. france Musique 20.00-22.30
Le concert du soir
Hector Berlioz
Requiem (op. 5, Grande Messe des Morts)
Michael Spyres, ténor The Monteverdi Choir
Choeur de Radio France
Matthias Brauer, chef de choeur
Orchestre National de France Sir John Eliot Gardiner, Direction
EN DIRECT de la Basilique Cathédrale à Saint-Denis
Dans le cadre du « Festival de Saint-Denis »
. MDR Figaro
22.00-23.00
Bachgeflüster
Martin Hoffmeister im Gespräch mit dem Dirigenten, Cembalisten und Organisten Masaaki Suzuki, Träger der Bach-Medaille der Stadt Leipzig 2012
(Aufzeichnung vom 09.06.2012, Thomascafé im Thomashaus Leipzig) .
1.7.
. Dkultur
20.03-22.00
Bachfest Leipzig
Ton Koopman dirigiert in der Nikolaikirche
Bachfest Leipzig
Nikolaikirche
Aufzeichnung vom 09.06.2012
Johann Sebastian Bach
Ouvertüre C-Dur BWV 1066 für 2 Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo
„Mein Herze schwimmt im Blut“, Kantate zum 11. Sonntag nach Trinitatis BWV 199 für Sopran, Oboe, Streicher und Basso continuo
ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
Ton Koopman im Porträt
Von Gerald Felber
„Weichet nur, betrübte Schatten“; Hochzeitskantate BWV 202 für Sopran, Oboe, Streicher und Basso continuo
Dorothee Mields, Sopran
Amsterdam Baroque Orchestra
Leitung: Ton Koopman
Dieser Abend spiegelt das Programm einer Tournee wieder, die die Künstler gerade absolvieren. Auf Bachs Pfaden wandelnd, legt man den Akzent auf seine Solokantaten, wodurch die tourende Reisegesellschaft nicht noch um einen ansonsten üblichen Chor vergrößert wird.
Die C-Dur-Overtürensuite wie auch die Kantate „Mein Herze schwimmt im Blut“ verweisen auf Bachs Köthener Schaffenszeit. Der Gedanke, dass seine Frau Anna Magdalena Wilcke eventuell sogar die Sopranpartie jener Kantate gestaltet haben könnte, ist dabei durchaus reizvoll und versagt sich auch nicht einer gewissen pragmatischen Begründung.
Auch die Kantate „Weichet nur, betrübte Schatten“ könnte spekulativ auf seine Köthener Jahre zurückgehen, jedoch sind weder Aufführungsmaterialien noch die Herkunft des Textes bislang überliefert. Einzig der weltliche Habitus dieser Hochzeitskantate könnte als Indiz für seine Jahre als Köthener Hofkapellmeister dienen. http://www.bach-leipzig.de
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 24.06.2012
begehen wir den
3. Sonntag nach Trinitatis“
Der 3. Sonntag nach Trinitatis stellt in gewisser Weise die Fortsetzung des 2. Sonntags nach Trinitatis dar, denn nun geht es um die offenen Arme, die den empfangen, der schon lange eingeladen ist. Die Gleichnisse vom „Verlorenen“ oder die Geschichte vom Zachäus unterstreichen dies sehr deutlich. Gott will die Sünder selig machen, darum geht es, und er hindert keinen einzelnen, zu ihm zu kommen. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf zeigt uns am 3. Sonntag nach Trinitatis, dass Gott gerade dem nachgeht, der in seiner Sünde gefangen ist. Wir freuen uns darüber, dass auf diese Weise auch Menschen zu seiner Gemeinde hinzukommen, die uns erst fremd und unbehaglich waren. Durch die Liebe Gottes, die in gleicher Weise uns wie ihnen gilt, werden wir fähig, diesen Menschen liebend zu begegnen.
Wochenspruch:
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.(Lk 19, 10)
Wochenlied:
Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232) oder
Jesus nimmt die Sünder an (EG 353)
Kantaten-Beschreibung: BWV 135 „Ach Herr, ich armer Sünder“
Bachs einzige andere Kantate für diesen Sonntag, BWV 135 „Ach Herr, mich armen Sünder“, wurde im Juni 1724 komponiert und vermutlich einstudiert, bevor er nach Gera reiste, um dort die Orgel zu prüfen, und das bedeutet, dass er das Werk eigentlich nie beaufsichtigte oder selbst aufführte. Diese kurze, kernige Bußkantate ist die vierte in seinem zweiten Leipziger Zyklus, Teil einer eindrucksvollen Folge, von BWV 7, mit einer einleitenden Fantasia, die einem Concerto für Violine ähnelt, und dem Cantus firmus im Tenor, über BWV 20, mit einer französischen Ouvertüre am Anfang und dem Cantus firmus im Sopran, bis hin zu BWV 2 der vergangenen Woche, die im alten Motettenstil anfängt und den Cantus firmus in der Altstimme hat. Diese Werke fügen sich zu einem faszinierenden und kontrastvollen Portfolio einleitender Chorfantasien.
Im ersten Tableau verflechtet Bach zwei Oboen über einem schlichten Unisonovortrag der Melodie des Passionschorals in den hohen Streichern (bis jetzt noch keine Basslinie!), bevor auch diese sich im Flechtwerk der Oboe verfangen. Dann setzen die Bässe ein, Cello, Bass, Fagott und Bassposaune spielen das Thema in diminuierter Form. All das fügt sich zu einem langsamen, ritualhaften Porträt eines büßenden, Gnade suchenden Sünders zusammen und ist sehr bewegend, vor allem dort, wo Bach den Schmerz durch eine Folge selbstbezichtigender erster Umkehrungen übersteigert: ‚Mein Sünd, mein Sünd, mein Sünd…’.
Diese Stimmung bleibt im Tenor-Rezitativ (Nr. 2) erhalten, wo der ‚Arzt der Seelen’ angefleht wird, den kranken und schwachen Sünder zu heilen. Trost liefert die Tenor-Arie mit zwei Oboen, indem sie schildert, wie im Tod ‚alles stille… stille… stille’ ist. Ein Alt-Rezitativ beginnt adagio, wie eine Arie, ‚Ich bin von Seufzen müde’, und fährt fort: ,mein Geist hat weder Kraft noch Macht, weil ich die ganze Nacht … in großem Schweiß und Tränen liege. Ich gräme mich fast tot und bin vor Trauern alt’ – Worte, die mich im Hinblick auf unser gegenwärtiges Finanzproblem besonders schmerzlich berührten. Und ich konnte mich mit der wunderbar trotzigen Bass-Arie identifizieren, wo sich die ersten Violinen gerieren wie virtuose Sturmschwalben: ‚Weicht, all ihr Übeltäter!’. Das ist herrrlich zornige Musik, und man kann sich vorstellen, wie Bach gegen schändliche Bösewichte wütete (von denen ihm in seinem Berufsleben genug begegneten). Er schließt mit einem erhebenden ‚Ehr sei ins Himmels Throne’ zu demselben Passionschoral von Cyriakus Schneegaß (1597), mit dem er begann.
Erstmals wagt sich ein Veranstalter daran, die theologischen, dramaturgischen und kompositionstechnischen Verbindungslinien der großen oratorischen Kompositionen Bachs in eine unmittelbare Beziehung zu setzen: Weihnachts-Oratorium, Johannespassion, Oster- und Himmelfahrts-Oratorium fügen sich zu einem inhaltlich wie musikalisch bestimmten Großprojekt zusammen. Unter Leitung von Trevor Pinnock, Thomas Hengelbrock und Sir John Eliot Gardiner werden die entscheidenden Stationen der Vita Christi an insgesamt drei Konzertabenden zu einem einzigartigen Musikerlebnis.
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Umrahmt werden die Aufführungen von den Magnificat-Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach im Eröffnungs- sowie der h-Moll-Messe im Abschlusskonzert.
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Die Thematik für das Bachfest 2013 wird Vita Christi sein.
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Sir J.E. Gardiner wird mit dem Monteverdi Choir am Donnerstag, 20.6.2013 in der Thomaskirche die „Johannes-Passion“ aufführen.
…………..
Am Samstag, 22.6.2013 erfolgt dann mit Sir J.E. Gardiner in der Nikolaikirche ein Kantatenkonzert u.a. mit den Bach-Werken:
………
BWV 249 „Kommt eilet und laufet“ und BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen.“
Was alles so möglich erscheint. Ein handschriftliches Original-Noten-Bach-Manuskript von der Kantate: „Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte“ BWV 174 – wechselt den Besitzer. Ein Vor-Besitzer aus den USA lässt für 337.250,00 £ das bei Christie’s in London versteigern. Schade, das Bach-Archiv in Leipzig wäre über einen Besitz dieses Kleinods mehr als glücklich gewesen.
Original-Bach-Noten-Handschrift der Kantate: „Ich liebe Den Höchsten von ganzem Gemüte“ BWV 174 versteigert..!! (Fotorechte: Christi’s Images Ltd 2012)
Kaum in unserer Ferienwohnung in Leipzig angekommen, mussten wir schon wieder los. Koffer blieben unausgepackt; wir durften ja die Übertragung des Eröffnungskonzertes aus der Thomaskirche auf einer Riesen-Leinwand am Marktplatz nicht verpassen und am Abend waren noch die Wandelkonzerte dran.
Wandelkonzerte am Eröffnungsabend des Bachfestes 07.06.2012
In der Mädler-Passage spielte das Zelenka Trio eine Sonata 5 in F-Dur.
In der Mädler Passage spielte das Zelenka Trio, Foto: Dirk Knofe
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Es waren vier Wandelkonzerte, von jeweils ca. ½ Stunde Dauer. Das begeisterte Publikum wanderte (wandelte) dann zum Nächsten. Herrliche Musik, ganz junge Künstler/innen; alle Stipendiaten von der Yeduhi-Menuhin-Stiftung. Wir brauchen uns um Nachwuchs wirklich keine Sorgen zu machen. In Leipzig war er von morgens bis abends in Hülle und Fülle präsent.
Irgendwann konnten wir nicht mehr; ab in die Ferienwohnung. Kofferauspacken war nicht drin – zu müde.
Am 08.06.2012
ging`s gleich morgens um 9.30 h mit der ersten Mette in der Thomaskirche los. Wieder kein Kofferauspacken; nach „Schnuppern“ im Bachmuseum, Thomaskaffee, Bacharchiv und Innenstadt kam um 18.00 h die Motette in der Thomaskirche. Leitung hatte Ludwig Böhme (er singt im Calmus-Ensemble Bass-Bariton) und hat das mit seinem noch relativ jungen Chor ausgezeichnet gemacht.
Abends kam dann der 1. dicke Hammer:
Matthäus-Passion mit Masaaki Suzuki; der nachmittags im Rathaus die Bachmedaille verliehen bekommen hatte.
Die beiden Chöre waren sehr durchsichtig; wurden im Eingangschor von Solisten des Tölzer Knabenchores unterstützt. Suzuki hat diesen Teil spitzenmäßig dirigiert. Einiges war für uns im Laufe des Konzertes sehr gewöhnungsbedürftig – teilweise schleppende Tempi dann wiederum bei Chorälen ein absolut wildes Tempo. Für kühle Nordeuropäer etwas schwierig. Nach drei Stunden MP waren wir fertig wie die Matschbrötchen und sind nur noch nach Hause geschlichen.
Kofferauspacken wieder nix.
Am 09.06.2012
morgens wieder die obligatorische Mette – die musikalische Ausgestaltung war immer beachtlich – die relativ kurzen Ansprachen der Ortspfarrer/in ebenfalls.
Dann natürlich wieder die Motette und abends ging`s in Konzert:
Ton Koopmann mit dem Amsterdamer Barockorchester und Dorothee Mields, die drei Solokantaten gesungen hat, waren für uns der absolute Höhepunkt des Bachfestes.
„Jauchzet Gott in allen Landen“ (BWV 51), „Mein Herze schwimmt im Blute“ (BWV 199), und „Weichet nur, betrübte Schatten“ (BWV 202). Ein ausgelassener Koopmann, eine sprühende, funkelnde Sopranistin (vor allem bei BWV 51 und BWV 202), ein einfühlsames Barockorchester haben uns in eine andere Welt entführt.
