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist in Ostwestfalen-Lippe angekommen. Am Freitagabend, 27.04.2012 hatte die kirchenmusikalische Stafette in Bünde mit dem 118. Konzert in der Pauluskirche ihre vorletzte Station in Westfalen.

Bundesweit sind im Themenjahr der EKD unter dem Motto „366+1“ Konzerte und Musikgottesdienste an jedem Tag des Jahres an einem anderen Ort geplant.

366+1 Kirche klingt 2012

Im Miteinander Tausender bringen die verschiedensten Musici bundesweit einen künstlerischen Schatz der Reformation in vielfältiger Tradition zum Klingen: ihre Musik. An jedem Tag ein Konzert – beginnend am 01. Januar 2012 in Augsburg, endend am 31. Dezember 2012 in Zittau. Unzählige Komponisten und Kantoreien stehen in einer Traditionslinie musikalischer Boten der Reformation.

Sie alle lassen sich hören !  Sie alle kommen zum Klingen !

Am Freitagabend, 27.04.2012  erklang das 118. Konzert in der Pauluskirche in Bünde. Die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium spielten unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer ihr Programm mit dem Titel „Auferstehung“.

Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) „Missa brevis in G“ KV 140

Hans-Martin Kiefer, Bünde (Eigen-Komposition) „Christ ist erstanden“

J.S. Bach (1685-1750) BWV 249 „Osteroratorium“

Mitwirkende:

Eike Tiedemann (Alt), –  Jörg Erler (Tenor), – Andreas Jören (Bass), – Jutta Potthoff (Sopran), die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium Herford, das sich unter anderem aus Mitgliedern der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford zusammensetzt.
Die Gesamtleitung liegt in Händen von Hans-Martin Kiefer.

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Begonnen wurde mit der kurzen Messe (Missa brevis) in G-Dur (KV 140) von Wolfgang Amadeus Mozart, die zu den frühen Werken des berühmten Musikers gehört.  Hans-Martin Kiefer interpretierte sie fein akzentuiert.Hier traten zum ersten Mal die außerordentlichen Solisten hervor: Jutta Potthoff im Sopran, Eike Tiedemann im Alt, Jörd Erler im Tenor und Andreas Jören im Bass. Sie alle sangen sehr expressiv, aber niemals aufdringlich. Sie litten an den Stellen, an denen sie seufzen sollten, erzählten dann, als sie berichten sollten und frohlockten, wenn sie jauchzen sollten. Ein exzellenter Gesangs-Genuss, der vollends überzeugte. Eine ebenso großartige Leistung des Chors der Bünder Kantorei, bestehend aus etwa 20 Männern und 60 Frauen, der dynamisch in den überlagernden Stimmen ganz zart und gefühlvoll eingestellt worden war.

                                    Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer

Anschließend erfolgte die Uraufführung eine Eigenkomposition von Hans-Martin Kiefer. Er hat fünf Sätze über den Osterchoral „Christ ist erstanden“ von Wigbert von Burgund gesetzt. Paradigmatisch führte der Komponist vor, wie zeitgemäß ein Orchester in barocker Instrumentierung klingen kann, ohne mit übertrieben vielen Dissonanzen musikalischen Intellekt vorzutäuschen. Dennoch waren die dem modern sozialisierten Gehör eingängigen Sätze niemals harmonisch belanglos und sehr emotional.
Eindringlich waren die dunkler und offener klingenden Blockflöten, die mit den hellen und gepressten Oboen einen sanften Dialog führten. In der Klangfarbe bediente die Komposition trotz fast minimalistischer orchestraler Besetzung das ganze Spektrum. Rhythmisch kam sie im Arrangement manchmal wie ein leichter Wellenschlag daher, um im nächsten Augenblick mit Blechbläsern und Pauken wieder druckvolle Dominanz zu präsentieren.

                von links im Bild: Jörg Erler (Tenor) – Andreas Jören (Bass)

Den Abschluss des Abends bildete das Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach (BWV 249). Obwohl es zu den bekanntesten Werken des damals (1725) bereits Leipziger Kantors gehört, wird es nur selten aufgeführt. Möglicherweise liegt es daran, dass es inhaltlich etwas schwerer kategorisierbar ist. Kiefer intonierte es von Anfang als herrlich verspielte und leichte Barock-Musik.

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Ein Video von Herreweghe mit dem BWV 249 Gesamt-Aufnahme:

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Es klang, als ob er die Schwere, die man an manche Stellen des Werkes hineininterpretieren könnte, nur an den absolut notwendigen Stellen zugelassen hätte, ohne dabei jemals brachial ins Pathos zu kippen. Die warme Klangfarbe und die tiefen Töne bei den Streichern und den Blockflöten klangen zu keiner Zeit übertrieben schwermütig. Das Trompeten-Ensemble war hervorragend und brachten die „Königliche Musik“ hervorragend zur Geltung und fügten sich nahtlos in ein harmonisches Orchester mit ein.

Ein hervorragendes Trompeten-Ensemble

                                                 Ein hervorragendes Trompeten-Ensemble

Stürmischer Applaus  der ca. 350 Besucher bezeugte den Protagonisten, dass sie ein wunderbares und ausgewogenes Konzert-Programm zu Gehör bekommen haben und vollauf begeistert den Aufführenden ihren Dank zum Ausdruck geben wollten. Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer, das Orchester , Gesangs-Solisten und der Bündner Kirchenchor nahmen es freudestrahlend zur Kenntnis und beglückten den Besucher mit einer Zugabe von J.S. Bach aus dem Oster-Oratorium mit dem Choral-Satz: „Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße..!“

                            von links im Bild: Eike Tiedemann (Alt ) – Jutta Potthoff (Sopran)

Nach der Zugabe stand die Kirche Kopf und wir „Beglückten“ labten uns anschließend mit einem Glas Wein und Gebäck im Hinterraum der Pauluskirche. Ein großartiger Konzert-Abend im Rahmen der Reihe: „366+1 Kirche klingt  2012″ hatte somit viel zu schnell ein Ende gefunden.

Herrlich, dass sich wieder die Blog-Riege aus OWL zu diesem Konzert ein Wiedersehen ermöglichte…!!!

Informationen zur Veranstaltungsreihe im Jahr der Kirchenmusik finden sich im Internet unter www.ekd-366plus1.de 

Grüße

Volker

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(Textauszüge aus der NW Bünde vom 30.4.2012)

Prof. Dr. Martin Sander überzeugte mit einer virtuosen Orgelstunde an der Klais-Orgel im Musiksaal der HfM Detmold


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Das Antrittskonzert von Prof. Dr. Martin Sander fand am Sonntag, 22. April, um 18 Uhr im Konzerthaus der Hochschule für Musik in Detmold statt. Prof. Dr. Martin Sander ist der Nachfolger von Prof. Gerhard Weinberger, der, wie von mir bereits berichtet, in den Ruhestand gegangen ist.

Konzerthaus HfM Detmold

Konzerthaus HfM Detmold

Biographie von Prof. Dr. Martin Sander:

Organist Prof. Dr. Martin Sander HfM Detmold

Organist Prof. Dr. Martin Sander an der Klais-Orgel HfM Detmold

Martin Sander ist als internationaler Konzertsolist tätig und lehrt Künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik in Detmold, an der Hochschule für Musik in Basel und noch bis Juli 2012 an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg.

Er wurde 1963 in Berlin geboren, wohnte lange Zeit in Göttingen, wo er bei Hermann Amlung mit dem Orgelspiel begann, und studierte Orgel und Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (Ulrich Bremsteller, Orgel und Gerrit Zitterbart, Klavier). 1994 legte er das Konzertexamen ab. Meisterkurse und weitere Studien bei Harald Vogel, Luigi Ferdinando Tagliavini, Flor Peeters, Daniel Roth, Edgar Krapp, Uwe Droszella, Winfried Berger u.a. rundeten die musikalische Ausbildung ab.

Nachdem er mit dem Gewinn des Bundeswettbewerbs Jugend Musiziert 1983 bereits vor dem Studium auf sich aufmerksam gemacht und 1986 mit dem Mendelssohn-Preis Berlin eine der höchsten nationalen Auszeichnungen errungen hatte, begründete er seinen internationalen Ruf in den folgenden Jahren durch den Gewinn mehrerer der großen internationalen Orgelwettbewerbe:

ARD-Wettbewerb München 1987 (2. Preis; kein 1. Preis vergeben)

Internationaler J.S. Bach-Wettbewerb Leipzig 1988 (1. Preis und Sonderpreis)

Internationaler Wettbewerb des Prager Frühlings 1989

Weitere Erfolge markierten 2. Preise beim Internationalen Orgelwettbewerb „Anton Bruckner“ 1986 in Linz und bei der „First International Organ Competition“ in Tokyo (1988).

Martin Sander konzertiert weltweit in vielen bedeutenden Kirchen und Sälen (u.a. Dome zu Passau, München, Wien, Helsinki und Trondheim, Schauspielhaus und Philharmonie Berlin, Herkulessaal München, Meistersingerhalle Nürnberg, Gewandhaus Leipzig, Brucknerhaus Linz, Dvorák-Saal Prag, Tschaikowski-Saal Moskau, Kapella und Philharmonie St. Petersburg, Suntory-Hall Tokyo, Izumi-Hall Osaka, Aichi Arts Center Nagoya, Teatro Municipal de São Paulo) und auf namhaften Festivals (u.a. Bach-Fest Stuttgart, Internationale Orgelwoche Nürnberg, Göttinger Händelfestspiele, Niedersächsische Musiktage, Musikfestspiele Saar, Prager Frühling, Wiener Musiksommer, Bach-Tage Odense, Festival Toulouse-les-Orgues, Philadelphia Bach Festival).

Als Solist trat Martin Sander mit etlichen renommierten Orchestern auf, darunter die Berliner Symphoniker, das Bach-Collegium Stuttgart, die Radiophilharmonie Hannover, das Händelfestspiel-Orchester Halle/Saale, die Bochumer Symphoniker, das Symphonieorchester Szolnók, Basel Sinfonietta, Pommersche Philharmonie Bydgoscz (Bromberg), Fukuoka Symphonietta, Orchester des Teatro Municipal de São Paulo.

Er spielte zahlreiche Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen für verschiedene in- und ausländische Sender und Schallplatten-Firmen. Die Fernseh- und CD-Einspielung der Orgelsonate von Julius Reubke wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Er hat seit 1999 eine Professur an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg sowie ab dem Wintersemester 2008 zusätzlich an der Hochschule für Musik in Basel (als Nachfolger von Guy Bovet) inne. Im Wintersemester 2011 trat er die Nachfolge von Gerhard Weinberger an der Hochschule für Musik in Detmold an. Von 2001 bis 2008 war er außerdem Dozent an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt/Main.

Er ist Leiter zahlreicher Meisterkurse, bislang u.a. in Prag (Akademie der Musischen Künste AMU), Warschau (Musikakademie „F. Chopin“), Seoul (Yonsei University), St. Petersburg, Kazan, São Paulo sowie an historischen Orgeln verschiedener Epochen in Salzgitter-Ringelheim (Schweimb und John 1696/1707), Grauhof bei Goslar (Chr. Treutmann d.Ä. 1734-1737), Verden/Aller (Furtwängler&Hammer 1916) und Heidelberg (Voit&Söhne 1903). Er ist Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Begabungs-Forschung und -Förderung IBFF.

Martin Sander ist regelmäßig Juror auf internationalen Orgelwettbewerben, bislang u.a. beim Prager Frühling, Helmut-Bornefeld-Wettbewerb Heidenheim/Brenz,  Bach-Wettbewerb Wiesbaden, in Kazan, Rom und beim Philipp-Wolfrum-Wettbewerb Heidelberg.

Repertoire-Schwerpunkte: 

    • Musik des norddeutschen Barock
    • italienische Renaissance und Frühbarock mit ihrer Ausstrahlung nach Süddeutschland
    • das Werk Johann Sebastian Bachs
    • Wolfgang Amadeus Mozart
    • deutsche Romantik – insbesondere Max Reger
    • von den französischen Romantikern vor allem César Franck
  • von der Musik des 20. Jahrhunderts vor allem Petr Eben, Olivier Messiaen, Jehan Alain und als „Spezialität“ deutsche Orgelmusik der zwanziger bis vierziger Jahre
(Textquelle: Homepage Martin Sander)

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Konzert-Rezension:

Die Klais-Orgel im Konzerthaus der HfM in Detmold

Die Klais-Orgel im Konzerthaus der HfM in Detmold

.Martin Sander gestaltete auf der imposanten Klais-Orgel ein Konzert-Programm mit barocken und romantischen Werken.

Auf dem Programm standen Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 sowie die Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele“ aus den „Leipziger Chorälen“ BWV 654, dann die Orgelsonate Nr. 1 b-Moll op. 1 von Philipp Wolfrum (1854-1919) sowie die dritte aus Robert Schumanns „Sechs Fugen über den Namen BACH“ und die berühmte Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 von Max Reger.

Ein großartig gefüllter Musiksaal erwartete gespannt auf den Nachfolger von Prof. Gerhard Weinberger als Dozent: Prof. Dr. Martin Sander an der Klais-Orgel mit em o.a. Programm.

