20. Juni BACHFEST 2010 – J.E. Gardiner und J.S. Bachs H-Moll Messe in der Thomaskirche


Bachfest2010-Banner am Rathaus Leipzig

Ich empfinde die derzeitige politische, monetäre, wirtschaftliche, kulturelle und soziologische Situation in Deutschland als etwas sich zersetzendes. Von allen Seiten zerfressen und infiltrieren destruktive Kräfte die Grundpfeiler der Freiheit. Der Bundesadler ist satt und zahnlos geworden und läßt die Diffusion religiöser Gefahren, krimineller Elemente, Parallelwelten gepaart mit Werteverlust, Gleichgültigkeit und sinkendem Bildungsniveau zu. Dazu furchtbare Nachrichten über die Zerstörung unserer Lebensgrundlage. Wie kann der Einzelne den Negativ-Sog beeinflussen? Nun gut, als Johann Sebastian Bach sich 1733 an die Komposition der H-Moll-Messe begab, war ihm sicherlich wenig von heutiger, globaler Tragik bekannt, aber seine Situation war durchaus frustrierend und verbesserungswürdig. Der ständige Streit mit dem Leipziger Konsistorium, das seine Arbeit nicht würdigte und ihn ständig vor die Wand laufen liess. August der Starke war gestorben. Da kam die von staatswegen verordnete Landestrauer von 5 Monaten mit verbundenem Musizierverbot ihm gerade recht um dies als schöpferische Zäsur und Neuorientierung zu nutzen. Es entsteht eine „Missa“ von unglaublicher, anspruchsvoller Virtuosität, von spiritueller, weltraumähnlicher Tiefe. Einige Teile wurden neu komponiert, einige sind Parodien, deren musikalischer Grad von ihm warscheinlich noch nicht als gänzlich ausgeschöpft betrachtet wurde. Er wurde belohnt und bekam den Titel des königlichen Hofkompositeurs verliehen, so konnte er seinen Status in Leipzig neu beleben. Er konnte seine schöpferischen Kräfte eben richtig kanalisieren.

Schlussveranstaltung Bachfest2010 in der Thomaskirche Leipzig

Zu der H-Moll Messe von Gardiner hege ich besondere Erinnerungen, war sie doch das erste große Werk, das ich mir vom Munde abgespart und von meinem Englisch-Nachhilfe- und Hunde-Ausführ-Geld gekauft habe.

Mein Lichtstreif am Horizont: Es ist der 20. Juni 2010 , das Konzert, auf das ich mich seit einem Jahr unbändig gefreut habe, ist Wirklichkeit geworden. John Eliot Gardiner, die English Baroque Soloists und der Monteverdi Choir treten in St. Thomas, an meinem heiligsten Ort der Erde auf. Doch die Kirche verlangt Zuhörern und Akteuren einiges ab, ungefähr 2/3 der Zuhörer können am Geschehen nur eingeschränkt, 1/3 sogar ohne visuellen Kontakt, teilhaben. Dazu dann noch eine vollbesetzte Kirche, die die Akustik nicht unbedingt verbessert. Dennoch, Bach und Gardiner in der Thomaskirche, das ist die absolute Königsdisziplin.

Das Innere der Thomaskirche Foto: Werner K.

Seit der Aufnahme von 1985 hat sich einiges getan, 25 Jahre Lebenserfahrung enplus in allen Bereichen der menschlichen Existenz, gleich der Türöffner „Kyrie“ singt das Publikum (und vielleicht auch Gott selbst) schlichtweg an die Wand, so eindringlich ist diese Bitte „Herr, erbarme Dich“, aufgefangen durch das solistisch besetzte Aufspiel als  musikalischem Kniefall. Als dann der Chor Bass einsetzt, sind wir dann endgültig Teil des Ganzen und werden von diesem transzendenten Tornado mit fortgetragen. Bei „Christe eleison“ befinden wir uns dann im „Eye of the storm“, wunderbar leicht, die Solisten passen sehr gut zusammen. Das Gloria habe ich nie schneller, nie besser gehört, spätestens jetzt wird jedem klar, dass er hier eins der besten Ensembles der Welt hört. Interessanterweise weisen gerade Stücke, die ich sonst immer etwas nichtssagend fand, eine neue schwebendere, markantere Kontur auf, so auch das „Qui tollis“, das unglaublich getragen, den Spannungsbogen bis zur Explosion ausgedehnt, piano und forte viel kontrastreicher ist. Dadurch sind einige Stellen im positiven Sinne aggressiver (besonders im Bass und im Alt) und es verleiht der beabsichtigten Botschaft noch mehr Nachdruck.  Ich bin Sir John Eliot Gardiner dankbar, dass er diesmal auf den Einsatz von Countertenören verzichtet hat, die Solisten aus seinem Ensemble sind durchweg eine gute Wahl, so auch die (blutjunge) Altistin, die das „Qui sedes ad dextram patris“ der musikalischen Gardiner-Ideologie entsprechend, schlank aber mit tollem individuellem, warmen Timbre singt. Wir dürfen gespannt sein auf ihre weitere Karriere.

Bachs Exekutive Sir John Eliot Gardiner Foto: Werner K.

In der Pause meint mein Nachbar Roland: „Ich schaue immer nach links“ „Warum?“ „Ich muss sehen, ob die Grabplatte sich bewegt und der große Meister selbst applaudiert.“ Ich breche in Gelächter aus. Meiner Freundin Miriam fehlen die Worte, natürlich wegen der Musik. Der 2. Teil der Messe legt dann an Spannung, Tempo und Anspruch noch mal zu, gerade hier wird es für den Chor besonders anstrengend. „Confiteor“ und „Et expecto“ bestechen durch super herausgearbeitete Stimmgruppen, die den eher sphärischen Stücken eine neue Durchsichtigkeit geben und einen neuen Eindruck von Hell und Dunkel vermitteln.

Meister, am besten Du steigst da raus, die Akustik ist dann besser !!!! Foto: Werner K.

Wer sich nach diesem Konzert die 1985 er Aufnahme zu Gemüte geführt hat oder sie einfach noch im Ohr hat, dem ist sicher aufgefallen, dass selbst „Et ressurrexit“ noch eine Spur schneller genommen wurde, die Musik verträgt das, seine Musiker können das, ich finde sie schneller noch runder, noch tanzbarer und faszinierender. Nach diesem Feuerwerk der Auferstehung und der Lobpreisung lassen uns Bach und Gardiner noch einmal in tiefe Kontemplation fallen mit „Agnus Dei“, die Altistin singt dies im Superpianissimo und es fühlt sich an, als wenn Jesus selbst neben uns am Kreuz hinge und uns in sein Leiden mit einbezöge, um von einer Schattenseite des Lebens ein neues Tor zu einer anderen Zukunft zu durchschreiten. Das Ende bleibt offen und alle guten Geister (ich will schwer hoffen, dass ALLE dagewesen sind) lassen uns mit dem Segen „Dona nobis pacem“ entschweben. Barbara, ich hab´s auch nie schöner und gewichtiger gehört!

Der Wunsch nach Frieden ist der stets aktuellste, universellste der Menschheit, er ist nicht greifbar, aber er bedeutet auch immer ein Aufrichten und läßt nach vorn blicken, auch und gerade jetzt und immer wieder „zu unseren Zeiten“.

Ich habe nicht kontrolliert, ob die Grabplatte im Chor versucht wurde aufzuhebeln. Bach wäre stolz gewesen. Es war eine Aufführung in der eindeutig der Chor als Protagonist im Vordergrund stand, daher wurde bewusst auf starallüren-artige Solisten im Sinne des Einfügens ins Gesamtkunstwerk und in den Gesamtklang verzichtet.

Thomaskirche h-moll Messe BWV 232 "The Monteverdi Choir" Standing Ovatione..!! Fotorechte: Thaddäus Bärenkopf

Dieser Chor ist wie ein gut gerittenes Pferd mit enormem Bewegungspotenzial, das sich aufmerksam, vertrauensvoll mit weicher Verbindung an das Gebiss dehnt und taktrein, bergauf, mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt galoppiert. Als wäre das noch nicht genug, gehts noch besser, gibt man die Zügelverbindung eine Handbreit vor- und galoppiert direkt in den Himmel zu den Sternen… (Alleine bei dieser Vorstellung mit der Musik dazu bekomme ich noch im nachhinein feuchte Augen).

Dieser 20.06. wird allen sicher noch lange in Erinnerung bleiben, es war ein ganz tolles Treffen mit allen Forianern, die extra nach Leipzig gekommen sind, Alex danke auch für das Organisieren der Generalprobe – ein echtes Erlebnis, super dass wir unsere Emotionen noch in der Restauration um die Ecke ein wenig abkühlen lassen konnten, das Highlight 2010. Seid alle herzlich gedrückt,

Claudia

Leipzig Bachfest 2010 Orgelmusik im Gewandhaus Bach-Brahms-Schumann


Nun hatte das Warten nach neun Monaten Kartenbestellung ein Ende  das „Bachfest Leipzig 2010“ stand bevor und wir machten uns bei schönem Wetter auf den Weg uns mit Bach-Freunden dort zu treffen. Eine herzliches Wiedersehen gab es zum ersten Konzert vor dem Gewandhaus, erwartungsvoll betraten wir das riesige Foyer und waren gespannt auf das Orgelprogramm mit dem Gewandhaus-Organisten „Michael Schönheit“. Ein ähnlich gelagertes Programm fand zur gleichen Zeit in der Nikolaikirche Leipzig statt, darum wohl der geringe Zuspruch im Gewandhaus es war nur zu einem drittel gefüllt, das war schon eine Enttäuschung. Hätten wir das im Vorfeld geahnt, hätten wir vorzugshalber das Orgelkonzert in der Nikolaikirche gebucht, aber dazu später mehr.

Gewandhaus Leipzig

Orgelmusik im Gewandhaus zum Bachfest 2010 in Leipzig

Samstag, 19.06.2010 | 17:00 | Gewandhaus, Großer Saal

Schuke-Orgel im Großen Saal vom Gewandhaus Leipzig


Programm:

Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge c-Moll, BWV 546 • Mit Fried und Freud ich fahr dahin,

BWV 616 • Wenn wir in höchsten Nöten sein, BWV 641 • Jesu, meine Freude,

BWV 610 • Wer nur den lieben Gott läßt walten, BWV 642 •

Robert Schumann: Sechs Fugen über den Namen Bach, op. 60 •

Johannes Brahms: 11 Choralvorspiele, op. 122

Gewandhausorganist Michael Schönheit
Eine Veranstaltung des Gewandhauses

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»… drei sich übereinander aufbauende Gedanken«

J.S. Bach – Robert Schumann – Johannes Brahms –

Es ist als Überschrift zum Orgelkonzert kreeiert worden und entsprach genau dem obigen Leitgedanken, diese drei Komponisten als aufbauende Gedanken – ( B A C H ) – vorzustellen. Robert Schumann, ein inniger Befürworter von J.S. Bach und seiner Werke und auf der gleichen Linie Johannes Brahms zu nennen, war ein gelungener Einfall, der durch den Orgel-Interpreten gekonnt und einfühlsam zur jeweiligen Sichtweise und Kompositions-Technik zu Gehör gebracht wurde. J.S. Bach (1675-1750) der Orgel-Großmeister des Spätbarock, Robert Schumann (1810-1856) und Johannes Brahms (1833-1897) jeweils Orgel-Komponisten der Romantik-Zeit wurde zu einer Lehrstunde für Orgelfreunde, die die einzelnen Epochen der Orgel-Literatur erkennen und nachvollziehen konnten.

Foto: Organist Michael Schönheit an der Schuke-Orgel im Gewandhaus Leipzig.

Von den bedeutenden Komponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigten nur wenige schöpferisches Interesse für die Orgel; seit dem Tod J.S. Bach’s hatte die Königin der Instrumente wenn auch nicht an Respekt, so doch beträchtlich an Bedeutung eingebüßt. Im Bereich der konzertanten Orgelmusik suchte man durch Übernahme von Formtypen anderer Gattungen, z.B. der Sonate, den Anschluss an die Strömungen der Zeit zu gewinnen. Daneben wurde aber schon bald erkennbar, sich wieder stärker auf die Eigengesetzlichkeiten des Instruments zu orientieren. Kontrapunktische Satztechniken und romantische Klangvorstellungen gingen eine Verbindung ein, die der Orgelmusik neue Perspektiven eröffnete. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) leitete eine neue Epoche ein. Seine Orgelwerke sind vor allem vom Erlebnis der Musik J.S. Bach’s geprägt, die ihm immer wieder schöpferische Anregungen gab.