Am Schluss gab es 20 Min. stehende Ovationen – wir waren außer Rand und Band, keiner wollte gehen. Auch nach den Zugaben sind wir sitzen geblieben und wären sicherlich auch die ganze Nacht geblieben. Aber irgendwann mussten wir dann doch die Nikolaikirche verlassen und im Fussballgetümmel untertauchen.
An diesem Abend war an Kofferauspacken nicht zu denken.
Sonntagmorgen der obligatorische Gottesdienstbesuch in der Thomaskirche. Wieder wunderschöne Musik, dargeboten von ganz jungen Musikern/Innen. Unsere Allerwertesten wiesen schon Schwielen auf – soviel Kirchenbänke „drücken“ ist doch ungewohnt.
Über Mittag ging`s dann in die Leipziger Altstadt und um 18.00 h ins Gewandhaus.
„Kunst der Fuge“ mit der Sinfonietta Leipzig unter Stefan Asbury. Die einfachen Fugen, die Umkehrfugen, die mehrthemigen Fugen, die Spiegelfugen und Canons wurden so vielschichtig, einfühlsam aber auch packend dargestellt, dass uns der Atem stockte. Obwohl wir „Die Kunst der Fuge“ alle kennen, ist der abrupte Abbruch in der Schlussfuge, das „Aus“ jedes Mal so endgültig, dass es mich mit Angst und Schrecken erfüllt.
Nach diesem Konzert haben wir erst einmal eine Pause eingelegt.
Am 11. 06.2012
sind wir zu Freunden nach Zwickau gefahren. Andächtig haben wir vorm Schumann-Haus und Schumann-Denkmal gestanden und uns gewundert, dass die Zwickauer ebenfalls vom 07.-17.06.2012 (genau in der Zeit des Bachfestes in Leipzig) ihr Schumannfest organisiert haben. Aber so etwas müssen wir nicht verstehen.
Am 12.06.2012
haben wir uns wieder ins Leipziger Getümmel begeben und gleich zweimal die harten Stühle in der Peterskirche ausprobiert: morgens zur Mette und abends zu den Leipziger Universitätsmusiken. Diese Kaffeehauskonzerte erfreuten sich schon zu Bachs Zeiten größter Beliebtheit. Diese Dramma per Musica wurden zu bestimmten Anlässen komponiert. Ehrentage bekannter Persönlichkeiten, Huldigungsmusiken für Könige usw. Bei der Kantate „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“ war`s vom Text her fasst um unsere Fassung geschehen. Ich zitiere:
„Ja, ja, Gott ist uns noch mit seiner Hülfe nah
Und schützt Augustens Thron.
Er macht, dass der gesamte Norden
Durch seine Königswahl befriedigt worden.
…. Das macht, ihm ist es eine Lust,
der Untertanen Brust
durch Liebe mehr denn Zwang zu binden“.
Karl-Heinz`jeder 2. Satz ist bis heute: „Preise Dein Glücke gesegnetes Sachsen“ und meine stereotype Antwort: „bin ich froh, dass ich im real existierenden Kapitalismus groß geworden bin und solche Schmarren nicht mitmachen musste“. Dafür habe ich in der Schule noch zu DDR-Zeiten gelernt: „Händchen falten, Köpfchen senken, eine Minute an Väterchen Stalin denken“. Fehlte dann die passende Musik dazu.
Am 13.06.2012
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Evangelisch reformierte Kirche in Leipzig, Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen mit dem Programm: „Thomas-Kantoren“
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für uns der letzte Leipzigtag, war noch mal ein richtiger Höhepunkt.
Am frühen Abend das Treffen mit Claudia, Rüdiger, Alex, Volker und Rita und dann das sagenhafte „Abschluss-Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen.“ Nach einer rasanten Einführung in die Zeit der Thomaskantoren Bach, Moritz Hauptmann (1792-1868) und Johann Schelle (1648 – 1701; Vor-vorgänger J. S. Bachs) lieferten die Schweizer, sprich Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung unter Leitung von Rudolf Lutz ein beeindruckendes Konzert.
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Vokal-Ensemble & Orchester der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen; Leitung: Rudolf Lutz
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Wir waren ganz benommen und haben an dem Abend zusammen noch lange erzählt und geschwärmt.
Robert Schumann: Ouvertüre zu “Julius Cäsar” f-Moll, op. 128
Hector Berlioz: La mort de Cléopâtre, Lyrische Szene für Sopran und Orchester, H 36
Johannes Brahms: “Rinaldo”, Kantate für Tenor, Männerchor und Orchester, op. 50
(Aufnahme vom 28.5.2012 aus der Felsenreitschule in Salzburg)
Tallis: Te lucis ante terminum
Tallis: O nata lux
Tallis: Suscipe quaeso Domine
White: Lamentations of Jeremiah
Byrd: Laudibus in sanctis
Byrd: Ad Dominum cum tribablarer
Byrd: Turn our captivity, O Lord
Byrd: Vide, Domine, quoniam tribulor
Byrd: Vigilate
Byrd: Ave verum corpus
Byrd: Infelix ego
Tomkins: Almighty God, the fountain of all wisdom
Byrd: Non nobis Domine
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Duration: 2 hours, 30 minutes
Live from Christ Church, Spitalfields as part of the 2012 Spitalfields Festival
The Monteverdi Choir and Sir John Eliot Gardiner perform music by some of the great
masters of English Renaissance polyphony – Tallis, White, Byrd and Tomkins – presenting
an overview of the development of sacred music in England during the course of the sixteenth century.
Soli Deo Gloria -Die Leipziger Thomasschule (3/4)
Bach und die “wunderliche, der Music wenig ergebene Obrigkeit”
Von Michael Maul
Im Oktober 1730 wäre alles möglich gewesen: Aufgerieben von Grabenkämpfen mit seinen Vorgesetzten war der Thomaskantor Johann Sebastian Bach fest entschlossen, Leipzig zu verlassen. Wäre dies tatsächlich geschehen, gäbe es wohl weder das Weihnachtsoratorium noch die h-Moll-Messe. Aber wie kam es, dass die Leipziger Ratsherren, die ein paar Jahrzehnte zuvor noch als ganz besondere Beschützer der Musik galten, ausgerechnet zu Zeiten ihres berühmtesten Musensohnes das zuvor so erfolgreiche Experiment Thomanerchor einstellen wollten und dem Kantor reihenweise unmusikalische Knaben in die Schule setzten? Im dritten Teil der Sendung kommt ein zorniger und desillusionierter Bach zu Wort und werden die in seinen Augen wunderlichen Ratsherren bei ihren Diskussionen um die Zukunft der Thomasschule belauscht.
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 17.06.2012
begehen wir den
2. Sonntag nach Trinitatis“
Der Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat „die Einladung“ zum Thema. Es leitet sich ab vom Evangelium vom großen Abendmahl – der Einladung, die von den Wohlhabenden abgelehnt wird, woraufhin die Einladung an die Außenseiter und Ausgestoßenen ergeht, die sie freudig annehmen. Es geht an diesem Sonntag wohl mehr darum, darüber nachzudenken, wo Gottes Einladung an uns ergeht und wie wir darauf antworten. Die übrigen Perikopen nehmen das Thema in vielfältiger Weise auf. Am 2. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Einladung zum großen Abendmahl und danken Gott, dass er uns durch Jesus Christus teilhaben läßt an seinem Reich. Die Freude über die Einladung macht uns selbst zu Einladenden.
Wochenspruch:
Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mt 11,28)
Wochenlied:
Ich lobe dich von ganzer Seelen (EG 250) oder
Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn (EG 363)
Kantaten-Beschreibung: BWV 10 „Meine Seel erhebet den Herrn“
Zwei Wochen nach der ersten Aufführung von BWV 2 am 18. Juni 1724 stellte Bach Meine Seel erhebt den Herrn BWV 10 zum Fest Mariä Heimsuchung vor – das fünfte Werk in seinem zweiten Leipziger Kantatenjahrgang. Er schätzte es hoch genug, um es im Laufe der 1740er Jahre mindestens einmal zu wiederholen. Es war für die Liturgie des Vespergottesdienstes in Leipzig bestimmt, und sein unbekannter Librettist übernahm für die Sätze 1 und 5 das deutsche Magnificat unverändert, während es in den Sätzen 2, 3, 4 und 6 paraphrasiert wird und statt mit einem Choral mit einer Doxologie des Chors endet. Bach findet Mittel und Wege, bei dem unveränderten Text den tonus peregrinus einzuflechten, den in der lutherischen Tradition mit diesen Worten verbundenen Gemeindegesang. Dieser liefert einen faszinierenden Kontrast zu seinem lateinischen Magnificat (BWV 243), das im Jahr zuvor am Weihnachtstag (mit weihnachtlichen Einschüben) aufgeführt worden war. Wenngleich die Kantate weniger üppig instrumentiert und nicht so offenkundig theatralisch ist, steht sie im Hinblick auf handwerkliches Können und eine umsichtige Ausdeutung der Worte dem Lobgesang in nichts nach. Bachs große Aufgabe besteht hier darin, zwischen dem modalen Charakter des Tonus peregrinus und der festlichen Stimmung des Textes und seinen Vorstellungen, wie sich dieser Überschwang durch Chor und Instrumente ausdrücken ließe, eine praktikable Synthese zu schaffen. Angemessenen rhythmischen Schwung erhält die einleitende (vivace überschriebene) Choralfantasie durch Arpeggien im Stil des italienischen Violinkonzerts in den hohen Streichern und die kraftvolle Deklamation der drei tiefen Chorstimmen. In der zweiten Verszeile wandert der Tonus peregrinus, der nun den Altstimmen übertragen ist, zur Subdominante, bevor Bach die einleitende Sinfonia auf typisch kunstreiche Weise mit den Chorstimmen verflechtet, diesmal jedoch auf den Cantus firmus verzichtet.
Der zweite Satz, eine festliche Sopran-Arie in B-dur im konzertanten Stil behält den rhythmischen Schwung bei und schildert den Herrn als ‚stark und mächtig’. Ein Vergleich der autographen Partitur mit den Originalstimmen lässt vermuten, dass Bach die unisono geführten Oboen, die den vierstimmigen Satz füllen, wenn die Sopranstimme pausiert, erst dann einfügte, als er die Stimmen ins Reine schrieb. Das Tenor-Rezitativ (Nr. 3) steigert sich zu einem Melisma aus sechsunddreißig Noten, um uns jene Leute vor Augen zu führen, ‚die voller Stolz und Hoffart sind’ und die Gottes Hand ‚wie Spreu zerstreun’ wird – was auf die Lippen der Gemeindemitglieder, die sich an das peitschende Motiv des Evangelisten in der Johannes- Passion erinnerten, die sie ungefähr vier Monate zuvor gehört hatten, ein wissendes Lächeln gebracht haben mag. Darauf folgt eine prachtvolle, unerbittliche Arie für Bass, die mit hämmerndem Continuo betont, wie ‚Gewaltige vom Stuhl hinunter in den Schwefelpfuhl’ gestoßen werden, und schließlich auf sinnige Weise schildert, wie Gott die Reichen ‚bloß – und – leer’ lässt. Hier bietet sich ein faszinierender Vergleich mit dem ‚Deposuit’ aus dem lateinischen Magnificat an. Wie im ‚Suscepit Israel’ jenes Werkes verwendet Bach jetzt den (der Trompete übertragenen) Tonus peregrinus als Hintergrund für ein überaus zärtliches und lyrisches Duett zwischen Alt und Tenor (Nr. 5).
Doch vielleicht spart er sich das Beste für den Schluss auf, ein Tenor-Rezitativ (Nr. 6), das secco beginnt und dann von den hohen Streichern mit plätschernden Sechzehnteln begleitet wird. Diese schildern, wie Gottes Same ‚sich so sehr wie Sand am Meer und Stern am Firmament ausbreiten’ musste, und eine Paraphrase der Anfangsworte des Johannesevangeliums (‚das ew’ge Wort ließ sich im Fleische sehen’) beschließt die Kantate mit dem wunderschönen und trostreichen Versprechen, ‚dass Gottes Wort voll Gnad und Wahrheit sei’. Die Doxologie erinnert in der Kraft, mit der Bach den Chor die Worte deklamieren lässt – auf eine Weise, bei der er den Wechsel zwischen betonten und unbetonten Silben im Deutschen besonders geschätzt haben mag – sehr stark an Heinrich Schütz.
Das Bachfest 2012 in Leipzig wird am Sonntag, 17.6.2012 seinen krönenden Abschluss mit der h-moll Messe in der Thomaskirche finden.