In der Akustik zu erwartender trockener Konzertsaal wurde zu einem  Higlight aufgrund der eingestzten Wellenfeldsynthese..!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Der Raumklang ist überwältigend. Am Ende eines Orgelwerkes setzte ein spektakulärer Nachklang ein. Orgel- und Raumklang entwickelten eine vorzügliche Einheit und verliehen dem Orgelkonzert die entsprechenden akustischen Voraussetzungen. Dieser Musiksaal ist mit der eingebauten Wellenfeldsynthese einzigartig in Europa und wurde vor ca. zwei Jahren während des großen Umbaus mit eingeplant und verwirklicht.

Bei den vorangestellten zwei Bach-Werken fühlten wir uns sofort zu Hause. Einfühlsam offenbarte uns der Weinberger-Nachfolger, dass er ein genialer Bach-Interpet ist und alle Voraussetzungen besitzt, diese dem Besucher zu offerieren.

Gefallen hat uns das Orgelwerk Orgelsonate Nr. 1 b-Moll op. 1 von Philipp Wolfrum (1854-1919) ein bis dahin mir unbekannter Orgel-Komponist.

Wolfrum legt seiner Sonate den bekannten Choraltext „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“ von Nikolaus Herman (1560) zugrunde – unter Verzicht auf die anonym 1575 hinzugekommene 5. Strophe. Interessanterweise verwendet er aber weder die gebräuchliche Melodie (Frankfurt a.M. 1569) noch die von Herman ursprünglich vorgeschlagene Weise „Es ist das Heil uns kommen her“: Am Schluss des 1.  Satzes wird eine etwas an „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ erinnernde Melodie mit der ersten Verszeile unterlegt; am Beginn des 2. Satzes erfindet er eine Melodie, auf die die ersten drei Zeilen der 2. Strophe gesungen werden könnten, und der 3. Satz beginnt mit einem fünfstimmig gesetzten vollständigen Choral, dessen Melodie offensichtlich von Wolfrum stammt – passend zur 3. und 4. Strophe.

Martin Sander war für dieses herrliche Orgel-Werk ein genialer Interpret und musizierte in fantastischen Klangfarben und gekonnter Registrierung das zu Herzen ging. Durch ihn wurden wir auf einen uns vorher unbekannten Orgel-Komponisten aufmerksam gemacht und wissen so etwas zu schätzen..!!

Max Regers Werke sind schwer zu spielen – auch schwer zu hören. Extreme Chromatik, Polyphonie und große Formen stellen hohe Ansprüche an die Hörer; spätromantisches Drängen und grandiose Schlussapotheosen verleihen den Werken hingegen etwas Mitreißendes und Rauschhaftes. Bachs Musik lieben wir – wir hören sie seit unserer Kindheit und „verstehen“ sie. In Bezug auf die Orgelmusik Reger’s fehlt uns diese Vertrautheit. Jetzt sind an keine Formen, an keine Schranken der Phantasie mehr zu denken. Alles geht obenaus und nirgend an; je toller, je besser! je wilder, je bizarrer, desto neumodischer und effektvoller, das ist ein unaufhörliches Haschen nach fremden Tonarten und Modulationen, nach unharmonischen Ausweichungen, nach ohrenzerreißenden Dissonanzen und nach chromatischen Gängen, ohne Erholung und Aufhören für den Zuhörer.“

Aber irgendwie wird der Besucher von dem Reger-Werk trotz aller o.a. genannten Bedenken angesprochen. Ist es das großartige Spiel des Martin Sander, der ein hoch entwickeltes künstlerisches Orgelspiel vorträgt, ich weiss es nicht so ganz genau einzuordnen und staune nur, was auf der „Königin der Instrumente“ alles möglich erscheint uns fremde Klänge zu zelebrieren und fassungslos staunend danach tief durchzuatmen. Das ist Reger und ein großartiger Virtuose an der Orgel mit Namen: „Martin Sander“ der als ein würdiger Nachfolger an der HfM in Detmold als Dozent seine Arbeit aufgenommen hat. OWL kann sich glücklich schätzen, diesen erfahrenen und virtuosen Konzert-Organisten verpflichtet zu haben.

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Video: Zugabe ein Orgelwerk von Schumann in Bearbeitung von Prof. Gerhard Weinberger

Fehler
Dieses Video existiert nicht

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Stürmischer Schluss-Applaus veranlasste Martin Sander, uns ein Schumann Orgelwerk als Zugabe zu kredenzen, das in einer Bearbeitung von Prof. Gerhard Weinberger von ihm anrührend vorgetragen wurde. Es wurde zu einem Referenzbeweis an seinen genialen Vorgänger und berührte uns und alle Besucher mächtig..!!

Grüße

Volker

Unser Besuch des Bachfestes 2012 in Arnstadt mit dem Konzert Lautten Compagney und Calmus Ensemble


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Liebe Bachfreunde/innen!

Ein Bericht von unserem Konzert-Besuch des Eröffnungskonzertes beim Bach-Festivals-Arnstadt 2012

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Bachfestival Arnstadt

Veranstaltung

Titel: Bacharcades Lautten Compagney & Calmus Ensemble

am Freitag, 16.03.2012  Beginn: 19.30 Uhr  in der Johann Sebastian Kirche.

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Bachkirche in Arnstadt

Bachkirche in Arnstadt

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Eröffnungskonzert des Bach-Festivals-Arnstadt 2012

Bach-Arkaden bestehend aus sechs Chorälen und einer Motette

Künstler:

Lautten Compagney (Echo Klassik-Preisträger)
Calmus Ensemble (Echo Klassik-Preisträger)

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Zwei Ensembles treffen sich in musikalischen Arkaden bestehend aus Bach’s Chorälen und kommunizieren dort mit den Werken eines zeitlosen Giganten.

Diese Programmidee bezieht sich auf einen zentralen und ganz kontinuierlich entstandenen Teil im Werk des Johann Sebastian Bach. Dabei handelt es sich um seine Choralsätze, denen wir im Bachschen Werk – aber im übertragenen Sinne auch für unser Verständnis als Musiker heut – die Bedeutung von Arkaden beimessen. Bach selbst hat sich für seine Choräle der Tradition bedient, indem er zum großen Teil aus der Zeit der Reformation stammende und auf Martin Luther zurückgehende Choräle als Vorlagen verwendete. Bach-Arkaden bedeuten für uns Halt und Festigkeit sowie Bodenständigkeit, die ein ganzes Gewölbe tragen können. Arkaden bieten aber auch Zwischenraum und Freiheit zur eigenen Gestaltung.

In diesem Zwischenraum entwickeln wir unseren kreativen Beitrag, der aus verschiedenen Werken von Bach, seinen Vorfahren und seinen Zeitgenossen bestehen wird.

 Die Lautten Compagney feierte 2009 ihr 25-jähriges Bestehen. Sie zählt heute zu den renommiertesten deutschen Barockensembles und musiziert in diversen kammermusikalischen Besetzungen bis hin zum barocken Opernorchester. Ihr Repertoire umfasst ein breites Spektrum an Werken des 16. – 18. Jahrhunderts.

Mit Konzerten und Opernaufführungen gastiert das Ensemble bei namhaften Festivals und Veranstaltern in ganz Deutschland und im Ausland und überrascht dabei immer wieder durch originelle Programmgestaltung und Neu-Entdeckungen unbekannter Werke.

Beachtung fand die CD „Timeless“ mit Kompositionen von Merula und Glass für die LAUTTEN COMPAGNEY mit dem ECHO Klassik 2010 in der Kategorie „Bestes Ensemble – Alte Musik“ ausgezeichnet wurde.

 Calmus Ensemble eine Vokalgruppe aus der Bachstadt Leipzig, diesem Hort musikalischer Talente und Ideen, hat sich in den letzten Jahren ganz nach oben gearbeitet. 1999 waren die Sänger mit ihrem neugegründeten Ensemble zum ersten Mal an die Öffentlichkeit gegangen, und sie hatten Erfolg: Fonoforum begrüßte sie gar als neuen Stern am a-cappella-Himmel.

Nach einiger Zeit als reine Boy Group trat ein Sopran an die Spitze, einige Zeit danach wurde die Sechser-Besetzung auf fünf reduziert. 2009 feierten sie ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem großen Festkonzert im Gewandhaus zu Leipzig!

Zu diesem Anlaß paßt es natürlich ganz besonders gut, daß die Sänger vor kurzem mit einem „ECHO“ in der Sparte „Klassik ohne Grenzen“ für eine CD mit Deutschen Volksliedern ausgezeichnet wurden. Das ist aber beileibe nicht ihr erster Preis, denn im Laufe der Jahre haben sie eine ganze Anzahl internationaler Wettbewerbe gewonnen. 2010 gaben sie ihr Debüt in der Carnegie Hall in New York.

Programm

Choral

Nun lob mein Seel den Herren
Guillaume Dufay Ecclesiae militantis
Choral Ach wie flüchtig, ach wie nichtig
Emmanuel Sejourne Sun
Arvo Pärt Fratres
Choral Komm süßer Tod
Johann Sebastian Bach Weinen, Klagen Sorgen, Zagen; BWV 12
Henry Purcell When I`m laid
Choral Komm, o Tod du Schlafes Bruder
Choral Wachet auf
Bernd Franke And why
Choral Jesu meine Freude
Tarquino Merula Chiaconna – Su la cetra
Choral In dir ist Freude

Die Arnstädter haben Mut bewiesen, mit zwei so jungen Ensembles das „ehrwürdige“ Festival zu eröffnen. Die Bachchoräle erfuhren eine Wandlung, die Heiterkeit und Fröhlichkeit ausstrahlte. Es war beeindruckend heiter, wenn die Sänger/in summten, schnalzten, wippten, klopften –und abwechselnd Antje Lipferts strahlender Sopran oder einer der Sänger als Leitfaden durch den Irrgarten führten.

Die Künstler haben so hervorragend hier eine kleine Fuge, dort ein kleines Präludium eingebaut und frei improvisiert. Mit ihren Einfällen haben sie das Publikum angesteckt, mitgenommen und nicht mehr losgelassen. Beeindruckt hat uns das „Wachet auf, ruft uns die Stimme (BWV 645). Die Sängerin und Sänger hatten sich an verschiedenen Stellen der Kirche postiert, der Choral wurde im Wechsel von den Stimmen gesungen, und wie bei einer Prozession durch die Kirche bis zum Altar getragen: „Gloria sei Dir gesungen (SDG).“

Bei der Strophe „Weicht ihr Trauergeister“ aus dem Choral „Jesu meine Freude“ hat die Freude durch das volksliedhafte „fallalalala“ aus dem Lied „An hellen Tagen“ die Trauergeister wirklich und wahrhaftig vertrieben.

Die Lautten-Compayney war die geborene Begleitung. Alles Vollblutmusiker, großartige Künstler. Der Flötist (er hatte ca. 20 verschieden Flöten) war der reinste Schlangenbeschschwörer und der Tamburinspieler (spielte auch Xylophon und andere Schlaginstrumente) tänzelte mit seinem Instrument um die Gruppe herum, als ob er alle in Trance versetzen wollte. Der Leiter der Lautten-Companey spielte hervorragend Theorbe und die beiden Damen des Orchesters (Viola da Gamba und Saxophon, Klarinette, Querflöte u.a.) haben sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen

Während der Pause hatte ich Gelegenheit mit Böhme (Bariton) zu reden. Sein Fazit: „Wir haben gar nicht viel verändert, wir haben nur unserer Fantasie und der Musik freien Lauf gelassen.“

Mit stehenden Ovationen haben wir uns bedankt und bekamen auch noch eine Zugabe mit folgender Erklärung: irgendwie werden Sie in diesem Stück auch Bach erkennen. Zumindest die Klavierspieler unter ihnen haben es alle üben müssen (Menuett G-Dur, BWV Anhang 114). Ich hab`s erkannt – aber erst ziemlich spät.

In diesem Sinne – bis zum nächsten Bachfest in Leipzig –

Herzl. Gruss

Iris und Kalla, Elli und Irmgard

In der Basilika St. Michelis Hildesheim erklang die Matthäuspassion – BWV 244


Basilika St. Michael Hildesheim Liebe Bach-FreundINNEN!

.Sonntag, 11. März 2012, 17 Uhr

.St.-Michaelis-Kirche Hildesheim

.JOHANN SEBASTIAN BACH

.MATTHÄUS-PASSION BWV 244

………………..Solisten:

Karin Gyllenhammar · Stefan Görgner
Hugo Oliveira · Georg Gädker
Kantorei St. Michael · Bach-Orchester Hannover mit historischen Instrumenten
Leitung: Hans-Joachim Rolf

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Da saß ich endlich in der mächtigen Basilika St.Michael und es war wie ein Brausen des Meeres, was da auf mich zurollte. Diesmal wollte ich das Hören der Matthäus-Passion mit dem Raumerlebnis der Basilika und der berühmten Holzdecke über mir verbinden. Da ich vieles nur schemenhaft erkennen konnte, bleibe ich in meinen Konzerteindrücken auch dabei, dass Nebensächlichkeiten weniger interessieren (Namen, Akzente, Visuelles etc) und mir wichtig war, was hinten für mich ankam.

Basilika St. Michaelis in Hildesheim

Zuerst die Chorkleidung: die SängerINNEN trugen violette Chormäntel! Dann die Kinder: Ein Kinderchor (auch violett gekleidet) vertrat das Jungsein. Junge Menschen sangen den Cantus firmus und setzten so ‘eine feste Lied-Mauer’ vor das traurige Klagemeer des     Eingangschores. Damit war von Anfang an klar:

Chor der Kantorei St. Michaelis Hildesheim

Bei Bach versinkst DU nicht in Melancholie und Dösen.