Ähnliches gilt für Robert Schumann, für den Bach’s Polyphonie und Fugen einen unerschöpflichen Gegenstand des Studiums darstellte. Schumanns Hinwendung zu Bach war durch die Bach-Pflege beeinflusst, die Felix Mendelssohn Bartholdy als Gewandhauskapellmeister in Leipzig begründet hatte, er spielte u.a. sämtliche Orgelwerke von J.S. Bach. Robert Schumann hat vermutlich keinen Orgelunterricht genossen. Er bewunderte die Orgel als ein Instrument, das mit der Aura des Altehrwürdigen umgeben war. 1845 verzog Schumann nach Dresden und komponierte die drei genannten Opera 56, 58 und 60, wobei B-A-C-H – Fugen sein einziges explizit für die Orgel bestimmtes Werk darstellen.

Als neuer Messias der Tonkunst gilt Johannes Brahms, im Rahmen seines Gesamtschaffens haben die wenigen Orgelwerke von ihm nur Episodencharakter. Keines davon erhielt vom Komponisten ein Opuszahl; die nachgelassenen „Elf Choral-Vorspiele wurden erst fünf Jahre nach seinem Tod als op. 122 veröffentlicht. Brahms nahm die Orgelmusik durchaus ernst und begann ihr in der Auseinandersetzung mit Scheidt und J.S. Bach neue Wege zu bahnen. Zwischen 1854 und 1857 trieb er intensive Kontrapunktstudien in den Werken von J.S. Bach. Anfang 1896 war ein Choral-Büchlein fertig, wobei der am 20. Mai erfolgte Tod Clara Schumanns nicht ohne Einfluss auf die Auswahl der Choräle geblieben sein soll. Brahms hatte eine größere Sammlung nach dem Muster von Bach’s „Orgel-Büchlein“ vorgeschwebt, an dessen Ausführung ihn Krankheit und Tod hinderten. +)

Von YouTube aus op. 56 (B-A-C-H) Auszug von Robert Schumann:

»… drei sich übereinander aufbauende Gedanken«

– siehe obige Ausführungen dazu – entsprach genial diesem Leitgedanken. Organist Michael Schönheit konnte dem mehr als gerecht werden und gab uns eine Lehrstunde an der Schuke-Orgel, wie die einzelnen Orgel-Epochen und Werke der drei Komponisten zu interpretieren sind.

Viel zu selten werden die Werke von Robert Schumann als Orgel-Literatur angeboten, sie entpuppten sich als wunderbar anzuhörende Orgel-Kompositionen und waren ein Highlight des Konzertes. Bewundernswert, wie Michael Schönheit, pardon, der Hausname sagt schon einiges aus – diese Werke in Schönheit erstrahlen liess, wunderbar registriert und in feinen Klangnuancen verpackt, berührte mich diese Orgelmusik über B-A-C-H ungemein..!!

Einziger Wermutstropfen: mir fehlte die Halligkeit eine Kirche für diese grossartigen Orgel-Werke, Raum und Klang waren in der staubtrockenen Akustik im Gewandhaus nicht vorhanden und schmälerte somit den Gesamteindruck, wie mögen diese Werke an der größten Orgel Sachsens – (Ladegast-Eule-Orgel) – als eine Parallelveranstaltung zum gleichen Zeitpunkt – in der Nikolaikirche Leipzig und dort mit dem entsprechenden Kirchenraum-Hall geklungen haben…?

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Disposition

der Schuke-Orgel Gewandhaus Leipzig:

Schuke-Orgel Neubau 1981, Generalüberholung 2002
Das Konzertinstrument verfügt über 89 Register, verteilt auf vier Manuale und Pedal. Es ist mit allen komfortablen Spielhilfen sowie einem zweiten fahrbaren Spieltisch auf dem Orchesterpodium ausgestattet.

Disposition der Schuke-Orgel Gewandhaus Leipzig

+) Textpassagen: Renate Herklotz

Schuke-Orgel Gewandhaus-Leipzig mit einem zweiten fahrbaren Spieltisch auf dem Orchesterpodium

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Grüsse an alle Bach-Fest-Teilnehmer und Blog-Freunde

Volker



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Bachfest 2010 in Leipzig endete mit der h-moll Messe in der Thomaskirche, Kritik-Rezension


Abschlußkonzert mit dem Monteverdi Choir in der Thomaskirche unter Leitung von Sir J.E. Gardiner_Fotorechte: Wolfgang Zeyen

Das Bach-Fest 2010 in Leipzig endete am Sonntag, 20.6.2010 um 18:00 Uhr mit der h-moll Messe  – BWV 232  – von Johann Sebastian Bach in der ausverkauften Thomaskirche in Leipzig. Der Besucherzuspruch war mit ca. 65.000 Besuchern wieder hervorragend und entsprach den Erwartungen. „Obwohl das Bachfest einen Tag kürzer war als im vergangenen Jahr, konnten wir die Besucherzahlen stabil halten. Das ist ein hervorragendes Ergebnis, das auch durch die tiefe Akzeptanz des Festivals in der Leipziger Bevölkerung erreicht wird“, resümiert Dettloff Schwerdtfeger, Geschäftsführer des Bach-Archivs Leipzig. Der Anteil der Gäste, die aus Leipzig und Umgebung kommen, liegt bei etwa einem Viertel. Rund 9000 Besucher wurden trotz schlechten Wetters bei den kostenlosen Open-Air-Konzerten auf dem Augustusplatz gezählt. Zu „Bach im Bahnhof“ kamen rund 8000 Besucher, die sich die Aufführungen angehört, die Ausstellungen des Bach-Museums und des Schumann Vereins Leipzig angesehen haben.

Auf das Abschluss-Konzert mit der h-moll Messe von Johann Sebastian Bach in der Thomas Kirche Leipzig wird hier im Blog noch eine gesonderte Rezension in den nächsten Tagen erfolgen. Es war ein erhebendes Konzert und endete mit einem „Standing Ovation“ für Sir Gardiner, seinem Monteverdi Choir und English Baroque Soloists.

Zum Artikel der LVZ nachstehend:

Link: http://nachrichten.lvz-online.de/kultur/topthema_kultur/bachfest/65000-besucher-lauschen-bachfest-konzerten-in-leipzig/r-bachfest-a-36246.html

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Rezension-Kritik von NEUES DEUTSCHLAND

zum J.E. Gardiner-Abschluss-Konzert Thomaskirche Leipzig Messe h-moll BWV 232:

Von Werner Wolf 22.06.2010 / Feuilleton

Kraftvoller Ruf nach Gehör

Wenn man unmittelbar nach dem Erleben dieses alles überragenden Gipfelwerkes der Musik, Johann Sebastian Bachs Messe h-Moll, zumal in so kongenialer Interpretation wie mit The Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter Sir John Eliot Gardiner zu schreiben beginnt, kann man nur schwärmen. Gardiner, einer der einst umstrittenen wagemutigen, experimentierfreudigen Protagonisten der historischen Aufführungspraxis, kann längst die Früchte jener Pionierarbeit ernten. In den von ihm gegründeten Ensembles wirken heute Künstler der zweiten Generation, für die das anfangs Ungewohnte, ja Umstürzlerische lebendige Musizierpraxis ist. Sie folgen Gardiner auf den kleinsten Wink. Und so kann er mit ihnen den Bachschen Kosmos vom einleitenden kraftvollen Ruf nach Gehör bis zur machtvoll gesteigerten Bitte um Frieden in all seinen Wendungen vom Zärtlichen bis zum Erhabenen in den feinsten Nuancen wie in großen Steigerungen erfüllen.

Link: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1274172873691&openMenu=1013083806110&calledPageId=1013083806110&listid=1018881578428

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Mitteldeutsche Zeitung schreibt:

Sir John bietet himmlisches Vergnügen

VON UTE VAN DER SANDEN, 21.06.10

LEIPZIG/MZ. Die jüngste, noch immer im Handel erhältliche Aufnahme der h-Moll-Messe mit John Eliot Gardiner stammt von 1985. Längst wäre eine Neueinspielung fällig, doch dafür dürften er, sein Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists schlichtweg keine Zeit haben. Quer durch Europa sind sie mit Bachs großer katholischer Messe unterwegs.

Nicht wenige Kunstkenner halten die Interpretation der britischen Originalklangpraktiker für die noch immer mit Abstand beste. Und sie teilen diese Ansicht, die von Gardiner und seine Hausensembles beim Abschlusskonzert des Leipziger Bachfests imposant manifestiert wurde, mit einer riesigen Fangemeinde. Seit Monaten war das Ereignis ausverkauft, Zuhörer saßen in fast jedem Winkel. Sie bekamen das Erhoffte: Spiritualität und Kontemplation, Kraft und Klangpracht, musikantischen Schwung und technische Perfektion – ein himmlisches Vergnügen. Vom ersten h-Moll-Akkord im „Kyrie“ an wuchs der traditionelle Abgesang des Festivals als Tonkathedrale in die Thomaskirche hinein.

Eine durchweg überzeugende, in Teilen mitreißende, bisweilen radikale Darbietung haben die Briten den Leipzigern am Sonntag hingezaubert. Sie zelebrierten einen sakralen Festakt, der mitten im Leben stand: sinnlich, schmissig, transzendent, mit atemberaubenden harmonischen Reibungen und von barocker Bodenständigkeit.

Alle Vokalsoli waren aus dem Chor besetzt, was der Homogenität des Musizierens sehr förderlich war. Wo es ging, ließ der auswendig dirigierende Maestro die Nummern attacca aufeinander folgen und unterbot damit locker die Zwei-Stunde-Marke. Die drei Trompeter leisteten sich nicht einen Kiekser, der „Cum Sancto Spiritu“-Chor fiel erst der Bass-Arie ins Wort, dann in unbeschreiblichen Jubel. Die Chöre in der Mitte des zweiten Teils fassten die Passionsgeschichte von Mariä Empfängnis bis zur Auferstehung, bevor sich das „Dona nobis pacem“ wie aus dem Nichts erhob und zur Innerlichkeit des Anfangs aufschloss.

Gewöhnungsbedürftig wirkte nur die Aussprache des lateinischen Textes mit ihrer merkwürdigen Vokalfärbung. Und Sir John? Als ihm der Jubel lang genug erschien, warf er das Handtuch lässig über die Schulter und ging. Er hinterließ nicht zuletzt die Gewissheit, dass die Interpreten der nächsten h-Moll-Messe kein leichtes Spiel haben werden.

Link: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1274172873691&openMenu=1013083806110&calledPageId=1013083806110&listid=1018881578428

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Grüsse

Volker



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Radiotipps für den 20.6. und KW 25


 

Hallo zusammen,

ein bisschen was Interessantes für die nächste Woche habe ich für Euch. Außerdem bin ich gerade über eine Sendung gestolpert, die für die, die nicht gerade in Leipzig sind, interessant sein könnte. Ist zwar ein wenig kurzfristig, aber vielleicht kann der eine oder andere es ja doch noch hören:

20.6.
Deutschlandfunk
15-16
Musikszene
Forschungsinstitut und audio-visueller Lustgarten
60 Jahre Bach-Archiv Leipzig
Von Klaus Gehrke
Mit keiner anderen deutschen Stadt ist der Name Johann Sebastian Bach so eng verbunden wie mit Leipzig: Hier wirkte er als Thomaskantor von 1723 bis zu seinem Tode 1750, und hier ist der Mittelpunkt der internationalen Bachforschung. Die Stiftung Bach-Archiv umfasst nicht nur das Archiv und das Bach-Museum, sondern richtet auch das Bachfest Leipzig und den Bach-Wettbewerb aus. Anlässlich des 325. Geburtstages des Komponisten wurde jetzt am 28. März das sogenannte Bose-Haus am Thomaskirchhof mit dem neuen Museum nach aufwendiger zweijähriger Renovierungszeit wiedereröffnet und gleich im bundesweit ausgetragenen Innovationswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ zum Preisträger gewählt. Gegründet wurde das Bach-Archiv zu Bachs 200. Todestag 1950 vom Musikforscher und wissenschaftler Werner Neumann, und es sollte sich zu einem der bedeutendsten Musikarchive in der damaligen DDR entwickeln. Nach dem Fall der Mauer war es zunächst eine städtische Einrichtung, die dann 1998 in eine Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt wurde. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte des Bach-Archivs und fragen nach, wie sich die Sammeltätigkeit und die Aufgaben des Hauses im Hinblick auf die bisherige und zukünftige Bach-Forschung verändert haben.