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Ich/wir danken allen Blog-Teilnehmern für die herrlichen und musikalisches Stunden in Leipzig, die wir gemeinsam sehr genießen durften.
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Die Großereignisse werfen ihre Schatten voraus auf das Bachfest 2013 in Leipzig, wenn Sir Gardiner mit dem Monteverdi Choir am Donnerstag, 20.6.2013 in der Thomaskirche die „Johannes-Passion“ aufführen wird.
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Am Samstag, 22.6.2013 erfolgt von ihm dann in der Nikolaikirche ein Kantatenkonzert mit den Werken:
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BWV 249 „Kommt eilet und laufet“ und BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen.“
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Dir liebe Claudia, herzlichen Dank für die sehr aktuellen Nachrichten vom Bachfest 2013.
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Ich wünsche allen einen schönen „Trinitatis-Sonntag !“
Ein wenig spät, aber das folgende Konzert ist noch bis zum 16.6. bei BBC Radio3 zu hören.
9.6.
und die folgenden 7 Tage
BBC
18:00-20:40 (19:00-21:40) ! aber : Dauer 4 Stunden
Verdi’s Rigoletto
Duration: 4 hours
Verdi’s Rigoletto
Presented by Louise Fryer
Duke Of Mantua…..Vittorio Grigolo (Tenor)
Rigoletto…..Dimitri Platanias (Baritone)
Gilda…..Ekaterina Siurina (Soprano)
Maddalena…..Christine Rice (Mezzo-Soprano)
Sparafucile…..Matthew Rose (Bass)
Giovanna…..Elizabeth Sikora (Mezzo-Soprano)
Monterone…..Gianfranco Montresor (Baritone)
Marullo…..Zheng Zhou (Baritone)
Borsa…..Pablo Bemsch (Tenor)
Count Ceprano…..Jihoon Kim (Bass Baritone)
Countess Ceprano…..Susana Gaspar (Soprano)
Usher…..Nigel Cliffe (Tenor)
Page…..Andrea Hazell (Mezzo-Soprano)
Orchestra and Chorus of the Royal Opera
Conductor…..John Eliot Gardiner
Verdi’s tragic and provocative tale of the cynical court jester who, against his better nature, wreaks havoc with the lives of thers. But then the tables are turned and he’s doomed to bring about the death of the one person he holds most dear – his daughter Gilda. In this revival of David McVicar’s production for the Royal Opera House, Covent Garden, conducted by Sir John Eliot Gardiner, Dimitri Platanias is the hunchback jester, Ekaterina Siurina his daughter Gilda, and Vittorio Grigolo the handsome, amoral Duke who poses as a penniless student to gain Gilda’s love.
Figaro im Konzert – live
Bachfest Leipzig
Uraufführungen der Auftragswerke des Thomanerchores anlässlich des Jubiläums „800 Jahre THOMANA“
Georg Christoph Biller: St.-Thomas-Ostermusik
Johann Sebastian Bach: „Lobet Gott in seinen Reichen“, Kantate BWV 11
Hans Werner Henze: „An den Wind“, Chorstück zu Pfingsten für gemischten Chor und Instrumente
Solisten des Thomanerchores (Sopran, Alt), Martin Lattke, Tenor; Frank Ozimek, Bariton
Ensemble amarcord, Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig,
Leitung: Georg Christoph Biller
LIVE-Übertragung aus der Thomaskirche Leipzig
Beinahe jede Woche eine Uraufführung: Mit diesem Anspruch trat Johann Sebastian Bach 1723 sein neues Amt als Leipziger Thomaskantor an und komponierte in den ersten drei Jahren seines Dienstes für fast jeden Sonn- und Feiertag (außerhalb der Advents- und Fastenzeit) eine neue Kantate. Auch andere Thomaskantoren vor und nach Bach sowie weitere Komponisten der jeweiligen Epochen schufen Werke für den berühmten Knabenchor, der damit immer wieder Uraufführungen realisierte. An diese Tradition wird im Jubiläumsjahr 2012 angeknüpft, indem fünf herausragende Komponisten unserer Zeit mit Festmusiken für den Thomanerchor beauftragt wurden. Die Werke sind an fünf Festen des Kirchenjahres (Epiphanias, Ostern, Pfingsten, Reformationsfest, Weihnachten) in der Thomaskirche zu hören – und zwei davon exklusiv in einem Konzert vereint im Rahmen des Bachfestes.
15.6.
MDR Figaro
20:05-22:00
Figaro im Konzert – live
Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Stefan Asbury
Johann Sebastian Bach:
Goldberg-Variationen BWV 988 (Bearbeitung für Orchester von Jochen Neurath)
(Live-Übertragung aus dem Gewandhaus Leipzig – Ausstrahlung in Stereo und Surround)
Dkultur
20:03-22:00
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2012
Live aus der Friedenskirche Potsdam
Johann Christian Bach:
Symphonie g-Moll op. 6/VI
Sextett C-Dur op. 3
Carl Friedrich Abel: Frena le belle lagrime‹, Arie aus dem Pasticcio ›Sifari‹
ca. 20.50 Konzertpause mit Nachrichten
Joseph Haydn: Sinfonia concertante B-Dur Hob. I:105
Thomas Augustine Arne: ›A soldier tired‹, Arie aus der Oper ›Artaxerxes‹
Georg Friedrich Händel:Concerto grosso G-Dur op. 6/I
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 10.06.2012
begehen wir den
1. Sonntag nach Trinitatis“
Der 1. Sonntag nach Trinitatis hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weitertragen. Oft ist diese nicht einfach, sondern anstössig, so dass die Personen immer wieder auf Widerstand stoßen. Dennoch oder eher gerade deswegen gehören Apostel und Propheten zum Gesamtbild des christlichen Glaubens, denn sie helfen, sich auf Gottes Willen zu besinnen. Allerdings muss man sich hüten vor „falschen Propheten“, die den Glauben an die Existenz solcher Menschen mißbrauchen und schamlos ausnutzen.
Am 1. Sonntag nach Trinitatis hören wir im Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus den Hinweis auf die Propheten, die die Lebenden zu hören nicht bereit waren und auch heute oft nicht bereit sind. Auch wir verschließen oft unsere Ohren vor den wahren Propheten und neigen sie gern falschen Propheten zu. Aber das Wort Gottes läßt nicht zu, dass wir gänzlich abirren, sondern holt uns zurück und stellt uns in seinen Dienst. So sind auch wir Gesandte (= Apostel) des Herrn.
Dieser Sonntag hat die Apostel und Propheten zum Thema. Apostel und Propheten, das sind Menschen, die Gott berufen hat, damit sie seine Werkzeuge werden. Das macht sie aber nicht zu besonderen Menschen. Sie sind vielmehr Vorbilder, die uns den Weg zeigen, den Gott für uns bereitet hat; es ist der gleiche Weg, den diese Apostel und Propheten vor uns gegangen sind. Es ist der Weg Gottes, es ist der Weg des Lebens.
Wochenspruch:
Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lk 10, 16)
Wochenlied: Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124)
St. Giles Cripplegate, London am 23 – 26.. Juni 2000
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Kantaten-Beschreibung: BWV 20 „O Ewigkeit, du Donnerwort“
Noch eindrucksvoller ist die ein Jahr später komponierte Kantate BWV 20„O Ewigkeit, du Donnerwort.“ Konfrontiert mit dem verwirrenden und beunruhigenden Thema der Ewigkeit und vor allem der Ewigkeit der Hölle legt Bach ein Feuer an den Tag wie nie zuvor. Der Text erläutert das Paradoxon, dass wir nur auf unser Heil hinarbeiten können, indem wir uns mit dem Hier und Jetzt befassen. Johann Rists Choral von 1642, der insgesamt sechzehn Strophen enthält, ist hier auf zwölf verkürzt, von denen drei wörtlich beibehalten, die übrigen paraphrasiert werden. Das Werk eröffnet Bachs zweiten Jahrgang mit Kantaten, in deren Mittelpunkt ein Kirchenlied steht; das bedeutet eine radikale Veränderung, nicht nur des musikalischen Stils, sondern auch des theologischen Gewichts, das sich nun von der göttlichen Vergebung und Liebe, die in der Epistel angesprochen wird, auf die andere Seite verlagert und die Strenge des göttlichen Gerichts hervorhebt. Furcht – und nicht mehr Trost – ist jetzt das Thema, die Aussicht auf eine Ewigkeit voller Schmerz und Leiden soll den Menschen anspornen, seine Seele zu retten (Nr. 6), da noch in dieser Nacht der Sarg vor die Tür gebracht werden könnte (Nr. 9). Entnimmt Bach sein Stichwort den Apostelbriefen – ‚auf dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts’?
BWV 20 beginnt mit einer kunstvoll gearbeiteten Choralfantasie, die in der Form einer französischen Ouvertüre angelegt ist. Drei Oboen wenden sich gegen die Streicher – beide Gruppen arbeiten eine Taktlänge Sechzehntel heraus, die den Schrecken andeuten, der das Herz bis zum Hals schlagen lässt. Der Cantus firmus ‚O Ewigkeit’ mit aufsteigender Melodie, von der martialischen Tromba da tirarsi verdoppelt, trägt die drei tieferen Stimmen zu einem hohen F hinauf, bevor diese im doppelt punktierten Vortrag der Instrumente zersplittern (‚du Donnerwort’). Im Vivace vereinen sich Oboen und Streicher zu einer Doppelfuge, deren zweite chromatisch absteigt, wie es der Text nahe legt: ‚Ich weiß vor großer Traurigkeit / nicht, wo ich mich hinwende’. Die tieferen Stimmen sind jetzt weiter von der Melodie entfernt, die einige mächtige Gegenakzente aufweist und die Bässe in einer heftig ausladenden Bewegung bei dem Wort ‚Traurigkeit’ nach oben hebt. Unvermittelt kommt das Orchester auf einer verminderten Septime zum Stillstand. Aus der dramatischen Stille heraus werden knappe, Entsetzen erregende Fetzen von den Oboen zu den Streichern und zurück geschleudert, bis schließlich der Chor wieder einsetzt: ‚Mein ganz erschrocken Herz erbebt, / dass mir die Zung am Gaumen klebt’. Der in Fetzen zerrissene Vortrag kennt keine Kompromisse und lässt der Hoffnung keinen Raum. Wir scheinen ungefähr achtzig Jahre vorwärts geschleudert zu werden, in die Welt Beethovens.
Der Tenor setzt die qualvolle Stimmung fort (Nr. 2 und 3) – ‚Ja,
wie selbst Jesus spricht, / aus ihr ist kein Erlösung nicht’ – und führt die
Angst, die Pein und das angesichts der Höllenqual bebende Herz mit gewaltiger Kraft vor Augen.
Bach verwendet als thematisches Material ein buntes Arsenal: lange Noten und sich wellenförmig bewegende Achtel, die auf die Ewigkeit hindeuten, Appoggiaturen, die sich kettenartig über gewundene Figurationen erstrecken und die Angst erkennen lassen, wilde Läufe für die ‚Flammen, die auf ewig brennen’, aufgerissene Fetzen, chromatisch und synkopiert, für das bebende Herz. Jähe Pausen am Phrasenende betonen den Eindruck von Zerrissenheit und Schrecken. Doch diese ausschweifende dramatische Metaphorik ist völlig nahtlos in das Gesamtkonzept integriert.