Ich will es nochmal verdeutlichen: Cantus firmus! Anfang bei Bach heißt Aufzeigen der ‘ERLÖSENDEN RETTUNG’ …. Du brauchst nicht verzagen. So die lang gehaltenen Noten und der stimmige Text. Drei Stunden zieht sich das Drama, doch immer wieder zwischen den Zeilen gibt es Rettungs-Choräle und sogar muntere Tanzweisen (vgl. im Besonderen die Alt-Arie: ‘… Jesus hat die Hand, uns zu fassen ausgespannt …. ihr verlassnen Küchlein, ihr’ !!).

So war ich bei Bach mitten in einem Gemälde über das WELTGETÜMMEL, dem Menschen ausgesetzt sind. Als Mann und Frau, in ihrem Jungsein und Altsein. Das war dann eine großartigen Trauerabeit-, in der Schmerz, Grausamkeit, Liebe, Unruhe, Verrat, Sterblichkeit, Sünde, Gehässigkeit und Hoffnung und endlich auch melancholische Zufriedenheit ausgebreitet werden.

Wenn man so die Matthäus-Passion als ein ‘auf mich zurollendes menschliches Drama’ versteht, kommt man sich und seine oft kleinliche Konzertkritik ziemlich mickrig vor.

 Geradezu lachhaft kamen mir dann auch so gewisse Verschiebungen vor, die sich Kantoren heute im Gefecht mit modernistischen Konzerterfordernissen leisten. So z.B. das Ersetzten der ‘bedächtigen und nachdenklichen Stimme Alt’ durch einen schrillen und nervenden Altus. Damit wird durchkreuzt, dass Bach das ganze menschliche Leben in seiner kreatürlichen Dualität ansprechen will. Einem Altus fehlt auch in der 24.Reihe gehört die Wärme und Überzeugungskraft der ‘nachdenklichen Seele’, die immer wieder in das Geschehen eingreift.

Das Geschehen selbst wurde von dem deutlichen und souveränen Evangelisten angeleitet, die volltönende und hoheitsvolle Christus-Stimme überzeugte mich auch, und der Pontius, Petrus, der reuige Judas und die beiden Mägde ordneten sich wunderbar ein.

All dieses aufgeregte WELTGETÜMMEL kommt ja dann spätestens ab dem Chor ‘Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen’ zur abgeklärten Ruhe. Nur zwei Takte dauert dieser Chor-, doch da bricht ein Sonnenstrahl in das Dunkel und die zwei Chöre vereinigen sich. . Der Kantor schaffte es auch, die gewaltigen Klangmasse dieser zwei Takte als Hoffnungsstrahl zu gestalten.

Was dann in der Passion noch folgt, war voller Ruhe, Naturstimmung. Ein kühler Abend für Adam’s Fallen und das Wiederkommen der Taube und Dankbarkeit.

Atemlose Stille breitete sich am Schluß aus. Und ich holte meinen Rucksack unterm Stuhl hervor und musste leider als erster die Michaels-Basilika verlassen, da ich meinen Zug kriegen musste.

Doch in den 3 Stunden Drama hatte sich auch bei mir genug Energie angestaut, so dass ich mit frischer Kraft rechtzeitig zum Bahnhof gelangte.

Viele Grüße

Adamo

Meisterkonzert-Bericht vom Sonntag, 29.01.2012 – Auferstehungskirche Arnsberg


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Auferstehungskirche Arnsberg

Ein Bericht vom  Meisterkonzert in der Auferstehungskirche Arnsberg. 

Wir hatten am Sonntag, 20-01-2012 ein sagenhaftes Konzert in Arnsberg in der Auferstehungskirche. Valery Oistrach – ein Enkel von David Oistrach – war an einer sagenhaften Guarneri Violine von 1751 und hat u.a. die Chaconne (BWV 1004) so sagenhaft, berückend schön, so ausdrucksvoll, so genial gespielt, dass ich das Luftholen vergessen habe.

Am Cembalo (histroische Kopie nach Grimaldi 1721) saß Prof. Grosser. Er ist gebürtiger Arnsberger und ist heute als Dirigent, Organist, Pianist und Cembalist weltweit anerkannt. Ein sehr virtuoses Spiel voller Einfälle, voller Freude und Enthusiasmus brachte er uns – aber auch große Zurückhaltung wenn er V. Oistrach begleitete. Seine Frau war der gute Geist der Beiden. Sie blätterte die Noten um, nahm ihm beim Spielen die Brille ab, wenn er`s vergessen hatte und kümmerte sich um sein künstliches Herz. Er trägt es in einem kleinen schwarzen Beutel über der Schulter. Sein eigenes Herz ist zu schwach. Jedes mal, wenn er sich ans Cembalo setzte, nahm sie sein „Herz in die Hand“, wenn er anschließend aufstand, um sich beim Publikum für den Applaus zu bedanken, hängte sie es ihm wieder um. Nicht nur die Musik war ergreifend, sondern auch seine völlig selbstverständliche Art mit zwei Herzen zu leben.

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Programm:

Händel, Sonate D-Dur, op. 1 Nr. 13

Händel, Suite Nr. XIV, G-Dur

Bach, Chaconne (BWV 1004)

Bach, Sonate h-moll (BWV 1014)

Bach, Sonate G-Dur (BWV 1021)

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Als das Programm vorüber war konnten wir uns nicht trennen. Keiner stand auf – ich glaube, uns war der Himmel ein Stückchen näher gekommen – alle blieben und warteten. Zwei Zugaben bekamen wir noch, dann mussten wir irgendwann schweren/leichten Herzens die Kirche verlassen.

Ich bin immer noch nicht ganz auf der Erde angekommen.

Grüsse

Iris

Ein Blick hinter die Kulissen: Bach Kantaten Workshop in Höxter 20.-22.01.2012


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Kontrabass einmal liegend..!!

Ein Hinweis für alle Mitleser es gibt einen weiteren Bericht als Rezension von dem

„Bach-Konzert“ vom 22.01.2012 in der Marienkirche Höxter..!!

Titel:  

„Ein Internet-basierter Chor-Workshop erfüllte die Anforderungen zu einem Konzert mit zwei festlichen Bach-Kantaten in der Marienkirche Höxter.“

Link zur Konzert-Rezension Marienkirche Höxter nachstehend:

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https://meinhardo.wordpress.com/2012/01/24/ein-internet-basierter-chor-workshops-erfullte-die-anforderungen-zu-einem-konzert-mit-zwei-festlichen-bach-kantaten-in-der-marienkirche-hoxter/

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Am Freitag, den 20. Januar, bin ich direkt nach der Arbeit in den Intercity von Essen nach Münster gestiegen um mich mit Werner am HBF Münster zu treffen, um gemeinsam nach Höxter zu starten. Im Gepäck zwei grandiose Bach-Kantaten, BWV 1 „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und BWV 63 „Christen ätzet diesen Tag“. Die Vorbereitung auf diese Kantaten geschah individuell zuhause, im Internet waren die Einzelstimmen, unterschiedliche Tempi und ein Gesamtklang jederzeit abrufbar, so dass auch der ungeübteste Chorsänger optimal vorbereitet zu den Proben erscheinen sollte.

Zuerst checkten wir in unser Hotel „Schloss Corvey“ ein, damit wir erst mal das Gepäck abladen konnten. Im Vorfeld hatte ich mich beim Fremdenverkehrsamt in Höxter in einem Anfall von Knickerigkeit um Privatquartiere bemüht, habe das dann aber wieder verworfen, weil die Vermieter sich nicht zurückgemeldet haben, keine 2 Einzelzimmer hatten oder zu weit entfernt lagen. Vom Hotel aus liessen sich alle Wege fußläufig erreichen. Wolle hatte sich dagegen in seiner Vorliebe für spartanische Unterkünfte mit seinem Drahtesel in der Jugendherberge einquartiert, die allerdings JWD (janz weit draußen) lag. Auf den ersten Blick und trotz des ungemütlichen Wetters machte Höxter einen guten Eindruck, eine kleine, saubere Stadt mit wunderschönen Fachwerkhäusern, romantisch gelegen an der übervollen Weser.

 Probenplatz in der Marienkirche Höxter

Um 19.30 Uhr dann die erste „Kennenlern-Probe“. Die Stuhlreihen in der Marienkirche lassen erahnen, dass dem Internetaufruf zu diesem Chorprojekt eine beachtliche Menge Bachphiler Sänger gefolgt sind. Nachdem das Gros der Sänger eingetrudelt ist und man sich mit seinem Singnachbarn beschnuppert hat, geht´s los. Einsingen erfolgt durch Kai Koch, der durch gezielte Übungen in angemessenem Rahmen mit motorischer Unterstützung uns auf Bachs Schwierigkeitsgrade einstimmt. Das macht schon Spass.

Elektronische Instrumente mit Verstärker

Nahtlos reiht sich dann Jost Schmithals ein, es geht los mit den „Marmorsteinen“ der „Baumarktkantate“. Aufgrund der Größe des Chores sind überall Verstärker aufgebaut, damit das E-Piano in die letzten Chorniederungen zu hören ist. Die Proben sind straff, keine Leerläufe, insgeheim hoffe ich in den Männerstimmproben oder Sopranproben mal ein bisschen Kontakt mit meinen Nachbarn aufnehmen zu können, Fehlanzeige, wenn nicht einzelne Stimmen zusammenproben, müssen wir den Sopran in einer oktavierten angenehmen Lage mitsingen, warscheinlich um a) nicht zu quatschen und die Aufmerksamkeit zu halten, b) um das Rhytmusgefühl für diese Kantate zu bekommen. Die Probe ist zu keiner Zeit langweilig, Bach zu singen immer wieder ein Erlebnis. Schmidthals bleibt immer geschmeidig, auch wenn´s mal bestimmter wird und er hat durchaus Entertainer Qualitäten. Meine netten Mit-Altistinnen empfehlen uns diverse Lokale für einen Absacker. Wolle geht uns verloren, weil er mit den Berlinern, die auch in der Jugendherberge untergebracht sind und mit denen er ein Taxi nehmen will, plötzlich verschwunden ist. Wir versacken im „Ritmo“ bei Cocktails und castellanischer Livemusik (super).

Um 10.00 Uhr gehts dann am nächsten Morgen los. Es hat geschneit, extra für die „Marmorsteine“. Schmithals´ komplette Familie ist eingebunden, ein Sohn spielt elektronisch verstärktes Cello, seine Frau singt im Sopran und managt die Kaffeerunde, beim „Morgenstern“ soll der Sopran den Alt mitsingen, das Gerücht, ein Kinderchor würde den Cantus-Firmus singen, macht die Runde. Ich entscheide, für den Morgenstern wechsle ich in den Tenor. Wollte immer schon mit Werner + Wolle zusammensingen. Wolle kommt zu spät, er musste noch im Schlecker (ist der nicht pleite?) einige Vergessartikel besorgen und danach konnte ihm keiner sagen, wo die Brüderstraße ist. Kommentar meiner Nachbarin: „die wissen das schon alle, aber die haben keine Lust es zu erklären“ Ist das das ominöse OWL? Der „Morgenstern ist viel einfacher als die „Marmorsteine“, wird von Kai Koch geprobt, hierzu gehen wir in die Frauen- und in die Männerstimmproben und einige heikle Stellen werden explizit bearbeitet.

Probe unter dem Herrnhuter Stern in der Marienkirche Höxter

Der Herrnhuter Stern soll übrigens beim Abschmücken der Kirche schlichtweg vergessen worden sein… Der Probentag geht mit zufriedenen Gesichtern zu Ende, die „Marmorsteine“ haben durchaus Form bekommen, mit dem Fortschritt des „Morgenstern“ bin ich persönlich nicht zufrieden.

Herrnhuter Stern mit der Beckerath-Sauer-Orgel in der Marienkirche Höxter

Erstes Ansingen auf den Podesten. Während wir erstmal entlassen sind, geht’s für die beiden musikalischen Leiter mit den Solistenproben weiter. Auf dem Weg zu einer kulinarischen Stätte werden uns von einer Höxteranrin bei Nacht die schönsten Fachwerkhäuser gezeigt.

Adam und Eva-Haus in Höxter

Highlight ist das „Adam+Eva-Haus“, das Wolle unbedingt sehen muss, O-ton Wolle: Das müssen Sie mir unbedingt zeigen, ich heiße nämlich Adam. Wir speisen gut und gemütlich im „Landsknecht“, die Berliner stoßen später noch dazu (Wolle hat ja Transportmittel-Not) und sie verwirren die saarländische Inhaberin mit ihrem Berliner Humor. Als berichtet wird, dass „Volker“ (der echte VIP, ja der von „Volkers Klassikseiten“) zum morgigen Konzert aufkreuzt, outen sich die Berliner, aufgrund von Volkers Bericht gekommen zu sein. Na, das ist mal ein Ding.

Der nächste Tag ist zur freien Verfügung bis 16.00 Uhr, wir beschliessen einen Besuch auf Schloss Corvey und holen den von einer Akkordeonorchester-Probe gepeinigten Wolle in der JH ab.