 

21.6.
RBB Kulturradio
18-19
ALTE MUSIK
mit Bernhard Morbach
Johann Sebastian Bach: “Singt dem Herrn ein neues Lied“
Die Motette BWV 225 im Interpretationsvergleich
Gil Scarlatisti – Sette Voci – Bach Collegium Japan

 22.6.
francemusique
16-17:45
Concert de l’après-midi par Alain Pâris
concert donné le 7 mars 2010, Concertgebouw à Amsterdam
Bohuslav Martinu: Trois Fresques de Pierro della Francesca
Joseph Haydn: Symphonie n°90 en do Majeur
Robert Schumann: Symphonie n° 2 en do Majeur op. 61
Orchestre Royal du Concertgebouw
Direction : Sir John Eliot Gardiner

Bach-Stiftung St. Gallen veröffentlicht neues Video auf YouTube


Ein neues Bach-Kantaten-Video wurde von der Bach-Stiftung St. Gallen bei YouTube veröffentlicht…!!

Dritter Satz (aria alto) aus der Kantate BWV 34 „O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“, aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solistin: Margot Oitzinger.

Schönes Wochenende und Grüsse

Volker



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Radio-Tipps für die 24. KW – u.a. Bachfest-Leipzig 2010


18.6.2010
MDR-Figaro
20-22 Uhr
Bachfest Leipzig 2010:

– Johann Sebastian Bach: „Gott ist unsre Zuversicht“, Kantate BWV197
– Johann Sebastian Bach: „Nun danket alle Gott“, Kantate BWV192
– Johann Sebastian Bach: „Gott, man lobet dich in der Stille“, Kantate BWV 120
– Johann Sebastian Bach: „Preise, Jerusalem, den Herrn“, Kantate BWV 119
Dorothee Mields, Sopran
Damien Guillon, Altus
Colin Balzer, Tenor,
Peter Kooij, Bass
Collegium Vocale Gent, Leitung: Philippe Herreweghe
(Aufzeichnung vom 12. Juni 2010, Nikolaikirche Leipzig)

„Auf, du geliebte Lindenstadt!“ – Zu den Funktionen, die Bachs Amt als Musikdirektor der Stadt Leipzig mit sich brachten, gehörten neben der Leitung der regulären Sonntagsmusiken auch die Komposition und Darbietung von repräsentativen Huldigungsmusiken für den Rat und andere Auftraggeber. Ein Höhepunkt städtischer Repräsentation war der alljährlich mit einem feierlichen Gottesdienst in der Nikolaikirche begangene Ratswechsel. Von Bach sind zu diesem Anlass mehrere große Kantaten erhalten. Diese – heute selten gespielten – Werke zeigen die souveräne Meisterschaft des reifen Komponisten.

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19.6.2010

NDR

19-20 Uhr
Geistliche Musik

Claudio Monteverdi:

Vespro della Beata Vergine für Soli, Chor und Orchester – Marienvesper – (Auszüge)

Himlische Cantorey / Vox Werdensis

Knabenchor Hannover / Concerto Palatino

Musica Alta Ripa / Ltg.: Jörg Breiding

Aufzeichnung vom 24.5.2010 in der St. Michaeliskirche Hildesheim

(Hatte @Claudia –  in Essen gehört, ich am Tag vorher in Hannover, war ein ganz tolles Konzert!)

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MDR-Figaro
22-22:30 Uhr

Wie Bachs Putzkiste entdeckt wurde Oder: Was Funde in der Musikgeschichte bewegen können
Sendung von Doris Kothe

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Grüsse Barbara

Verschiedenartige Ergebnisse Bach-Trompeten Kontra Vuvuzela



Programm Bach-Kantaten in der Liebfrauenkirche Bad Salzuflen

Prachtvolle Bach-Kantaten erklangen in der Liebfrauenkirche Bad Salzuflen am Sonntag, 13.6.2010 um 19:30 Uhr. Gab es je Zweifel, was ich mit @Wolfgang besuchen werde, Fussball-WM oder J.S. Bach, wir waren jeden Zweifel erhaben und haben uns klar für den Bach-Abend entschieden und das war die richtige Entscheidung, denn das Fussballspiel von Deutschland wurde zu einem weiteren Höhepunkt am Abend, darüber aber später mehr wie aus der Überschrift entsprechendes zu entnehmen ist.

Kath. Liebfrauenkirche Bad Salzuflen

Der Besucher-Zuspruch ließ leider einige Wünsche offen, mir kommen Zweifel auf, ob der Veranstalter einmal die Termin-Planung der Fußball-WM sich zu Gemüte geführt hat, die Terminierung auf 19:30 Uhr war sehr unglücklich gewählt und dementsprechend war die große Kirche nur halb gefüllt, das war unverdient – gab es doch so großartige Bach-Kantaten mit Pauken und Trompeten zu hören. Diese Kantaten werden leider viel zu wenig aufgeführt, scheuen sich die Veranstalter, namhafte Trompeter zu verpflichten? Wir wurden nicht enttäuscht, die drei Trompeter waren einfach Spitze und wahre Könner, das Ensemblespiel war beeindruckend schön gelungen und begeisterte uns vollkommen.

Diese riesige Beton-Kirche, erbaut in den 50-er Jahren, hat entsprechende Tücken sie ist sehr Hallig womit der Chor nur sehr schwer mit zurecht kam, vieles ging Orchestral unter, sie waren kaum hörbar und hatten es sehr schwer, sich dagegen zu behaupten.

Das BWV 137 und BWV 129 gehört jeweils zu den Trinitatis-Sonntagen, während das BWV 29 von Bach zu einem Ratswechsel komponiert wurde. Trotz einiger spitzer Einsätze – (zu früher Beginn) – konnte das kleine Orchester überzeugen da sie mit Spitzenleuten aus dem Philharmonischen Orchester aus Bielefeld ergänzt wurden, ich nehme an, dass die 3 Solo-Trompeter ebenfalls aus Bielefeld verpflichtet wurden.

Gefallen hat uns von den Gesangs-Solisten die Sopranistin: Felicitas Jacobsen, die Altistin Christiane Schmidt und sehr beeindruckend der Bassist: Michael Humann, was für ein raumfüllendes Gesangs-Volumen er besitzt war schon sehr bemerkenswert. Im Rezitativ: „Gott Lob, es geht uns wohl“ aus der Kantate 29 und in der Arie: Gelobet sei der Herr, mein Gott“ BWV 129 – war er der entsprechende Höhepunkt mit seiner Sanges-Kunst zu nennen.

Gesangs-Solisten Liebfrauenkirche

Das Kommen zu diesem Bach-Abend war ein lohnender Aspekt schon allein wegen den hervorragenden Trompetern, Hautnah saßen wir vor ihnen und genossen das überwältigende und harmonische Zusammenspiel, präzise Einsätze und sich zurücknehmend wenn es gefordert wurde war für uns ein Traum, sie so gekonnt in den Bach-Kantaten erleben zu können, es war überwältigend schön und genossen es in vollen Zügen…!!

Eine Hörprobe vom BWV 137 „Bach-Trompeten“ im 1. Satz „Lobe den Herren“

hier ist sie:

Glanzvolles Trompeten-Ensemble

Bach-Kantaten in der Kath. Liebfrauenkirche Bad Salzuflen, sichtbar mein ------------- Begleiter des Abends "Wolfgang" auf der Suche zum Sitzen vorne

Eine meiner Lieblingskantaten ist das BWV 29 „Wir danken dir, Gott“ von J.S. Bach zum Ratswechsel von 1731 allein wegen dem virtuosen Eingangs-Satz als „Sinfonia.“ Es ist eine Umarbeitung des Preludio aus der Partita E-Dur für Violine Solo BWV 1006. Den Violinpart übernimmt dabei die Orgel, der Orchesterpart wurde hinzu komponiert. Das ist überwältigend schön gelungen und begeistert mich als Orgel-Fraek immer wieder aufs Neue, so auch an diesem Abend da hatte die Halligkeit der Kirche entsprechend einen unschätzbaren Vorteil.

Eine Hörprobe BWV 29 Eingangs-Satz „Sinfonia“ gefällig?

Hier ist sie:

Ehepaar Schmdt in Aktion: Dirigent Burkhard Schmidt und Ehefrau, Altistin: Christiane Schmidt

Verdienter Schlussapplaus für alle Beteiligte in der Liebfrauenkirche Bad Salzuflen

Als Fazit möchte ich ziehen, dass es in sich eine runde Aufführungsform war, die zu beeindrucken wusste, gute Gesangs-Solisten, ein mit Freude am Singen anzuhörender Chor, der sein Bestes gab, ein kleines aber tolles Orchester mit Stärken in der solistischen Begleitung und und….. die „Bach-Trompeten“ ein Genuss sie gehört zu haben, sie waren der Volltreffer des Abends und waren die entsprechende Würze des Konzertes. Nicht unerwähnt muss das Können des Organisten Harald Gokus am Orgelspotiv genannt werden, er überzeugte im BWV 29 in der Sinfonia – an dem hervorragenden Orgel-Positiv – mit einer exzellenten Leistung, Danke an alle Aufführenden für einen unvergesslichen Bach-Abend.

Nach dem Bach-Konzert rückte die Uhr unbarmherzig auf 21:00 Uhr, die Frage war, was unternehmen wir anschließend an diesem Bach-WM-Abend, die Abstimmung zwischen Wolfgang und mir war schnell gezogen, draussen nach dem Verlassen der Kirche ertönte die Vuvuzela und war als Herausforderung anzusehen, noch in Bad Salzuflen nach einer Örtlichkeit mit Public Viewing zu suchen. Die afrikanischen Tröten wiesen uns den Weg und wurden schnell fündig.

Grosse Begeisterung schon beim Betreten am Alten Rathaus, die Vuvuzelas bliesen zur Attacke und es stand 1:0 für Old Germany, da kam ein gepflegtes Bierchen zur rechten Zeit. Nach der Halbzeit wechselten wir die Örtlichkeit, uns wurde es draußen sitzend zu kalt und begaben uns in das „Alte Amtsgericht“ und bekamen „Lebenslänglich“ – so heisst es auf dem historischen Schild…!! Innen empfing uns eine wohltuhende Atmosphäre, viel Jungvolk und eine ausgelassenen Stimmung vom Feinsten, das war es, was wir nach dem genialen Auftakt mit dem Bach-Konzert gesucht hatten und wurden mit dem Endergebnis von 4 : 0 voll entschädigt und begaben uns mit ausgelassener Tröten- und Autohup-Musik auf  den Heimweg…!!

Ausgelassene Stimmung nach dem großartigen Spiel in Herfords Straßen!

Ich musste noch 16 km weiter Westwärts um nach Hause zu kommen, es war Chaotisch, voll gestopfte Strassen, ausgelassene Stimmung und überall Begeisterung pur, Herz was willst Du mehr, rechts ran, Foto davon schießen und zusehen wie im Film – „Einer kam durch“ – und es hat nach einer ewigen Warterei dann geklappt…!!

Am heutigen Montag traute ich meinen Augen nicht, – @Wolfgang berichtete mir schon davon am Vorabend, dass mit der Vuvuzela ein Ton, ich nehme an: „das tiefe h“ zum erklingen gebracht werden kann – erschien in der NW ein Artikel über die Deutschland Hymne mit 3 Vuvuzelas, 2 Posaunen und 2  T r o m p e t e n , eingespielt am Sonntag vor dem Deutschland-Spiel von einer Kirchengemeinde in Bad Salzuflen, wau.., das war für mich der Aufhänger für diesen Beitrag, der Vergleich: „Bach-Trompeten und die Vuvuzela.

Artikel in der NW:

NW Kultur / Medien vom 14.6.2010

So schön kann die Vuvuzela klingen

Bad Salzuflen (epd). Neue Töne aus der Vuvuzela-Tröte: Zum ersten WM-Deutschlandspiel startete der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde in Bad Salzuflen das Projekt „Vuvuzela-Blasen für Anfänger und Fortgeschrittene“. Nach der Kritik an den Plastiktrompeten solle die Aktion zeigen, dass eine Vuvuzela auch schöne Musiktöne erzeugen kann, sagte Uwe Rottkamp, Vorsitzender des Musikausschusses der lippischen Gemeinde. Der Hildesheimer Landesposaunenwart Rainer Gramm hatte eigens für die Musik-Aktion in Bad Salzuflen die Fußballfanfare komponiert. Eine Aufnahme der Fan-Fanfare und die Noten können im Internet unter www.stadtkirche.info heruntergeladen werden.

Eine Hörprobe dieser Hymne gibt es als Service hier im Blog..!!