Der Bass-Solist steigt für Rezitativ und Arie (Nr. 4 und 5) wieder hinauf in seine Kanzel – in unserer Aufführung im wahrsten Sinne des Wortes, da Dietrich Henschel von seinem Platz in der letzten Reihe des Chores mit entschlossenen Schritten auf sein Ziel zusteuerte –, um ein weiteres Mal über das Grauen nachzusinnen, das ‚tausend Millionen Jahr / mit allen Teufeln’ bereithalten. Plötzlich sind wir in der Welt der Opera buffa – besser gesagt, in einer Welt der Enten, davon drei (Oboen) und ein Fagott, die in liebenswürdigem Einvernehmen schnatternd seiner Feststellung ‚Gott ist gerecht’ zustimmen. Die Stimmung scheint entsetzlich aus den Fugen geraten. Haben uns Feuer und Schwefel bislang an der Nase herumgeführt? Oder war das eine List, in der Absicht ersonnen, die Düsternis zu vertreiben – wie bei der Entlüftung eines Heizkörpers, der unter zu hohem Druck steht – und der inzwischen übel zugerichteten Christenseele einen Schimmer Hoffnung zu geben? Dietrich Henschel meinte, Bach wolle hier betonen, dass es wirklich ‚kein Problem’ gebe: Der Gläubige brauche bloß Gott zu vertrauen. Wir könnten fast sehen, wie er sich in seinem Sessel zurücklehnt, seine Lieblingspfeife schmaucht und zufrieden Rauchringe vor sich hin bläst. Indessen lässt sich nur kurze Zeit erleichtert aufatmen. Die sonderbare Fortsetzung, eine Aria (Nr. 6) im Dreiertakt für Alt und Streicher, ‚O Mensch, errette deine Seele’, wird mit einer verstiegenen rhythmischen Verlagerung präsentiert, die zweifellos ‚Satans Sklaverei’ symbolisiert – regelmäßige 3/4-Takte wechseln mit einzelnen oder doppelten Hemiolen. Auf eine noch befremdlichere Weise lässt Bach die zweite Phrase des Sängers nur vom Orchester wiederholen – ein ‚Nachspiel’ mit schweigendem Sänger, dreiundzwanzig Takte lang von insgesamt vierundsechzig. Eine pessimistische, wenn nicht gar alle Hoffnung verneinende Strophe des Chors (Nr. 7) beschließt den ersten Teil: ‚Solang ein Gott im Himmel lebt…, wird solche Marter währen’.
Welchen Text hat der Pfarrer für seine Predigt verwendet? Vielleicht den Aufruf an die verlorenen Schafe, aus dem Sündenschlaf zu erwachen, der das Thema der wundervollen Bassarie in C-dur für Trompete und Streicher (Nr. 8) ist und den zweiten Teil einleitet, Bachs Antwort auf Händels Ruf ‚The trumpet shall sound’ aus dem Messias. Die Arie ist für Sänger und Trompeter gleichermaßen strapaziös, verlangt technische Sicherheit und einen dramatischen Vortrag.
Der Altsolist versteigt sich nun in eine bedrohliche Tirade gegen die Welt der Sinneslust, die zu einem Duett zwischen Alt und Tenor nur mit Continuo (Nr. 10) überleitet, das aus Abfolgen von sechs Akkorden über einer zerfahrenen Linie aus Achtelnoten besteht und in seiner spannungsvollen Dichte bereits auf Verdi hindeutet. Die parallelen Terzen und Sexten in den Gesangsstimmen weichen zunächst imitierenden und antwortenden Phrasen, dann einer üppigen und gequälten Chromatik, wenn sie den blubbernden Strom und das ‚Tröpflein Wasser’ schildern, das dem dürstenden Reichen verwehrt wird. Die Stimmen vereinen sich zu einem letzten Ruf nach dem verbotenen Wasser, der Continuo spielt verstohlen ein letztes Stückchen des Ritornells, dann… Düsternis… Überblende. Unvergleichlich! Erst der abschließende Choral (Nr. 11), der diesmal mit der inständigen Bitte an Gott endet, von den Qualen des Lebens, den Versuchungen und dem schaurigen Gespenst der Ewigkeit befreit zu werden, bringt in diese technicolorgetönte Kantate einen Schimmer Hoffnung.
Masaaki Suzuki erhält Bach-Medaille der Stadt Leipzig 2012
Die Bach-Medaille 2012 der Stadt Leipzig wird am Freitag (8. Juni 2012) an den japanischen Dirigenten und Organisten Masaaki Suzuki verliehen. Suzuki habe sich in seiner Heimat Japan als Organist, Cembalist und Dirigent insbesondere um die Verbreitung des Werkes von Johann Sebastian Bach verdient gemacht, begründete die Jury ihre Entscheidung, wie das Bach-Archiv Leipzig mitteilte. Er habe “ein Bewusstsein für eine wissenschaftlich und historisch orientierte Aufführungspraxis im seit jeher in Japan sehr geschätzten Repertoire Bachs geschaffen”.
Pure Freude kommt auf für den Bachfreund/in in OWL (Ostwestfalen-Lippe) mit dieser Ankündigung, dass im Kalenderjahr 2013 in Detmold das nächste Bachfest 2013 von der Neue Bachgesellschaft, Leipzig, vor der Haustüre stattfinden wird.
Das 88. Bachfest im Kalenderjahr 2013 der Neuen Bachgesellschaft e.V., veranstaltet von der Hochschule für Musik Detmold in Kooperation mit der Stadt Detmold findet vom:
03. bis 12. Mai 2013
in Detmold (OWL) statt.
Motto: Bach – Lehrer und Gelehrter
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46 Veranstaltungen an 19 Spielstätten: Das ist das Bachfest 2013 in Detmold. werden der renommierte Pianist Martin Stadtfeldt, aber auch so hochkarätige Ensembles wie das WDR-Rundfunksinfonieorchester und das Freiburger Barockorchester zu Gast sein. „Aber auch Professoren unserer Hochschule und Studierende werden Konzerte geben“, kündigt Vogel an. Das Ballett des Landestheaters wird zusammen mit dem Auryn Quartett der Hochschule eine Choreographie zu Bachs „Kunst der Fuge“ auf die Bühne bringen.
Ein internationaler Orgelwettbewerb, der sonst in Münster stattfindet, wird 2013 unter dem Dach des Bachfestes über die Bühne gehen. Außerdem werden Experten aus der ganzen Welt in einem dreitägigen musikwissenschaftlichen Symposium neueste Forschungsaspekte zum Thema „Johann Christoph Friedrich Bach“ diskutieren. Dieser Bachsohn wirkte als so genannter „Bückeburger Bach“ lange Jahre am Bückeburger Hof.
Es ist soweit, der großartige Kinoerfolg von März 2012
„DIE THOMANER“
Herz und Mund und Tat und Leben –
ist bereits als DVD im Handel erhältlich. Kurz nach Bekanntgabe der DVD gehen spontane Bestellungen ein und beweist, dass dieser Film die Bach-Familie und Thomaner-Enthusiasten erreicht hat.
Wir konnten uns den Film in Bielefeld mit einigen Blog-Mitgliedern im März 2012 ansehen und waren von dem Inhalt und der Musik begeistert. Die Zeit verging viel zu schnell und hätten gerne weiter zugesehen und zugehört. Die Kritik fiel sehr positiv aus und können das nur vollauf bestätigen und freuen uns nun über die Veröffentlichung als DVD.
Im Kalenderjahr 2012 feiert der berühmte Thomanerchor Leipzig sein 800-jähriges Bestehen. In altbewährter Tradition haben auch heute noch Jahr und Tag der Internatsschüler strikte Abläufe.
Der Film profitiert von der Erfahrung der beiden Regisseure Günter Atteln und Paul Smaczny mit Musik-Dokus. Sie zeichnen ein umfassendes, einfühlsames Bild des Lebens der begabten Jungen, in dessen Mittelpunkt ganz klar die Musik steht.
Film „DIE THOMANER“
Neben dem Gymnasium stehen für die neun bis 19 Jahre alten Knaben Chorproben, Klavierunterricht, Stimmbildung und vieles mehr auf dem Stundenplan. Von den Aufnahmeprüfungen der neuen Sänger bis hin zur Verabschiedung der Abiturienten zeigt diese Dokumentation ein ganzes Jahr im Leben der Thomaner. Beeindruckend verdeutlichen die Livemitschnitte der Konzerte das hohe musikalische Niveau des Leipziger Traditionschores. Meist begleitet vom Gewandhausorchester Leipzig brillieren die Sänger nicht nur auf ihrer Südamerika-Tournee, die das Filmteam begleitete.
„Ein Film, der durch erstklassige Musik und stimmliche Erlebnisse beeindruckt und die wunderbare Möglichkeit bietet den weltweit erfolgreichen Chor ganz aus der Nähe zu erleben und hinter die Kulissen zu blicken.
Im Rahmen des Bachfestes Leipzig wird der Film am 17. Juni 2012, um 11.30 Uhr in den Passage Kinos Leipzig gezeigt.
„DIE THOMANER“ ist ein unterhaltsamer Film, der durch erstklassige Musik und uns durch die stimmliche Präsenz beeindruckt hat. Wunderbar gelungen, den Chor in seiner täglich Arbeit im Alumnat und Konzerten erleben zu können. Günter Atteln und Paul Smaczny ist ein überwältigend schöner Film gelungen der Klassikfreunde und Nichtkenner der Klassik als ein Familienfilm sehr zu empfehlen ist.
Dieser Artikel wird am 13. September 2012 erscheinen.
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Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
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eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 03.06.2012
begehen wir den
Sonntag ”Trinitatis“
Das Wort Trinitatis ist zusammengesetzt aus den lateinischen Worten „Tri“ und „unitatis“, was so viel bedeutet wie „Drei in Einheit“. Es wird damit das theologische Dogma der Dreieinigkeit (die Personen von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist in einem Wesen) zum Ausdruck gebracht. Im Deutschen spricht man dann von der Trinität, die oftmals in Form eines Dreiecks, in dem ein Auge abgebildet ist, zur Darstellung kommt.
Das Trinitatisfest gibt es erst seit etwa 1000 Jahren, wobei es noch über eine längere Zeit Differenzen darüber gab, ob es überhaupt gefeiert werden solle.
Für die protestantische Kirche jedenfalls hat das Trinitatisfest eine größere Bedeutung gewonnen als für die römische Kirche. Es ist das Fest des Glaubensbekenntnisses, und so wurde an diesem Tag das Bekenntnis besonders geehrt durch Gesang und die Verlesung der zwei anderen Bekenntnisse, die nur noch in wenigen Gemeinden gesprochen werden, aber auch zu den Bekenntnisschriften der Lutherischen Kirche gehören: das sog. Nicänum und das Athanasianum.
Nach dem Trinitatisfest beginnt eine Zeit, die oft als die „festlose Zeit“ bezeichnet wird. Das aber trifft nicht zu, denken wir an die verschiedenen Feste wie Johannis, Michaelis, oder das Reformationsfest, ganz abgesehen von den zahlreichen Apostel- und Evangelistentagen in dieser Zeit.
Mit dem Trinitatisfest erreicht das Kirchenjahr gewissermaßen einen ersten Abschluß. Während in der 1. Hälfte des Kirchenjahres über die bestimmten Offenbarungen Gottes in der Geschichte nachgedacht wurde, ist Trinitatis das Fest, an dem es um das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit selbst geht. In der dem Fest folgenden Zeit denken wir darüber nach, wie die christliche Gemeinde den Glauben an diesen dreieinigen Gott in ihrem Leben umsetzt.
Am Trinitatisfest denken wir darüber nach, wie sich Gott uns in verschiedenen Gestalten, als Schöpfer im Vater, als Versöhner im Sohn und als Mittler im Geist, offenbart. Dieser Dreifaltigkeit des einen Gottes gehen wir auch im Glaubensbekenntnis nach, ohne recht das unergründliche Geheimnis verstehen zu können. Um so mehr danken wir Gott, dass er uns an diesem Offenbarungsgeschehen auf vielfache Weise teilhaben läßt.
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Wochenspruch:
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jes 6, 3)
BWV 129 „Gelobet sei der Herr, mein Gott“ Kantate zum Sonntag Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Pauken, Streicher und Basso continuo Yukari Nonoshita, Sopran Robin Blaze, Countertenor Peter Kooij, Bass
Videos mit Bach-Kantatenzum Sonntag – „Trinitatis“
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BWV 129 – Gelobet sei der Herr, mein Gott
BWV 165 – O heilges Geist- und Wasserbad
BWV 176 – Es ist ein trotzig und verzagt Ding
BWV 194 – Höchsterwünschtes Freudenfest
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/YouTube: BWV 129 – “Gelobet sei der Herr, mein Gott” – (Interpret: Leonhardt)
Kantaten-Beschreibung: BWV 176 „Es ist ein trotzig und verzagt Ding“
Bachs zweiter Leipziger Kantatenjahrgang erreicht seinen Höhepunkt mit der letzten Kantate des aus insgesamt neun Werken bestehenden Miniaturzyklus auf Texte von Christiane Mariane von Ziegler: BWV 176 „Es ist ein trotzig und verzagt Ding.“ Und das gilt nicht nur für ‚aller Menschen Herze’, sondern auch für diese Vertonung. Ziegler interpretierte den Besuch, den Nikodemus Jesus heimlich nur bei Nacht abzustatten wagte, als eine typisch menschliche Neigung (daher auch das Zitat aus Jeremia) und gab somit Bach Gelegenheit, zwischen störrischer Aggression und feiger Schwäche einen dramatische Gegensatz zu schaffen. Bach eröffnet das Werk mit einer aufsässigen, entrüsteten Darbietung dieses Spruchs, einer kernigen vierstimmigen Choralfuge, die gegen eine, an das fünfte Brandenburgische Konzert erinnernde Streicherfanfare gesetzt ist. Das gilt allerdings nur für die erste Hälfte, wo die Verzierung der Melodie bis zu der verminderten None auf ‚trotzig’ emporeilt, wo dann, auf der Höhe, eine schmelzende und seufzende Figur über einem beharrlichen Streicherfundament die ‚trotzige’ Seite der Dinge betont.