Hochwasser an der Weser in Höxter

Das Wetter ist fies und alles ist geschlossen, nach einem kurzen Besuch verlassen wir durchgefroren die Klosteranlage. Wir durchstreifen Höxter und Werner findet einige interessante Fotomotive mit Tipps von Wolfgang. Erneut eingefroren freue ich mich auf ein gemütliches Cafe. Dort treffen wir die Solisten, die Wolle sogleich an unseren Tisch ordert und sie über ihre Gagen befragt. Als sparender Schatzmeister des Herforder Kirchenmusikförderkreises ist er dann der Meinung, dass ja mit 150 Euro Gage allem Genüge getan sein muss. Mit Wolli ist es halt nie langweilig und immer gibts was zum Schmunzeln.

Orchesterprobe mit den Vokal-Solisten in der Marienkirche Höxter

Werner und ich hören uns bis 16.00 Uhr noch die Solisten und Orchesterproben an. Das Solistenensemble paßt wunderbar zusammen und begeistert uns mit ihren Stimmen. Die Generalprobe verläuft unspektakulär, ich bin zuversichtlich, dass es eine schöne Aufführung wird. Schmithals läßt nichts durchgehen und weist die orientalischen Trompeter nett aber bestimmt auf die unsicheren Stellen hin. Der Cantus Firmus wird von den Solisten beim „Morgenstern“ gesungen, die Einsatztöne sind aber für den Chor gar nicht abzunehmen, daher klappt der Einsatz auch nicht. Den solls dann aber im Konzert überdeutlich geben.

Große Freude dann als die anderen Blogger, Iris und Kalla mit Elli, Volker, Rita mit Schwager und mein Mann Rüdiger eintreffen. Auf Bachianer ist halt Verlaß.

Es war ein interessantes Wochenende, was viele neue Eindrücke gebracht hat, ich habe viele nette Leute aus Höxter und Umgebung kennengelernt, die total kontakfreudig und offen waren. Es wurde sogar erwägt das nächste Mal Privatquartiere anzubieten. Klar trifft man auch die Spezies, wo man beim ersten Blick weiss, jetzt kommt eine Lebensgeschichte in epischer Breite, aber das sind marginale Erscheinungen. Ein großes Lob auch an Kai Koch und Jost Schmithals, die mit einem Mammutengagement dieses Projekt geplant, vorbereitet und durchgezogen haben.

Ein Verbesserungsvorschlag: Es gibt tolle Kantaten im Sommer / Trinitatiszeit, mit einer hartnäckigen Erkältung als Erinnerung habe die ganze Woche gehabt mich an Höxter zu erinnern.

In der Stadtkirche Bad Salzuflen erklangen im Gottesdienst aus dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach die Kantaten 5 und 6


Liebe Bachfreunde(innen)

Bad Salzuflen lud ein zu einem Dreikönigs-Treffen in die Evangelisch reformierte Stadtkirche. Im Eingangsbereich empfingen die drei Heiligen aus dem Morgenland die Gottesdienst-Besucher..!! Dazu vortrefflich geeignet – einen „Musikalischen Gottesdienst“ mit den Kantaten 5 & 6 aus dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach, BWV 248 – zu gestalten.

Die Heiligen drei Könige im Eingang der Ev. reform. Stadtkirche Salzuflen

Die Heiligen drei Könige im Eingang der Ev. reform. Stadtkirche von Bad Salzuflen

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Stadtkirche Bad Salzuflen

In der Stadtkirche Bad Salzuflen wurden im Rahmen eines „Musikalischen Gottesdienstes“ die Kantaten fünf und sechs aus dem Weihnachtsoratorium, BWV 248 von J.S. Bach aufgeführt.

Vorangegangen war am Freitag und Samstag ein mehrstündiger Workshop des Kirchenchores, um Gastsängern die Möglichkeit zu bieten, in der Einarbeitung der Kantaten mitzuwirken und den Kirchenchor verstärken zu können.

Sehr gerne sind wir dem Angebot gefolgt und haben die Gastfreundschaft der rührigen Stadtkirchengemeinde und des Kirchenchores sehr genossen und dabei haben sich neue

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Freundschaften entwickeln können.

Kantorin Waltraut Huizing

Kantorin Waltraud Huizing

Faszinierend mitzuerleben, wie die Kantorin „Waltraud Huizing“ die Probenarbeit gestaltete, in ihrer freundlichen Art immer motivierend den Chor anzusprechen  und gezielte Feinheiten und Höhepunkte in den Kantaten mit dem Chor zu erarbeiten und umzusetzen. Ihr gelang es vortrefflich, uns immer wieder mitzureißen so dass die Probenarbeit nie langweilig wurde und zu einem reinen Vergnügen wurde. Das machte unwahrscheinlichen Spaß und animiert uns, in Zukunft weitere Projekte als Gastsänger mit ihr wahrzunehmen.

Chor der Stadtkirche Bad Salzuflen und Orchester "Le nuove musiche"

Eine Überraschung war die kurzfristige Verpflichtung eines Lautenisten (im Foto oben rechts) für die Bach-Kantaten der sich mit seinem hinreissenden Spiel und dem unvergleichlichen Klangerlebnis sich zu einem Glanzpunkt gestaltete. Die Besetzung mit drei Trompeten mit Natur-Trompeten spiegelt die filigrane Feinarbeit der Kantorin Waltraud Huizing im Vorfeld wieder, wie sie sich eine Besetzung des Orchesters vorstellt, um ein hinreissendes Klangerlebnis dem Besucher bieten zu können. Die Besetzung des Chores um die 40 Personen – einschließlich der Gastsänger(innen) kann als sehr geglückt  angemerkt werden. Ein mittleres Durchschnittsalter im Chor, besetzt mit gut ausgebildeten Sänger(innen) ergab ein sehr abgerundetes Klangbild.

Chor der Stadtkirche Bad Salzuflen und Orchester "Le nuove musiche" besetzt mit Laute

Aus Krankheitsgründen mussten kurzfristig zwei Gesangs-Solisten ersetzt werden aber im Lippischen scheint das für die Kantorin – trotz des großen Mankos – nicht allzu schwer gewesen zu sein, für guten Ersatz zu sorgen, liegt doch Detmold fast vor der Haustür von Bad Salzuflen. Das gelang ihr vortrefflich. Ein Juwel-Gesang purer Freude ist von der Sopranistin „Lara Venghaus“ zu vermelden die in ihren Partien  großartig überzeugen konnte. Mechthilt Kerscher , Alt, sang überzeugend. Der kurzfristig neu hinzugekommene Tenor  Stefan Deguti aus Detmold – für den erkrankten Johann Penner verpflichtet  – ausgestattet mit einem warmen Timbre in seiner Stimmlage und einer großartigen Wortartikulation war ein würdiger Ersatz. Der vorgesehene Bass – Gottfried Meyer musste ebenfalls ersetzt werden durch Andreas Post, der mit seinem großartigen Stimm-Volumen gleichfalls seiner Verpflichtung gerecht werden konnte.  Hinreissend stimmig gelang den Gesangs-Solisten in der Kantate sechs in Nr: 63 das Rezitativ: „Was will der Hölle Schrecken nun.“

Stadtkirche Bad Salzuflen Weihnachtsoratorium (Foto Heike Rottkamp)

Stadtkirche Bad Salzuflen Weihnachtsoratorium (Foto Heike Rottkamp)

Das zusammengesetzte Orchester „Le nuove musiche“ wurde 1990 als Ensemble für Alte Musik “Le nuove musiche”  von zwei Studenten der Hochschule für Musik, Detmold, Gregor Schwarz und Gregor van den Boom mit dem Ziel gegründet, Musik des 17.-18. Jahrhunderts auch im ostwestfälischen Raum auf Originalinstrumenten aufzuführen. Sehr schnell wurde aus der Duopartnerschaft ein sich ständig erweiternder Klangkörper, der im Laufe der Zeit auch überregionale Anerkennung findet.

Foto: LZ_vom 10_01_2012 WO Kantaten 5 und 6 Stadtkirche Bad Salzuflen am 08.01.2012 - (Fotorechte: Scheulen)

Das Ensemble bestach durch ein harmonisches Zusammenspiel auf  historischen Instrumenten und gestalteten die Solopartien im Bc und Violin-Solo ( Gregor van den Boom) – mit einer gekonnten und einer beeindruckenden Spielweise.

Die Bläsergruppe aus Detmold mit Natur-Trompeten

Die Bläsergruppe aus Detmold mit Natur-Trompeten

Das Trompeten-Ensemble, bestückt mit Natur-Trompeten, gelang der Bravour-Ritt in der abschließenden Kantate Nr. 6 mit der Eröfnungs-Fanfare: „Herr wenn die stolzen Feinde schnauben“ mehr als beeindruckend, das war hinreissend gespielt und die göttlichen Trompeten geleiteten dann zum Abschluss mit dem Choral: „Nun seid ihr wohlgerochen“ die Aufführung zu einem erhebenden Finale.

Es war ein Genuss für @Wolfgang und mich, in diesem „Musikalischen Gottesdienst“ mitwirken zu dürfen und war ein krönender Abschluss des Weihnachtsfestes. Bach, er lebt in uns weiter und steigert unsere Vorfreude auf die Kantaten in Höxter, wo wir uns wieder einfinden werden…!!

Liebe Bach-Grüße

Volker

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Eine kleine Rezension zum Kantaten-Gottesdienst liegt als PDF bereits vor!

         –   h i  e r  – anklicken..!! 

Die Rezension der Lippischen Landeszeitung vom 10.01.2012 nachstehende als PDF

     –  h i  e r  – anklicken..!!   LZ WO BWV 248 Kantaten 5 & 6 Stadtkirche Bad Salzuflen am 08_01_2012

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Ein begeisterndes Orgelkonzert an Silvester in der Altstädter Kirche Bielefeld


Nicolaikirche Bielefeld Haupt-Orgel von 1965 - Rudolf von Beckerath Hamburg

Hallo Orgel-Blog-Freunde !

Ein uns sehr bekannter Organist und Pianist Dmitri Grigoriev begeisterte am Silvester-Abend  (31.12.2011) in der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld an der großen Beckerath-Orgel..!! Die Neue Westfälische vom 2.01.2012 hat eine überragende Rezension darüber veröffentlicht und möchte sie einmal zum Besten geben.

Dmitri war als Pianist für das Blog-Treffen im Gemeindehaus „Siemshof “ in Löhne-Mennighüffen im Juni 2011 – für das Konzert mit @Claudia – verpflichtet worden..!!

Zur Erinnerung zum Artikel im Blog –  h i e r  –

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Rezension der NW:

Märchenhafte Klänge

Silvester-Orgelkonzert in der Nicolaikirche

VON MICHAEL BEUGHOLD

Dmitri Grigoriev im Gemeindehaus Siemshof Löhne-Mennighüffen

 Bielefeld. Programmatisch etwas anders, bunter zwischen besinnlich, heiter-beschwingt und zündend hochgestimmt präsentierte sich das Silvester-Orgelkonzert in der stets dicht gefüllten Altstädter Nicolaikirche schon immer. Doch so märchenhaft-exotisch und klangmagisch bestückt wie vom diesjährigen Gastorganisten Dmitri Grigoriev hat man den Traditions-Konzerttermin in drei Jahrzehnten hier noch nicht erlebt.

Der neue hauptamtliche Sennestädter Kirchenmusiker aus St. Petersburg hatte mit Nikolai Rimski-Korsakows „Scheherazade“ und Igor Strawinskys „Feuervogel“-Suite zwei russische Orchester-Klassiker eigenhändig für Orgel bearbeitet und unterstrich die kongeniale Einrichtung (St. Petersburger unter sich) mit ebenso brillanter Umsetzung an der großen Beckerath-Orgel.

Faszinierend, wie er im ersten der vier sinfonisch vertonten Märchen aus tausendundeiner Nacht das Meeresrauschen, den Wellenschlag rund um Sindbads Schiff als ein einziges Naturstimmungsbild vor Ohren zaubert, während er in „Der junge Prinz und die junge Prinzessin“ aparten Klangsinn und anmutigste Melodik zusammenbringt – beides so nuancenreich ausgesponnen wie erzählerisch bezwingend aufgespannt.

In Strawinskys fünfsätziger Ballett-Suite demonstrierte der Organist in denkbar subtilen Klanggewändern für die Gegenwelten des Magischen (voller Chromatik) und Humanen die hohe Kunst des Registrierens. Gleichzeitig blieb er dem rhythmisch-virtuosen Element der Vorlage von den flirrenden Feuervogel-Arabesken über den Prinzessinnen-Reigen bis zum Höllentanz des bösen Zauberers nichts an spielerischer Bravour und Durchdringung schuldig.

Dazwischen zwei Piècen von zwei großen Pariser Orgelmeistern des 20. Jahrhunderts: Sowohl „Cantique?g aus Jean Langlais‘ „Suite folklorique?g als auch Pierre Cochereaus „Berceuse?g verströmen jene typisch französische Mischung aus nobler Sanglichkeit und Kolorit und waren in Dmitri Grigorievs Spiel von nicht auslassender atmosphärischer Dichte und meditativer Ruhe erfüllt.

Als Zugabe bekamen die märchenhaft beglückten Hörer noch Bachschen Air-Zauber mit auf den Weg ins neue Jahr.