Diese trötenden Vuvuzelas sind ein Genuss:

Mein Statement und Schlussresümee zu – Bach-Trompeten und Vuvuzela-Musik:

In einer Bach-Kantate muss die Bach-Trompete als unschlagbares Instrument herhalten, in der Sportwelt ziehe ich diese Einspielung als „Deutschland-Hymne“ durchaus in Betracht und finde es einfach prächtig, dass in den deutschen Kantoreien sich überlegt wurde, was kann man mit so einer dumm klingenden WM-Tröte anstellen, um erträgliche Musik daraus entstehen zu lassen und das Ergebnis, genial, ein Hoch auf unsere Kantoren, dass ist ein wunderbares Ergebnis geworden und weltweit ist das Interesse an dieser Einspielung ins Riesige gestiegen, die Gemeinde kann sich an Anfragen kaum noch retten…!!

Video: Vuvuzelas - Klassisch Brahms-Ravel

Die Vuvuzela „Klassisch“ mit Brahms-Ravel als Video:

Link: http://blogjsbachcantatapilgrimage2000.blogspot.com/2010/06/video-konzert-mit-der-vuvuzela-auf-zeit.html

Vuvuzela auf NDR-Mediathek Beitrag aus Stade:

Link:  http://www1.ndr.de/flash/mediathek/mediathek.html?broadcastid=1023

Vuvuzela auf YouTube:

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Grüsse mit Bach-Trompeten und Vuvuzela-Spass

Volker

Bach-Fest Leipzig 2010 Eröffnungskonzert im MDR-Figaro am 11.6.2010


Bachfest Leipzig 11.6. bis 20.06.2010

Thomaskirche Leipzig Eröffnungskozert Bachfest 2010

Die Zeichen für das Bachfest Leipzig 2010 sind gesetzt, am 11. Juni 2010 überträgt MDR-Figaro um 20:05 Uhr, zeitversetzt, das Eröffnungskonzert aus der Thomaskirche in Leipzig.

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Ein weiterer Termin vom Eröffnungskonzert aus der Thomaskirche Leipzig:
30.7.2010
ARD Radiofestival
20-22:30 Uhr
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Das Programm:

Johann Sebastian Bach:
Präludium und Fuge a-Moll BWV 543

Johann Sebastian Bach

Johannes Brahms:
Fest- und Gedenksprüche op. 109

Robert Schumann:
Messe c-Moll op. 147

Johann Sebastian Bach:
Magnificat D-Dur, BWV 243

Die neue Woehl-Bach-Orgel in der Thomaskirche Leipzig

Mitwirkende:
Ullrich Böhme, Orgel
Sibylla Rubens, Sopran Elisabeth von Magnus, Alt
Martin Petzold, Tenor
Hanno Müller-Brachmann, Bass
Daniel Beilschmidt, Continuo-Orgel

Thomaner Chor Leipzig

Thomanerchor Leipzig  Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Thomaskantor Georg Christoph Biller

MDR-Figaro ist im Internet unter folgendem Link zu empfangen:


Link: http://www.mdr.de/mediathek/radio-live/524774.html

Verleihung der Bach-Medaille an Philippe Herreweghe :

Zum Bachfest wird auch wieder die aus Meißner Porzellan gefertigte Bach-Medaille verliehen. Sie geht diesmal an den Leiter des „Collegium Vocale Gent“ und weltweit gefeierten Bach-Interpreten Philippe Herreweghe.

Künstler und Ensembles beim Bachfest 2010: Thomanerchor Leipzig, Georg Christoph Biller, Gewandhausorchester, Riccardo Chailly, András Schiff,Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe, Harrison Birtwistle, RIAS Kammerchor, Thomas Zehetmair, Hille Perl, Combattimento Consort Amsterdam, Jan Willem de Vriend, Robert Hill und Sir John Eliot Gardiner

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Ein kleiner Film-Beitrag des MDR-Aktuell vom Eröffnungs-Tag: 11.06.2010 aus Leipzig – nachstehend:

Link:  http://www.mdr.de/mdr-aktuell/7407570.html

Viel Spass und Grüsse

Volker

Bach-Handschriften Digital Online aufrufbar


Bach-Handschrift BWV 44 Kantate "Sie werden euch in den Bann tun"

Johann Sebastian Bach ist im digitalen Zeitalter angekommen, und das in höchster Qualität!

www.bach-digital.de führt die verstreut aufbewahrten musikalischen Autographe Johann Sebastian Bachs, seine Abschriften von Werken anderer Komponisten sowie für Bach hergestellte Aufführungsstimmen zum ersten Mal virtuell zusammen. Die Webseite eröffnet einen neuen und umfassenden Zugang zum reichen musikalischen Erbe Johann Sebastian Bachs. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit ist http://www.bach-digital.de nun online.

Die meisten Werkautographe und Originalstimmen, insgesamt über 90% der gesamten Überlieferung, befinden sich in Berlin, Leipzig, Dresden und Krakau. Im Moment sind etwa 40% des Bestandes von über 20.000 Seiten der 697 Handschriften eingearbeitet. Bis 2011 sollen diese Bestände vollständig über  www.bach-digital.de verfügbar sein.

Das Projekt ist von hoher Bedeutung für die Wissenschaft, aber auch für die kulturelle Überlieferung. Der Schutz der Originale und die wissenschaftliche Verwendung stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit: Sicherheit, Genauigkeit und Sorgfalt haben höchste Priorität, sowohl im Umgang mit den Autographen als auch bei der Aufbereitung der gewonnenen Daten.

Weitere Angaben dazu nachstehend:

http://www.nmz.de/kiz/nachrichten/bach-handschriften-in-hoechster-bildqualitaet-im-netz

Bach Digital ist eine digitale Bibliothek der Autographe Johann Sebastian Bachs, der von ihm verwendeten Aufführungsstimmen und seiner Abschriften fremder Werke. Diese digitale Bibliothek ist eingebettet in den Bach-Quellenkatalog. Wenn Sie also im Bach-Quellenkatalog im Datenmodel ‚Quellen‘ aus dem Pulldown-Menü ‚Projekte‘ ‚Bach-Digital‘ auswählen, dann gelangen Sie über ’suchen‘ zu einer Liste von Handschriften, zu denen bereits Digitalisate verfügbar sind.

Bis 2011 werden die Autographe und Originalquellen aus den Sammlungen aller am Projekt beteiligten Partner – der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Bach-Archiv Leipzig und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden – veröffentlicht und damit immerhin 90 % des weltweit erhaltenen Bestandes erfasst. Die Einbindung der Autographen weiterer Sammlungen soll folgen.

Bach Digital ist ein gemeinsames Projekt der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, des Bach-Archivs Leipzig und des Universitätsrechenzentrums Leipzig.

RUHR2010 Teil XIX: Day of Song


Heute beginnt also das Wochenende der Superlative. Aufgrund der geographischen Nähe entscheide ich mich für das Wandelkonzert in Essen-Werden, das in der ev. Kirche, in Haus Fuhr und im Kammermusiksaal der Folkwanghochschule ab 18.00 Uhr stattfindet. Ich starte in der ev. Kirche mit dem Chor der Technischen Universität Dortmund mit Chormusik um 1900, die Leitung hat Ulrich Lindtner. Da es sich jeweils um ein 20 minütiges Chorprogramm mit Reger und Elgar handelt, ist das Programm übersichtlich, damit man pünktlich in der nächsten Location sein kann.

Chor der TU Dortmund in der ev. Kirche Essen-Werden

Den nächsten Programmpunkt gibts ebenfalls in der ev. Kirche, diesmal das Collegium Vocale Bochum unter Prof. Dr. Hans Jakulsky. Jetzt etwas weltliches, Liebes- und Trinklieder des Barock und der Romantik, genauer gesagt, Schein, Brahms und Rossini. Vorher gibt es immer eine kleine Werkeinführung, die einen schon schmunzeln läßt. So entsteht ja auch sofort Kontakt zum Publikum.

Collegium Vocale der Ruhr-Uni in Bochum

Jetzt heisst es sich sputen, denn bis zur Folkwangschule ist es ein kleiner Marsch, zudem der ursprüngliche Aufführungsort, die Basilika, ausgefallen ist und nun alles im Kammermusiksaal stattfindet. Schade.  Der Ersatzort ist aber auch nicht schlecht, sitzt man doch um einiges bequemer als in einer Kirche. Da ich etwas zu spät bin, quetsche ich mich an anderen Zuhörern vorbei auf einen freien Platz. Der Vortrag der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (na, das gehört ja nicht mehr zur Ruhr…) mit Matthias Heep lautet: Chansons von 1500 bis heute. Da gibt´s Thomas Morley, Hans Leo Hassler und einen brasilianischen Hit, der mir von der musikalischen Umsetzung am besten gefallen hat.

Chor der Heinrich-Heine-Uni D´dorf

Danach kehrt wieder die übliche Wechsel-Unruhe ein, ich bleibe aber wieder sitzen. Blöderweise habe ich jetzt einen Sitzriesen vor mir. Unter der Leitung von Prof. Jörg Breiding (Leiter des Knabenchores Hannover) tritt das erst letztes Jahr gegründete Folkwang Vokalensemble mit Kompositionen von Cardoso, Schütz (Selig sind die Toten-traumhaft ), Gesualdo, Reger und Close-Harmony-Arrangements auf. WDR 3 zeichnet das letzte Stück auf, wo Interaktion zwischen den Sängern stattfindet. Interessant, wie sich die Gestik und Mimik im letzten Stück der Akteure mit der Rhytmik mischt. Tolle Stimmen, super Klang.

Folkwang Vokalensemble

Was hierbei fehlt ist das Programm von Haus Fuhr, dort wurden jazzige A-Cappella-Pott-Pourris und Highlights aus Musicals aufgeführt. Ok, das ist jetzt nicht mein Geschmack, aber ich fand trotzdem dass es ein sehr vielseitiges Programm war und man merkte, dass es den Ausführenden und den Zuhörern super gefallen hat. Als nächstes mal ein Bild vom Ausgang des Kammersaals, leider könnt ihr nicht den intensiven Blütenduft vernehmen, der betörend war…

Aufgang zum Kammermusiksaal

Gleich geht´s weiter…..

Um 23.30 Uhr sind wir im Gasometer in Oberhausen, alles ist dunkel, nur langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Über uns trohnt etwas bedrohlich der größte Mond auf Erden, einfach unbeschreiblich. Wir begrüßen den „Day of Song“ mit einem Mitternachtskonzert, das den Titel „Spem in Alium“ trägt, wie die gleichnamige 40-stimmige Motette von Thomas Tallis.

Mit der Beleuchtung war es etwas schwierig, daher mal ein Link für bessere Bilder:

http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/SING-DAY-OF-SONG-id3070725.html

Chor und Orchester unter dem Mond

PROGRAMM:

Avo Pärt-Cantus in memory of Benjamin Britten; John Tavener-Syvati für Solocello gemischten Chor und Streicher; Matthias Bonitz (*1951)-OM 3 buddistische Zeremoniengesänge für Solocello, gem. Chor und Streicher; Mimi Scheffer-Synagogalgesang 1+2; Alexej F. Lwow-Nyinjä ssily für Männerchor; Thomas Tallis-Spem in Alium; Avo Pärt– siehe 1; zwischen den Stücken wird ein anonymer gregorianischer Choral vorgetragen, von einem Vokalensemble in Doppelquartettbesetzung.

Der Avo Pärt war fantastisch für den außergewöhnlichen Raum mit seinem zig-fachen Hall geeignet, bei den gesungenen Stücken, ausser den gregorianischen Chorälen, wurde alles durch den Hall ziemlich breiig. Das schmälerte aber das Konzerterlebnis nicht im Geringsten, es war eine Klangwelt, die uns mit ihrer gespenstischen Atmosphäre direkt ins Universum getragen hat. Und schliesslich gab es auch immer noch den stillen Solisten, den riesigen Mond.

Die Sonne

Die Ausstellung „Sternstunden-Wunder des Sonnensystems“ ist weiterhin bis zum 30.12.10 zu sehen

LINK: www.gasometer.de

Nun also 05. Juni 2010: Ich entscheide mich für eine der 600 Veranstaltungen an diesem Wochenende am „Halbach-Hammer“, das Wetter ist super, beste Voraussetzung für diese Outdoor-Veranstaltung. Etwas umständlich zu erreichen, aber der Aufwand hat sich gelohnt, zwischen A40 und A52, Fulerum und der Magarethenhöhe ist eine kleine Oase mit dem Halbach Hammer.