Diese auf- und absteigende Silhouette bleibt während der ganzen Fuge, zweieinhalb Expositionen ohne Ritornelle lang bestehen, wobei die Stimmen von den drei Oboen verdoppelt werden, während die Streicher zwischendem kraftvollen Motiv aus dem fünften Brandenburgischen Konzert und einem klagenden Kontrapunkt pendeln. Ich frage mich, ob dieser faszinierende Kommentar zur Situation des Menschen nicht Bachs eigene Meinung widerspiegelt, vor allem im Hinblick auf die widerborstige Haltung des Konsistoriums in Leipzig? Wie auch während seiner übrigen Zusammenarbeit mit Frau von Ziegler (die leider oft nicht verfügbar war, wenn er einen bestimmten Text vertonte) muss der Dialog zwischen Bach und seiner Textdichterin recht produktiv gewesen sein. Die Fassungen, die sie später veröffentlichte, weichen in einigen Details, manchmal beträchtlich von den Texten ab, die Bach vertont hatte.
Diese doppelte Facette im Verhalten des Menschen wird auch im weiteren Verlauf der Kantate erkundet: Die im Alt-Rezitativ (Nr. 2) geschilderte Begegnung zwischen Nikodemus (Nacht) und Jesus (Tag) ist auch in der als Gavotte gearbeiteten Sopran-Arie in B (Nr. 3) gegenwärtig, wo der befangene, unschlüssige und doch glückliche Gläubige dem rebellischen Geist gegenübergestellt wird, den der Anfangschor schildert. Nikodemus nimmt im Bass-Rezitativ (Nr. 4) Gestalt an, und Bach kommentiert Zieglers Text mit den Worten ‚weil alle, die nur an dich glauben, nicht verloren werden’ in einem ausgedehnten Arioso, das ihre Bedeutung unterstreicht. Eine Dreiheit von Oboen begleitet in symbolischem Unisono die Altstimme in der abschließenden Arie ‚Ermuntert euch, furchtsam und schüchterne Sinne’.
Die auf- und absteigende Bewegung bleibt sogar im Schlusschoral erhalten, wo sich ein melodischer Bogen über die ersten vier von insgesamt fünf Phrasen erstreckt. Wenn der unachtsame Zuhörer zu dem Schluss gelangt sein sollte, die Kantate werde genau hier auf der Subdominante enden, zerstört Bach die Symmetrie und fügt zwei weitere Takte hinzu. Mit dieser Auflösung in sehr viel höherer Lage demonstriert er, wie sehr Gott ‚hoch über alle Götter’ erhaben ist und in seiner Dreieinigkeit – ‚ein Wesen, drei Personen’ – die Frommenbeschützt und errettet. Zum Widerspruch herausfordernde Gedanken die Fülle und ihre musikalische Exegese beschließen somit diesen zweiten Leipziger Kantatenjahrgang.
Eine Einführung zum Konzert wird an gleicher Stätte um 19:00 Uhr gegeben. Eine Platz-Reservierung findet zu beiden Veranstaltungen nicht statt so dass ein rechtzeitiges Erscheinen ratsam erscheint..!!
Die J.S. Bach-Stiftung führte im April 2012 in St. Gallen und im Mai 2012 beim Bach-Fest in Schaffhausen die Matthäus-Passion auf. Die nachfolgende Rezension dazu war überwältigend. Ein Download der Rezension – als PDF – der örtlichen Zeitung aus Schaffhausen kann vorgenommen werden.
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Am 28.05.2012
begehen wir den
Feiertag ”Pfingstmontag“
Das Pfingstfest hat seinen Ursprung im jüdischen Festkalender, wo es zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte (2. Mose 23, 16) war. Es wird später als „Wochenfest“ bezeichnet (2. Mose 34, 22) und (wohl erst in nachalttestamentlicher Zeit) 50 Tage (= Pentekoste = Pfingsten) nach dem Passah-Fest angeordnet.
Die Kirche feierte das Fest schon früh als Fest der Ausgießung des Geistes, und bald bekam es eine eigene Vigilfeier, in der nun neben Ostern ein zweiter Ort für Tauffeiern geschaffen war. Zeitweise wurde das Fest auf acht Tage ausgedehnt (Oktav), später dann auf vier bzw. drei Tage verkürzt.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest, jedoch ohne Vigil. Es ist der Kirche als ein besonderes wichtiges Fest bis heute erhalten geblieben.
An diesem Tag wird zeichenhaft der Wille Gottes zur Versöhnung der Menschen mit ihm dadurch deutlich gemacht, dass die Sprachverwirrung, die in Babel aufgrund des Turmbaus erfolgte, nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden ist.
Am Pfingstfest feiern wir die „Geburt der Kirche“. An diesem 50. Tag nach Ostern hat Gott seinen Geist auf die Gemeinde ausgegossen und seitdem nicht von ihr genommen. So denken wir nach über das, was in der Bibel vom Geist Gottes gesagt wird, und erkennen, wie der Geist Gottes auch heute unter uns wirkt.
Am Pfingstmontag hören wir von den vielfältigen Gaben, die Gott durch seinen Geist den einzelnen Glieder der Gemeinde gegeben hat. so verschieden diese Gaben auch sind, werden die einzelnen Glieder doch durch den Geist zusammengefügt zu einemLeib, in dem alle einander dienen.
Wochenspruch:
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sach 4, 6)
Holy Trinity, Long Melford, am 11. und 12. Juni 2000
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Kantaten-Beschreibung: BWV 173 “ Erhöhtes Fleisch und Blut“
Ich kann nicht verstehen, warum sich Wissenschaftler so sehr erregen, wenn es um musikalisches Material geht, das Bach aus eigenen Werken entlehnt hat, als hätte eine derartige Praxis etwas grundsätzlich Anrüchiges. Man sollte meinen, Händel hätte mit seiner Gewohnheit, Themen anderer Komponisten als Initialzünder zu verwenden, wenn die Muse ihre Mitarbeit verweigerte, eine einträglichere Zielscheibe bieten können. Nun ist es so, dass alle Kantaten für Pfingstmontag, die aus Bachs Leipziger Zeit erhalten sind, in mehr oder weniger großem Umfang als weltliche Musik entstanden waren, die er ein paar Jahre zuvor für die Höfe in Weimar und Köthen komponiert hatte – und die sich für diese Zwecke nicht weniger gut eignete. Wenngleich Bach darauf bedacht war, den theologischen Aspekt herauszuarbeiten, der die grundsätzliche Ungleichheit zwischen Gott und den Menschen betont, besonders zu dieser Zeit des Jahres, und wenn er auf das Wunder verwies, dass sich Gott die Herzen der Menschen zur Wohnstatt erwählt hat, so ließ sich doch die Hommage an einen Fürsten im Wesentlichen in der gleichen Weise ausdrücken wie die Huldigung Gottes. Die Musik – seine Musik – verfolgte das Ziel, die Kluft zwischen weltlicher und göttlicher Herrlichkeit zu überbrücken. Jeder Herrscher übte in seinem eigenen Bereich unangefochtene Macht aus. Das war ein eiserner Grundsatz des Luthertums, ein Prinzip, das Bach, dessen Ernennung zum Thomaskantor in Leipzig in erster Linie der Intervention der absolutistischen Partei im Stadtrat zu verdanken war, bereitwillig unterstützte.
So wurde ein Lobpreis, den Bach für seinen musikbegeisterten Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen 1717 zum Geburtstag geschrieben hatte, ohne dass große Änderungen nötig geworden wären, in Leipzig als Kirchenkantate aufgeführt, vermutlich am 29. Mai 1724. Leider sind für BWV 173„Erhöhtes Fleisch und Blut“ weder Partitur noch Einzelstimmen erhalten, doch stellt sich die Frage, ob nicht Bach das Werk, ebenso wie BWV 59 für den (gestrigen) Pfingstsonntag, noch vor seiner Ankunft in Leipzig zusammengestellt hatte, weil er für Pfingsten 1723 seine Aufführung erwartete, und aus diesem Grunde die Solostimmen auf Sopran und Bass reduzierte – wie bei dem weltlichen Vorbild für die Komposition (BWV 173a) und bei BWV 59.
Die Fassung, die wir aufgeführt haben, folgt der Reinschrift, die Bach für eine Wiederaufführung um 1728 in Auftrag gegeben hatte. Hier werden aus den zwei Solostimmen vier, und das abschließende Duett ist zu einem Chor erweitert (Nr. 6). Für Bachs Verfahrensweise lässt sich angesichts einer Gebrauchsmusik von solcher Qualität, die zu gut war, um über Bord geworfen zu werden, leicht Verständnis aufbringen, zumal dann, wenn die Zeit drängte und für drei aufeinander folgende Tage des Pfingstfestes Kantaten zu liefern waren. Wie in vielen Werken Bachs, die er für Köthen schrieb, sind vier der sechs Sätze dieser Kantate von Tänzen inspiriert oder aus Tänzen erwachsen, während die beiden anderen (die Rezitative Nr. 1 & 5) nach regulären Versformen gefertigt wurden, vielleicht von Bach selbst, und nicht in dieser Weise niedergeschrieben worden wären, wenn er sie von Anfang an als Rezitative geplant hätte. Bach entnimmt sein Stichwort dem Tagesevangelium (Johannes 3, 16–21), das mit den Worten ‚Denn also hat Gott die Welt geliebt’ beginnt, ersetzt ‚Durchlauchtster Leopold’ durch ‚Erhöhtes Fleisch und Blut’, behält das Metrum bei, verändert jedoch die Melodielinie entscheidend und bringt diese Veränderungen in seine alte Partitur ein.
Die restliche Aufgabe war sehr viel einfacher: Es galt, den Namen Leopold zu tilgen und Bezüge auf die Lesung (Apostelgeschichte 10, 42–48) einzuflechten, die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Heiden und die damit verknüpfte Dankbarkeit (in Nr. 2, 3 & 6). Seine geschickteste und drastischste Änderung ist im Duett (Nr. 4) zu finden, wo der Bezug auf Leopolds ‚Purpursaum’, unter dem seine Untertanen ‚die Freude nach dem Leide’ finden, durch die Worte ‚so hat Gott die Welt geliebt’ ersetzt wird, während beide Texte in der nach wie vor passenden Erklärung gipfeln, dass wir in den Stand versetzt werden sollen, ‚Gnadengaben zu genießen, / die wie reiche Ströme fließen’. Das ist die originellste Nummer der Kantate; ein arglos klingendes Menuett in G für Streicher liefert in Viertelnoten dem Bass (Strophe 1) ein Thema, verändert seine Bewegung zu Achteln und moduliert durch den Quintenzirkel aufwärts nach D, nimmt zwei Flöten auf, wechselt unterwegs zum Sopran über (Strophe 2), erblüht in den ersten Violinen zu einem Perpetuum mobile aus Sechzehnteln und erreicht A-dur, um mit einem Duett zu enden. Der abschließende Chor ist ebenfalls ein Menuett, allerdings völlig anderen Charakters, und die Anzahl der Stimmen wurde von zwei auf vier erweitert.
Kirche St. Jakob in Köthen – J.S, Bach Kantate – BWV 172 „Erschallet ihr Lieder“ – Eingangs-Satz.
„Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten!“ (BWV 172) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1714 in Weimar für Pfingsten und führte sie dort in der Schlosskapelle am 20. Mai 1714 zum ersten Mal auf.