Textquelle: © 2012 Neue Westfälische

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Grüße

Volker

LSO und Sir Gardiner entfachten ein symphonisches Feuerwerk mit dem Beethoven-Programm im Kuppelsaal Hannover am 19.12.2011


Kuppelsaal Hannover, diese Aufnahme entstand von mir im Juni 2011..!!

Kuppelsaal Hannover, 19.12.2011

Vorankündigung für J.E. Gardiner & LSO in der Buchhandlung Schmorl...!!

Beethoven 1. und 9. Sinfonie

Ausführende

Rebeccda Evans, Sopran

Wilke te Brummelstroete, Mezzosopran

Michael Spyres, Tenor

Vuyani Mlinde, Bassbariton

Monteverdi Choir

London Symphony Orchestra

Leitung: Sir John Eliot Gardiner

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Ein Konzert der Superlative..!!

Nach mühevoller Kleinarbeit konnten wir nach einem langen Hin- und Her endlich unsere Plätze in dem riesigen Rundbau der Kuppelhalle in Hannover einnehmen.

Wir fragten uns, ist Gardiner ein Selbstläufer denn die Plätze waren zu über 90 Prozent belegt und nach Insiderwissen soll die Halle ca 2000 Besucher aufnehmen können. In der gesamten Stadt Hannover konnten wir kein Plakat über Gardiner und das Orchester LSO entdecken umso schöner, dass der Besucherzuspruch so riesig ausgefallen ist. Wo habe ich die obige Ankündigung entdecken können, beim Kauf einer Klassik-CD hing das nennenswerte Kleinod in der Buchhandlung Schmorl am Bahnhof in der Klassikebene und habe sofort meinen Fotoapparat gegriffen und für uns die Aufnahme erstellt, also war die Suche nicht ganz vergeblich..!!

Riesiger Schlussapplaus für die 9. Sinfonie - LSO. Gardiner und Monteverdi Choir

Da es bereits eine ausgiebige Rezension von dem Beethoven-Programm vom Beethovenfest in Bonn gibt, erstellt von Iris, spare ich mir großartige Ausführungen und verweise auf die genannte Rezension im Blog unter folgenden Link:

https://meinhardo.wordpress.com/2011/09/18/lso-und-sir-gardiner-begeisterten-beim-beethovenfest-in-bonn-am-15-9-2011/

Auszug aus der Rezension von @Iris:

Entstanden ist die 1. Sinfonie 1799/1800, uraufgeführt am 02.04.1800 Wien.
„Schon der Beginn, das harmonische Spiel weist Beethoven als einen Neuerer aus. Der Autor der Berlinischen Musikalischen Zeitung nannte diese Einleitung noch sechs Jahre später einen ´unbestimmte(n), wenn gleich genialische(n) Anfang`. Das Besondere an diesem Beginn: Beethoven wagt hier nicht nur harmonisch viel, sondern er bezieht alle Komponenten der orchestralen Satzgestaltung mit ein. Die Orchestergruppen werden gleichsam gegeneinander gesetzt – die langen Bläsermelodien, die kurzen pizzicato-Antworten der Streicher und eine differenzierte Dynamik spitzt den gesamten Spannungsverlauf expressiv zu.“ (Programmheft)

Die 9. war pompös, grandios, bombastisch; zumindest im 4. Satz. Eine Steigerung war da nicht mehr möglich. Die ersten drei Sätze führten „langsam“ auf das Thema hin und als der Chor im 4. Satz einsetzte, war das wie ein erlösender Durchbruch. Die Jungs und Mädels vom Orchester und vom Chor waren fantastisch; sie haben uns förmlich mitgerissen. Als der Sir alle auf Touren gebracht hatte, lief`s von allein…………

Diese zuletzt genannte Aussagen von @Iris kann ich nur vollauf bestätigen, es war ein grandioses Erlebnis und schwingt in uns immer noch nach. Ein Ehepaar neben uns erlebten Sir Gardiner erstmals live und waren ganz aus dem Häuschen. Vor Beginn des Konzertes sagten sie uns, dass sie Gardiner nur vom Radio her kennen und riesige Fans von ihm sind und endlich dazu gekommen sind, ein Live-Erlebnis mit ihm zu haben. Das bemerkte ich während des Konzertes sehr deutlich, sie rutschten nach vorn nach hinten zur Seite und saugten die Musik in sich förmlich auf das war für mich gleich nebenan sitzend ein wenig störend, aber ich hatte volles Verständnis für diese Gardiner-Enthusiasten und ihrer ungebrochenen Begeisterung und freute mich mit ihnen, dass sie vollends aus dem Häuschen waren.

LSO nach der 1. Sinfonie

Uns erging es eben so, wann hört man Beethoven in so einer dynamischen und grandiosen Wiedergabe, wie es uns nur Sir Gardiner zelebrieren kann. Wie ich wohl schon einmal erwähnt hatte, mag ich Beethovens Klavierwerke sehr, seine Sinfonien nur bedingt – aber, an diesem Abend wurde ich eines Besseren belehrt, wie die Sinfonien erklingen und begeistern können. Dieses Prädikat muss ich Gardiner ausstellen, was er in diesen über zwei Stunden in seinem Dirigat an Schwung und Drive dem LSO vermittelte und sie ihm fantastisch in der Wiedergabe folgten war schon grandios, sicherlich hat sein angesetzter Bauch darunter gelitten, diese Gymnastik habe ich noch nicht einmal in meiner Jugend zustande gebracht und er in seinem gesetzten Alter schüttelt das alles ab, als ober er gerade einen Spaziergang durch den anliegenden Botanischen Garten unternommen hätte..!! Er ist einfach ein Phänomen, sobald er die Bühne betritt, ist man schon von der Erscheinung und seinem Habitus fasziniert und vollends eingenommen was nur sehr wenige Künstler einem vermitteln können.

Wieder einmal eine Sternstunde, den 36 -köpfigen Monteverdi Choir in der 9. Sinfonie zu hören. Diese Stimmgewalt gegen das LSO gesungen und in einer Wortverständlichkeit, das ist schon eine Gesangskultur, die den Hörer immer wieder verblüfft, welches Chor-Ensemble kann damit aufwarten, mir fällt keines ein und unterstreicht einmal wieder ihre Ausnahmestellung, das war absolut ergreifend und  berührend gesungen und ergab damit ein grandioses Finale. und wurde wiederum zu einer Sternstunde in unserer Gardiner-Ära..!!

Solche Sternstunden sind freilich nur möglich, wenn ein paar Voraussetzungen erfüllt sind. Die wichtigste: Dirigent das Orchester , Gesangs-Solisten und Monteverdi Choir bilden eine feste Einheit. Tatsächlich liefern sich der Chor, die Musiker des London Symphony Orchestra (LSO) Gardiner bedingungslos aus und ergab, dass wir die Götterfunken in uns spürend aufgesaugt haben und vollends von ihnen eingenommen und befallen wurden…..!!

Schon im Eingang konnten wir vor Beginn des Konzertes überraschend @Barbara mit ihrem Anhang freudig begrüßen und verabredeten uns per Handy nach Konzert-Ende. In einer gemütlichen und fruchtbaren Runde konnten wir uns danach in einer nahe gelegenen Hotelbar über das Erlebte eine Stunde lang austauschen und rundete diesen Abend so genial ab. Danach traten wir ganz erfüllt unsere Heimreise per PKW an und wurden durch trockenen Straßen und ohne Schnee oder Glatteis mehr als entschädigt, die Götterfunken waren bei uns geblieben und hatten für diese Verhältnisse gesorgt……,

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Rezension zum Artikel

„Hannoversche Allgemeine“ vom 21.12.2011

Link:  http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/In-alter-Frische

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Grüße

Volker

Mein Top-Dreigestirn von Barock-Trompetern vom Label SDG (Gardiner)


Die drei SDG-Trumpets-SpezTrompeten-Spezialisten von J.E. Gardiner - Robert Vanryne; Michal Harrison; Neil Brough

Liebe Barock-Bach-Freunde(innen)

Sie haben es redlich verdient, einmal im Blog vorgestellt zu werden. Die Sprache ist von den für mich überragenden Barock-Spezialisten mit der Trompete: Robert Vanryne, Michael Harrison und *) Neil Brough vom Label: SDG Monteverdi. Ich bin immer noch berauscht von dem 2. Brandenburgischen Konzert, dass anlässlich des Bachfestes in Köthen im Bachsaal im Kalenderjahr 2008 stattgefunden hatte, was „Neil Bruogh“ dort vorgetragen hatte als Solo-Trompeter im 2. Brandenburgischen Konzert war eine allerhöchste Spitzen-Leistung und schwärme heute noch davon.

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Alle drei Trompeter waren in der h-Moll Messe im Juni 2010 beim Abschlusskonzert des Bachfestes 2010 in der Thomaskirche Leipzig zu bewundern. Eindrücklich konnten wir dort die Probenarbeit von Gardiner mit EBS und dem Monteverdie Chor bewundern.

Anschließend ging unsere Reise zum Bachfest 2010 nach Köthen wo diese drei großartigen Trompeter in St. Jakob  in den Bach Suiten-Ouvertüren BWV 1068 + 1069 brillierten.

St. Jakob Bachfest Köthen 2010 Trompeten:
Neil Brough; Robert Vanryne; Michael Harrison; mit den Suiten-Ouvertüren BWV1068 + 1069

Trompete:

„Neil Brough“ BWV 70

Philharmonie Berlin im        Dezember 2010

Das Kalenderjahr 2010 fand seinen krönenden Abschluss im Dezember 2010 beim Weihnachtskonzert in der Philharmonie Berlin, wo als Trompeter „Neil  Brough“ nochmals einen glänzenden Auftritt in dem BWV 70 Wachet! betet! betet! Wachet! – hatte. Ich zitiere aus meiner Rezension aus der Philharmonie:

Auf diese herrliche Kantate hatten wir uns so sehr gefreut, da ein Trompetenpart einfach das Salz in der Suppe ist. Der fantastisch blasende „Neil Brough“ erwies sich wieder einmal als ein einsamer Könner in der Trompeten-Gilde, sein zurückhaltendes und dann wieder donnerndes Blasen war ein exzellenter Höhepunkt. In Satz zwei mit dem Bass-Rezitativ: „Erschrecket, ihr versotcketen Sünder“ wurde sein Trompeten-Part mit dem wunderbaren Gesang von Jonathan Sells zu einem weiteren glanzvollen Höhepunkt ……

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Video von Gardiner  – BWV 70 Wachet! betet! betet! Wachet!

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Zur Zeit waren die drei Spitzen-Trompeter mit J.E. Gardiner und dem „Orchestre Révolutionnaire et Romantique“  auf einer USA-Tournee mit einem Beethoven-Programm. Ein täglicher Blog über die Veranstaltungen und persönlichen Eindrücken kann über den nachstehenden Blog-Link (Monteverdi) – nachverfolgt werden…!!

Link zum Monteverdi-Blog:

http://jovian.lunariffic.com/~monte34/blog/beethoven-symphonies-uk-usa-tour/

Beethoven Symphonies:
UK & USA Tour

Nearly 20 years after the recordings of the Symphonies cycle that made them famous, the Orchestre Révolutionnaire et Romantique returns to this repertoire for the first time. Playing on period instruments, the orchestra gives Beethoven’s masterpieces unique colours through its intense capacity of expression and unmatched stylistic accuracy.

Grüße

Volker

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*) Anmerkung:

für den Trompeter Neil Brough liegt z.Zt. noch keine Biographie im Blog vor.

Orgel-Konzert „Klang und Licht Wandelkonzert“ am 9.10.2011 in der Ev. Bartholomäuskirche Bielefeld-Brackwede


Ev. Bartholomäuskirche in Bielefeld Brackwede

Liebe Orgelfreunde !

Ein bemerkenswertes Orgel-Konzert in einer neuen Form fand am Sonntag, 9.10.2011, in der Ev. Bartholomäuskirche in Bielefeld-Brackwede statt.

„Klang und Licht Wandelkonzert“

mit Orgelmusik von J.S. Bach In der Einladung zum Konzert heisst es:

Herzlich willkommen zu unserem Wandelkonzert ! Wir möchten Sie heute Abend in einer knappen Stunde durch die Kirche führen, musikalisch und mit kurzen Texten zu markanten Punkten der Kirche.

 Seien Sie mutig, und erkunden Sie während der Orgelmusik die verschiedenen  akustischen Räume der Kirche:

Wie klingt die Musik im Mittelgang, wie klingt sie im Altarraum?

Was verändert sich, wenn ich an der Wand entlang gehe?

Was höre ich noch unter der Empore oder im Querschiff?

Klingt es anders, ob ich steh oder sitze?

Will ich die Orgel im Rücken hören oder ihr beim Spielen zusehen?

Beginn, zwischendurch und am Schluss hören Sie die

  „Acht kleinen Präludien und Fugen“

die in einer Abschrift Johann Sebastian Bachs überliefert sind, aber wohl von seinem Schüler“Johann Ludwig Krebs“ komponiert wurden.