Halbach Hammer

www.ruhrmuseum.de/de/museum/halbachhammer.jsp

Um 14.30 Uhr tritt hier der kath. Kirchenchor Zur Heiligen Familie , der Jugend- und Kinderchor auf. Um das leibliche Wohl ist es schlecht bestellt, ein Mitarbeiter des Ruhrmuseums schenkt mir seine Apfelschorle, das finde ich sehr nett. Und auch sonst ist alles, wie es im Ruhrgebiet sein soll. Die Chormitglieder sind sehr aufgeschlossen, nett und kontaktfreudig.

Am Ruhrmuseum Halbachhammer mit Chor

Das Programm ist eine Mischung aus Volksliedern, die vom Kirchenchor vorgetragen werden und Rockklassikern, die der Jugendchor übernimmt. Highlight ist die Grönemeyer Ruhrhymne, die vom Jugendchor auch teilweise solistisch dargeboten wird. Zum Abschluss wird das Steigerlied mit den 2 derben, letzten Strophen gesungen.

Chöre "zur heiligen Familie"

Es hat wirklich Spaß gemacht, in diesem familiären, persönlichem Rahmen Teil des !SING-Projektes „Day of Song“ zu sein. Der Kesselbach ist noch in der Renaturierungsphase, daher freut euch, dass ihr diesmal den Duft des Baches beim Lesen nicht riecht. Ich wünsche allen Teilnehmern der „Heiligen-Familie-Chöre“heute abend „auf Schalke“ einen unvergesslichen Abend.

Live-Stream auf www.2010LAB.de

Liebe Grüße, Claudia

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In der WDR-Mediathek weiterhin ansehbar „DAY OF SONG“

Link:

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/06/05/wdr-extra-day-of-song.xml

Veltins-Arena Gelsenkirchen „DAY OF SONG“

Link:  http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/06/05/lokalzeit-ruhr-day-of-song.xml

Weitere WDR-Angebote:

http://www.wdr.de/mediathek/html/home/suche.xml

Angefügt von Volker/Admin am 7.6.2010 – 20:50 Uhr

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Die neue Woehl-Orgel St. Michaelis-Kirche Hildesheim


Hallo Orgelfreunde,
heute möchte ich eine weitere gelungene neue Orgel vorstellen wo Raum und Klang sich zu einer vortrefflichen Synthese verbinden.

St. Michaelis Kirche Hildesheim

Ein ganz besonderes Werk der Architekturgeschichte wird 1000 Jahre alt – die St. Michaelis Kirche in Hildesheim. Im Jahr 1010 begann Bischof Bernward von Hildesheim den Bau der romanischen Kirche mit dem einzigartigen Deckengemälde. Seit 1985 gehört das Werk zum UNESCO-Welterbe. Nach fünfjähriger Sanierungszeit präsentiert sich die Kirche in neuer Erscheinung.

Das Deckenbild der Michaelis Kirche

Das Deckenbild der Michaeliskirche ist nach neueren Forschungen zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden, auf Eichenbretter gemalt, 27,6 X 8,7 m. Es handelt sich um eine Darstellung des „Jesse-Baumes“ (Jesse = Isai ist der Vater Davids, aus dessen Stamm der Messias geboren werden soll) in Verbindung mit den biblischen Stammbäumen Jesu (Mt 1, 1-17 und Lk 3,23-38).  Schon in der Alten Kirche war dieser genealogische Aspekt mit der Vorstellung vom Lebensbaum aus dem Paradies (Gen 3) verbunden worden.

Im Zuge der Sanierung erhielt die St. Michaelis Kirche eine neue Orgel. Den Auftrag dazu erhielt die Orgelbaufimra Gerald Woehl aus Marburg und wurde im Jahr 1999 geweiht.

Gerald Woehl entstammt einer Musikerfamilie in der 3. Generation und gründete in den 1960-er Jahren seine Orgelbaufirma in Marburg. Er erhielt u.a. den Auftrag zum Bau der großen „Bach-Orgel“ für die Thomaskirche zu Leipzig im Jahr 2000.

Die großen Dome und Basiliken der mitteldeutschen Kulturlandschaft von Hildesheim – Braunschweig – Magdeburg – Halberstadt – Halle – Dresden hatten seit dem Mittelalter ihre eigene Musikkultur und damit ihren ganz speziellen Orgeltyp, der sich ganz wesentlich von der norddeutschen Orgel unterscheidet. Die prächtigen Orgeln im Norden hatten mehr die Aufgabe, die großen Räume als „Großinstrumente“ zu beschallen. Ihre Principale und Flöten sind starkwandig, aus Blei und von enormer Tragweite, ihre Mixturen vielchörig und von entsprechender Schärfe, die Zungenstimmen zahlreich und prachtvoll.

Woehl-Orgel (1999) St. Michaelis Hildesheim

Ganz anders die mitteldeutschen Orgeln. Sie hatten mit Chor und Orchester die langen lutherischen Gottesdienste musikalisch konzertant mit auszugestalten. Neben der reinen Orgelmusik galt es die Kantaten zu begleiten und für die kunstvoll vorgetragenen Choralvorspiele die nötigen Klangfarben bereitzustellen. Ihre klanglichen Stärken liegen deshalb neben den farbenreichen Plena mehr im Feinen, Delikaten, im Piano und Mezzofortebereich.

Johann Sebastian Bach folgte in seinen Dispositionsentwürfen dieser mitteldeutschen Linie, legte aber auch besonderen Wert auf klangliche Größe und Gravität, wie er sie an norddeutschen Instrumenten bewunderte. So forderte er auch für kleinere Instrumente immer eine Posaune 32′ im Pedal. Sein Leben lang wünschte er sich eine „recht große und recht schöne Orgel zu seinem ständigen Gebrauch“. Hier setzten die musikalischen Überlegungen für die neue Michaelis-Orgel an: Die feinen, delikaten, vielfarbigen Klänge der mitteldeutschen Orgel stehen bereit, jedoch kommen die von Bach geschätzten großen, gravitätische Stimmen hinzu und solche, die das Instrument auch für die orchestral gedachte symphonische Musik der deutschen und französischen Romantik geeignet machen. Bei der Registerzahl der neuen Michaelis-Orgel ergeben sich daraus ausgesprochen gute Möglichkeiten für das Orgelliteraturspiel und das Improvisieren.

Diesem klanglichen Anspruch wird das Instrument gerecht durch strenge instrumentenbauliche Disziplin (etwa durch Verwendung von handgehobelten Pfeifen, die spezielle Bauweise der Zungenregister, die in der Kirche ausgearbeitet werden, die klassische Pfeifenaufstellung oder die sensible mechanische Spieltraktur), andererseits aber auch durch Inanspruchnahme aller notwendigen künstlerischen Freiräume.
Die äußere Form dieser Orgel ist frei, plastisch gestaltet. Das Instrument steht nicht in der Mittelachse, es ist zur Seite getreten, ohne sich zu verstecken, und möchte von dort aus auf seine Weise in Zwiesprache kommen mit den Engelgestalten gegenüber an der Chorschranke, mit dem so klaren, aber doch unüberblickbaren Kirchenraum und den Hörenden in Gottesdienst, geistlicher Musik und Konzert. 1)

3 Manuale Woehl-Orgel St. Michaelis Hildesheim

Disposition der Woehl-Orgel von 1999 in St. Michaelis, Hildesheim

I. ManualHauptwerk  Principal 16
Bordun 16
Principal 8
Rohrflöte 8
Flûte harmonique 8
Gambe 8
Oktave 4
Spitzflöte 4
Quinte 2 2/3
Oktave 2
Sesquialter 2f.
Cornet 5f.
Großmixtur 5f.
Mixtur 7f.
Fagott 16
Trompete 8
Clarine 4
Tuba 8
II. ManualOberwerk Gambe 16
Principal 8
Salicional 8
Hohlflöte 8
Unda maris 8
Gedackt 8
Prestant 4
Flaute douce 4
Nasard 2 2/3
Oktave 2
Flöte 2
Terz 1 3/5
Flageolet 1
Mixtur 5f
Trompete 8
Krummhorn 8
Tremulant schwach
Cornett 5f
Carillon 3f
III. ManuaISchwellwerk Quintade 16
Diapason 8
Cor de Nuit 8
Flûte traversière 8
Viole de Gambe 8
Voix céleste 8
Flûte octaviante 4
Dulciana 4
Quinte 2 2/3
Octavin 2
Bombarde 16
Trompette harmonique 8
Clairon harmonique 4
Basson Hautbois 8
Voix humaine 8
Klarinette 8
Grand Cornet 7f.
Tremulant stark
PedalGroßbordun 32
Principal 16
Subbass 16
Violon 16
Bordun 16
Oktavbaß 8
Cello 8
Bordun 8
Octave 4
Mixtur
Posaune 32
Posaune 16
Trompete 8
Tuba 8
Clarine 4
Glocken
II-I
I Baß-Oktavkoppel
III-I
III-I Baß-Oktavkoppel
III-II
I Baß-Oktavkoppel
III-I
III-I Baß-Oktavkoppel
I-P
II-P
III-P

1) Textauszüge + Disposition von St. Michaelis Hildesheim

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Die nächsten Orgel-Konzert-Termine in St. Michaelis, Hildesheim:

18. Juni 2010 Orgelkonzert – Lorenzo Ghielmi -> Info
2. Juli 2010 Orgelkonzert – Daniel Roth -> Info
3. September 2010 Orgelkonzert – Olivier Latry -> Info
29. Oktober 2010 ORGELmusik von 8 bis mitterNACHT -> Info

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Ein schönes und sonniges Wochenende wünscht

Volker

J.S. Bach-Stiftung in St. Gallen spielt sämtliche Bach-Kantaten-Werke ein


Durch einen reinen Zufall bin ich im Internet auf die hervorragende Web-Site der

„J. S. Bach-Stiftung“ in St. Gallen-Schweiz

gekommen und möchte einmal dieses tolle J.S. Bach-Projekt vorstellen.

Orchester «Schola Seconda Pratica» und Chor der Bach-Stiftung St.Gallen Schweiz

Es ist ein Kreis von großen Enthusiasten unter der Musikalische Leitung von Rudolf Lutz. In fünfundzwanzig Jahren – seit 2006 – werden sämtliche Bach-Kantaten aufgeführt und in Anderthalb Stunden vor dem Konzert finden für Interessierte Einführungs – Workshops durch den musikalischen Leiter der Gesamtaufführung, Rudolf Lutz, statt. Pro Abend gelangt lediglich eine Kantate, dafür aber zweimal, zur Aufführung. Zwischen den beiden Aufführungen wird eine Reflexion über den jeweiligen Kantaten-Text vermittelt. Danach wird man die Kantate anders hören als zuvor. Das ist ein genialer Weg, J.S. Bach dem Konzert-Besucher näher zu bringen und sollte auch in Deutschland Schule machen.

Aus der Sammlung der Reflexionen entsteht nach und nach eine «J. S. Bach-Kantaten anthologie des 21. Jahrhunderts»* in Buchform.

Buch-Veröffentlichung "Bach-Anthologie 2008" Bach-Stiftung St. Gallen-Schweiz

Die Bach-Kantaten werden außerdem auf DVD veröffentlicht. Meine Bestellung der ersten DVD mit dem Magnificat ging heute online raus und bin ganz gespannt auf der beiliegenden Broschüre zur Werksbeschreibung.

Link zum Online-Bücher-Shop der Bach-Stiftung in St. Gallen:

http://bach.omc.net/shop/index.php?cat=c1_DVD-s.html

Rudolf Lutz Musikalischer Leiter

Rudolf Lutz ist Dozent für Improvisation an der Schola Cantorum Basiliensis. An dieser Hochschule für Historische Aufführungspraxis unterrichtet er zusammen mit zwei Kollegen und zwei Assistenten rund 35 Studentinnen und Studenten der Abteilung Tasteninstrumente. An der Musikhochschule Basel erteilt er das Fach Generalbass und an der Hochschule für Musik und Theater Oratorienkunde. In Konzerten und Workshops ist er ein gefragter Spezialist für historische Improvisations-Praxis. 2006 wurde Rudolf Lutz zum künstlerischen Leiter der J.S. Bach-Stiftung, St.Gallen, berufen. Im Hinblick auf die geplante Gesamtaufführung von Bachs Vokalwerk hat Rudolf Lutz in Zusammenarbeit mit andern Musikern das Orchester «Schola Seconda Pratica» sowie ein ständiges Ensemble von Solisten und Chorsängern aufgebaut.