Die Kantate ist gesetzt für vier Solisten, Chor und ein festliches Orchester: drei Trompeten, Pauken, Oboe (in späteren Fassungen Oboe d’amore oder Orgel), Streicher, Violoncello, Fagott und Basso continuo. Der Text für die Sätze 1 und 3 bis 5 wird Salomon Franck zugeschrieben.
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Am 27.05.2012
begehen wir den
Feiertag ”Pfingstsonntag“
Das Pfingstfest hat seinen Ursprung im jüdischen Festkalender, wo es zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte (2. Mose 23, 16) war. Es wird später als „Wochenfest“ bezeichnet (2. Mose 34, 22) und (wohl erst in nachalttestamentlicher Zeit) 50 Tage (= Pentekoste = Pfingsten) nach dem Passah-Fest angeordnet.
Die Kirche feierte das Fest schon früh als Fest der Ausgießung des Geistes, und bald bekam es eine eigene Vigilfeier, in der nun neben Ostern ein zweiter Ort für Tauffeiern geschaffen war. Zeitweise wurde das Fest auf acht Tage ausgedehnt (Oktav), später dann auf vier bzw. drei Tage verkürzt.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest, jedoch ohne Vigil. Es ist der Kirche als ein besonderes wichtiges Fest bis heute erhalten geblieben.
An diesem Tag wird zeichenhaft der Wille Gottes zur Versöhnung der Menschen mit ihm dadurch deutlich gemacht, dass die Sprachverwirrung, die in Babel aufgrund des Turmbaus erfolgte, nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden ist.
Am Pfingstfest feiern wir die „Geburt der Kirche“. An diesem 50. Tag nach Ostern hat Gott seinen Geist auf die Gemeinde ausgegossen und seitdem nicht von ihr genommen. So denken wir nach über das, was in der Bibel vom Geist Gottes gesagt wird, und erkennen, wie der Geist Gottes auch heute unter uns wirkt.
Wochenspruch:
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sach 4, 6)
Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:30 Uhr
BWV 172„Erschallet, ihr Lieder“
Barbara Schlick (Sopran)
Kai Wessel (Countertenor)
Christoph Prégardien (Tenor)
Klaus Mertens (Bass)
Amsterdam Barockchor und Orchester Leitung: Ton Koopmann
Holy Trinity, Long Melford, am 11. und 12. Juni 2000
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Kantaten-Beschreibung: BWV 59 “ Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“
Die Entstehungsgeschichte von Bachs zweiter Pfingstkantate BWV 59 Wer mich liebet, der wird mein Wort halten I wirft interessante biographische Fragen auf. In einem seiner häufigen Beschwerdebriefe an den sächsischen König schreibt er, er habe seine Funktion ‚bey der Universität Anno 1723 am PfinkstFest’ angetreten. Alfred Dürr erklärt nun kategorisch, das Autograph der Kantate sei allerspätestens für den Pfingstsonntag 1723 geschrieben worden, obwohl die erhaltenen Stimmbücher erst aus dem folgenden Jahr stammen. Es scheint, als habe Bach das Werk zusammengestellt, bevor er Köthen verließ, und dabei altes Material verwendet. Hat Bach sich also an jenem bedeutenden Tag, am Pfingstsonntag 1723 (16. Mai), zwei Wochen vor seiner berichteten Ankunft in der Stadt, dem Leipziger Publikum in der Universitätskirche mit der Aufführung dieser viersätzigen Kantate vorgestellt, oder war das ein Plan, der nur nicht verwirklicht wurde? Man könnte die begrenzte Instrumentierung (keine Bläser, keine dritte Trompete), Beschränkung der Solopartien auf Sopran und Bass und den Verzicht auf einen abschließenden Chor als geschickte Anpassung an die bescheidenen Möglichkeiten der an der Universität verfügbaren musikalischen Kräfte interpretieren. Wie so oft beweist Bach, dass Goethes Ausspruch ‚In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister’ seine Richtigkeit hat – oder wie Alfred Dürr sagt, er war ‚ein Meister selbst in der Beschränkung’.
Der Anfangssatz ist eine Wonne in seiner Synthese aus italienischem Kammerduett und festlicher Instrumentierung, gleichwohl taktvoll zurückhaltend. Viermal wird das biblische Motto von den beiden Sängern im Kanon vorgetragen, dann ein fünftes und letztes Mal homophon in parallelen Sexten, das Signal für die Instrumente, endlich zu beginnen und in einem Postludium voller Überschwang den Worten des Heilands Majestät zu verleihen. Das von den Streichern begleitete Rezitativ für Sopran gehört stilistisch zu einigen Stücken, die Bach in seinen Weimarer Jahren schrieb, und gipfelt in einem wehmütigen Arioso-Gebet, dass ‚ihn auch ein jeder lieben sollte’. Dass an dieser Stelle nun ein Choral (Nr. 3) steht, ist ein wenig merkwürdig, doch als Appell an den Heiligen Geist, Gnade zu schenken, durchaus angemessen. Luthers Pfingstlied aus dem Jahre 1524 täuscht hier mit den unabhängigen Stimmen, die Bach der Bratsche und der zweiten Violine gibt, ein üppiges Stimmengeflecht vor. Die abschließende Arie für Bass mit obligater Violine konzentriert sich noch einmal auf die ‚Herrlichkeit’, dass Gott durch die Liebe und den Heiligen Geist ‚in unsern Herzen thronet’. Ist das wirklich der Schluss? Der Bemerkung ‚Chorale seque’ ist kein eindeutiger Hinweis darauf zu entnehmen, wie Bach fortzufahren gedachte. Eine Wiederholung des vorigen Chorals, dem die dritte Strophe von Luthers Kirchenlied unterlegt ist, scheint eine plausible Lösung.
Kirche St. Jakob in Köthen – J.S, Bach Kantate – BWV 172 „Erschallet ihr Lieder“ – Eingangs-Satz.
„Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten!“ (BWV 172) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1714 in Weimar für Pfingsten und führte sie dort in der Schlosskapelle am 20. Mai 1714 zum ersten Mal auf.
Die Kantate ist gesetzt für vier Solisten, Chor und ein festliches Orchester: drei Trompeten, Pauken, Oboe (in späteren Fassungen Oboe d’amore oder Orgel), Streicher, Violoncello, Fagott und Basso continuo. Der Text für die Sätze 1 und 3 bis 5 wird Salomon Franck zugeschrieben.
Ein freudiges Wiedersehen mit Sir Gardiner wird es im Juni 2013 geben, ich danke @Barbara, für diesen Hinweis. Der Artikel enthält folgende Passage:
…..Lang Lang war eine große Show. Und wir hoffen mit diesem Zugpferd nun auch für das Kernfestival weitere Zuschauer gewonnen zu haben. Aber so einen Star bekommen Sie nur zu Terminen, die er vorschlägt, da muss man dann zugreifen.
Das ist übrigens auch bei John Eliot Gardiner so, der uns ja ständig verbunden ist. Im Juni 2013 wird er wieder bei uns dirigieren, natürlich Bach: Oster-Oratorium und Pfingstkantaten….
Wünsche allen ein sonniges und schönes Pfingstfest.
Liebe Grüße
Volker
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Bariton -„Dietrich Fischer-Dieskau“ (1925-2012)
„Jahrhundertsänger“ Dietrich Fischer-Dieskau gestorben
Der als „Jahrhundertsänger“ bezeichnete Bariton Dietrich Fischer-Dieskau ist tot. Fischer-Dieskau starb kurz vor seinem 87. Geburtstag in Berg am Starnberger See. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Fischer-Dieskau als „Jahrhunderterscheinung“, die Bayerische Staatsoper bezeichnete ihn als prägend für die heutige Kunst des Singens.
Fischer-Dieskau kam am 28. Mai 1925 in Berlin zur Welt. Nachdem seine früh entdeckte musikalische Begabung durch den Zweiten Weltkrieg zunächst an ihrer Entfaltung gehindert wurde, begann er 1947 dann umso rasanter seine Sängerkarriere. Diese sollte insgesamt 45 Jahre andauern und ihn nach Einschätzung des Dirigenten Leonard Bernstein zum bedeutendsten Sänger des 20. Jahrhunderts machen. Besonders seine Schubert-Interpretationen gelten bis heute als Maßstab.
Nach ersten Auftritten in Leipzig und Berlin erhielt Fischer-Dieskau bereits 1948 an der Städtischen Oper Berlin, der heutigen Deutschen Oper, ein Engagement als erster lyrischer Bariton. Die Deutsche Oper würdigte in einer Erklärung zum Tod ihres Ehrenmitglieds dessen „unvergleichliche Stimme, seine Präsenz und Ausstrahlung auf der Bühne und auf dem Konzertpodium“. Diese seien „bis heute unerreicht geblieben und eingebrannt im Gedächtnis der Musikfreunde in aller Welt“. Mit seiner Kunst hat Fischer-Dieskau „hohe Maßstäbe gesetzt für die kommende Sänger-Generation.“
Der am 28. Mai 1925 in Berlin geborene Künstler hatte am 31. Dezember 1992 seine Gesangskarriere beendet. Er verabschiedete sich damals mit einer Gala an der Bayerischen Staatsoper.
Unter Karl Richter sang Dietrich Fischer-Dieskau in einigen Bach-Kantaten-Oratorien und erinnert sich an diese Zeit:
Dietrich Fischer-Dieskau über seine Zusammenarbeit mit Karl Richter
(aus der Buch-Dokumentation „Karl Richter in München – Zeitzeugen erinnern sich“) …Unglaublich aber immer wieder die Gedächtnisleistung: Ihm war das gesamte Tastenwerk wie alles, was Bach der menschlichen Stimme anvertraut hat, im Kopf und sofort verfügbar. Oft war er bis zum Konzertbeginn nicht völlig sicher, was auf dem Programmzettel stand. Und im Grunde konnte erst auf dem Weg über seine Interpretationen auf der Orgel oder dem Cembalo wirklich ermessen werden, wie seine Bach-Auffassung sich von Jahr zu Jahr rundete: von äußerster Strenge und Sachlichkeit ausgehend, wuchs er zum Ausdruck jener glutvollen Frömmigkeit, die ihn beseelte….
Karl Richter Performers: Münchener Bach-Chor, Münchener Chorknaben, and the Münchener Bach-Orchester.
Soloists: Ernst Haefliger, Keith Engen, Irmgard Seefried, Antonia Fahberg, Hertha Töpper, Dietrich Fischer-Dieskau, and Max Proebstl
Johann Sebastian Bach, Cantata „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“, BWV 92
6. Aria (bass): „Das Brausen von den rauhen Winden“
Bass: Dietrich Fischer-Dieskau Münchener Bach-Orchester: Karl Richter
Recorded in Munich, Herkulessaal, May/June/October 1973, January 1974
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Karl Richter
Performers: Münchener Bach-Chor, Münchener Chorknaben, and the Münchener Bach-Orchester.
Christ Lag in Todesbanden (BWV 4) – 6 Versus V
Performer: Dietrich Fischer-Dieskau, Theo Adam, Fritz Kiskalt, Andreas Schwinn, Edgar Shann
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Faksimile – „Lobe den Herrn, meine Seele“ – BWV 143
Leipzig – Die Kantate “Lobe den Herrn, meine Seele” von Johann Sebastian Bach wird zum diesjährigen Bachfest in ihrer mutmaßlichen Originalfassung in Leipzig aufgeführt. Jüngere Forschungen hätten ergeben, dass die Kantate in C-Dur und nicht, wie bisher angenommen, in B-Dur notiert war, wie das Bach Archive Leipzig am Montag mitteilte. In seiner mutmaßlichen Originalfassung ist das Werk mit drei Trompeten und Pauken besetzt.
Rätsel um Bach-Kantate BWV 143 gelöst? −Aufführung der neu edierten Fassung beim Bachfest Leipzig
Die Kantate »Lobe den Herrn, meine Seele« BWV 143 stellte die Bach-Forschung bislang vor Rätsel. Angesichts fehlender Originalhandschriften wurden auch Echtheitszweifel an dem Werk geäußert, das 1964 im Rahmen der Neuen Bach-Ausgabe einzig nach Quellen des 19. Jahrhunderts ediert werden konnte.