 7 Stationen auf dem Weg durch die Kirche sind:

Fensterzyklus: (Licht der Welt, im Hauptschiff vorn)  –

Chorraum: (Altar, Kanzel, Lesepult und Kreuz, hinter dem Altar)  –

Taufe: (Taufstein und Taufwand, treffen  vor dem Taufstein und Taufwand)  –

Kirchenmusik: (Glocken, Orgel, Cembalo, vor der Orgelempore) –

Gotischer Torbogen: (Brand und Wiederaufbau, unter der Orgelempore) –

Turm: (Ursprungsgeschichte, im Turm) –

Vierung: (Architektur,Kronleuchter, im Hauptschiff vorn)

Wir versammeln uns jeweils an diesen Orten zu kurzen Betrachtungen. Sie können natürlich auch an einem Platz in der Bank mithören, die Texte werden über Lautsprecher übertragen.

Ausführende:  Walter Haverkamp, Orgel

Sprecher: Pf. i.R. Wolfgang Bergmann

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Beeindruckende Stimmung im Orgelkonzert "Klang und Licht Wandelkonzert"

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Glasfenster mit einem Bibel-Spruch nach Lukas verfasst..!!

Die Batholomäuskirche in Brackwede brannte 1990 vollkommen aus. Anschließend erfolgte der Wiederaufbau in der alten Form. Es haben sich nur wenige ältere Ausstattungsstücke erhalten, darunter der Taufstein von 1685, zwei Reliefs mit der Darstellung der Verkündigung und der Kreuzigung, die vermutlich 1603 entstanden sind und das neugotische Altarbild von 1892.

Die moderne Fensterverglasung stammt von Raphael Seitz aus Heilbronn und beeindruckt in ihrer Schlichtheit und mit Bibelversen sowie mit einem Notenabbild vom Magnificat von J.S. Bach.

Die gläserne Taufwand erstellte ein Bielefeld Künstler. Auf der gläsernen Taufwand sind bei den einzelnen Fischen die Täuflinge mit Foto, Vornamen und Namen dokumentiert für das laufende Kirchenjahr und wirkt sehr beruhigend auf den Betrachter..!!

Gläserne Taufwand in der Ev Bartholomäiskirche Brackwede

Anschließendes Foto:

Die in den Jahren 1992-1994 nach dem verheerenden Brand der Kirche neu erstellte Rowan West Orgel…!!

Rowan West Orgel von 1994 in der Ev. Bartholomäuskirche Brackwede

Die jetzige Orgel mit 43 Registern auf drei Manualen und Pedal mit barockisierendem Prospekt wurde 1994 vom Orgelbauer Rowan West aus Ahrweiler in Anlehnung an Werke von dem westfälischen Orgelbauer Johann Patroclus Möller (1698-1772) aus Lippstadt – geschaffen. Aus dessen erhaltener Orgel in der Abteikirche Marienmünster übernahm man nicht nur einen großen Teil der Disposition, sondern auch Mensur und Intonation. Die weitestgehende Anwendung alter Bau- und Intonationskunst ermöglicht bei flexiblem Wind und ungleichschwebender Stimmung größte Annäherung an stilgerechte Interpretation barocker Musik auf einer neuen Orgel. Die Brackweder Rowan West Orgel gilt als Impuls für eine Neuorientierung in westfälischer Orgeldenkmalpflege.

Ein Video von dem Orgelabend „Klang und Licht Wandelkonzert“

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Die Rowan West Orgel wurde vor kurzer Zeit vollständig neu Intoniert und der Kirchenakustik angepasst. So präsentiere sich diese wunderbare Orgel in dem Konzert von seiner besten Klangseite und beglückte die Besucher mit herrlichen Präludien und Fugen von J.S. Bach. Es war ein Genuss, im Gehen, Stehen oder  im Sitzen dieses Konzert mit der unterschiedlichen räumlichen Orgelakustik wahrzunehmen. Diese unterschiedlichen Klangquellen zu erleben waren wirklich etwas Besonderes an diesem Orgelabend. So eine Möglichkeit gibt es nur sehr selten und sollte seine Nachahmer finden.

Der Hörer erlebt durch den Rundgang und seine Positionierung  in der Kirche – betrachten der Kirchenfenster mit Sprüchen und Noten, Altarraum, Turmbesteigung, gläserne Taufwand, Taufbecken, Orgelempore, Glockengeläut, Seitenschiffe, etc. und durch die vorangegangenen textlichen Aussagen ganz neue Eindrücke von der Bach-Musik und dem Orgel-Klang. Ich war davon sehr angetan und wünsche, es werden weitere Orgelabende in dieser Form von dem Kontorat der Ev. Bartholomäus-Kirchengemeinde Brackwede durchgeführt. Ein bewegender Abend ging viel zu schnell zu Ende und entließ die frohe gestimmten Besucher in den Abend..!!

Grüße

Volker

Bach-Motetten zelebrierte Sir Gardiner im Nikolaisaal Potsdam am 30.9.2011


Aussenansicht Nikolaisaal in Potsdam

Liebe Bach-FreundINNEN!

‚Na-, warum lässt der Sir Gardiner denn gerade die Motette ‚Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf'“ –  aus? Kann man denn wirklich eine von den sechsen klassischen Vokalwerken Bach’scher Kunst so zurückstellen?‘ Das raunten einige der zahlreich erschienenen Potsdamer Bach-Freunde in der Reihe hinter mir. Und ich machte mir natürlich auch Gedanken, was uns Gardiner mit dieser wohl bewussten Auslassung sagen wollte. Am Schluß des Konzerts war mir klar: Da als Zugabe von Gardiner die Bach unsicher zugeschriebene Motette ‚Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn‘ gegeben wurde, waren dann im Ganzen vordergründig alle 6 doch wieder vorhanden. Aber Spaß beiseite.

Ein inhaltlicher Grund drängte sich mir auf. Da in der  glänzend dargebotenen Motette ‚Jesu meine Freude‘ sehr viel und pointiert vom ‚Geist‘ die Rede ist, konnte man auf eine neuerliche Wiederholung des ‚Geistes‘ verzichten. Denn das was diese Motette ‚Jesu meine Freude‘ uns vom Geist sagt, ist wirklich ganz wichtig. Die wohl längste Bach-Motette hat vielfältige Sätze. Choral – Terzett – Frauenchor – Männerchor – chorisches Tenorsolo – Fuge – Ekstase (Weg, weg mit allen Schätzen) – mystische Zusagen.

Als Mittelpunkt empfand ist aber die Zusage:

‚Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich‘.

Für den Konserven verwöhnten Musikhörer bedeutet das m.Mg.: Lasst Euch auf die Länge und den Argumentationsverlauf des Musikstücks ein. Seid nicht zufrieden mit einem Highlight z.B. dem Eingangschor, sondern bei Bach setzt der Schlusschoral den Punkt.  Geistlich hören, heißt,  Raum lassen den innermusikalischen Entwicklungen von Chor – Rezitativ – Arie – Schlusschoral.  Da findet ein Gespräch zwischen den Sätzen statt, manchmal sogar ein Drama. Und die bei Bach so gerühmte Kraft der ‚Beruhigung und Heilung‘  des ‚aufgeregten‘ Menschen kann sich nur entfalten, wenn auch vorher die ‚Aufgeregtheit der Welt‘ in Turbae und Virtuosität dargestellt und durchlitten wurde.

Natürlich, bei so eng gestrickten Bach-Werken wie den Motetten leuchtet das leicht jedem ein, aber das gilt erst recht auch für die Kantaten, die Messe und die Passionen. Geistlich aufführen und hören braucht daher keine ‚Höhepunkte‘ Bach’scher Musik. Innermusikalisch gibt es für eine solche Ansicht auch gute  Argumente. Nämlich-,  die Abfolge von  Tonarten, die bei Bach ja bei jedem Satz  bewusst eingesetzt werden, wird zerstört und so sorgsam abgestufte  verbundene Glieder zerrissen.

Monteverdi Choir und English Baroque Soloists

Wie fing das Konzert an? Der Gardiner-Chor setzte ein mit einem labial wunderbar gerollten und gerundeten ‚L – obet den Herrn, alle Heiden‘. Auf diesen Einsatz war ich besonders gespannt. Da macht es ein ausländischer Chor uns Deutschen vor, was Sprache beinhaltet: niemals gleichförmig und unbeteiligt, immer betont und Entwicklungen verdeutlichend.

Gerade bei der Motette “Fürchte Dich nicht“ wurde mir die argumentative Gestaltung sehr deutlich. Man hätte ja auch mit der These und Behauptung ‚Fürchte Dich nicht‘ zufrieden sein können. Nein-,  musikalisch und textlich wird das ‚warum‘ bei Gardiner ernst genommen.  ‚Ich stärke Dich – ich halte Dich bei meiner rechten Hand‘. Da wird ausgestaltet, musikalische Linien werden wenn es nötig ist herausgehoben oder abgeschwächt.

Noch ein Licht leuchtete mir als ‚typisch britische Interpretation‘ auf: da gab es eine mysterienartige Interpretation der geheimnisvollen Zusagen wie z.B. ‚weiche nicht‘, ‚ich helfe Dir auch‘, ‚ich halte Dich mit meiner rechten Hand‘-, diese Zusagen kamen eher wispernd und  versteckt auf den Hörer zu. Plötzlich konnte ich mir Elfen und Baumgeister vorstellen – oder war ich abgedriftet und hatte  über die Maßen ‚Elfen-Literatur‘ mit meiner Tochter gelesen? Jedenfalls hatte ich empfunden, das eine solche eher romantische Auffassung sich abhebt von dem typisch deutsch-protestantischen Kantoren-Stil, der immer Klarheit und Eindrücklichkeit von den Sängern will.

So ging es mit Engagement und Einsatz im Motetten-Verlauf weiter. Der Sir gab sich bescheiden, die Sänger des Chores waren  bewegt im Einsatz und ließen auch manche Gesten zu.  Eine Mahnung zum Widerstand wie ‚Trotz dem alten Drachen!!‘ kann man nicht mit verschränkten Armen singen! ‚Tobe Welt und springe‘-, da bogen sich fast die Bretter und Balken des renovierten Nikolai-Saals. Erhellend war es auch, das ich in der Pause mit einem Continuo-Spieler ins Gespräch kam. Das Wichtigste:

Sir J.E. Gardiner

Sir Gardiner hat sein Bach-Buch fertig und einem englischen Verlag zur Veröffentlichung freigegeben. Zur Buch-Messe ist es zwar noch nicht übersetzt, doch wir können uns freuen auf eine Bach-Interpretation, die Staunen lässt.

So hatte ich in Berlin und Potsdam auch einen kulturell bereichernden Herbst-Aufenthalt. An jedem Tag wartete auf mich ein Höhepunkt: Zuerst die viel gerühmte ‚Gesichter der Renaissance-Austellung‘ im Bode-Museum, am nächsten Tag 6 Bach-Motetten interpretiert vom Sir Gardiner, am nächsten Abend, tags darauf im Olympia-Stadion mit meiner Tochter der  3 zu 0 Sieg der Hertha gegen die Kölner.

Immer wieder fragte ich mich: Was ist Kultur? Überall kannst Du hingehen und Dir eine Karte irgendwie besorgen, wenn Du es nur willst. Kultureller und materieller Überfluss strömen auf Dich ein. Bei der Portrait-Ausstellung im Bode-Museum hatten mir Landschaften gefehlt. Im Olympiastadium konnte ich mitfeiern, wie der Hauptstadt-Club kurzen Prozess mit den Rheinländern machte. Im Potsdamer Nikolai-Saal wurde ich ‚geistlich‘ so erfüllt, dass ich zum Verstehen der Musik kein Hochglanz-Programm-Heft und kein abgestandenes, müde sprudelndes Glas Sekt in der Pause brauchte.

Bist DU mit all‘ diesen ‚Fleisch-Brocken‘ glücklich.  Dann war am Sonntag den 2.10. noch Erntedank-Fest. Ich ging zum Gottesdienst in meine Nachbarkirche. Was sagte der Pfarrer:

‚Sammelt Euch Schätze im Leben, die nicht von Motten und Rost gefressen werden!‘

Ja-, das könnte es sein!

Gruß

Wolfgang

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 Rezension aus Potsdam   Singen voller Lebendigkeit und Leidenschaft

Märkische Zeitung:  http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12186808/60709/Publikum-feiert-Monteverdi-Choir-und-The-English-Baroque.html

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Ein bewegendes Konzert von der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen „Bach im Fluss“ am 23.9.2011


Evangelisch reformierte Kirche in St. Gallen-Trogen (Schweiz)

Liebe Bachfreunde/innen!

Es war eine fantastische Begegnung zum Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen

„Bach im Fluss“

am 23. September 2011. Wir fühlten uns sofort mit eingebunden Dank der hervorragenden und liebevollen Betreuung vor Ort. Solches ist uns noch nie widerfahren und zeugt von der hervorragenden Gastfreundschaft, die die Schweizer Bachfreunde uns zu Gute kommen liessen es war ein Traumerlebnis das wir fest im Gedächtnis verankert haben..!! Dir lieber Daniel von der Bachstiftung herzlichen Dank für deinen selbstlosen Einsatz der umso großartiger anzurechnen ist, weil Du deinen Urlaub wegen uns unterbrochen hast.

Evangelisch reformierte Kirche St. Gallen-Trogen

Programm-Auszug:

Eine thematische Collage mit Ausschnitten aus Kantaten und Instrumentalwerken. Zusammengestellt von Arthur Godel und Rudolf Lutz.