Auf  YouTube sind Konzertausschnitte von dem Orchester «Schola Seconda Pratica» mit den bereits aufgeführten Bach-Kantaten veröffentlicht worden.

Link: http://www.youtube.com/user/Bachstiftung

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Eine Einführung zum Projekt wurde in 2008 vom DRS gesendet und kann nachstehend aufgerufen werden.

DRS2 aktuell (15.12.08) „Bachs gesamtes Vokalwerk in Trogen“

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Diesbezügliche inhaltliche Angaben von der Web-Site der Bachstiftung St.Gallen:

«Seconda Pratica» bedeutet die «zweite Praxis» und meint die «nachfolgende» Schreibart. Dieser musikologische Fachbegriff bezeichnet jene basszentrierte Musik, welche sich um 1600 in Italien zu profilieren wusste. Bekannteste Beispiele dieser «modernen Art» sind die rezitativischen Teile von Monteverdis Opern. Man spricht deshalb bei der barocken Epoche auch vom Generalbasszeitalter.

Im Gegensatz dazu stand die altbewährte Schreibart, die «Prima Pratica». Diese «erste Praxis» meint die Vokalpolyphonie der verschiedenen niederländischen Schulen von Dufay bis Di Lasso. Es ist eine Musik, deren Stimmen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Obschon das Bach’sche Oeuvre das Resultat seiner grossen musikalischen Neugierde für alte und neue Stile ist – es ist bekannt, dass Johann Sebastian Bach sich Zeit seines Lebens mit zeitgenössischen Strömungen wie auch historischen Stilen beschäftigte sind wir der Ansicht, dass seine Kantaten hauptsächlich aus dem Kern des Generalbasses zu verstehen und aufzuführen sind. Deshalb haben wir das Ensemble, das für die J. S. Bach-Stiftung konzertiert, «Schola Seconda Pratica» getauft.

Die Besetzungen für die verschiedenen Kantaten sind variabel. So können die oberen Streicherstimmen solistisch oder auch in der Grösse von 3 ersten und 3 zweiten Violinstimmen und 2 Violastimmen ausgeführt werden. Bach hat in seinen Aufführungen beide Varianten benützt. Die Generalbassgruppe ist mit einem Violoncello, Kontrabass, Cembalo und/oder Orgel das Zentrum der Musik. Die Bläserbesetzung ergibt sich aus den Anforderungen der einzelnen Kantaten. Für den Chor wählten wir eine schlanke Variante mit je drei bis vier Sängerinnen oder Sängern pro Stimme. Zwischen Vokal- und Instrumentalensemble soll eine Gleichberechtigung bestehen. Das modulare Personalkonzept erlaubt uns allerdings, den Chor bei Bedarf deutlich zu erweitern. Der Begriff «Schola» weist darauf hin, dass im Hinblick auf die langjährige Dauer unseres Vorhabens eine historisch orien tierte Orchesterschulung vorgesehen ist.

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Adresse: J. S. Bach-Stiftung
Jacqueline Neuburger, Sekretariat
Postfach 164
9004 St.Gallen-Schweiz

Telefon: 071 242 58 58
E-Mail: info@bachstiftung.ch

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Label Soli Deo Gloria – Neuveröffentlichung CD SDG 168 Vol. 11 im Juni 2010


Sir John Eliot Gardiner, Monteverdi Choir, The English Baroque Soloists:
Kantaten zum zwanzigsten Sonntag nach Trinitatis
San Lorenzo, Genua

Cover: SDG 168 Vol. 11

Nachdem wir das nüchterne Wittenberg mit seinen feurigen Feiern zum Reformationsfest hinter uns gelassen hatten, während uns die Abschiedsworte des Pfarrers (‚Führen Sie die gute Tat in Rom fort!’) noch in den Ohren klangen, ging die Reise nach Italien – zuerst nach Genua und dann weiter nach Rom, wo Luthers Antichrist seinen Sitz hatte. Johannes Paul II. hatte unlängst zwei päpstliche Bullen veröffentlicht, eine, die jede Aufführung nicht-geistlicher Musik in den Kirchen verbot, und, als sich herausstellte, dass sich das nicht so genau definieren ließ, gleich eine zweite, die überhaupt alle Konzerte in Kirchen untersagte. Zum Glück gibt es immer noch ein paar ‚regimekritische’ katholische Priester und sogar Kardinäle, die der Musik zugetan und bereit sind, solch eine Vorschrift aufzuweichen – mit dem erfreulichen Ergebnis, dass wir zwei Konzerte geben durften, das eine in der Kathedrale San Lorenzo in Genua und das andere am folgenden Tag in der Basilika Santa Maria sopra Minerva in Rom.

Das Evangelium für den Zwanzigsten Sonntag nach Trinitatis, das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Matthäus 22, 1–14), legt viele symbolische Bezüge nahe: auf die Seele als Braut, eine zurückzulegende Wegstrecke, Kleidung und Speise, zum Beispiel Jesus als ‚Brot des Lebens’. Bach schuf drei Vertonungen, die auf ihre Weise alle von dieser Symbolik geprägt sind und durch ihre Instrumentation, ihren Vokalsatz, ihren besonderen Klang oder eine Mischung aus allen drei Elementen eine jeweils andere Atmosphäre schaffen.

© John Eliot Gardiner
Auszug aus John Eliot Gardiner Notizen auf der Bach Cantata Pilgrimage

Entnommen aus Bach-Kantaten Band 11
Cat-Nummer: SDG168
Erscheinungstermin: 7. Juni 2010

Kantaten zum zwanzigsten Sonntag nach Trinitatis:
Ach! ich sehe, itzt, da ich zur Hochzeit gehe BWV 162
Ich geh und suche mit Verlangen BWV 49
Schmücke dich, o liebe Seele BWV 180

Kantaten für den Twenty-first Sonntag nach Trinitatis:
Ich Glaube, lieber Herr, hilf Meinem Unglauben! BWV 109
Aus tiefer Not schrei ich zu dir BWV 38
War Gott tut, ist wohlgetan Das I BWV 98
ICH HABE meine Zuversicht BWV 188

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SDG-CD Hörproben

SDG-CD  168 disc 1 –

5.  In meinem Gott bin ich erfreut! BWV 162
– no. 5 Aria (Duetto): Alto, Tenor
soloists: Sara Mingardo, Christoph Genz
Stream Audio
13.  Schmücke dich, o liebe Seele BWV 180
– no. 1 Coro (Choral)
Stream Audio
SDG 168 disc 2 –
7.  Aus tiefer Not schrei ich zu dir BWV 38
– no. 1 Coro (Choral)
Stream Audio
13.  Was Gott tut, das ist wohlgetan BWV 98
– no. 1 Coro (Choral)
Stream Audio

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Reisetagebuch von Sir Gardiner in deutsch:

Click here for a German Translation of the sleeve notes.

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Meinungen der Künstler-Solisten:

Link:  http://www.cantatafinder.com/hks/11_kuenstlerbeitrag.pdf

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CD zu beziehen über meine Partnerseite:

Link: http://blogjsbachcantatapilgrimage2000.blogspot.com/2008/01/cds-vom-label-sdg-monteverdi.html

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Album-Cover und Album-Informationen sind auf der Website von SDG veröffentlicht worden.

Grüsse
Volker

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RUHR2010 Teil XVIII: Folkwang-Museum Essen-das schönste Museum der Welt


Folkwang Museum von der neuen Brücke aus gesehen

Heute habe ich mit einigen Interessierten die Ausstellung „Museum Folkwang bis 1933“ im Rahmen einer Führung besucht, die ich allerdings schon im März gebucht hatte, nachdem mich bei meinem ersten Besuch die Bilder der abstrakten Kunst mit ihren monochromen Flächen nicht vom Hocker gehauen hatten. Der spektakuläre Neubau des amerikanischen Star-Architekten David Chipperfield ist im Januar 2010 feierlich eingeweiht worden. Dieser wurde komplett von der Alfried Krupp zu Bohlen und Halbach-Stiftung finanziert (ich glaube 55 Mio., jede Menge Kohle).

Seine erste große Sonderausstellung zeigt das Museum Folkwang im Neubau von 20.März bis 25.Juli 2010. Sie ist der einzigartigen Geschichte der Folkwang-Sammlung und ihrer Entwicklung gewidmet.

Franz Marc - die roten Pferde

Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der Sammlung, die von Karl Ernst Osthaus 1902 begründet und kurz nach seinem frühen Tod 1921 nach Essen gelangte und hier von Ernst Gosebruch zu einer Institution mit weltweiter Ausstrahlung weiterentwickelt wurde. Der Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, Paul J. Sachs, sagte bei einem Besuch in Essen 1932, das Folkwang sei „das schönste Museum der Welt“. Die Nationalsozialisten unterbrachen brutal die fortschrittliche Ankaufs- und Ausstellungspolitik des Museums und konfiszierten 1937 mehr als 1.400 Werke, die später legal verkauft wurden und heute zu den Meisterwerken großer Museen und Privatsammlungen im In- und Ausland gehören, darunter Gemälde von Kandinsky und Matisse, Kirchner und Marc, Munch und Beckmann.

Museum Folkwang

Den unterschiedlichen Epochen und Künstlern sind jeweils thematisch eigene Räume gewidmet. Was da alles an Größen der Moderne aufgefahren wird, ist beeindruckend. Selbst völlig fremdartig wirkende Masken aus dem asiatischen Raum, Figuren des Totenkults aus Ozeanien werden über eine Brücke gekonnt in den Kontext der Bilder der Expressionisten von unserer Kunsthistorikerin eingebunden. Es ist die Zeit der Kolonialisierung, die die europäischen Künstler, mit ihren bizarren, filigranen Figuren und neuen Kunstformen inspiriert. Höhepunkte sind für mich ganz klar der Raum, wo die Vertreter des „Blauen Reiter“ (beherrschendes Bild: Die roten Pferde) vertreten sind, der Altar von Emil Nolde über das Leben Jesu, die Bilder van Goghs und Gauguins, die den Besuch des neuen Museums Folkwang zu einem rauschenden Fest der Farbe und einem Gefühlskarussell machen.

Die Kunst-Experten

Da es heute am Samstag recht voll war, dass auch keine Zeit der intensiveren Betrachtung blieb, empfiehlt es sich, das Museum während der Woche oder der erweiterten Öffnungszeiten zu besuchen. Eine wirklich sehr sehenswerte Sammlung, wenn nicht sogar „Das schönste Museum der Welt“.

Contes Barbares - Paul Gauguin

Dienstags bis Freitag: 10-20 Uhr, Freitags 10-24 Uhr

Eintritt: Di-Fr 10 Euro, Sa/So 12 Euro

Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen Tel: 0201-8845444

Für auswärtige Besucher fährt vom Essener HBF alle 15 min ein kostenloser Shuttlebus direkt zum Museum.

LINK: www.museum-folkwang.de

Ein anspruchsvoller Artikel über den Thomaner-Chor Leipzig und seine Nachwuchssorgen


Es ist erfreulich, dass es noch seriöse Zeitungen gibt, die unvoreingenommen einen wirklich gut fundierten Artikel über den „Thomaner Chor“ Leipzig und seine Probleme darstellt.

Thomaner Chor im Alumnat Leipzig

Ich spreche von der Zeitung „DIE ZEIT“

Dieser Beitrag erschien am 3. Mai 2010 und berichtet in dem Artikel:

Entscheidung in der Villa Thomana

über das Problem: »Wir wollen nur die Besten, doch wegen der demografischen Entwicklung haben wir immer weniger Auswahl.«

Thomaner-Alumnat Leipzig

Zum gesamten Artikel über die Thomaner in „DIE ZEIT“ nachstehend.

Link: http://www.zeit.de/2010/18/S-Thomanerchor-Nachwuchs

In letzter Zeit wird in der pädagogischen Diskussion immer wieder betont, dass die Erziehung vor allem durch persönliche und gesellschaftliche Werte geprägt sein muss. Das chorische Zusammenleben der Thomaner erfüllt durch die Heranführung an eine strukturierte Tagesplanung, die lebendige Pflege des reichen musikalischen Erbes und einem sich entwickelnden Verantwortungsgefühl in der Gemeinschaft der Thomaner diesen Anspruch. Das Einhalten der gemeinsam erarbeiteten Hausordnung ist eine wichtige Bedingung für das Gefühl der Zusammengehörigkeit der Sänger unterschiedlichen Alters. Das gemeinsame Musizieren, Erarbeiten und Erleben der Musik schafft dabei eine zusätzliche Bande.

Eindrucksvolle Videos auf YouTube aus dem Jahr 1979 unterstreicht das tägliche Miteinander der Thomaner im Alumnat in Leipzig.