Seither hat sich die Quellenlage der Kantate insoweit verbessert, als nun eine Partiturabschrift des 18. Jahrhunderts mit einem verlässlicheren Notentext verfügbar ist, der zugleich die Zweifel an der Authentizität zerstreuen hilft. Der Musikwissenschaftler Dr. Andreas Glöckner erläutert: »Es sind von einigen bachschen Werken neue Editionsquellen aufgetaucht, die einen verlässlicheren Quellentext gegenüber den bislang erreichbaren bieten.«
Bei der Edition des Werkes im Rahmen der vom Bach-Archiv Leipzig besorgten und vom Bärenreiter-Verlag Kassel publizierten revidierten Neuen Bach-Ausgabe konnte herausgefunden werden, dass das Werk ursprünglich nicht nur in einer anderen Tonart notiert war, sondern auch eine andere Instrumentalbesetzung hatte. In seiner mutmaßlichen Originalgestalt ist das wohl zwischen 1709 und 1711 entstandene Werk mit drei Trompeten und Pauken besetzt und steht in der Tonart C-Dur – nicht in B-Dur, wie bisher angenommen.
In dieser Fassung erklingt die Festkantate erstmalig am Sonntag, dem 17. Juni 2012 in einem Gottesdienst anlässlich des Bachfestes Leipzig in der Thomaskirche. Der Thomanerchor und das Gewandhausorchester musizieren unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller. Der Bärenreiter-Verlag Kassel publiziert neben der Partitur auch das vollständige Aufführungsmaterial und den Klavierauszug (Editionsnummer: BA 10143). Der Notenband wird im Juni erscheinen. Er enthält neben der Festmusik BWV 143 auch die Weimarer Kantaten »Der Himmel lacht! Die Erde jubiliert« BWV 31 und »Bereitet die Wege, bereitet die Bahn«BWV 132.
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Johann Sebastian Bach’s Bibeln
Wiedervereint: Bachs Bibeln kehren für eine Ausstellung im Bach-Museum Leipzig an den Thomaskirchhof zurück – Eine erst kürzlich gefundene Merian-Bibel aus Bachs Besitz wird erstmals ausgestellt.
Eine kostbare von Abraham Calov kommentierte Luther-Bibel aus dem Besitz des Komponisten Johann Sebastian Bach kehrt als Leihgabe des
Concordia Seminary (St. Louis, Missouri) nach über 250 Jahren an den Leipziger Thomaskirchhof zurück.
Ab dem 10. Mai 2012 wird diese Bibel in der Kabinettausstellung »Bach · Bibel · Gesangbuch« erstmals seit 1969 in Deutschland gezeigt. Gemeinsam mit einer im Merian-Verlag erschienenen Luther-Bibel, die erst kürzlich als Bachs Exemplar identifiziert wurde, bildet die Calov-Bibel mir ihren zahlreichen Randnotizen Bachs den Kern der
neuen Ausstellung in der Schatzkammer des Bach-Museums Leipzig.
Die Ausstellung »Bach · Bibel · Gesangbuch« widmet sich der theologischen Bibliothek des Thomaskantors. Johann Sebastian Bach war bibliophil interessiert.
Den Schwerpunkt der Bachschen Bibliothek bildeten lutherische Klassiker, darunter zwei Gesamtausgaben der Werke Martin Luthers sowie verschiedene
Einzelausgaben, etwa die Tischreden.
Bachs Nachlassverzeichnis nennt 52 theologische Werke, die in mindestens 81 Bänden erschienen sind, und führt damit nur einen kleinen Teil des Buchbestandes auf, den Bach tatsächlich besessen hat. Vieles war offenbar bereits vorher unter den Erben verteilt worden, darunter musiktheoretische Werke, Bücher zum Thema Orgelbau oder Werke zeitgenössischer Theologen – sämtlich Bereiche, die in der Auflistung fehlen.
Der Dirigent Philippe Herreweghe ist ein Meister der historischen Aufführungspraxis. Erneut hat er Bachs „h-Moll-Messe“ eingespielt, nun in wirkungsvoller Schlichtheit.
Ihre unerbittlichsten Kritiker sind die Künstler selbst. Kaum haben sie ihre neuen Platten aus der Folie gerissen und erstmals als Normalhörer aufgelegt, stellen sie missglückte Übergänge, mangelnde Inspiration, verwackelte Töne fest. Bei den Aufnahmesitzungen hatte niemand gemeckert. Nun aber keimt der Gedanke: So darf das nicht stehen bleiben. Und er denkt schon an die nächste Einspielung. Natürlich handelt es sich bei den angeblichen Fehlern um Petitessen, doch unter der Lupe vergrößern sie sich zu Monstern.
Niemand kann dem Dirigenten Philippe Herreweghe nachsagen, dass er sein Juwel, Bachs h-Moll-Messe, bislang mit schmutzigen Pfoten aus der Vitrine geholt hat. Herreweghe hat sich ihr stets auf Zehenspitzen und mit Handschuhen genähert, andächtig und umsichtig, er hat die besten Kräfte zusammengezogen. Stets wähnte man sich bei den Aufnahmen von 1988 und 1998 im Bereich der Spitzenklasse, die erste war bei Virgin, die zweite bei Harmonia Mundi erschienen. Jetzt hat Herreweghe sein eigenes Label Phi gegründet und Bachs Opus summum abermals aufgenommen. Nun muss der Künstler gegen sich selbst konkurrieren….
The album is packaged in a hard back book similar to our other releases. It contains 44 pages booklet with original notes by John Eliot Gardiner and texts in German, English and French. Dreißig Jahre nach der großartigen ERATO-Einspielung handelt es sich hier um eine Neuaufnahme der Bach-Motetten aus 2011.
CD-Inhalt:
„Singet dem Herrn Ein Neues Lied“ BWV 225 – „Der Geist hilft Unser Schwachheit auf“ BWV 226 – „Jesu, meine Freude“ BWV 227 – „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ BWV 228 – „Komm, Jesu, komm“ BWV 229 – „Lobet den Herrn, Alle Heiden“ BWV 230 – „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ BWV 159 Anh.III.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 20.05.2012
begehen wir den
Sonntag ”Exaudi“
Der Name dieses Sonntags leitet sich ab von dem Beginn der lateinischen Antiphon: Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te; miserere mei, et exaudi me! (Ps 27,7;). Der Sonntag ist schon deutlich auf Pfingsten bezogen dadurch, dass er die wartende Haltung der Gemeinde und damit ihre Abhängigkeit vom Heilswirken Gottes herausstreicht, und von daher eigentlich nicht mehr Bestandteil des Osterfestkreises, der mit Christi Himmelfahrt abschloss. Allerdings hat man sich im neuen Evangelischen Gottesdienstbuch nicht dazu durchringen können, als liturgische Farbe violett zu wählen, obgleich diese Farbe sicherlich angemessen wäre.
Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln. In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt. Am Sonntag Exaudi hören wir die Verheißungen des Geistes und beten, dass dieser Geist unter uns sei und wirke. Wohl wissen wir von Pfingsten her, dass der Geist Gottes schon ausgegossen ist auf alles Fleisch, aber oft erkennen wir unsere eigene Trägheit, die dem Wirken des Geistes keinen Platz gewährt. Aufgrund der Verheißungen aber glauben wir, dass der Geist uns erfüllt und unsere Trägheit von uns nimmt.
Wochenspruch:
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich alle zu mir ziehen. (Joh 12, 32)
Kantaten-Beschreibung: BWV 183 „Sie werden euch in den Bann tun“
Bachs zweite Vertonung unter dem Titel „Sie werden euch in den Bann tun“ BWV 183, ein Jahr später geschrieben, diesmal auf einen Text von Christiane Mariane von Ziegler, ist von noch höherem künstlerischen Format und auf ein theologisches Ziel anderer Art gerichtet. Sie erweckt den Anschein, als hätten Bach und Ziegler beschlossen, entweder unabhängig voneinander oder vom Leipziger Klerus dazu genötigt, das Evangelium etwas hoffnungsvoller auszulegen. Da Pfingsten immer näher rückte, mag Bach seine Textdichterin überredet haben, die zahlreichen theologischen Themen, die er in den Wochen zuvor ausgegraben hatte, sich noch einmal vorzunehmen und in eine neue Ordnung zu bringen: weltliche Verfolgung (Nr. 1), Ungemach, das Jesus durch seine schützende Hand lindert (Nr. 2), Trost, den Jesus durch seinen Geist spendet (Nr. 3), Vertrauen auf die Führung des Heiligen Geistes (Nr. 4) und schließlich die Aufgabe des Heiligen Geistes, die Menschen zu lehren, wie sie richtig beten sollen, um göttlichen Beistand zu erlangen (Nr. 5).
Der einleitende Spruch, ein fünf Takte umfassendes Accompagnato, wird von vier Oboen (zwei d’amore und zwei da caccia) vorgetragen, was in Bachs Schaffen außerhalb seines Weihnachtsoratoriums einmalig ist. Und als Symbol für den Weg aus der Verzweiflung lässt er die erste Oboe hier sogar in die Höhe klimmen. Diese Passage ist der prägnanteste und dramatischste Auftakt zu einer Kantate, den Bach jemals geschrieben hat, so völlig anders als seine Lösung im vergangenen Jahr, als er den gleichen Text mit einem siebenundachtzig Takte umfassenden Duett und einem Chor von weiteren fünfunddreißig Takten vertont hatte! In der sich anschließenden monumentalen Arie in e-moll für Tenor mit viersaitigem Violoncello piccolo beteuert der Sänger, er ‚fürchte nicht des Todes Schrecken’, obwohl ihn jede einzelne reich verzierte und fiebrige Synkopierung und die unterlegten rhythmischen Muster Lügen strafen. Unterdessen setzt das Cello mit dahinfegenden Arpeggien unbeirrt seinen lichtvollen Weg fort.
In gewisser Weise ist diese Arie eine intime scena, die uns zeigt, wie sich der Gläubige müht, seine Angst vor der Heimsuchung und einem unerquicklichen Ende zu überwinden, ständig gestützt von den tröstenden Klängen seines Begleiters, des Cellos – als Symbol für den im Text genannten ‚Schutzarm’. (Mir drängte sich hier eine Parallele auf zu der Beziehung zwischen Menschen und ihren ‚Dämonen’, die Philip Pullman in seiner Trilogie His Dark Materials beschreibt.) Am Ende des B-Teils scheint der reuige Sünder zuversichtlicher geworden zu sein, denn eine Modulation nach G-dur verweist auf die ‚Belohnung’, die seinen Verfolgern bald zuteil werden wird. Es ist eine lange Arie, äußerst anspruchsvoll für den Sänger und ebenso für den Cellisten. Unter dem honigfarbenen Fächergewölbe der Sherborne Abbey wirkte sie ätherisch und einfach überwältigend.
Noch einen einzigen Takt gewährt Bach der positiven Tonart G- dur, bevor er in dem Accompagnato für Alt, ‚Ich bin bereit, mein Blut und armes Leben vor dich, mein Heiland, hinzugeben’, wieder nach e-moll zurückkehrt. Besonders typisch für dieses Rezitativ ist der viermal erfolgende Austausch von vier Noten zwischen den beiden Oboenpaaren, die wir antiphonal eingesetzt haben. Chafe erkennt in dem tritonusähnlichen Nebeneinander von fis und C (bereits im B-Teil der vorigen Arie vorhanden) ein ‚auf Transformation gerichtetes harmonisches Geschehen’, das widerspiegelt, ‚wie der Geist im Innern erlebt wird’ als Reaktion auf eine plötzlich auftretende menschliche Schwäche (‚gesetzt, es sollte mir vielleicht zu viel geschehen’).
Dieses dient dazu, die Entwicklung der spirituellen Thematik in dieser (sehr viel klarer angelegten) Kantate zu verdeutlichen, da sie in einem Wechsel zum C-dur der Sopran-Arie (Nr. 4) gipfelt, einem munteren und eleganten Tanz im Dreiertakt, offensichtlich dazu bestimmt, die Wirkung des Heiligen Geistes auf die Gläubigen zu feiern. Hier sind die beiden Oboen da caccia als Vermittler aktiv, verdoppeln die ersten Violinen in der Oktave und machen sich dann mit ihren eigenen Melismengirlanden auf den Weg. Selbst im B-Teil der Arie legt Bach Wert darauf, auf die Schwachheit der Menschen im Gebet und die Mittlerrolle des Heiligen Geistes zu verweisen, indem er in die Tonarten d, g und c modulatorisch abtaucht (so wie er es in Nr. 6 von BWV 87 zwei Wochen zuvor gehandhabt hatte), bevor er sich wieder in C-dur etabliert. Zudem lenkt er die Aufmerksamkeit auf den Gegensatz zwischen dem positiven Wirken des Heiligen Geistes (vergnügte, aufsteigende melodische Figuren auf den ersten Violinen, die von den Oboen da caccia verdoppelt werden) und sein Umherirren in den düsteren Winkeln des menschlichen Herzens (abwärts ziehende Arpeggien im Continuo). Schließlich füllt Bach, da er ja vier Oboen zur Verfügung hat, seinen Abschlusschoral (auf die Melodie ‚Helft mir Gottes Güte preisen’ aus einem Lied Paul Gerhardts) mit ungewöhnlich üppigen Mittelstimmen, vielleicht um hervorzuheben, wie das Gebet zum Himmel steigt: ‚es steigt und lässt nicht abe, bis der geholfen habe, der allein helfen kann’.