Mit dem Spezialprogramm „Bach im Fluss“ wagen wir es, aus dem fast unermesslichen Oeuvre von J. S. Bach eine Auswahl zu treffen; Kantatensätze und Instrumentalwerke verbinden wir zu einem Kontinuum, einer «Strömung».

Die Urheber des Programms, der profunde Bach-Kenner (und frühere Programmleiter von Radio DRS 2) Arthur Godel und der musikalische Leiter der J. S. Bach-Stiftung, Rudolf Lutz, sind sich der Gefahren eines solchen Unterfangens wohl bewusst. Es könnte gekleistertes Potpourri entstehen, ein unerträgliches Bach-Gulasch anstelle einer gelungenen Bach-Collage.

Indes vermag der rote Faden einer klaren Programmidee dies zu vermeiden. «Bach im Fluss» beginnt mit der Choralzeile «Ach wie flüchtig, ach wie nichtig sind der Menschen Sachen» und mündet zum Schluss ins unendliche Meer der Ewigkeit. Am Ohr des Zuhörers ziehen insgesamt 17 Ausschnitte aus 10 Werken des Thomaskantors vorbei. Sie werden zusammengehalten durch den vitalen Grundpuls von Bachs Musik und eine theologische Vision: die flüchtige, irdische Zeit endet in der himmlischen Ewigkeit.

Diese Lebensreise wird von einem Gesangsquartett und dem Orchester der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen unter der Leitung von Rudolf Lutz nachgezeichnet. Als Orientierungshilfe bekommen die Zuhörer ein Textheft mit auf den Weg. Die Erwartung der Programmschaffenden liegt darin, dass mit «Bach im Fluss» einer der bedeutendsten und originellsten Komponisten der Musikgeschichte für viele zur längst fälligen persönlichen Entdeckung wird.

Solisten

Beginn

  • 17.30 – 18.15 Einführungsworkshop mit Rudolf Lutz und Arthur Godel
  • 19.00 – 20.00 Spezialkonzert „Bach im Fluss“
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Die Anfahrt von unserem Übernachtungsquatier Hittisau im Bregenzer Wald nach Trogen ins Appenzeller Land  war ein landschaftlicher Hochgenuss. Nach passieren der österreichischen Grenze ging die Fahrt entlang des traumhaft liegenden Bodensees in Richtung St. Gallen und wurden von einer wunderbar im Appenzeller Land eingebetteten Ortschaft Trogen empfangen. Würdige und schmucke Häuser umsäumen den Landsgemeindeplatz an der Trogener Kirche und durften trotz Parkraumnot unseren PKW dort abstellen.

Wunderbar erhaltenes Gemeindehaus am Landsgemeindeplatz von St. Gallen-Trogen

Gegen 15:30 Uhr haben wir die Reformierte Kirche am Landsgemeindeplatz in Trogen erreicht und unternahmen für das Archiv eine kleine Fotosafari durch den herrliche Ort. Aufgrund einer ausgiebigen Zeitspanne – bis zum Beginn des Workshops konnten wir eine Probe in der Ev. reform. Kirche beiwohnen und waren von dem Eifer und Enthusiasmus des Orchesters ganz begeistert wie locker und im ständigen Gesprächsaustausch der rührige Leiter Rudolf Lutz mit seinem Orchester umging.

Probe am Nachmittag in der Ev. reformierten Kirche in St. Gallen-Trogen (Schweiz)

Als sehr gelungen und nicht akademisch vorgetragen empfanden wir  den ersten Höhepunkt den Einführungs-Workshop vor Beginn des Konzertes:  „Bach im Fluss“ mit dem Referenten und frühere Programmleiter von Radio DRS 2 – Arthur Godel  und dem Leiter/Dirigenten der Bachstiftung Rudolf Lutz. Eindrücklich und humorvoll wurde es so zu einem Zwiegespräch unter diesen zwei Bach-Experten das von Rudolf Lutz mit kenntnisreichen musikalischen Bachauszügen eindrücklich manifestiert wurde. Das ist das Besondere, was die J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen dem Konzertbesuchern mit einem vorab gegebenen Einführungs-Workshop anbietet mit musikalischen Kantaten-Auszügen und textlichernAussagen zu den Bach-Werken ein Hintergrundwissen zu vermitteln was voll aufgeht und Schule machen sollte. Wir haben sehr viel Neues dazu in Erfahrung bringen können und im eigentlichen Konzert davon sehr profitiert.

Workshop-Referenten von links: ehemaliger Programm-Leiter von DRS 2 - Arthur Godel und Rudolf Lutz - Dirigent der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen

Nach einer 3/4stündiger Pause mit einem Imbiss im gegenüberliegenden Gasthof Krone mit Köstlichkeiten aus dem Appenzeller Land angereichert, gab es den gewaltigen Höhepunkt mit dem Konzert: „Bach im Fluss“ mit Auszügen aus 10 verschiedenen Bach-Kantaten zu dem vorgegebenen Thema. Es wurden folgende Bach-Werke mit Auszügen daraus aufgeführt:

1. Teil Nachdenkliches zu Zeit und Ewigkeit;

So eilen unsere Lebenstage:

BWV 26 Choral: „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“  /

... bleibt ewig stehen…

BWV 1003 Andante aus der Sonate für Violine solo /

Wo gehest du hin?

BWV 166 Arie und Rezitativ für Bass: „Gleichwie die Regenwasser bald verfliessen“ / 

…..so kann die letzte Stunde schlagen…..

BWV 971 Cembalo-Improvisation nach dem „Italienischen Konzert, 2. Satz

BWV 26  „Ach wie flüchtig ach wie nichtig“ Eröffnungschor und

Tenor-Arie (A-Teil) „So schnell ein rauschend Wasser schiesst“

….so eilen unsere Lebenstage…..

BWV 1066 Forlane aus der Orchestersuite Nr. 1

….Ich hatte viele Bekümmernis in meinem Herzen….

BWV 21 Sinfonia aus der gleichnamigen Kantate

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2. Teil: Wir folgen all zum Freudensaal

BWV 172  Sopran „Komm lass mich nicht länger warten“ / Alt „Ich erquicke dich mein Kind“ / Sopran „Liebste Liebe, die so süsse aller Wollust Überfluss“ / Alt „Nimm von mir den Gnadenkuss“ /  Sopran „Sei im Glauben mir willkommen“ / Duett Sopran  und Alt (Zwiesprache von Seele und heiliger Geist) „Ich bin dein, und du bist mein!“

….komm du sanfter Himmelswind….

BWV 846 Präludium C-dur 1. Teil „Wohltemperiertes Klavier“

BWV 140 „Zion hört die Wächter singen“

…von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig….

BWV 1079 Sechsstimmiges Ricercar aus dem „Musikalischen Opfer“

BWV 245 Schlusschoral aus der Johannespassion: „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“

…dass meine Augen sehen dich…

BWV 1011 Sarabande aus der Suite für Cello solo

BWV 31 Schlusschoral: „So fahr ich hin zu Jesu Christ“

…wird die Himmelstür auftun….

BWV 31 Eröffnender Orchestersatz: „Der Himmel lacht, die Erde jubilieret“

BWV 21 Schluss-Chor: „Das Lamm, das erwürget ist“

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Wer empfindet nicht beim Anhören Bach’scher Musik den grossen rhythmischen Fluss, den Puls der Zeit? Und hinter diesem Schlagen der Stunden die Vorstellung von Ewigkeit. Alle Ströme des Daseins gehen davon aus und fliessen dahin zurück…

(Auszüge aus dem Programmheft der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen)

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Eine sehr gut gefüllte Kirche lies uns Großartiges erwarten. Die Vielfalt der o.a. Bachwerke waren von Arthur Godel und Rudolf Lutz zum Thema „Bach im Fluss“ fantastisch ausgewählt worden. Es wurden so herrliche Instrumental- und Vokalwerke zu Gehör gebracht so dass es einem sehr schwer fällt, hier etwas als ein Highlight zu benennen. Erwähnenswert die überragende Akustik der Trogener Kirche. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Kirche für die Aufnahmen der Bach-Kantaten der ideale Ort ist..!!

Das Cello-Solo (Maya Amrein) – BWV 1011 „Sarabande „war ein akustischer Hochgenuss und ebenso das Violin-Solo  von Renate Steinmann mit dem „Andante“ aus dem BWV 1003, das wurde berührend vorgetragen und offenbarte ihre großartige Klasse  und Können.

Hervorheben möchte ich das „Zwiegespräch von Seele und heiliger Geist “ im Duett für Sopran und Alt aus dem BWV 172 „Ich bin dein, und du bist mein“ das war berührend, was diese großartigen Gesangs-Solisten: Ulrike Hofbauer (Sopran) und  der englische Altus – Alex Potter  vortrugen, das war himmlischer Gesang in Perfektion und trug uns für einen Moment in eine andere  h e i l e  Welt…!!

Gesangs-Solisten von links: Ulrike Hofbauer (Sopran) Alex Potter (Altus)

Der Chor bestand aus einer schlanken Variante mit einer Sängerin oder Sänger pro Stimme. Zwischen Vokal- und Instrumentalensemble soll so eine Gleichberechtigung bestehen und das war wunderbar gelungen. Die Heraushörbarkeit der Einzelstimmen wurde durch so eine Minimal-Besetzungzu einem Hörgenuss…!!

Sicherlich gehört der Schluss-Choral aus der Johannespassion sowie der Schlusschoral aus dem BWV 31 „So fahr ich hin zu Jesu Christ“ und der Schlusschoral aus dem BWV 21 „Das Lamm, das erwürget ist“ zu den zu erwähnenden Besonderheiten, da sie sehr emotional uns zu packen wussten. Da diese Werke zum Schluss des Konzertes angestimmt wurden, war es mit der Fassung vollends vorbei. Frenetischer Jubelgesang mit Pauken und Trompeten bezeugten den Hörer: „Die Himmelstür ist weit geöffnet worden“ und lässt unsere Herzen freudig zur Ruhe kommen……

Als Lohn aller Bemühungen brauste frenetischer Jubel am Ende des Konzertes auf, der nicht enden wollte nur durch eine Zugabe waren die aus dem Häuschen geratenden Hörer zu beruhigen. Es war ein Traumkonzert von einer Großartigkeit, das lange in uns haften bleiben wird.

Standing Ovations am Schluss für ein überragendes Bach-Konzert in der Ev. reformierten Kirche in St. Gallen-Trogen

Wir können nur folgendes empfehlen:

„Wer ein Bachkonzert live erleben möchte“ muss unbedingt die
Evangelisch reformierte Kirche in St. Gallen-Trogen/Schweiz 
aufsuchen, hier wird man mit großartigen Aufführungen von Bach-Werken verzückt..!!

Dank an alle hervorragenden Solisten und Instrumentalisten sowie dem rührigen Leiter: Rudolf Lutz und Arthur Godel, die uns einen wunderbaren Querschnitt aus den Kantaten von J.S. Bach zu kredenzten wussten. Ein unvergesslicher Konzert-Tag in der Schweiz verbunden mit einer liebevollen Gastfreundschaft ging leider viel zu schnell zu Ende. Die Gewissheit bleibt: „Wir kommen wieder“ denn der Leitspruch der J.S. Bach-Stiftung sagt es so genial aus: „B a c h  er lebt“ und das werden wir mit einem weiteren Besuch zu beherzigen wissen..!!

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Information zur J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen:

Die J. S. Bach-Stiftung führt innerhalb von rund 25 Jahren das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach auf. Jeden Monat wird im appenzellischen Trogen eine der über 200 Kantaten von Bach gespielt. Sämtliche Konzerte, Workshops und Reflexionen erscheinen auf DVD, die Texte auch in Buchform.

Link zur Bach-Stiftung: http://www.bachstiftung.ch/de/

Der Fernsehsender – tvo – strahlt jeweils am Sonntag um 11:00 Uhr eine Bachkantate von der Bach-Stiftung aus. Diese Sendung kann nach der Ausstrahlung nochmals für 6 Tage (Montag bis Samstag) aufgerufen und angesehen werden.

Link zum tvo:  http://www.tvo-online.ch/index.php?article_id=1594

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Herzliche Grüße

Volker

LSO und Sir Gardiner begeisterten beim Beethovenfest in Bonn am 15.9.2011


Blick auf Bonn von der Beethovenhalle

Beethovenfestival Bonn, 15.09.2011; Beethovenhalle Bonn.

Beethovens 1. und 9. Sinfonie

Ausführende

Lucie Crowe für die erkrankte Rebeccda Evans, Sopran

Wilke te Brummelstroete, Mezzosopran

Vuyani Mlinde, Bassbariton

Monteverdi Choir

London Symphony Orchestra

Leitung: Sir John Eliot Gardiner

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Ein Fest für die Sinne

Wir hatten uns schon wochenlang auf dieses Konzert gefreut. Endlich war es so weit; und wir waren vom ersten bis zum letzten Akkord begeistert.

Der Sir hat einfach fantastisch dirigiert. Von den Fuss- bis zu den Haarspitzen vibrierte alles. Er hat das LSO und später in den 9. den Monteverdi Choir so traumhaft geführt und geleitet, dass Orchester und Chor einfach nicht anders konnten, als zauberisch zu spielen und zu singen.

Die 1. Sinfonie war ein Ohrwurm. Der 2. Satz überirdisch schön, die anderen Sätze standen dem nicht nach; so dass der Sir und LSO viel Pausenzeit abgeben mussten, weil wir nicht aufhörten zu klatschen.