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In 2012 feiert der Thomaner Chor seinen 800. Geburtstag mit umfangreichen Festveranstaltungen.

PDF-Programm von 800 Jahre Thomana

Link zum Programm: http://www.thomana2012.de/800-jahre-thomana.pdf

forum thomanum

Thomaner-Alumnat Leipzig vor der Renovierung

Bis zum Jahr 2012 entsteht in Leipzig das forum thomanum – ein international ausgerichtetes Bildungszentrum bestehend aus einer Kindertagesstätte, einer Grundschule, einer internationalen Jugendmusikakademie und der Lutherkirche. Die Lutherkirche bildet das Zentrum des entstehenden Campus und ist zugleich Gottesdienststätte, Schulaula, Konzert-, Theater- und Aufnahmeraum.

Am 21. März 2012 geben die Thomaner erstmals ein Konzert in der Leipzig-ARENA.

• Die besten Chöre der Welt erweisen Leipzig die Ehre: Kings College Choir (Cambridge), St. Thomas Boys Choir (New York), Wiener Sängerknaben, Regensburger Domspatzen…..

Im September 2012 will die Thomasschule eine eigene Festwoche feiern und einen Monat später dann die Thomaskirche.

Link zum 800. Jubiläum:  http://www.thomana2012.de/

Link: Historie Thomaner:  http://www.forum-thomanum.de/geschichte.html

RUHR2010 Teil XVII: Das Kantaten-Highlight in der Christuskirche in GE-Buer-Nun danket alle Gott BWV 192


Eines der bisher schönsten und musikalisch hochwertigsten Kantaten-Konzerte im Rahmen der Ruhr-Pilgrimage, konnten Wolfgang und ich am Sonntag, den 16.05.10 in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Buer gemeinsam erleben. Das dies ausgerechnet zu unserem Treffen geschehen sollte, war warscheinlich von oben her bestimmt;-).

Auf Zollverein

Stilecht für Gelsenkirchen haben wir uns mit dem tiefer gelegten VW Jetta GT Baujahr ´87 auf breiten Schlappen und mit röhrendem Auspuff von Langenberg in Richtung Norden aufgemacht. Nach einem kleinen Foto-Abstecher auf Zollverein, habe ich mich erst mal verfahren, so dass wir nun von meinem Mann per Handy zur Kantate gelotst wurden. Vorbei an der Veltins Arena, über Autobahnbrücken, durch Baustellen, haben wir trotzdem noch die kleine Zufahrt zur Bergstr. verpasst. Kurz vor Beginn erreichen wir die kleine Kirche, neben mir sitzt – ihr kennt ihn alle – der Klimper-Tünnes aus der Matthäus-Passion in Essen…

Was hier geboten wird ist vom Allerfeinsten, das Programm ist auch schon nicht mehr als „Kantate“ zu bezeichnen, sondern ein ausgewachsenes Barock-Kammerkonzert:

Programm: Christuskirche GE-Buer - zur Vergrößerung in das Programm klicken..!!

Der Chor ist fast solistisch besetzt und besteht durchweg aus jungen Leuten, die ihre Sache wirklich super machen und auch so klingen. Dazu das passende Barockorchester „Le Chardon“ unter der Leitung von Hajo Wienroth, der selbst Traversflöte spielt. Mir wird ganz schwindelig, wenn ich die Biographien lese! Die Kantorin Christina Wienroth bietet ein Barock-Lebensfreudiges Dirigat, das wunderbar zum restlichen Konzert passt, Musik ist Energie, Medizin, Lebensbereicherung und einfach eine Herzensangelegenheit, ein verpasster Einsatz bei Samuel Scheidt wird denn so auch mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Damit wir wissen, welchem Choral Bachs Kantate BWV 192 zugrunde liegt, singen wir alle zusammen erst mal 3 Strophen und bereiten uns seelisch auf das, was da kommt, vor. Die Worte, die die Pastorin als Impuls zur Dankbarkeit spricht, sind berührend und sehr pragmatisch. Es ist Sitte bei „Momente der Ewigkeit“, dass der Eingangschor noch einmal wiederholt, oder am Schluss erneut gesungen wird.

BWV 192 ist ein kleines, unaufdringliches Werk, dass aus einem Eingangschor, einem Duett zwischen Sopran und Bass, sowie einem Schlusschoral besteht, eine Tenorarie soll verloren gegangen sein.

Die Solisten

Huch, es gibt eine Pause! Im Gemeindehaus direkt nebenan werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Wer möchte, gibt eine Spende, ist ja Ehrensache, dass wir was in den Klingelbeutel geben. Wir spüren, dass man hier aufgehoben ist. Am Stehtisch kommen wir ins Gespräch mit einer Chorsängerin, der Kantorin und einer Besucherin und wir erfahren, dass die Idee der „Ruhrpottkantaten“ begeistert aufgenommen wurde und dass trotz des abgesprungenen Sponsors alle sich für die Realisierung stark gemacht haben. Wolfgang quatscht den „Klimper-Tünnes“ an…uaaah.

Der 2. Teil des Konzertes ist der Interessanteste: Heidrun Blase brilliert als Gesangssolistin  im technisch äußerst anspruchsvollen „Il Pensioroso“ (Die Nachtigall) zusammen mit dem Flötisten Hajo Wienroth, der gibt auch einige kurze Erläuterungen zu diesem wenig bekannten Stück und es macht einfach nur Spass, dem Dialog des Vogels und der Menschin zuzuhören. Anschliessend ein Konzert von Antoine Mahaut, der ähnlich wie Quantz eine Flötenschule verfasst hat.

Applaus für das Orchester

Hajo Wienroth: “ Zu dem 5. Brandenburgischen Konzert brauche ich jetzt, glaube ich, nichts sagen!“

Die Instrumente werden in diesem, sehr modernen Konzert à la Mode francaise ziemlich gleichberetigt eingesetzt, so dass jeder Instrumentalist seinen Part der Profilierung hat, in der letzten Hälfte des 3. Satzes, hat sich der Meister selbst ein Denkmal gesetzt, da die anderen Instrumente etwas in den Hintergrund gedrängt werden und das Cembalo die dominierende Rolle übernimmt. Überragend und unpretentiös: Pieter Dirksen. Handelt sich es doch warscheinlich um das erste Cembalokonzert der Geschichte! Bach soll ja mal gesagt haben, Clavierspielen wäre ganz einfach, man müßte nur zur rechten Zeit die richtigen Tasten treffen, dann würde das Instrument von ganz alleine spielen! Haha! Ohne Zögern steht die ganze Kirche zum Schlussapplaus auf und alle Musiker werden noch einmal mit einem Blumengruß bedacht. Ich bin froh, dass ich in etwas egoistischer Manier Wolfgang vom Ausharren bis zum Schluss überzeugen konnte und dass die Rückfahrt nach OWL trotz der verspäteten Abfahrt so reibungslos geklappt hat.

Biographie der Künstler-Solisten / Zur Vergrößerung in das Foto klicken..!!

Während ich mit offenen Fenstern und dem angenehmen Windzug aufs Gaspedal trete, bin ich dankbar für diesen super Tag, für das Treffen mit Wolfgang, den warmherzigen Umgang der Gemeinde mit ihren Konzertbesuchern, für die Sonne und auch die große Kunst. Danke auch an Volker für die Be- und Verarbeitung meiner E-Mails. Wir haben kräftig Werbung für unseren Blog gemacht.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

TIPP: Im Rahmen der Ruhrpottkantaten tritt das Orchester „Le Chardon“ am 06.06.10 in der Petrikirche in Mülheim (Brich dem Hungrigen Dein Brot) auf.

„Momente der Ewigkeit“ Bach-Kantate BWV 192


Gewinnt der, der rast – oder:  Beachte, dass diese Dank-Kantate ‚per ogni tempo‘ geeignet ist.

Nomen est omen!!! Eine Kantate mit der Bestimmungsangabe ‚zu jeder Zeit geeignet‘ hat es nicht so eilig. So kommt erst jetzt mein Bericht der  Kantaten-Reise an die Ruhr und dem Treffen mit Claudia.

Sonntagmorgen stöberte ich im Bücherdorf :

Langenberg (bei Velbert) info@buecherstadt-langenberg.de

in den Kisten des Büchermarkts. Nachdem ich alle meine Bücher-Such-Rundgänge erledigt hatte, konnte ich mich wieder musikalischen Themen widmen. Wer kommt da mit dem Sportrad zum verabredeten Treff mit Adamo an‘s Bücher-Cafe gesaust:  Claudia-, allen blog-Teilnehmern bestens bekannt durch ihre spritzigen Berichte der Kultur-Events von der Ruhr. Natürlich tauschten wir uns zuerst über einige Themen unseres Gardiner-blogs aus. Doch dann wurde es für uns Zeit.

Bach-Kantate in der Christus-Kirche Gelsenkirchen-Buer-Beckhausen

In rasender Autofahrt erreichten wir-, dank den über Handy-Kontakt mit Claudias Mann gesteuerten Weg-Weisungen-,  rechtzeitig den Aufführungsort Christus-Kirche Gelsenkirchen – Buer. Zuvor stellte mir Claudia  noch  das futuristische Enseble der Zeche Zollverein vor. Gerne fuhr ich zum Ausblick über das Ruhrgebiet die gigantische Rolltreppe zur Zeche hoch. Wenn schon Ruhr, dann Ruhr kompakt. Ich schnupperte in eine längst vergangene Arbeitswelt.

Weiter ging‘s.  Stimmt es doch? Wer rast, sitzt vorne !!!  Könnte man meinen, denn wir bekamen noch Plätze in der ersten Kirchen-Bank.

Die Bach-Kantate BWV 192 war natürlich unser musikalisches Magnet. Das übrige Programm enthielt aber noch Überraschungen bereit:

Samuel Scheidt-Motette ‚Komm Heiliger Geist‘ zum Einsingen, Bach-Motette BWV 230 ‚Lobet den Herrn‘ als vorgeschaltetes Juwel, dann Bach-Kantate BWV 192, – Pause-  Danach Orchestermusik vom Feinsten: eine Händel Sopran-Solokantate vom ‚Gespräch einer Nachtigall mit einer Verehrerin im Mondschein‘ (genannt: Il Pensioroso); ein Flötenkonzert und als Krönung dann das 5.Brandenburgische Konzert BWV 1050.

Christus Kirche-Buer-Beckhausen Blick vom Eingangsbereich durch den Mittelgang bis in den Altarraum

Es war  nicht unbedingt ein Fauxpas, wenn die Kantorin nach dem furiosen Eingangschor der Kantate zunächst einmal Halt  machte. Dem erstaunten Publikum wurden von der Pfarrerin einige musikalische Aspekte und werkgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Auch aus dem Orchester und von den Solisten (Sopran und Bass) hörte man verstehend einige Musikbeispiele, bevor es richtig los ging. Die gesamte Bach-Kantaten-Reihe firmiert ja unter dem Oberthema ‚Momente der Ewigkeit‘ So waren auch einige nachdenkenswerte Impulse zum Thema ‚Dankbarkeit‘ nicht fehl am Platze.

Wir bekamen den Eingangschor also zweimal geboten und verstanden einfach mehr:

Zu diesem Mehrwert gehörte:

Deutlicher konnte man  musikalische Themen und Aufbau verfolgen.

Das packte alles ein kleiner,  mit bis höchstens fünf SängerINNEN (nur 2 Tenöre) in jeder Stimme besetzter junger ad-hoc-Chor (Ensemble Lorica Vitae), der diszipliniert und mühelos mit klaren, reinen Stimmen das polyphone Gefüge beherrschte .

Eine handfeste, mitschwingende Kantorin, die ihrem Chor klare  Einsätze gab und einen abgerundeten Leitungs-Stil pflegte.

Ein sich steigerndes Programm, dass dem Chor Gelegenheit bot, viele Facetten seiner Möglichkeiten aufzuzeigen.

Ein Barockorchester Le Chardon, das eigene Akzente setzte.

Eine erfrischende Pause, in der man mit den Ausführenden in’s Gespräch kommen konnte und ein leckeres Büffet bereitstand. Dafür sangen wir in der Gemeinde auch gerne das der Kantate zu Grunde liegende Kirchenlied ‚Nun danket alle Gott‘ (Martin Rinckart um 1630) mit. Einfach köstlich-, Gott und sein Bodenpersonal in der Christuskirche versorgten uns an diesem Abend in  zuerst Seele und dann Leib.