Kirche St. Jakob in Köthen – J.S, Bach Kantate für den Sonntag: Cantate – BWV 172 „Erschallet ihr Lieder“ – Eingangs-Satz.
„Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten!“ (BWV 172) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1714 in Weimar für Pfingsten und führte sie dort in der Schlosskapelle am 20. Mai 1714 zum ersten Mal auf.
Die Kantate ist gesetzt für vier Solisten, Chor und ein festliches Orchester: drei Trompeten, Pauken, Oboe (in späteren Fassungen Oboe d’amore oder Orgel), Streicher, Violoncello, Fagott und Basso continuo. Der Text für die Sätze 1 und 3 bis 5 wird Salomon Franck zugeschrieben.
stelle ich für jeden Feiertag und Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag/Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 17.05.2012 begehen wir den Feiertag: „Himmelfahrt“
Das Fest Christi Himmelfahrt ist als selbständiges Fest erst im 4. Jahrhundert bezeugt, wurde aber schnell zu einem Fest von großem Ansehen, an dem Prozessionen begangen wurden und die Himmelfahrt durch Hochziehen einer Christusfigur veranschaulicht wurde. Später trat noch eine Vigil hinzu und endlich auch eine Oktav.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest und behielt teilweise die bildliche Darstellung der Himmelfahrt bei. Erst in der Aufklärung wurde das Fest regelrecht gefährdet, aber es kam höchstens zu Verlegungen auf den Sonntag Exaudi, nicht aber zur Abschaffung des Festtages. Das Wort Jesu: “Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott” (Joh 20, 17) ist nun verwirklicht. Er, der Auferstandene, erfüllt mit seiner Herrschaft Himmel und Erde, er umspannt alles Sichtbare und Unsichtbare.
Christi Himmelfahrt ist das Fest der Thronbesteigung Christi. Er tritt seine Herrschaft an zur rechten Hand Gottes, ist einerseits mitten in seiner Kirche, der er sich in Brot und Wein gibt, und andererseits kann er nicht mit der Größe des Weltalls erfaßt werden. Der Tag wird aber erst vollständig mit der Verheißung in Apg 1, 11: “Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.” – Wir sehen nicht hinter dem fortgehenden Jesus her, sondern können und sollen dem kommenden Jesus entgegensehen!
Im Gottesdienst wird die Osterkerze, die Zeichen für die Gegenwart des Auferstandenen unter den Menschen ist, nach der Verlesung der Himmelfahrtsgeschichte gelöscht. Die Jünger verharren ängstlich und unwissend über das Kommende in ihren Behausungen. Sie warten auf den ihnen verheißenen Geist; diese Erwartung wird auch in den Gebeten dieses Tages und des kommenden Sonntags Exaudi ausgesprochen. Noch 10 Tage dauert es, bis diese Erwartung erfüllt wird. Der Feiertag Christi Himmelfahrt ist die Thronbesteigung Jesu und damit ein äußerst großartiges Fest.
Wochenspruch: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich alle zu mir ziehen. (Joh 12, 32)
.Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:40 Uhr
Johann Sebastian Bach:
Gott fähret auf mit Jauchzen, Kantate BWV 43
Barbara Schlick, Sopran / Catherine Patriasz, Alt
Christoph Prégardien, Tenor / Peter Kooy, Bass
Collegium Vocale Gent /
Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:30 Uhr
Johann Sebastian Bach:
„Gott fähret auf mit Jauchzen“ BWV 43
Barbara Schlick (Sopran)
Catherine Patriasz (Alt)
Christoph Prégardien (Tenor)
Peter Kooy (Bass)
Chor und Orchester des Collegium Vocale
Leitung: Philippe Herreweghe
Himmelfahrtskantaten in London, St. Giles, am Donnerstag, 10.05.2012
mit dem
Monteverdi Choir,
den English Baroque Solists
Leitung:Sir J. E. Gardiner
St. Giles Cripplegate, London
Solisten:
Lenneke Ruiten
Sopran
Meg Bragle
Mezzosopran
Andrew Tortise
Tenor
Dietrich Henschel
Baß
Im ersten Konzert um 18.30 h kamen zur Aufführung:
Auf Christi Himmelfahrt allein
BWV 128
uraufgeführt:
10. Mai 1725
Wer da gläubet und getauft wird
BWV 37
18. Mai 1724
Lobet Gott in seinen Reichen
BWV 11
19. Mai 1735
Innerhalb von 11 Jahren, von Mai 1724 bis Mai 1735, hat J. S. Bach die Himmelfahrtskantaten und das Himmelfahrtoratorium geschrieben und aufgeführt. Es sind großartige Werke, die einen alles Irdische vergessen lassen und mitnehmen in schwindelerregende Höhen.
Dazu diese erstklassige Besetzung: Die English Baroque Soloists sind einfach nicht zu toppen. Es war ein einziges Swingen und Jazzen, teilweise auch Rocken. Allen voran Prof. Niesemann an seiner Oboe. Zauberei, Magie! Für mich war er das absolute Highlight. Ich habe mich nach den beiden Konzerten bei ihm bedankt. Er schien ganz überrascht, hatte wohl selbst gar nicht gemerkt, wie großartig er gespielt hat.
Der Chor war in ausgezeichneter Form, die Solisten brillant und der Sir einfach genial. Er hat uns alle mitgerissen. In einer kleinen, launigen Rede während einer kurzen Umbauphase hat er sich in beiden Konzerten bei allen für die geleistete Unterstützung bedankt. Selbst aus Afrika, China oder Australien waren Spenden gekommen, um die Lücke in der Reihe der CDs der BachCantataPilgrimage zu schließen. Die Finanzierung für diese Aufnahme wurde erst durch eine gewaltige Spendenaktion möglich. Während der Pilgrimage im Jahr 2000 konnten nur die Himmelfahrtskantaten wegen eines technischen Defektes nicht live aufgenommen werden. Das wurde jetzt in London nachgeholt.
Sir Gardiner – First Tutti for our Ascension Cantata concerts… (Fotorechte: Soli Deo Gloria, England)
Im zweiten Konzert um 20.30 h waren die Musiker/innen, Sänger/innen und Solisten außer Rand und Band, schmetterten, posaunten und jubelten.
Auf Christi Himmelfahrt allein
BWV 128 (Wiederholung)
s. o.
Gott fähret auf mit Jauchzen
BWV 43
30. Mai 1726
Lobet Gott in seinen Reichen
BWV 11 (Whlg. und Krönung)
s. o.
Die absolute Krönung für mich war das BWV 11 Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“.
Alle Erdenschwere schien aufgehoben. Das Frohlocken der Instrumente und der Jubel des Chores haben mir ganz persönlich ein Stückchen Himmel auf Erden gezeigt.
Der Applaus am Ende dieses Konzertes wollte kein Ende nehmen. Auch nach der obligatorischen Zugabe konnte ich mich nur schwer vom Ort des Geschehens lösen.
Ich möchte die einzelnen Kantaten und das Oratorium nicht kommentieren. Das können andere besser. Ich möchte Euch einfach nur an meiner Freude teilhaben lassen; Freude darüber, dass ich diese beiden außerordentlichen Konzerte live erleben konnte, dass meine Gesundheit mitgespielt hat und ich um mich herum immer nette Menschen hatte, die mir meine Fragen beantwortet und weitergeholfen haben.
Einen Wehrmutstropfen habe ich allerdings zu verzeichnen: Meine Kamera hat in London kurzerhand ihren Geist aufgegeben, so dass ich trotz aller Bemühungen vom Konzert und den Örtlichkeiten kein einziges Bild machen konnte. Für mich habe ich mit den Augen fotografiert, seht`s mir nach.
Solisten:
Barbara Bonney und Dorothea Röschmann, Sopran
Eirian James, Mezzosopran / Petra Lang, Alt Christoph Prégardien und Michael Schade, Tenor
Olaf Bär, Bariton / Cornelius Hauptmann, Bass
Wolfgang Knauer, Erzähler
NDR Chor
Dirigent: John Eliot Gardiner
Robert Schumann: Das Paradies und die Peri, weltliches Oratorium für Soli, Chor und Orchester op. 50
Aufzeichnung vom 26.2.1993 in der Laeiszhalle Hamburg
Was Robert Schumann an Thomas Moores Dichtung „Das Paradies und die Peri“ fesselte, ist der Reichtum an Stimmungen und an Gefühlsüberschwang, der die Handlung um die sündige, um Erlösung ringende Peri einhüllt. Sündig geworden und aus dem Paradies gewiesen, steht Peri vor Edens Tor, voll Sehnsucht um Rückkehr bittend. Liebe, Reue, Erlösung – drei zentrale Themenkreise der Romantik sind hier angesprochen. Dreimal schweift Peri durch die Welt – nach Indien, Ägypten und Syrien, und bietet dar, was sie findet, zweimal vergebens: den letzten Blutstropfen eines sterbenden Freiheitshelden und den letzten Seufzer eines Mädchens, das freiwillig dem von der Pest dahingerafften Geliebten folgt. Erst die Reuetränen eines lasterhaften Menschen, der in einem betenden Knaben sein einstiges Ebenbild entdeckt, verschaffen der Peri erneut Zugang zum Paradies.
Robert Schumann war sich der Originalität und des Wertes seiner an Einfällen schier überquellenden Komposition sicher. Der jahrzehntelang andauernde Erfolg seiner Peri-Vertonung hat ihm recht gegeben.
John Eliot Gardiner hat das weltliche Oratorium im Februar 1993 mit exzellenten Solisten in Hamburgs Laeiszhalle zur Aufführung gebracht.
17.5.
HR2
20:05 Uhr – 21:30 Uhr
Das Ensemble „Europa Galante“ spielt Bach
Leitung: Fabio Biondi
1. Orchestersuite C-Dur BWV 1066
3. Orchestersuite D-Dur BWV 1068
2. Orchestersuite h-Moll BWV 1067
4. Orchestersuite D-Dur BWV 1069
(Aufnahme vom 4. April 2011 im Palau de la Música Catalana in Barcelona)
Die vier Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach sind, anders als die sechs Brandenburgischen Konzerte, kein zusammenhängender Zyklus. Auch über die Entstehungszeit und die Entstehungsbedingungen, die Auftraggeber und die Anlässe für die einzelnen Werke besteht bis heute keine Klarheit. Als musikalisches Vorbild gelten die Ouvertüren Jean-Baptiste Lullys. Der französische Hofkomponist von Ludwig XIV. hatte sie seinen Balletten vorangestellt. So sind es auch Tanzformen wie Courante, Sarabande oder Gigue, auch Bourée, Gavotte und Menuett, aus denen Bachs Orchestersuiten bestehen. Ob er drei von ihnen für den Hof von Weimar oder von Köthen schrieb, wo er von 1708 bis 1717 bzw. 1717 bis 1723 Hofkomponist war, wissen wir nicht. Bekannt hingegen ist, dass er alle vier Suiten gern mit dem Leipziger Collegium Musicum im Zimmermannschen Kaffeehaus aufführte. Auch heute noch gehören die vier Orchestersuiten, auch Ouvertüren genannt, mit ihrer Virtuosität, konzertanten Eleganz und ihrem zum Teil festlichen Glanz zu den beliebtesten weltlichen Orchesterwerken Bachs.
„Europa Galante“, das von Fabio Biondi gegründete und nach wie vor geleitete Ensemble, gilt als eines der führenden italienischen Barockorchester.
hr2-kultur sendet die Aufnahme des Konzerts vom 4. April 2011 im Palau de la Música Catalana in Barcelona.