Applaus für LSO und Monteverdi Choir

Entstanden ist die 1. Sinfonie 1799/1800, uraufgeführt am 02.04.1800 Wien.
„Schon der Beginn, das harmonische Spiel weist Beethoven als einen Neuerer aus. Der Autor der Berlinischen Musikalischen Zeitung nannte diese Einleitung noch sechs Jahre später einen ´unbestimmte(n), wenn gleich genialische(n) Anfang`. Das Besondere an diesem Beginn: Beethoven wagt hier nicht nur harmonisch viel, sondern er bezieht alle Komponenten der orchestralen Satzgestaltung mit ein. Die Orchestergruppen werden gleichsam gegeneinander gesetzt – die langen Bläsermelodien, die kurzen pizzicato-Antworten der Streicher und eine differenzierte Dynamik spitzt den gesamten Spannungsverlauf expressiv zu.“ (Programmheft)

Die 9. war pompös, grandios, bombastisch; zumindest im 4. Satz. Eine Steigerung war da nicht mehr möglich. Die ersten drei Sätze führten „langsam“ auf das Thema hin und als der Chor im 4. Satz einsetzte, war das wie ein erlösender Durchbruch. Die Jungs und Mädels vom Orchester und vom Chor waren fantastisch; sie haben uns förmlich mitgerissen. Als der Sir alle auf Touren gebracht hatte, lief`s von allein.

Schlussapplaus für die Aufführenden Bildrechte: Frommann

Noch eine amüsante Anmerkung aus dem Programmheft:

„Monströs, trivial, geschmacklos“ – Louis Spohr redete nicht um den heißen Brei herum. Für ihn war Beethovens 9. ein Unding. Viele seiner Zeitgenossen sahen das ähnlich. Bremsen liess sich ihr Siegeszug dadurch jedoch nicht. Egal, wann und wo: Wenn es etwas zu feiern gibt, gelangt sie, wie von Geisterhand gelenkt, aufs Programm. … Richard Wagner klagte bei seinem Schwiegervater Liszt darüber, dass der 4. Satz eigentlich der schwächste Teil sei; …. und der Dirigent Sergiu Celibidache schimpfte das Finale sogar einen „scheußlichen Salat. Aber all dies half nichts; ohne den Klang gewordenen „Götterfunken“ in eben jenem vierten Satz wäre die Neunte nie das geworden, was sie heute ist: ein Hit. Auch wegen des Textes.

Und wir konnten uns dem Götterfunkenzauber auch nicht entziehen. Es kam, wie es kommen musste: am Ende ohrenbetäubender Beifall und ca. 20. Min. stehende Ovationen.

Und das allerschönste: das nächste Highlight steht bevor. Am 26. 09. gibt es für uns in Groningen (Holland) die Bach-Motetten – und danach setzt die „Fastenzeit“ ein.

Bis dahin einen ganz herzlich Gruss

Iris und Karl-Heinz

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Anlage: Dirigent und Bio-Bauer

Interwiev Sir Gardiner (Alle Rechte vorbehalten von Beethovenfest Bonn)

Rezension zum Artikel General-Anzeiger Bonn

http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10003&detailid=939304

 

Mit dem Großmeister an der Springladen-Orgel „Gerhard Weinberger“ eine erlebnisreiche Sternstunde mit Bach-Werken


An der Springladen-Orgel in Borgentreich - Prof. Gerhard Weinberger

Liebe Bachfreunde,

am Samstag, 9. Juli 2011 spielte Prof. Weinberger an der neurestaurierten Barockorgel in Borgentreich; der größten doppelten Springladenorgel der Welt

  • Toccata und Fuge F-Dur BWV 540
  • Partita „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV Anh. 78
  • Aus der „Kunst der Fuge“ BWV 1080
  • Contrapunctus 1
  • Contrapunctus 2
  • Contrapunctus 3
  • Contrapunctus 4
  • Contrapunctus 5
  • Contrapunctus 6 a 4 in Style Francese
  • Concert d-Moll BWV 974

Nach dem Konzert d-Moll für Oboe, Streicher und Basso continuo von „Alessandro Marcello“

  • Choralbearbeitung aus den „Leipziger Chorälen“ BWV 654

          „Schmücke dich, o liebe Seele“ à 2 claviers et pédale

Barocke-Springladen-Orgel in Borgentreich Fotorechte: Joschi von Scherenberg

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So ein swingendes, traumhaftes Orgelkonzert habe ich noch nie erlebt. Schon nach den ersten Takten der F-Dur Toccata konnte ich nicht mehr ruhig auf meiner Kirchenbank sitzen bleiben. Dieses Stück war eine indirekte Aufforderung zum Tanz. Sehr ruhig und ausgeglichen die Partita „Wenn wir in höchsten Nöten sein“. Sehr schön registriert – wir haben es genossen.

„Kunst der Fuge“ Contrapunctus 1-6 wurden sehr unterschiedlich registriert und Prof Weinberger konnte die Vielfalt dieser seltenen Orgel darstellen. Einfach beeindruckend!

Das Concert d-Moll war wieder was für mich. Ich musste mir ein Taschentuch vor den Mund halten. Das Andante e spiccato war hinreißend interpretiert – das Adagio natürlich auch; und beim Presto war’s mit meiner Fassung vorbei. Es war wirklich ein „Presto“ und auf unserer harten Kirchenbank gab’s kein Halten mehr.

„Schmücke dich, o liebe Seele“ war mit dem Tremulanten im Cantus firmus gefährlich-schön registriert. Gefährlich deshalb, weil man jeden Ton ganz genau hört und die kleinste Unregelmäßigkeit genau mitbekommt. Aber unser Großmeister (so war die Plakatankündigung) hat’s mit Bravour gemeistert.

Das Schlussstück war noch mal was zum Schwelgen. Ausgerechnet beim „Gravement“ gings wild über die gesamte Tastatur. Ich habe mich nur gewundert, wie ein Mensch bei dieser Geschwindigkeit so präzise und packend spielen kann.

Ein Schokoladenstückchen gab’s für uns noch am Ausgang. Dort kam uns Prof. Weinberger mit einem riesen Blumenstrauß entgegen und wir konnten einige Sätze mit ihm wechseln. Seine Natürlichkeit und Bescheidenheit haben uns beeindruckt.

Herzl. Gruss

Iris

P.S. Eine weitere Konzert-Rezension gibt es von der „NW aus Warburg“

Unteres Foto anklicken zum Vergrößern oder die Datei aufrufen: 

Link: https://volkersklassikseitenjsbach.com/wp-content/uploads/2011/07/nw-rezension-organist-g-weinberger-borgentreich.png

NW-Rezension: Organist Gerhard Weinberger in Borgentreich

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Zur Biographie von Gerhard Weinberger

Zum Vorbericht: „Größte doppelte Springladen-Orgel der Welt“
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Ein berührendes Abschieds-Konzert im Konzerthaus der HfM-Detmold am 28.5.2011 mit der h-Moll-Messe von Prof. Gerhard Weinberger


Liebe Bachfreunde!

Programmheft Abschiedskonzert 28. Mai 2011 Prof. Weinberger HfM Detmold

Ein großer Bach-Interpret als Organist und Dirigent: „Professor Gerhard Weinberger“ verabschiedete sich am Samstag, 28. Mai 2011, mit einem berührenden Vokal-Konzertabend im Konzerthaus der HfM Detmold mit der h-Moll-Messe, BWV 232, von Johann Sebastian Bach.

Als Vorab-Information war in der Zeitung: LT in Detmold folgendes veröffentlicht worden:

Ein 28 Jahre langer Spagat über 600 Kilometer geht zu  Ende. Mit Applaus? Bestimmt. Vor allem aber mit großer Musik. Gerhard  Weinberger dirigiert in seinem Abschiedskonzert Bachs h-Moll-Messe.

Seit 1983 ist Gerhard Weinberger Professor für Orgel und Leiter der Abteilung Kirchenmusik an der Detmolder Hochschule für Musik – jetzt geht er in den Ruhestand. Seit 28 Jahren pendelt er zwischen Detmold und München, wo er seinen Wohnsitz behalten hat. Eine anstrengende Übung, klar – andererseits hält so ein Spagat ja auch beweglich. „Ich habe das immer als künstlerisch und menschlich bereichernd empfunden“, sagt Weinberger. 

Johann Sebastian Bach ist eine zentrale Größe im Leben des Organisten. „Für mich sind Bachs Kompositionen das Non plus ultra“, da stimmt jede Note. Seine Musik hat Größe, Drive, Innigkeit, Virtuosität“, schwärmt Gerhard Weinberger. „Gerade die h-Moll-Messe ist so ein wahnsinniges Stück.“

Konzerthaus HfM Detmold

Bereits eine halbe Stunde vor Konzert-Beginn waren die Parkplätze vor dem Konzerthaus der HfM Detmold fast vollständig belegt und galt als ein Hinweis, dass sich an diesem Abend etwas Grossartiges ereignen wird. Überragend der Zuspruch an jungen Besucher-Gruppen sowie viele Honoratioren waren in den Gängen auszumachen, die bei diesem 1. Weinberger Verabschiedungs-Konzert unbedingt ihre Referenz erweisen wollten.

Barock-Orchester und Vokal-Chor HfM Detmold

Der Besucher-Zuspuch war überragend und das Konzerthaus war fast vollständig ausverkauft. Bemerkenswert was @Wolfgang und mir sofort auffiel, das jugendliche Studenten-Barock-Orchester und der junge studentische Vokal-Chor, wann gibt es das einmal zu bestaunen. Die Einstudierung für das Studenten-Barock-Orchester lag in den Händen von der Dozentin an der HfM Detmold: Ulrike-Anima Mathé und für den Studenten-Vokal-Chor bei „Benno Schachtner“ einem ehemaligen Schüler von Prof. Gerhard Weinberger und seit 2007 sein Assistent. Benno Schachtner fungierte in dem Konzert als Gesangs-Solist in den Alt-Partien als „Altus.“

Von links die Gesangs-Solisten: Klaus Mertens (Bass) Sebastian Kohlhepp (Tenor) Benno Schachtner (Altus) Catalina Bertucci (Sopran)

Das Barock-Orchester spielte teilweise mit historischen Instrumenten und fungierte sehr selbstsicher und in einer gekonnten Interpretation des Bach’schen Werkes und wusste in ihrer barocken Klangpracht sehr zu gefallen. Der junge 39-köpfige Vokal-Chor (Studenten/innen für Sologesang) bestach durch ein stimmlich profundes Singen und war ein erhebender Genuss, diese frische Gesangs-Kunst war eine Offenbarung und entpuppte sich für die h-Moll-Messe als eine ideale Besetzung. Hierzu prägnant  die akustischen Möglichkeiten im Konzerthaus der HfM Detmold – (*Wellenfeld-Synthese, Bildung von virtueller Klangräume) – war optimal und ein beeindruckendes Erlebnis, ein kleiner Nachhall am Ende eines Satzes war unverkennbar zu bemerken. Die Gesangs-Solisten reihten sich prächtig in den großartigen Konzertabend mit ein und machten dieses 1. Abschieds-Konzert von Prof. Weinberger zu einem bezaubernden Konzert-Erlebnis für OWL (Ostwestfalen-Lippe).  Nicht endend wollender Applaus bezeugt davon, dass es eine überragende Aufführung gewesen war, die von dieser jungen Studenten-Riege so überzeugend dargeboten wurde, es war ein pures Hörvergnügen und hoffe, dass das Konzert mitgeschnitten wurde und als ein Meilenstein in der Aufführungsgeschichte der HfM Detmold auf einer CD als ein Nachklang erhalten und angeboten wird.

Mit Bedauern nimmt der Protagonist Abschied von einem großartigen Bach-Interpreten, der so schnell nicht zu ersetzten sein wird. Prof. Weinberger ist bekannt als ein bekennender Bach-Interpret und wusste durch seine Konzerte in Höxter (Closter Corveyer-Musikwochen) und in Detmold immer zu überzeugen. Weinberger setzte in seinem Bereich mit der Alten Musik Akzente und gründete 2003 an der HfM Detmold mit der Professorin: Ulrike-Anima Mathé die Barockakademie  um den Studenten eine Möglichkeit zu schaffen, die Erarbeitung der Alten Werke  in einer historisch orientierten und fundierten Aufführungspraxis kennen zu lernen die für die berufsbezogenen Zukunft des Studierenden von unschätzbaren Wert ist. Geprobt wird immer projektbezogen für zwei oder drei Konzerte im Jahr.  Prof. Mathé zuständig für das Instrumentalsolisten-Ensemble und Prof. Weinberger mit der Leitung des Vokalsolisten-Ensembles betraut ergänzten sich in harmonischer und überzeugender Weise.

Verabschiedungs-Konzert HfM Detmold Prof. Gerhard Weinberger

Wehmut komm auf, dass dieser großartige Bach-Kenner als Organist und Dirigent uns für immer verlässt, was wird uns in Zukunft für ein Nachfolger präsentiert, ich kann nur inständig hoffen, dass es ebenfalls ein Barock-Bach-Bekennender sein wird und die begonnene Arbeit im Sinne von Prof. Weinberger an der hiesigen HfM fortsetzen wird…!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Zur Biographie von Prof. Gerhard Weinberger

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