Nach dem Konzert gings zurück ganzheitlich gesättigt zum Essener HBF, an dem mich Claudia absetzte. Und dank eines ICE, den mich  ein großzügiger Schaffner ohne Aufschlag benutzen ließ,  war ich ‚in rechter-guter Zeit‘ zu Hause.

Was hatte ich gelernt? An einer Bach-Kantate mit der Bezeichnung ‚ogni tempo‘ kann man sich gut ausrichten: man mag sich zwar verfahren und zur Kantate hinrasen, doch bekommt Platz noch in der ersten Reihe. Das Konzert dauert länger als eingeschätzt, aber in der Pause gibt’s zur Entschädigung Sekt und Gespräche. Unbezahlt fahr ich im ICE komfortabel, ohne in die Nacht zu kommen, bin ich zu Hause.

Darum heißt für mich ab  vergangenem Sonntag ‚Ogni tempo‘: keine Hetze,  klappt alles, erfülltes Wochenende.  Nomen est Omen

P.S. ‚Momente der Ewigkeit‘. Im Gespräch mit Claudia kam uns die Idee, anläßlich des Konzertes dieser Reihe in Hamm  am  27.6. 18 Uhr ein kleines blog-Treffen auf die Beine zu stellen. ‚Freue Dich, erlöste Schar‘ wäre dann unser Motto !!! (vgl. BWV 30).

Gruß Adamo

Leipzig- mozart-openair im Schloss und Park Güldengossa


Schloss und Park Güldengossa – Leipzig

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W.A. Mozart Symphonien Nr. 1, 40 & 41

Pfingstmontag 24. Mai 17.00 Uhr

FESTIVALORCHESTER LEIPZIG

Leitung: JÜRGEN WOLF

Flyer Schlosskonzert

Schloss und Park Güldengossa erleben eine Renaissance. Familie Geiger hat mit viel Liebe und Engagement das herrliche Ensemble aus einem langen Dornröschenschlaf wieder erweckt. Fassade und Innenräume erstrahlen in neuem, traditionsreichem Glanz. Rund herum erstreckt sich ein rekonstruiertes Ensemble historischer Gartenformen.

Schloss Güldengossa Leipzig

Dem Betrachter bietet sich ein homogenes Gesamtkunstwerk von selten anzutreffender Ästhetik. Unversehens stellt sich das Lebensgefühl einer vergangenen Zeit ein. Diesem Rausch der optischen Sinne wollen wir den musikalischen hinzufügen.

Das FESTIVALORCHESTER Leipzig unter seinem Dirigenten Jürgen Wolf lässt im Schlosspark openair Symphonien und Serenaden von Wolfgang Amadeus Mozart erklingen. Freuen Sie sich auf die „Salzburger Sinfonie“ Nr. 1, die Symphonie g-Moll Nr. 40, die berühmte „Jupiter-Symphonie“ C-Dur und das „Dorfmusikanten-Sextett!

Karten erhalten Sie an allen Vorverkaufsstellen oder unter Tel.: 034 297 – 9869 0 (Schloss Güldengossa) und an der Tageskasse.

Karten-Online:

http://www.ticketonline.com/de/de/eventid/838502-MOZART+openair/?

RUHR2010 Teil XVI: Babel-ein musikalisches Netzwerkprojekt


Der Turmbau zu Babel von P. Breughel

Bei meinem täglichen Brot, d.h. dem Surfen auf der Ruhr 2010-Seite, fällt mir das Babel Projekt ins Auge: Bis zum 23.05.2010 finden 8 Konzerte in den Ruhr-Hauptkirchen mit hochrangigen Künstlern an jedem Tag statt. Pate für dieses Projekt hat die biblische Geschichte von der Entstehung der Sprachen gestanden.  Da ja die Metropole Ruhr im Zeichen des hans werner henze „neue musik für eine metropole“ steht, findet sich im Programm auch eine bunte Mischung vom gregorianischen Choral über Bach-Kantaten, Händel-Oratorium, Stravinsky, bis zu zeitgenössischen Künstlern und natürlich Henze, die man im Glanze der Aureole der anderen Größen aber gut „ertragen“ kann. Daher bitte nicht abschrecken lassen.

Am 23.05.10 findet dann um 20.00 Uhr ein Simultankonzert in allen Hauptkirchen statt. Um 21.00 Uhr wird dann ein Film (ich habe bisher nur noch nicht entnehmen können welcher) gezeigt. Zum Abschluss „erklingt“ dann gleichzeitig in allen Kirchen gleichzeitig von John Cage „4.33“ *(haha). Der Eintritt für den Abschluss kostet 8,-Euro, je nach Veranstaltungsort sind sogar Speisen und Getränke enthalten.

LINK: www.babel2010.de

Babel-Abend 2: Dorothee Mields-Sopran, Almerija Delic-Mezzosopran, Eike Thiedemann-Alt, Knut Schoch-Tenor

Essener Kantorei+Essener Barockorchester, Institut für Computermusik und Elektronische Medien der Folkwang Universität Essen-Thomas Neuhaus, Dirk Reith, Roman Pfeifer

Na gut, in die Kreuzeskirche in Essen bin ich natürlich heute nur wegen der Kantaten“ Lobet Gott in seinen Reichen“; „Wer mich liebet, wird mein Wort halten“ und „O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“ gegangen-und weil Dorothee Mields die Solo Sopranistin war. Zu den Kantaten sage ich jetzt auch gar nicht so viel, bis auf dass es eine sehr gute Aufführung war, mit tollen Solisten und einem wunderbaren, historischen Orchester, der einzige Negativpunkt war, dass die Kirche total hallig war und man immer das Gefühl hatte, Chor und Orchester sind nicht zusammen. Ein eher grenzwertiges Erlebnis ist dann ja die „neue Musik“. Die Stücke sind Einspielungen, diesmal nicht live. Das erste Stück „Idle Chatter“ von Paul Lansky passt noch super in den Kontext von Bachs polyphonen Gepflechten hinein, präsentiert es doch rhytmisch ein Puzzle aus Gesprächsfetzen, was durchaus Groove hat. Trevor Wishart mit „Vox 5“ hat dann für mich keinen Bezug mehr zum großen Meister, depressive Stimmungen, die apokalyptische Gefühle aufkeimen lassen, Rabengekrächze, Fliegen die um einen „Haufen“ oder totes Fleisch summen, bis alles von einem Gewitter gelöscht wird. Vielleicht kennt ja jemand noch Pink Floyds experimentelle Platten wie „Ummagumma“ (speziell „Sysiphos“) oder auch die 2. Seite der „Meddle“ . Dazu dann am besten was zu Rauchen und eine 2 vor ´m Komma (ich meine natürlich Promille), sonst läßt sich das nicht ergründen. Da gehts dann wie auf einer Stimmungsfahrt von einer absoluten klanglichen Unerträglichkeit zum völligen Spannungsabfall in vollkommene Harmonik.

Von Hr. Bach mit BWV 74 wieder eingenordet, dann Roman Pfeifer „Studie über ein Lautgedicht“. Dieses Stück bewegt sich klanglich zwischen Herz-Lungen-Maschine, Intensivstation und einem vorgetäuschten Orgasmus. Zwischendurch höre ich das Pfeifen der Oberleitungen, bevor endlich meine verspätete S-Bahn einfährt, sowie ein Eckventil, das nach dem Abziehen den Wasserkasten wieder befüllt. Was für ein Schwachsinn!!! Aber warscheinlich fehlt mir der Background. Dann als letztes „neue Musik-Stück“ Dirk Reith „Sound Poem“ für Mezzo-Sopran und Sound Transducer. Ich ziehe den Hut vor der Künstlerin, die in dieser Vertonung als etwas verunglückte Walküre die Tiefen und die Höhen der Atonalität und die Abgründe von Melodik und Musikalität in kunstvollem Glissando auslotet , insgesamt war dieser Beitrag ein echter Höhepunkt. Der Komponist ist anwesend. Der Typ vor mir springt auf und schreit „Bravo“. Etwas übertrieben.

BWV 34 versöhnt mich wieder mit der Welt auch wenn das Auditorium heute auf den leider erkrankten Bass Christian Palm verzichten musste.  Insgesamt war es ein sehr interessantes Konzert, das jeden Cent wert war. Die ganze Rückfahrt kann ich mir von meiner besseren Hälfte das Lamento anhören, dass er deswegen eine neue Folge vom „Checker“ verpasst hat. Mein Musikgott hat allerdings weiterhin -wie der Allmächtige selbst – ganze 4 Buchstaben. Et in saecula saeculorum. Amen.

Gute Nacht und Friede über Israel,

Claudia

Neue Sende-Reihe in der ARD – Deutsche Komponisten und ihre Städte


Wolfgang Amadaeus Mozart (1756-1791)

Eine neue ARD-SWR-Sendereihe hat kommende Woche im Ersten einen weiteren Auftakt: Der „Musikalische Reiseführer“ begibt sich auf Spurensuche durch jene deutschen Städte, an denen bedeutende Komponisten gelebt und gewirkt haben. Das Erste zeigt an Pfingstmontag (24. Mai 2010) um 11 Uhr beschäftigt sich mit Mozart in Mannheim.

Musikalischer Reiseführer:

Folge: Mozart in Mannheim

Sendung: Pfingst-Montag: 24.05.2010 um 10:59-11:35 Uhr

W.A. Mozart hielt sich 1777/ 1778 auf der Durchreise von Salzburg nach Paris in Begleitung seiner Mutter einige Monate am kurpfälzischen Hof in Mannheim auf in der – vergeblichen – Hoffnung, eine Anstellung als Kapellmeister zu bekommen.

ARD-Sendereihe: Musikalischer Reiseführer

Mozart in Mannheim - Kurfürstliche Hof

In Mannheim komponierte der 21-jährige Mozart vor allem kammermusikalische Werke: hier entstehen fünf seiner zweisätzigen Violinsonaten und einige bedeutende Klaviersonaten, dazu einige Flötenquartette. Mozarts beide Konzerte für Flöte und Orchester wurden wahrscheinlich ebenfalls in Mannheim komponiert. Schließlich stammen eine Reihe von Konzertarien aus der Mannheimer Zeit.

In Mannheim verliebte sich Mozart in Rosa Cannabich, eine Tochter des berühmten Kapellmeisters Cannabich, und besonders heftig (und tragisch unerwidert) in die angehende Sängerin Aloysia Weber; sie war eine Schwester von Constanze Weber, die Mozart dann 1782 heiratete.

Die Mannheimer Schule

Die unter Kurfürst Carl Theodor 1757 von Johann Stamitz erweiterte Hofkapelle wurde dank ihrer hervorragenden Mitglieder, „einer Armee von Generälen“, mit einem Crescendo, Effekten wie dem „Mannheimer Seufzer“, Verzicht auf den Generalbass, zum Begriff und Vorläufer neuer Instrumentalmusik, besonders der Sinfonie. Die „Mannheimer Schule“ ist seitdem ein Begriff in der Musikwelt. Leopold Mozart rühmte sie für „die Strahlen, die von der Sonne durch ganz Teutschland, ja durch ganz Europa sich verbreiten“. Zur Hofmusik gehörten neben Stamitz weitere namhafte Komponisten wie Franz Xaver Richter, Stamitz-Sohn Karl, Christian Cannabich, Franz Danzi, Georg Joseph, genannt Abbé Vogler, Ignaz Fränzl sowie Ignaz Holzbauer. Dieser schrieb die erste große deutsche Oper „Günter von Schwarzburg“, von deren Uraufführung im Opernhaus des Mannheimer Schlosses 1776 auch Mozart beeindruckt war.

W.A. Mozart in Mannheim Schloss und Jesuitenkirche, hier spielte Mozart die Orgel

Der Film von Harold Woetzel erzählt Mozarts große Liebe zu Mannheim nach, indem er die Orte und Personen wieder zum Leben erweckt, die für Mozart wichtig waren. Viermal war Mozart in Mannheim, insgesamt 176 Tage. Hier hörte er zum ersten Mal das beste Orchester seiner Zeit und schloss enge Freundschaften mit den Ausnahmemusikern der berühmten „Mannheimer Schule“. Und er begegnetet seiner ersten großen, allerdings unglücklichen, Liebe: der damals 16-jährigen Sängerin Aloysia Weber. Der Film fragt, wo Mozart heute in Mannheim noch spürbar ist. Außerdem zeigt er auch, wie Mannheim sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Stadt mit vielen Kulturen entwickelt hat.

Link zur ARD:

http://programm.daserste.de/pages/programm/detail.aspx?id=3742CFF0B97DFB4141A5BE355042B4BA

Grüsse

Volker